Der kauende Brandschutz

Ein Blick nach unten und man will seinen Augen nicht trauen. Im Landeanflug auf den Flughafen von San Francisco kann man derzeit eine Herde Ziegen am Rande der Landebahn sehen. Mümmelnd, kauend, fragend durch die Gegend schauend. Das mit den startenden und landenden Flugzeugen habe etwas Zeit gebraucht, aber mittlerweile kümmert es keine Ziege und keinen Bock mehr, was da rumdüst.

„Goats R Us“ heißt das Unternehmen, das die Herde Ziegen hierher gebracht hat. An einen Punkt des Flughafens, der nicht mit Maschinen gemäht werden darf, denn hier brütet eine Schlange und ein Frosch, die beide unter das Artenschutzgesetz fallen. Also, musste ein natürlicher Weg gefunden werden, und kauende Ziegen war genau die Lösung. „Goats R Us“ ist praktisch ein Herdenverleih.

Auch die East-Bay Hills, die Hügel gleich am Rand von Oakland, werden derzeit von Ziegen bevölkert, die sich durch das Unterholz und vertrocknetes Gras fressen. Die steilen und dichtbewachsenen Hänge sind schwierig vom Überwuchs zu befreien, deshalb fressen sich schon seit Jahren Sommer für Sommer die Ziegen durch das vertrocknete Gras. Man hat aus der Katastrophe von 1991 gelernt, als genau hier in den Hills von Oakland und Berkeley fast 3500 Häuser in einem gigantischen Feuer in Schutt und Asche aufgingen, 25 Menschen starben und ein Sachschaden von mehr als eineinhalb Milliarden Dollar entstand.

Die Ziegen sind also eine billige und effektive Lösung im Kampf gegen die jährlich wiederkommenden Brände in Kalifornien. Die Wiederkäuer können zwar nicht die Feuer an sich verhindern, aber sie schaffen es, in vielen Gebieten den Feuerwehren eine bessere Ausgangsposition bei der Bekämpfung von Bränden zu geben. Damit ist eigentlich allen gedient. Die Ziegen sind satt, die Feuerwehren beruhigt, vorbeischlendernde Spaziergänger und Kinder hoch erfreut. Nur die vorbeitrabenden Hunde sind etwas verunsichert, wenn ihnen mehrere Dutzend Ziegen entgegenstarren.