Das besondere Oakland

Foodtrucks liefern die kulinarische Vielfalt.

San Francisco ist „The City“, Oakland „The Town“. Hier die glänzende Weltmetropole am Golden Gate, da die stiefschwesterliche Gemeinde auf der anderen Seite der Bay. Oakland wird gerne übersehen. Oakland, eine Stadt, die von Touristen meist gemieden wird. Und doch, es ist die Stadt in meinem Leben geworden, in der ich nun fast am längsten gelebt habe. Meine Wurzeln liegen in Nürnberg, so richtig erwachsen wurde ich in Oakland.

„The Town“ hat viel zu bieten. Kunst und Kultur, eine „Waterfront“, wunderbare Kneipen und Restaurants, kleine, heimelige Nachbarschaften, Redwood Trees und fantastische Ausblicke. Und da sind die vielen Angebote, die Oakland zu etwas ganz besonderem machen. Gestern Abend fand wie an jedem Freitag wieder „Friday Nights at the OMCA“ statt. Das „California Museum of Oakland“ ist dabei bis 22 Uhr geöffnet, Live-Musik, Bars und ein gutes Dutzend Foodtrucks laden die wunderbar vielfältige und vielgesichtige Community von Oakland ein. Das Museum wird so zu einem Treff- und Mittelpunkt der Stadt.

Partystimmung am Freitagabend im Museum.

Die Dorothea Lange Ausstellung „Politics of Seeing„, die derzeit noch im Museum zu finden ist, kann man sich mehrmals ansehen. Langes Fotos sind zeitlos, hochpolitisch, engagiert. Gerade in diesen Tagen der politischen Krise in den USA. Farbenfroh dagegen die Roy De Forest Bilder „Of dogs and other people„. Nicht ganz mein Geschmack, aber ein erhellender Gegensatz zu der Schwere im Nachbarraum. Dazu noch die vielen anderen Ausstellungsstücke des OMCA.

Und draussen tobte der Bär. Oben ein jüngerer Ukule Spieler mit einem älteren Trompeter. Unten eine Latinoband, die traditionelle Elemente mit Hip Hop vermischte. Am Strassenrand Foodtrucks, die alles servierten von mongolischem BBQ bis zu Sushi-Burritos. Was diese Abende im Museum ausmacht sind jedoch die Menschen, die zusammen kommen. Hier kann man diese multikulturelle Vielfalt Oaklands erkennen und wertschätzen. Jeder lächelt, unterhält sich, genießt diese gemeinsamen Stunden im Herzen von „The Town“.

Das Hinsehen wird nie alt

„Politics of Seeing“ heißt die neue Ausstellung im Oakland Museum of California. Gezeigt wird eine Auswahl an Fotos von Dorothea Lange, eine Ausnahmefotografin des 20. Jahrhunderts. Ihre Bilder sind Dokumente und beschreiben eine Zeit, die eigentlich schon lange hinter uns liegen sollte. Doch das, was in diesen Fotos zu sehen ist, beschäftigt uns noch immer und ist aktueller denn je: Immigration, Internierung, Armut. Viele der Augenblicke, die Dorothea Lange mit ihrer Kamera festgehalten hat, erlebte sie in den 1930er und 1940er Jahren. Doch die Zeit scheint still zu stehen. Es ist nie der Blick von jetzt nach damals, den man als Besucher dieser Ausstellung erlebt. Es ist vielmehr ein mittendrin im Jetzt, „Politics of Seeing“ ist eine brandaktuelle Bilderschau im Jahr 1 der Trump-Ära.

Dorothea Lange hatte dieses Auge für den Moment. Ihre Bilder sind Kunstwerke, ohne die Menschen und die Situationen künstlich erscheinen zu lassen. Die Zeit steht still, ein Ausschnitt des Lebens. Einfach und doch so kraftvoll. Es braucht keine Worte, um das wiederzugeben, was sie festhalten wollte. Viele ihrer ikonischen Fotos wurden zu zeitlosen und wichtigen Dokumenten, wie das Bild einer Migrantin, einer Mutter. In der Ausstellung kann man die Bilderserie sehen, die zu diesem Foto führte. Ein paar Zeilen daneben erzählen die Geschichte dazu und beschreiben auch den professionellen Fehler, der der Fotografin Dorothea Lange hier unterlief. Normalerweise nahm sie sich Zeit für die Menschen, die sie ablichtete, sprach mit ihnen, öffnete sie. Hier bei dieser Frau war das anders, es ging schnell, Lange war müde von einem langen Tag und nahm die Informationen falsch auf. Die Mutter war keine arme, weiße Migrantin, vielmehr war sie „Native-American“. Das Bild verfolgte die Mutter und ihre Kinder ein Leben lang. Für sie wurde es zum Fluch.

Lange hat mit ihrer Arbeit viele Fotografen beeinflusst. Auch das wird in der Ausstellung des Oakland Museum of California betont. Drei Fotografen wurden eingeladen, ein paar ihrer Bilder zu präsentieren. Und man sieht auch hier den Bogen von damals bis heute. Das Museum konnte für diese Präsentation aus dem reichen Fundus des eigenen Hauses auswählen, denn seit 50 Jahren ist das persönliche Archiv von Dorothea Lange mit 6000 Drucken und 25.000 Negativen, dazu Schriften und persönliche Gegenstände hier untergebracht. Die Ausstellung „Politics of Seeing“ ist noch bis zum 13. August zu sehen.

Alle Fotos Oakland Museum of California.

 

Passend. Zeitgemäß. Aktuell.

50 Jahre Black Panthers in Oakland.

Im „Oakland Museum of California“ läuft gerade eine sehr aktuelle Ausstellung: All Power to the People – Black Panthers at 50. Von damals den Blick nach vorne gerichtet. Was ist aus dieser Protestbewegung geworden, die weltweit beachtet wurde.

Hier in Oakland hat alles begonnen, als sich zur Hochzeit der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Huey P. Newton und Bobby Seale trafen, zwei Männer, die nach dem Attentat auf Malcom X eine „explizit linke Organisation der Afroamerikaner und eine Schutztruppe unserer Gemeinden gegen rassistische Übergriffe der Polizei“ aufbauen wollten.

Die San Francisco Bay Area war schon immer eine Region der Protestbewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich hier viele Afro-Amerikaner, um sich gemeinsam gegen Diskrimierung und soziale Ungerechtigkeit zu wenden. Sie bekamen in der liberalen Bay Area Unterstützung von vielen. Als die „Civil Rights“ Bewegung in den Südstaaten immer mehr an Fahrt aufnahm, reisten viele von hier dorthin, um Wählerinnen und Wähler zu registrieren, um an Protestmärschen teilzunehmen.

Im Vietnamkrieg starben mehr Afro-Amerikaner als Weiße.

Mitte der 60er Jahre entstand dann in Oakland die „Black Panther Party“, die sich rasch im ganzen Land ausbreitete, Dutzende von lokalen Gruppen wurden gegründet. Die Black Panthers provozierten alleine schon durch ihr Auftreten. Militant, gut organisiert und bewaffnet. Das weiße Amerika und das FBI sahen einen Bürgerkrieg heraufziehen und wollten nicht wahrhaben, was die Panthers in den Kommunen und „Inner Cities“ auch taten. Sie schulten Kinder, halfen Alten, organisierten Essensausgaben, veröffentlichten eine Zeitung mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren. Und die politischen Forderungen waren nicht auf Hass gegen andere aufgebaut, Bobby Seale formulierte es vielmehr so: „We don’t hate nobody because of their color. We hate oppression“

Die San Francisco Bay Area war und ist ein Ort der Protestbewegung. Hier entstand die „Free Speech Movement“, hier wurde gegen den Vietnamkrieg, den Golfkrieg, für die Occupy Bewegung, Black Lives Matter und gegen Donald Trump protestiert. Die Ausstellung im „Oakland Museum of California“ war schon lange geplant, doch hat nun mit dem Wahlsieg Donald Trumps einen ganz aktuellen Bezug gefunden. Dazu auch der folgende Beitrag auf Deutschlandradio Kultur über die liberale Bay Area nach dem Wahlsieg Trumps:

      Das liberale Amerika

Ach Oakland!

Seit 13 Jahren wohne ich in Oakland. Eigentlich ist es eine schöne Stadt. An der Bay gelegen, zieht sie sich bis in die Hills. Da wohne ich, nur eine Minute entfernt von einem riesigen Naturschutzgebiet mit Redwoods und Bächen, Rehen, Stinktieren, Waschbären und dem gelegentlichen Berglöwen. Doch Oakland steht und stand schon immer im Schatten von San Francisco, und das, obwohl die Stadt eine beeindruckende Geschichte hat. Früher kauften reiche Bürger von San Francisco ihre Alterswohnsitze in den Hills von Oakland, um nach der Pensionierung dem Nebel zu entfliehen und die Seele mit Blick aufs Golden Gate baumeln zu lassen. Viele namhafte San Franciscaner haben ihre letzte Ruhestätte auf dem „Mountain View“ Friedhof in Oakland gefunden.

Oakland ist allerdings eine Stadt, die ihre Probleme hat. Gewalt, Bandenkriminalität, eine hohe Mordrate, Armut und eine nicht funktionierende Stadtführung. Es gibt viele schöne Seiten an Oakland, Touristen, die nach San Francisco kommen, sollten durchaus die Fahrt über die Bay machen und wagen. Im letzten Blogbeitrag berichtete ich zum Beispiel von einer wunderbaren Ausstellung im Oakland Museum of California, eines der besten Museen in der gesamten Bay Area. Toll, dachte ich mir, endlich mal ein positiver Bericht über Oakland. Sogar DeutschlandRadio Kultur wollte einen Beitrag über diese Ausstellung in meiner Wahlheimat.

Der Bericht war noch nicht mal gesendet, da war Oakland schon wieder in den Schlagzeilen. Sogar Spiegel Online machte damit auf. Schießerei in einer privaten, christlichen Uni. Sieben Tote, drei Verletzte. Ein ehemaliger Student ging mit einer 45er in einen Unterrichtsraum und fing an um sich zu ballern. Ziellos, wie es scheint, einfach nur, um seinen Frust über seine verbockte Zeit an der kleinen Uni rauszulassen. Irre! Oakland, Schießerei, 7 Tote, all das paßt ins Bild von einer Stadt, die schon lange die Kontrolle über die Gewaltspirale verloren hat….wer will da schon etwas von Plakatkunst und Kultur wissen.

„Keiner oder alle“ in Oakland

1968 war ein besonderes Jahr für Kalifornien und die San Francisco Bay Area. Der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy wurde in Los Angeles erschossen, der Latino-Bürgerrechtler Cesar Chavez trat in den Hungerstreik, das legendäre Fillmore West wurde eröffnet, bei den olympischen Spielen in Mexiko City zeigten die siegenden und aus der Bay Area stammenden afro-amerikanischen US Sprinter den Black Power Gruss, in Oakland fand ein vielbeachteter Prozess gegen die Black Panthers statt und gleich gegenüber vom Gerichtssaal wurde damals das Oakland Museum of California gebaut.

Und genau dort findet seit Samstag und noch bis Ende August eine umfangreiche Ausstellung über dieses legendäre Jahr statt. In einem Nebenzimmer und quasi als Ergänzung wurde auch noch kurzerhand „All of us or none“ eingerichtet. Der Titel ist der Name des gewaltigen Poster- und Plakatarchivs, das vor kurzem in den Besitz des Museums überging. Bis zu seinem Tod 2008, mehr als 30 Jahre lang sammelte Michael Rossman aus Berkeley Plakate und Poster. Ohne viel Geld, aber mit umso mehr Energie trug er rund 25.000 Plakate zusammen. Sie wurden nicht katalogisiert, sondern archiviert und nach Themenschwerpunkten geordnet. Rossman war vor allem an politischen Themen allgemein und im besonderen am Schwerpunkt soziale Gerechtigkeit interessiert. In den 60er Jahren ging es oftmals um Krieg, Vietnam, Militär. So zeigt das Plakat mit den drei Frauen links eine junge Joan Baez, die sich schon damals in der Friedensbewegung engagierte.

Es ist eine massive Sammlung des kreativen und politischen Outputs in der San Francisco Bay Area, die zeigt, dass aus dieser Region viele wichtige Impulse für den Rest des Landes kamen. Hier arbeiteten Künstler, Vertriebe, Druckereien, politische, soziale, kreative Organisation und Institutionen Hand in Hand. Rossman nannte sein Archiv nach dem Bertolt Brecht Lied „Keiner oder alle“.

Alles begann Mitte der 60er Jahre mit Rockplakaten. Nahezu 20 Jahre lang ruhte die Plakatkunst in den USA. McCarthy und seine Kommunistenjäger witterten hinter jeder sozialen Kritik, jeder Forderung nach sozialer Gerechtigkeit eine rote Verschwörung. Und auch nach dem Ende der McCarthy Ära Ende der 50er Jahre dauerte es noch ein paar Jahre, bis sich Künstler wieder trauten offen Plakate zu gestalten und zu veröffentlichen.

Nun ist ein Teil dieser Rossman Sammlung im Oakland Museum of California zu sehen. Eine beeindruckene Bilderschau, die zeigt, dass die Plakatkunst in den USA zu lange übersehen wurde. Wer als Tourist oder Besucher nach San Francisco kommt, sollte auf alle Fälle den Weg über die Bay machen, per Auto, per Fähre oder via BART. Es lohnt sich!