Lange Schlangen am Plattenladentag

Schlangestehen vor dem Plattenladen.

„Record Store Day“, seit zehn Jahren ist das ein Feiertag für alle Plattensammler. Viele Labels und Bands veröffentlichen an diesem Tag besondere Scheiben, um die lokalen Plattenläden zu unterstützen. Ich war heute gleich in drei Läden unterwegs, „1-2-3-4 Go! Records“ in Oakland, „Econo Jam Records“ in Oakland und „Amoeba Records“ in Berkeley. Und das dauerte Stunden, denn beim ersten Laden stand ich erst einmal eineinhalb Stunden vor der Tür in der Schlange. Doch das war gar nicht so schlimm, denn die Leute unterhielten sich über Platten, über bestimmte Deals, nach was sie suchten. Und ich bekam einige nette Kommentare zu meinem Kraftwerk/Autobahn T-Shirt.

Endlich drinnen im Record Store suchte ich nach den deutschen Sonderauflagen für diesen Tag, darunter Faust/Ulan Bator, Camera/Richard Pinhas und Peter Baumann/Conrad Schnitzler & Pyrolator/Schneider TM, dann noch Caspar Brötzmann/T.Raumschmiere, Klaus Dinger und schließlich noch die 45er von Peter Schillings „Major Tom“. Einges konnte ich finden, dazu noch Townes van Zandt, Art of Noise und die Compilation „Close to the noise floor“. Zumeist schräges Zeug, aber hey, ich werde eben alt, da ändern sich die musikalischen Vorlieben. Und nein, mit Klassik, Oper und Musicals kann ich noch immer nichts anfangen.

Völlig losgelöst…volle Plattentasche aus Jute.

„Record Store Day“ ist ein Erlebnis. In den Läden legen DJs auf oder spielen Bands live (letztes Jahr rockten Metallica bei Rasputin Records in Berkeley), es gibt Getränke, Geschenke und besondere Deals, gefeiert wird die gute alte Langspielplatte und die 45er Single. Das hätten sich vor einigen Jahren auch so einige nicht gedacht, dass Vinyl wieder so einen Durchstart hinlegt. Und die Leute, die sich in die Schlangen einreihen, erst vor den Läden und dann vor den Kassen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, sind jung, sind alt, 80 Prozent Männer, 20 Prozent Frauen, lieben von Rap bis Industrial, von Noise bis Classic Rock, von Jazz bis Soul einfach alles. Das spiegelt sich auch im umfangreichen Angebote an diesem Tag wieder. Es sind Sammler, die die besonderen Pressungen wollen, es sind Musikbegeisterte, die einfach den Klang einer Platte lieben und an diesem Samstag in ihrem Element sind. Man ist nicht alleine mit seiner Sammelleidenschaft und die Suche nach den Juwelen des Tages, den persönlichen Perlen, macht es aus. Die Platten sind limitiert, von einigen Veröffentlichungen kommen nur ein paar wenige Exemplare in die Läden und dann auch nicht in alle. Und am Ende hat man dann die Scheiben, die man haben will, oder auch nicht, vielleicht noch ein paar mehr…und Vinyl klingt einfach anders!

Nix mit „law and order“

Donald Trump hat im Wahlkampf viel versprochen, darunter den Mauerbau, mehr Jobs und die Streichung von „Obamacare“. Trump präsentierte sich auch als „Law and Order“ Kandidat, der hart gegen Kriminelle durchgreifen wolle und deshalb versprach, den „Sanctuary Cities“ den Geldhahn zuzudrehen. „Sanctuary Cities“ sind Gemeinden und Städte in den USA, die sich weigern mit der Immigrationspolizei ICE zusammen zu arbeiten. Ein illegaler Aufenthalt in den USA ist für sie kein Grund zur Ausweisung.

Justizminister Jeff Sessions droht Städten wie Los Angeles, San Francisco und Oakland. Foto: AFP.

Trump meinte, damit müsse Schluß sein, denn die „Illegals“ würden morden, vergewaltigen, brandschatzen, und das „biggly“. Zahlen und Statistiken belegen dies zwar nicht, aber vom Lügenbaron Trump ist man nichts anderes gewohnt. Nun ist Trump im Oval Office, am Montag nun erklärte sein Justizminister Jeff Sessions, Bundesmittel für jene Bundesstaaten und Städte zu streichen, die sich weigerten, nicht mit ICE zu kooperieren. Kalifornien erhält pro Jahr 392 Millionen Dollar aus dem Budget des Sessions-Ministeriums. Viel Geld, das für zahlreiche Programme im Bereich der öffentlichen Sicherheit fest eingeplant ist. Eine Streichung würde bedeuten, dass Polizisten entlassen werden müssten, DNA Tests nicht weiter durchgeführt werden könnten, Programme mit „Body Cameras“ gestrichen, präventive Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung ersatzlos entfallen würden.

Donald Trump und sein Justizminister, sonst so „tough on crime“, würden damit genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie versprochen haben, für was sie angetreten sind. Sie würden die öffentliche Sicherheit in vielen Städten gefährden. Städte wie Los Angeles, San Francisco und Oakland wären direkt von dem Streichkonzert betroffen. Oakland kämpft sich gerade mit Hilfe von Bundesmitteln aus einem tiefen Finanzloch heraus, ist auf die Unterstützung aus Washington angewiesen, denn die Polizeibehörde muss mit kommunalen Mitteln finanziert werden. Die Stadt in der East Bay hat seit vielen Jahren Probleme mit einer hohen Gewaltstatistik. Unter der jetzigen Bürgermeisterin Libby Schaaf wendet sich ganz langsam das Blatt, die Mordrate sinkt, die Gewaltkriminalität geht zurück. Und nun kommen Trump und Session mit ihren Drohungen und wollen die ersten erfolgreichen Schritte aus der Krise zunichte machen.

„Law and order“ auf dem Rücken des politischen Gegners, in Oakland stimmten nur ein paar Prozent der Wähler für den Kandidaten Trump. „Wir helfen ja, aber nur, wenn ihr das macht, was wir wollen“, so die Aussage aus dem Weißen Haus. Eine klare Ansage aus Washington, die als Kriegserklärung an die Werte und die Ideale in dieser Region Amerikas gesehen wird. So eint man kein Land.

Der Abgang der Raiders

Oakland ist Raiders Nation. Das American Football Team ist fest verankert in der Stadt, seiner Geschichte, seiner Bewohner. Und die Raiders haben Tradition und eine Fankultur, die vielleicht vergleichbar ist mit der so einiger Traditionsvereine in der Fussballbundesliga. Die Fans strömen bunt verkleidet, teils martialisch zu den Spielen der Raiders. Doch das wird schon bald der Vergangenheit angehören.

Die Fans der Raiders setzten sich vergeblich für ihr Team in Oakland ein. Foto: AFP.

Die „National Football League“, NFL, hat nun fast einstimmig entschieden, dass die Raiders in die Glanz- und Glitzer Wüstenstadt Las Vegas umziehen dürfen. Eine mehr als umstrittene Entscheidung, denn Las Vegas lockt mit Steuermitteln, Oakland weigerte sich, einen Stadionneubau aus öffentlichen Geldern zu finanzieren. Bürgermeisterin Libby Schaaf wollte die Raiders halten und dafür Privatgelder anzapfen. Lediglich benötigte Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld des geplanten, neuen Stadions sollten von der Stadt übernommen werden. Schaaf führte an, dass Oakland noch immer Millionen Dollar Schulden von der letzten Stadionsanierung in den frühen 90er Jahren abbezahlt. Geld, das eigentlich dringend an anderer Stelle im Stadthaushalt gebraucht würde.

Die NFL setzte also lieber auf das große Geld im Spielerparadies Las Vegas, als auf Tradition in der East Bay. Jeder der Besitzer eines NFL Teams erhält für den Umzug etwa 25 Millionen Dollar ausgehändigt. Für die Superreichen Sportmannschaftsbesitzer gab es also eigentlich keinen Grund, die Raiders in Oakland zu belassen. Geld regiert die Welt und schon sehr lange im professionellen Sport.

Mit den Raiders wandert nun ein zweites Profi-Team aus Oakland ab. Die Golden State Warriors werden zukünftig in San Francisco auf Körbejagd gehen. Nur die Oakland A’s bleiben als traditionsreiches, aber nicht gerade erfolgreiches Underdog Team meiner neuen Heimatstadt erhalten. Und das ist dann schon fast wieder wie in Nünberg….back to the roots!

Antisemitismus im Trump-Land

Die „Oakland Hebrew Day School“ liegt genau gegenüber von meinem Fitness Club, dem „Oakland Hills Tennis Club“. Da ich das Spazierengehen mit meinem Hund meistens an ein Workout anschließe, parke ich immer im Schatten eines Baumes, der genau am Zaun der Schule liegt. Käthe wartet und weiß, danach ist sie mit mit ihrem Auslauf dran. So auch gestern, ein Tag wie immer. Doch als ich zurück zu meinem Wagen kam, stand da ein Sicherheitsbeamter der Schule. „Is that your car“, fragte er. Ja, meinte ich. Er kam auf mich zu, schüttelte mir die Hand und meinte, „Thank you for taking care of your dog“. Ich wußte, auf was er hinaus wollte und fragte ihn, ob es ein Problem sei, wenn ich hier parke. Nein, nein, sagte er. Der Schulleitung sei nur aufgefallen, dass da ein Wagen sehr nah am Zaun parke und er habe kontrolliert was da los sei. Als er meinen Hund im Auto sah, wußte er gleich, warum der Wagen da stand. „I watched out for her, beautiful dog“.

Am 3. März wurden zahlreiche Grabsteine auf dem Waad Hakolel Friedhof in Rochester, New York, beschädtigt. Foto: AFP.

Am Zaun der Schule sind Schilder angebracht, dass das Gelände mit Kameras überwacht wird. Heute stand ein Streifenwagen vor der Schule, als ich langsam an ihm vorbeifuhr sah ich, dass der Beamte mein Kennzeichen in den Computer eingab. Es herrscht Angst bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Jüdische Einrichtungen, Schulen, Kulturzentren, Synagogen stehen unter besonderer Beobachtung in diesen Tagen und Wochen. Es hat sich etwas verändert in den USA, im Trump-Land. Mit dem erfolgreichen Wahlkampf und der Amtsübernahme durch Donald Trump sehen sich Rassisten und Juden- und Islamhasser im Aufwind. Offen treten sie auf, schlagen um sich, beschädigen Einrichtungen und Friedhöfe, verbreiten Angst und Schrecken. Die jüdischen Gemeinden in den USA werden mit Bombendrohungen überzogen. Allein in der ersten Märzwoche wurde 100 antisemitische Zwischenfälle in 33 Bundesstaaten gezählt, daruter Anschlagsdrohungen, geschändete Friedhöfe, Hakenkreuzschmierereien an Synagogen.

Nun haben zum ersten Mal überhaupt alle 100 Senatoren im US Senat einen gemeinsamen Brief an den Chef des Homeland Security Ministeriums, John Kelly, an den Justizminister, Jeff Sessions, und an den FBI Direktor, James Comey, geschickt, in dem sie die Bundesbehörden dazu auffordern, alles in ihrer Macht mögliche zu tun, um Kommunen im Kampf gegen diese neue Welle Antisemitismus und Rassismus zu helfen. Eine symbolische Einheit, die mehr als wichtig ist.

Das Problem ist einfach nicht mehr wegzureden. Rechte Gruppen sehen sich durch die Wahl Donald Trumps gestärkt, auch wenn dieser jüngst erklärte, er verabscheue solche Art von Gewalt. Doch das kam für viel in den jüdischen Gemeinden zwischen New York und San Francisco zu spät. Zuvor hatte sich der New Yorker Selbstdarsteller um eine klare Position herumgeredet. Es müsste nun eigentlich eine Chefsache sein, die unsäglichen, hasserfüllten und unamerikanischen Zwischenfälle zu stoppen. Doch der Präsident schweigt erneut. Darauf zu warten, bis es wirklich zu Bombenanschlägen gegen eine Schule in den Oakland Hills oder ein jüdisches Kulturzentrum in San Francisco kommt, ist nicht nur unverantwortlich, es würde vielmehr jene mitverantwortlich machen, die jetzt keine klare Stellung beziehen.

Passend. Zeitgemäß. Aktuell.

50 Jahre Black Panthers in Oakland.

Im „Oakland Museum of California“ läuft gerade eine sehr aktuelle Ausstellung: All Power to the People – Black Panthers at 50. Von damals den Blick nach vorne gerichtet. Was ist aus dieser Protestbewegung geworden, die weltweit beachtet wurde.

Hier in Oakland hat alles begonnen, als sich zur Hochzeit der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Huey P. Newton und Bobby Seale trafen, zwei Männer, die nach dem Attentat auf Malcom X eine „explizit linke Organisation der Afroamerikaner und eine Schutztruppe unserer Gemeinden gegen rassistische Übergriffe der Polizei“ aufbauen wollten.

Die San Francisco Bay Area war schon immer eine Region der Protestbewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich hier viele Afro-Amerikaner, um sich gemeinsam gegen Diskrimierung und soziale Ungerechtigkeit zu wenden. Sie bekamen in der liberalen Bay Area Unterstützung von vielen. Als die „Civil Rights“ Bewegung in den Südstaaten immer mehr an Fahrt aufnahm, reisten viele von hier dorthin, um Wählerinnen und Wähler zu registrieren, um an Protestmärschen teilzunehmen.

Im Vietnamkrieg starben mehr Afro-Amerikaner als Weiße.

Mitte der 60er Jahre entstand dann in Oakland die „Black Panther Party“, die sich rasch im ganzen Land ausbreitete, Dutzende von lokalen Gruppen wurden gegründet. Die Black Panthers provozierten alleine schon durch ihr Auftreten. Militant, gut organisiert und bewaffnet. Das weiße Amerika und das FBI sahen einen Bürgerkrieg heraufziehen und wollten nicht wahrhaben, was die Panthers in den Kommunen und „Inner Cities“ auch taten. Sie schulten Kinder, halfen Alten, organisierten Essensausgaben, veröffentlichten eine Zeitung mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren. Und die politischen Forderungen waren nicht auf Hass gegen andere aufgebaut, Bobby Seale formulierte es vielmehr so: „We don’t hate nobody because of their color. We hate oppression“

Die San Francisco Bay Area war und ist ein Ort der Protestbewegung. Hier entstand die „Free Speech Movement“, hier wurde gegen den Vietnamkrieg, den Golfkrieg, für die Occupy Bewegung, Black Lives Matter und gegen Donald Trump protestiert. Die Ausstellung im „Oakland Museum of California“ war schon lange geplant, doch hat nun mit dem Wahlsieg Donald Trumps einen ganz aktuellen Bezug gefunden. Dazu auch der folgende Beitrag auf Deutschlandradio Kultur über die liberale Bay Area nach dem Wahlsieg Trumps:

      Das liberale Amerika

Ein Kampf ums Überleben

Eine Woche Donald Trump im Weißen Haus zeigt, der „American Dream“ und die „American Values“ sind in Gefahr. Ein harter und intensiv geführter Kampf steht in den USA an. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Reisefreiheit, ja, die Demokratie an sich steht auf dem Spiel.

Donald Trump zeigt einen Regierungsstil, der an den von Diktatoren erinnert. Mit einer Unterschrift ordnet er an. Und das mit weitreichenden Folgen, wie nun das Einreiseverbot für Muslime aus dem Iran, dem Irak, Jemen, Syrien, Somalia, Libyen und Sudan zeigt. Was er sagt stimmt, auch wenn das noch so abwegig und offensichtlich falsch ist. Trump glaubt, was er aus seinem eigenen Mund hört. Da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren.

Foto: Reuters.

Noch gibt es jedoch Medien und Politiker, Kommentatoren, Fachleute und Bürger, die sich einmischen. So twitterte der frühere Ethik-Berater von Barack Obama, Norm Eisen, von der Gruppe „Citizens for Responsibility and Ethics in Washington“: „WARNUNG: Mister President, ihr Muslimbann läßt Länder unbeachtet, in denen Sie Geschäftsinteressen haben. Das ist eine Verfassungsübertretung. Wir sehen uns vor Gericht.“ Auch die massiven Protestveranstaltungen am Tag nach dem das neue Kapitel in der amerikanischen Geschichte endgültig aufgeschlagen wurde machten das deutlich. Die amerikanischen Straßen beben und es scheint ganz so, dass sich viele in den USA nicht mit dem Status Quo, mit diesem Mann im Oval Office abfinden wollen.

Trump unterschrieb auch ein Dekret, das finanzielle Mittel für all jene Städte streichen soll, die sich selbst als „Sanctuary City“ einstufen, also Städte, die unter bestimmten Umständen nicht mit den Einwanderungsbehörden zusammen arbeiten wollen. Sie behandeln all ihre Bürger gleich, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Darunter sind etliche Bay Area Städte. Die „Mayors“ trafen sich nun – Berkeley Mayor Jesse Arreguín, San Francisco Mayor Ed Lee, San Jose Mayor Sam Liccardo, Oakland Mayor Libby Schaaf – und machten in einer gemeinsame Stellungnahme deutlich, dass sie sich nicht den Drohungen von Donald Trump beugen wollen. Die Gelder, die der Präsident nun streichen will, sind nicht unerheblich. Allein Oakland erhält 130 Millionen Dollar aus Washington, Gelder, mit denen Bildungsmaßnahmen und polizeiliche Projekte finanziert werden. Trump, so die Bürgermeister, spiele mit dem sozialen Frieden und der Sicherheit in vielen amerikanischen Städten.

Doch Donald Trump wird sicherlich nicht auf die gemeinsame Stellungnahme aus der Bay Area hören. So etwas geht ihm wohl wahrlich an der Haartolle vorbei. Trump ist resistent für einen produktiven Dialog. Nach einer Woche im Amt trampelt er weiter über all das, für was Amerika einmal stand. Sogar vor der weltweiten Erinnerung am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts macht Trump nicht Halt. Er unterschrieb sein unsinniges Dekret zum Einreiseverbot für Menschen aus dem Iran, dem Irak, Jemen, Syrien, Somalia, Libyen und dem Sudan ausgerechnet an diesem 27. Januar 2017. Wer noch immer glaubt, Trump werde ein großer Staatsmann mit Weitsicht, Ehrfurcht und Verantwortungsbewußtsein sein, der sollte sich all die Tweets und Reden und Entscheidungen dieses Mannes durchlesen, die er in dieser einen Woche von sich gegeben hat. Wort für Wort. Das sagt alles aus über Präsident Donald Trump.

 

 

„Ich wünsche mir fast Bush zurück“

Es waren dann doch 60.000 Menschen, die in Oakland auf die Straße gingen und gegen Donald Trump und seine politischen Pläne protestierten. Und das war nicht der einzige Protest in der Bay Area, in zahlreichen Städten wie Napa, Walnut Creek, Santa Rosa, San Jose und San Francisco wurde ebenfalls demonstriert.

Einen Tag nach der Vereidigung des 45. Präsidenten zeigten viele in den USA, dass sie sich nicht mit dem neuen Mann im Weißen Haus abfinden wollen. Nun geht es daran eine Opposition aufzubauen und zu stärken. Der „Million Women’s March“ am Samstag war der erste Schritt dazu. Eine offene Kampfansage an Präsident Donald Trump und seine Adminstration.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden noch mehr hassen könnte als George W. Bush und Dick Cheney“, meinte ein Teilnehmer und fügte sarkastisch hinzu; „Ich wünsche mir fast Bush zurück“. Eine Demonstrantin hatte auf ihr Plakat geschrieben: „Keep your tiny hands out of my government“. Die Unsicherheit war auf dem Marsch in Oakland zu spüren. Viele rechnen mit dem schlimmsten. Trump hat bereits umfassende Pläne angekündigt, darunter „Obamacare“ zu streichen, die staatliche Finanzierung für „Planned Parenthood“ zu beenden, Umweltschutzmaßnahmen zu lockern, aus dem Klimaschutzabkommen auszusteigen, illegale Einwanderer auszuweisen, das Militär zu stärken und, und, und. All diese Themen und mehr konnte man auf den unzähligen Plakaten der Demonstrationsteilnehmer lesen.

Was an diesem Samstag im Januar deutlich wurde, in Amerika bildet sich gerade eine weitreichende Gegenbewegung, die u.a. Frauenrechts- und Umweltschutzgruppen, Bürgerrechtsorganisationen und Immigrationsverteter zusammen bringt. Alt und jung, Frauen und Männer. Eine Protestbewegung mit solch einem Ausmaß hat Amerika schon lange nicht mehr erlebt. Es tut sich was in den USA, das haben die heutigen Protestmärsche gezeigt. Donald Trump spricht nicht für die Mehrheit der Amerikaner.

 

Amerika marschiert gegen Trump


In Washington und allen Großstädten der USA sind heute Hunderttausende auf den Straßen, um gegen Donald Trump und das zu protestieren, für was er steht.

Hier in Oakland geht der Demonstrationszug ganz langsam voran. Weit über Zehntausend Menschen sind am Rande von Downtown für den „Million Women’s March“ zusammen gekommen. Die Botschaft ist eindeutig: Love Trumps Hate!

Wo man singt, da lass dich nieder

In der San Francisco Bay Area hat man mit allem gerechnet, aber nicht mit einem Wahlsieg von Donald Trump. Über 80 Prozent der Wähler stimmten im Bezirk San Francisco gegen den New Yorker Milliardär, der so für gar nichts steht, was hier gelebt und geliebt wird. Trump wetterte  in seinem Wahlkampf gegen die „San Francisco Werte“, beschimpfte Oakland als „gefährlichste Stadt der Welt“, drohte den Gemeinden und Städten der Region, ihnen die Bundesmittel zu streichen, wenn sie nicht aufhörten eine „Sanctuary City“ zu sein. Das sind Städte, die zum einen soziale Angebote und Schulen auch für illegale Einwanderer öffnen. Zum anderen bewusst nicht mit der Einwanderungsbehörde zusammen arbeiten und ihnen bekannte „illegal immigrants“ nicht melden.

Der Schock saß also tief, als Donald Trump in der Wahlnacht als selbstzufriedener Sieger da stand, sich und seine Verbalattacken gegen alles und jeden bestätigt fühlte. Was machen, war und ist hier die große Frage? Den Kopf in den Sand stecken und durch, hoffen, dass in den kommenden vier Jahren nicht alles so wird, wie es Donald Trump in seinem „Contract with the American Voter“ angekündigt hat? Hier in der San Francisco Bay Area rätselt man, was nun kommen wird.

Der weltbekannte San Francisco Gay Choir geht da einen ganz anderen Weg. Die vielen Sänger waren ebenfalls geschockt vom Wahlausgang, doch wollten sich damit nicht abfinden. Der Chor veröffentlichte ein Video „There will be light“ und plant nun eine Tour durch mehrere Südstaaten, die Brücken bauen soll, zeigen soll, dass Amerika viel mehr ist, als nur der Blick zum eigenen Bauchnabel. Der SFGC wird auf seiner „Lavender Pen Tour“ nach North Carolina, South Carolina, Mississippi, Tennessee, Georgia und Alabama reisen, um dort aufzutreten und, um mit einer „kräftigen, positiven Stimme unsere befreundeten LGBTQ+ Amerikaner, vor allem unsere LGBTQ+ Jugendlichen zu unterstützen. Und gleichermaßen wollen wir eine Hand zu einen ehrlichen Dialog mit allen Amerikanern ausstrecken“.

Der San Francisco Gay Choir sammelt nun Geld für seine Konzertreise in den Süden der USA. Es ist ein wichtiges Zeichen in diesen schwierigen Zeiten. Aufeinander zugehen, das sollte auch jemand anderes in diesem Land lernen und tun.

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Kein Grund zum Feiern in Oakland

Die Mordrate bleibt in Oakland unter 100. Foto: AFP.

Es sind bislang „nur“ 84 Morde in diesem Jahr. Der jüngste am Dienstagabend, als der Fahrer eines Autos in East-Oakland mit mehreren Schüssen von einem noch unbekannten Täter gestoppt wurde. Sein Wagen fuhr auf parkende Autos auf. Die Polizei rätselt noch, wer hinter der Tat stehen könnte.

Nur noch ein paar Tage bis zum Jahreswechsel. Die Mordrate bleibt also in diesem Jahr erneut unter 100, ein Erfolg. 2015 wurden in meiner Wahlheimat 89 Menschen ermordet, 2014 waren es 80 „Homicides“. Nürnberg hat weit über 100.000 mehr Einwohner als Oakland, doch in der Frankenmetropole wurden im Jahr 2015 nur acht Morde vermeldet. Im gleichen Zeitraum gab es deutschlandweit 296 Morde. Deutschland ist im Vergleich zu den USA ein sicheres Land. Das sollte bei all den Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate durchaus betont werden.

Schießereien und solche mit Todesfolge sind in amerikanischen Großstädten Normalität. Man lernt damit zu leben. Mit den Nachrichten, den Fernsehbildern, den Todesanzeigen. Weit über 35.000 Zwischenfälle mit Schusswaffen werden Jahr für Jahr in den USA registriert

Für mich sind diese Mordstatistiken aber auch beruhigend, so makaber das klingen mag. Denn die Wahrscheinlichkeit hier in Oakland ein Opfer zu werden, ist wohl manchmal höher als auf meinen Reisen in Konflikt- und Krisenregionen. Das lässt eine Reise nach Somalia, in den Kongo oder nach Afghanistan auf einmal ganz anders erscheinen. Natürlich hinkt dieser Vergleich, das weiß ich auch. Aber in den 17 Jahren, in denen ich in Oakland lebe wurden etwa 1500 Menschen ermordet. Zum Vergleich, bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Zeitraum 1992 bis 2015 fielen 106 Soldaten.

Oakland ist kein Kriegsgebiet, keine Kampfzone, keine außergewöhnlich gefährliche Metropole. Auch wenn Donald Trump im Wahlkampf Oakland mit Kabul und Bagdad verglichen hat. Es ist eine Stadt wie viele in den USA. Gewalt, Mord, Totschlag, Schießereien gehören hier einfach zum Alltag. Und die Zahl 84 am Ende des Jahres ist damit ein Erfolg.