„If you’re going to San Francisco…“

Sibley Volcanic Regional Park.

„…don’t get stuck there.“ Wirklich, ich kann es nur jedem empfehlen, der die nordkalifornische Metropole besucht. Bleibt nicht nur in San Francisco, erkundet die East Bay. Oakland hat so viel zu bieten, eine Stadt, die man entdecken sollte. Und dann sind da so wunderbare Wanderwege in den East Bay Hills, die mich und meine Käthe jeden Tag locken. Mal tief runter zu den Redwoods, über verschlungene Wege alleine durch einen Mischwald oder wie heute zum Sibley Volcanic Regional Park, nur ein paar Minuten von meiner Haustür entfernt. Heute war die Sicht so klar, dass man westwärts die Farallon Islands, immerhin 30 Meilen vor dem Golden Gate gelegen, sehen konnte. Und der Blick Richtung Osten ließ so gar nicht vermuten, dass man hier in einem Ballungsraum mit sechs Millionen Menschen lebt. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss diesen wunderbaren Herbst-Augenblick, während Käthe auf Hasen- und Mäusejagd in den Büschen ging….und nein, sie fing nichts!

Das ist einfach „oakländisch“

Wenn sie das wüssten! Donald Trump würde gemeinsam mit den IS Kämpfern die Augen rollen. Solch ein Zeichen der Vielfalt, Gemeinsamkeit und des Miteinanders lehnen sie nämlich grundsätzlich ab. Im islamischen Kulturzentrum von Nordkalifornien hielt Oaklands Bürgermeisterin Libby Schaaf ihre jährliche „State of the City“ Rede. Und sie war ein Erfolg. weiter lesen

Armes Amerika!

Alltagsszene in Downtown Berkeley.

Die Obdachlosigkeit nimmt zu in den USA. Jede Nacht schlafen etwa 600.000 Menschen auf den Straßen dieses Landes, Tendenz steigend. Hier in der San Francisco Bay Area kann niemand mehr das Problem übersehen. Jeder Besucher spricht mich darauf an. Die Zeltcamps unter den Autobahnbrücken in San Francisco, Oakland und Berkeley werden immer größer. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, denn den Kommunen sind finanziell die Hände gebunden. Die Mietpreise steigen, für eine Einzimmerwohnung in Oakland werden mittlerweile dafür 3500 Dollar verlangt. In San Franciscos Tenderloin, einem sozialen Brennpunkt der Stadt, verlangen versiffte Hotels 150 Dollar und mehr für eine Nacht. Die Städte haben auch nicht das Geld, um sich aus der Krise rauszubauen.

Gestern war ich in Downtown Berkeley unterwegs und sah direkt vor dem Rathaus der Stadt diese Szene. Ein Mann schlief in einem Karton. Passanten liefen daran vorbei, ein ganz normales Bild, an das wir uns alle hier nur zu sehr gewöhnt haben. Amerika 2017 ist an den Rand eines sozialen Kollaps geraten, die ökonomische Schere öffnet sich immer weiter. Es gibt mehr Millionäre, mehr Milliardäre. Es gibt mehr Arme, mehr Obdachlose. Und die vielbeschworene Mittelschicht bleibt auf der Strecke. Donald Trump spricht von Jobs, Jobs, Jobs und kürzt nebenbei Hilfsprogramme für sozial Benachteiligte, Senioren, Food Banks, Schulspeisungen. Trump betoniert gerade den Weg für ein Amerika der Ungleichheit.

Das besondere Oakland

Foodtrucks liefern die kulinarische Vielfalt.

San Francisco ist „The City“, Oakland „The Town“. Hier die glänzende Weltmetropole am Golden Gate, da die stiefschwesterliche Gemeinde auf der anderen Seite der Bay. Oakland wird gerne übersehen. Oakland, eine Stadt, die von Touristen meist gemieden wird. Und doch, es ist die Stadt in meinem Leben geworden, in der ich nun fast am längsten gelebt habe. Meine Wurzeln liegen in Nürnberg, so richtig erwachsen wurde ich in Oakland.

„The Town“ hat viel zu bieten. Kunst und Kultur, eine „Waterfront“, wunderbare Kneipen und Restaurants, kleine, heimelige Nachbarschaften, Redwood Trees und fantastische Ausblicke. Und da sind die vielen Angebote, die Oakland zu etwas ganz besonderem machen. Gestern Abend fand wie an jedem Freitag wieder „Friday Nights at the OMCA“ statt. Das „California Museum of Oakland“ ist dabei bis 22 Uhr geöffnet, Live-Musik, Bars und ein gutes Dutzend Foodtrucks laden die wunderbar vielfältige und vielgesichtige Community von Oakland ein. Das Museum wird so zu einem Treff- und Mittelpunkt der Stadt.

Partystimmung am Freitagabend im Museum.

Die Dorothea Lange Ausstellung „Politics of Seeing„, die derzeit noch im Museum zu finden ist, kann man sich mehrmals ansehen. Langes Fotos sind zeitlos, hochpolitisch, engagiert. Gerade in diesen Tagen der politischen Krise in den USA. Farbenfroh dagegen die Roy De Forest Bilder „Of dogs and other people„. Nicht ganz mein Geschmack, aber ein erhellender Gegensatz zu der Schwere im Nachbarraum. Dazu noch die vielen anderen Ausstellungsstücke des OMCA.

Und draussen tobte der Bär. Oben ein jüngerer Ukule Spieler mit einem älteren Trompeter. Unten eine Latinoband, die traditionelle Elemente mit Hip Hop vermischte. Am Strassenrand Foodtrucks, die alles servierten von mongolischem BBQ bis zu Sushi-Burritos. Was diese Abende im Museum ausmacht sind jedoch die Menschen, die zusammen kommen. Hier kann man diese multikulturelle Vielfalt Oaklands erkennen und wertschätzen. Jeder lächelt, unterhält sich, genießt diese gemeinsamen Stunden im Herzen von „The Town“.

„Not my Wall“ – ein Audiobeitrag

Nicht jeder in den USA schaut einfach nur zu, wie an der amerikanischen Südgrenze eine menschenverachtende Mauer errichtet werden soll. Es gibt Widerstand gegen dieses Bauprojekt. Nicht nur, dass damit immense Steuergelder vernichtet werden, die für dringende Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Land benötigt werden, dass dieser Grenzwall durch indianisches Land geführt und die Natur massiv beeinflussen wird. Das Vorhaben an sich, die USA weiter abzuschotten, die Grenzen für Flüchtlinge dicht zu machen, bringt mehr und mehr Amerikaner gegen die eigene Regierung auf. Und auch einige Kommunen organisieren sich und suchen nach Wegen, die Baupläne an der Grenze, wenn nicht zu verhindern, so doch zumindest zu behindern. Dazu ein Audiobericht aus dem kalifornischen Berkeley:

      Widerstand gegen die Mauer

 

Oakland hat mehr Morde als Bayern

Die gute Nachricht zuerst, die Mordrate ist in Oakland gesunken. Letztes Jahr lag sie zu diesem Zeitpunkt bei 38, ein Jahr zuvor bei 45. 2017 gab es bislang „lediglich“ 36 Morde zu verzeichnen. Doch dieses lediglich ist auch schon die schlechte Nachricht, es sind 36 zu viel Menschen ermordet worden. Zum Vergleich, in ganz Bayern wurden 2016 38 Menschen ermordet. In Oakland leben 420.000 Menschen, in Bayern 12,5 Millionen.

Was hier in Oakland passiert ist keine Ausnahme. Oakland ist nicht gefährlicher oder sicherer als andere Großstädte in den USA. Die Gewalt konzentriert sich meist auf ein paar Brennpunkte in ein paar Stadtteilen. Wenn man da nicht wohnt und nicht hingeht, lebt man ganz gut in dieser Stadt, die derzeit boomt. Es gibt eine faszinierende und lebendige Kunst- und Kulturszene, neue Restaurants, Kneipen und Cafés werden eröffnet, Oakland hat viel zu bieten, „The Town“ tritt endlich aus dem Schatten von „The City“ heraus.

Hier hat man jedoch mit der Gewalt zu leben gelernt. Sie ist da, das weiß hier jeder. Man stellt sich darauf ein und sagt sich selbst, das ist weit weg, auch wenn es Luftlinie nur wenige Kilometer sind. Was hier passiert wird deutlich in dem Polizeibericht, der heute früh per Email kam. Darin werden jene Morde aufgelistet, die seit Ende März passiert sind und zu einer Verhaftung führten. Die Aufklärungsrate ist, auch im Vergleich zu Bayern, mehr als gering.

On March 21, 2017, 2:45 p.m., the Oakland Police Department responded to reports of an unresponsive man in the street in the 400 block of 13th Street. Officers located, 53-year-old Kenneth Cannon. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries a few days later. On July 6, 2017, the Oakland Police Department arrested the 36-year-old homicide suspect, Bryant Clofer of Oakland and was charged by the Alameda County District Attorney’s Office on July 10th with the murder of Cannon.

On March 29, 2017, at 10:22 p.m. the Oakland Police Department responded to the 9500 block of MacArthur Blvd on reports of a gunshots. Responding officers located a 17-year-old-male suffering from a gunshot wound. Emergency medical services on scene pronounced the victim deceased. On April 12, 2017, 18-year-old Olezja Booker of Oakland, was arrested and charged with manslaughter by the Alameda County District Attorney’s Office on July 14th.

On April 9, 2017, at 5:44 p.m., the Oakland Police Department was notified of a possible gunshot victim at a residence in the 1000 block of 66th Avenue. Responding officers located a 41-year-old male victim, Dennis James of Oakland, who was suffering from a gunshot wound. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries a few days later. On May 18, 2017, the Oakland Police Department arrested the 22-yeard-old homicide suspect, Alonte Hilliard of Oakland was charged by the Alameda County District Attorney’s Office with the murder of James on May 22nd.

On April 12, 2017, the Oakland Police Department responded to a report of gunshots inside an apartment building in the 800 block of E18th. Responding Officers located the 17-year-old victim suffering from a single gunshot. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries. Officers arrested 18-year-old Marco Palma-Cruz, of Oakland at the scene. He was charged with manslaughter by the Alameda County District Attorney’s Office on April 14th.

On April 30, 2017, at 10:26 p.m., the Oakland Police Department was notified of a gunshot victim in the parking lot of a business in the 4000 block of Alameda Avenue. Oakland police officers responded to the scene and located 22-year-old, Robert McCorvey, suffering from a gunshot wound. Emergency medical services on scene pronounced the victim deceased. On May 4, 2017, the Oakland Police Department located and arrested the 20-year-old suspect, Donald Aaron and was charged by the Alameda County District Attorney’s Office on May 17 with the murder of McCorvey.

On May 2, 2017, the Oakland Police Department responded to a call of an assault inside the market at 2520 Foothill Blvd, where they located 68-yeear-old Winifred Bicham unresponsive. Emergency medical services transported the victim to a local hospital where she succumbed to her injuries. Officers located and arrested 36-year-old Roy Johnson, of Oakland, later that same day and charged with manslaughter by the Alameda County District Attorney’s Office on May 4th.

On May 8, 2017, the Oakland Police Department responded to a call of stabbing in the 4500 block of San Leandro St. Responding Officers located 37-year-old Demrick Beene suffering from several stab wounds. Emergency medical services transported the victim to a local hospital where he later succumbed to his injuries. Officers located and arrested 51-year-old Stephen Brooks, of Oakland, late that same day for the stabbing. Brooks was charged by the Alameda County District Attorney’s Office on May 10th with the murder of Beene.

On May 17, 2017, at 8:27 p.m., Oakland police officers responded to a report of an assault in the 2700 block of 64th Avenue. Responding officers located 48-year-old Trevino Thomas, who was unresponsive. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries. On May 20, 2017, Trevaughn Soriano, 25, of Concord, surrendered at the OPD Police Administration Building. On May 23, 2017, Soriano was charged by the Alameda County District Attorney’s Office with the murder of Thomas.

On May 23, 2017, at 12:10 a.m., Oakland Police Officers were dispatched to the 2100 block of Fruitvale Avenue on a report of shots fired. Upon their arrival, officers were directed to the 45-year-old male victim, Godofredo Nah-Pool of Oakland, who was suffering from a gunshot wound. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries. The suspect was identified as 25-year-old Dawuan Budd of Oakland, who was located near the scene and taken into custody by Oakland Officers. On May 24, 2017, the Alameda County District Attorney’s Office charged Budd with the robbery and homicide of Nah-Pool.

On June 4, 2017, at 3:20 a.m., Oakland Police Officers responded to a report of a shooting in the 1600 block of Linden Street. Responding officers located the victim, 32-year-old Andrew Williams of San Pablo, who was pronounced deceased on scene. On June 8, 2017, 31-year-old Artison Manalastas of Antioch, was located and taken into custody by the Oakland Police Department. The Alameda County District Attorney’s Office charged Manalastas with the murder of Williams on June 12.

On June 11, 2017, at 5:44 p.m., the Oakland Police Department responded to a report of two gunshot victims in the 9500 block of Birch Street. Responding officers located 27-year-old Jose Gameros-Alvarado and 32-year-old Pedro Gonzalez, both suffering from gunshot wounds. The victims succumbed to their injuries at the scene. On July 12, 2017, 37-year-old Antonio Belvine was arrested and charged with murder of Gameros-Alvarado and Gonzalez on July 14 by the Alameda County District Attorney’s Office.

On June 16, 2017, the Oakland Police Department responded to a report of an assault in the 7700 block of MacArthur Boulevard. Responding Officers located the victim, 39-year-old Alexander Hayes. Emergency medical services transported the victim to a local hospital where, he succumbed to his injuries. Multiple witnesses identified the suspect as 43-year-old Antwan Robinson, of Oakland, who remained at the scene and was arrested. On June 19, 2017, the Alameda County District Attorney’s Office charged Robinson with the murder of Hayes.

On July 22, 2017, at 11:30 a.m. Oakland police officers responded to a report of gunshot victim in the 2700 block of 75th Avenue. Responding officers located 51-year-old Edgar Trammel suffering from gunshot wound(s). Emergency medical services transported the victim to a local hospital where he succumbed to his injuries. The suspect was identified as 50-year-old William Bernard Epting, who was apprehended the same day. On July 25, 2017, Epting was charged by the Alameda County District Attorney’s Office with the murder of Trammel.

„In god we trust“ – ein Audiobericht zum Kirchenasyl

Die Montclair Presbytarian Church.

Gotteshäuser waren schon immer Anlaufpunkt für Menschen in Not. In Krisenzeiten mehr denn je. Und in solch einer Krisenzeit sehen viele in den USA das eigene Land. Die politische Hetze des Wahlkampfes gegen Immigranten und Andersdenkende hat auch viele Glaubensgemeinschaften aktiv werden lassen. Für sie ist das, was auf dem Sockel der Freiheitsstatue steht, ein wichtiger Grundsatz dieses Landes:

„Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.“

Vor dem Hintergrund von drohenden Massenabschiebungen und einem Mauerbau wird in den Vereinigten Staaten von Amerika nun wieder offen und breit über Kirchenasyl für Flüchtlinge gesprochen, die Zahlen haben sich allein in der San Francisco Bay Area verdoppelt. Ein Besuch in der „Presbytarian Church of Montclair“, meiner Nachbarschaft:

 

      Kirchenasyl in den USA

 

Wir bauen uns aus der Krise

Das „Woodminster Amphitheatre“ wurde mit öffentlichen Geldern aus dem WPA Programm erbaut.

Was amerikanische Politiker seit Jahren fordern, und das quer über die parteipolitischen Grenzen hinweg, ist ein Investionsplan für die Infrastruktur im Land. Denn es bröckelt und zerfällt zwischen New York und San Diego. Das Vorbild ist die „Works Progress Administration“ (WPA), die in den 1930er Jahren Baumaßnahmen überall in den USA anordnete, die Amerika aus der damaligen Wirtschaftskrise bringen sollten. Es waren Straßen, Wohnhäuser, Schulen, Gesundheits-, Kinderbetreuungs- und Freizeiteinrichtungen, in allen Orten und Städten wurde gehämmert und gebaut.

Hier in Oakland wurde u.a. das Woodminster Amphitheatre mit Geldern der „Works Progress Administration“ errichtet. Ein Theater in den Hügeln von Oakland, direkt im Joaquin Miller Park gelegen. Grandiose Ausblicke, Redwood Trees und eine einmalige Atmosphäre gibt es kostenlos dazu. Heute ist das Woodminister ein Geheimtipp in der Bay Area. Immer an den Wochenenden im Sommer werden Musicals unter freiem Himmel aufgeführt, wie jüngst auch vor vollen Sitzreihen „Mamma Mia!“. Lauthals wurde mitgesungen und mitgefeiert. Schon vorher trafen sich die meisten vor den Toren des Woodminster, um den Abend im Park mit einem Picknick einzuläuten. Das Gläschen und die Flasche Wein darf man dann ruhig mit zu seinem Platz nehmen, das fördert die entspannte Stimmung in den Oakland Hills.

Ob bei den jüngsten Trumpschen Plänen für die Förderung der Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Land auch solche Veranstaltungsorte wie das Woodminster Amphitheatre eingeplant sind, sei dahingestellt. Wahrscheinlich ist es nicht, wenn man Donald Trumps Ansage zugrunde legt, öffentliche Gelder für die Kunst- und Kulturförderung der „National Endowment for the Arts“ und der „National Endowment for the Humanities“ vollkommen zu streichen. Doch dieser alte Veranstaltungsort ist eine wahre Perle in Oakland, die viele hier noch nicht einmal kennen. Wer also im Sommer als Tourist nach San Francisco reist, sollte durchaus auch mal den Blick auf meine zweite Heimatstadt Oakland werfen, hier gibt es einiges zu entdecken, etwas ab vom hektischen Leben in der „City by the Bay“. weiter lesen

Keine Autofahrerstadt

Wer in der Bay Area lebt, weiß es schon lange. Autofahren in und um San Francisco herum ist eine Qual und kein billiger Spass. Nun ist es quasi auch amtlich. Die Finanzwebseite Wallet Hub untersuchte die 100 größten Städte in den USA und kam zu dem Schluß, dass Autofahren in San Francisco am schlimmsten ist. Auf Platz 2 folgt gleich Oakland. Wenn man sich nun vorstellt, dass viele Pendler tagtäglich zwischen den beiden Städten hin und her tuckern, kann man sich den (Aggressions)stau durchaus vorstellen.

Ein normales Bild in und um San Francisco herum – Stau. Foto: AFP.

Untersucht wurden Fahrbedingungen und der Unterhalt eines Autos in den Städten. Der Berufsverkehr beginnt hier früh und endet spät. Wenn ich, der in Oakland lebe, einen Termin in San Francisco habe, versuche ich ihn auf die Zeit zwischen 11 und 14 Uhr zu legen, ansonsten kann ich nahezu zwei Stunden extra für die An- und Abfahrt einplanen. Wer über die Bay Bridge muss, ist doppelt verloren. Der I80 gleicht dauerhaft einem Parkplatz, auf der Verbindung 24er zu 580er zur Bay Bridge ist so gut wie immer  stockender Verkehr. Die Planer dieses Verkehrsknotenpunkts müssten heute noch  für diesen baulichen Schwachsinn bestraft werden.

Seit ein paar Jahren nimmt der Verkehr stetig zu. Gab es mit dem Börsencrash eine kleine Verschnaufpause und wieder ein vernünftiges Fahrvergnügen, hat sich das wieder total gewandelt. Stillstand und Ruhe bewahren ist angesagt. Die San Francisco Bay Area ist wieder Anziehungspunkt für viele geworden, das erkennt man auf den Straßen. Doch hier setzt man vor allem auf den Individualverkehr, nicht auf den öffentlichen Nahverkehr, was mit der Bay relativ einfach wäre. Es ist darüberhinaus teuer ein Auto zu unterhalten, selbst wenn man es noch nicht einmal fährt. Die Preise fürs monatliche Parken gleichen der Miete eines WG-Zimmers. Die Versicherung ist hoch und auch der Sprit ist der teuerste im Land. In San Francisco zahlt man für die Gallone mindestens $ 3,20, in Tulsa, Oklahoma, dagegen nur $1,85. Wer in der Stadt wohnt und arbeitet kann auf Bus, Bahn und Fahrrad umsteigen, wer pendeln muss kann nur draufzahlen und sich fragen, ob es die Lebensqualität hier wirklich wert ist.