Antisemitismus im Trump-Land

Die „Oakland Hebrew Day School“ liegt genau gegenüber von meinem Fitness Club, dem „Oakland Hills Tennis Club“. Da ich das Spazierengehen mit meinem Hund meistens an ein Workout anschließe, parke ich immer im Schatten eines Baumes, der genau am Zaun der Schule liegt. Käthe wartet und weiß, danach ist sie mit mit ihrem Auslauf dran. So auch gestern, ein Tag wie immer. Doch als ich zurück zu meinem Wagen kam, stand da ein Sicherheitsbeamter der Schule. „Is that your car“, fragte er. Ja, meinte ich. Er kam auf mich zu, schüttelte mir die Hand und meinte, „Thank you for taking care of your dog“. Ich wußte, auf was er hinaus wollte und fragte ihn, ob es ein Problem sei, wenn ich hier parke. Nein, nein, sagte er. Der Schulleitung sei nur aufgefallen, dass da ein Wagen sehr nah am Zaun parke und er habe kontrolliert was da los sei. Als er meinen Hund im Auto sah, wußte er gleich, warum der Wagen da stand. „I watched out for her, beautiful dog“.

Am 3. März wurden zahlreiche Grabsteine auf dem Waad Hakolel Friedhof in Rochester, New York, beschädtigt. Foto: AFP.

Am Zaun der Schule sind Schilder angebracht, dass das Gelände mit Kameras überwacht wird. Heute stand ein Streifenwagen vor der Schule, als ich langsam an ihm vorbeifuhr sah ich, dass der Beamte mein Kennzeichen in den Computer eingab. Es herrscht Angst bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Jüdische Einrichtungen, Schulen, Kulturzentren, Synagogen stehen unter besonderer Beobachtung in diesen Tagen und Wochen. Es hat sich etwas verändert in den USA, im Trump-Land. Mit dem erfolgreichen Wahlkampf und der Amtsübernahme durch Donald Trump sehen sich Rassisten und Juden- und Islamhasser im Aufwind. Offen treten sie auf, schlagen um sich, beschädigen Einrichtungen und Friedhöfe, verbreiten Angst und Schrecken. Die jüdischen Gemeinden in den USA werden mit Bombendrohungen überzogen. Allein in der ersten Märzwoche wurde 100 antisemitische Zwischenfälle in 33 Bundesstaaten gezählt, daruter Anschlagsdrohungen, geschändete Friedhöfe, Hakenkreuzschmierereien an Synagogen.

Nun haben zum ersten Mal überhaupt alle 100 Senatoren im US Senat einen gemeinsamen Brief an den Chef des Homeland Security Ministeriums, John Kelly, an den Justizminister, Jeff Sessions, und an den FBI Direktor, James Comey, geschickt, in dem sie die Bundesbehörden dazu auffordern, alles in ihrer Macht mögliche zu tun, um Kommunen im Kampf gegen diese neue Welle Antisemitismus und Rassismus zu helfen. Eine symbolische Einheit, die mehr als wichtig ist.

Das Problem ist einfach nicht mehr wegzureden. Rechte Gruppen sehen sich durch die Wahl Donald Trumps gestärkt, auch wenn dieser jüngst erklärte, er verabscheue solche Art von Gewalt. Doch das kam für viel in den jüdischen Gemeinden zwischen New York und San Francisco zu spät. Zuvor hatte sich der New Yorker Selbstdarsteller um eine klare Position herumgeredet. Es müsste nun eigentlich eine Chefsache sein, die unsäglichen, hasserfüllten und unamerikanischen Zwischenfälle zu stoppen. Doch der Präsident schweigt erneut. Darauf zu warten, bis es wirklich zu Bombenanschlägen gegen eine Schule in den Oakland Hills oder ein jüdisches Kulturzentrum in San Francisco kommt, ist nicht nur unverantwortlich, es würde vielmehr jene mitverantwortlich machen, die jetzt keine klare Stellung beziehen.

Passend. Zeitgemäß. Aktuell.

50 Jahre Black Panthers in Oakland.

Im „Oakland Museum of California“ läuft gerade eine sehr aktuelle Ausstellung: All Power to the People – Black Panthers at 50. Von damals den Blick nach vorne gerichtet. Was ist aus dieser Protestbewegung geworden, die weltweit beachtet wurde.

Hier in Oakland hat alles begonnen, als sich zur Hochzeit der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Huey P. Newton und Bobby Seale trafen, zwei Männer, die nach dem Attentat auf Malcom X eine „explizit linke Organisation der Afroamerikaner und eine Schutztruppe unserer Gemeinden gegen rassistische Übergriffe der Polizei“ aufbauen wollten.

Die San Francisco Bay Area war schon immer eine Region der Protestbewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich hier viele Afro-Amerikaner, um sich gemeinsam gegen Diskrimierung und soziale Ungerechtigkeit zu wenden. Sie bekamen in der liberalen Bay Area Unterstützung von vielen. Als die „Civil Rights“ Bewegung in den Südstaaten immer mehr an Fahrt aufnahm, reisten viele von hier dorthin, um Wählerinnen und Wähler zu registrieren, um an Protestmärschen teilzunehmen.

Im Vietnamkrieg starben mehr Afro-Amerikaner als Weiße.

Mitte der 60er Jahre entstand dann in Oakland die „Black Panther Party“, die sich rasch im ganzen Land ausbreitete, Dutzende von lokalen Gruppen wurden gegründet. Die Black Panthers provozierten alleine schon durch ihr Auftreten. Militant, gut organisiert und bewaffnet. Das weiße Amerika und das FBI sahen einen Bürgerkrieg heraufziehen und wollten nicht wahrhaben, was die Panthers in den Kommunen und „Inner Cities“ auch taten. Sie schulten Kinder, halfen Alten, organisierten Essensausgaben, veröffentlichten eine Zeitung mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren. Und die politischen Forderungen waren nicht auf Hass gegen andere aufgebaut, Bobby Seale formulierte es vielmehr so: „We don’t hate nobody because of their color. We hate oppression“

Die San Francisco Bay Area war und ist ein Ort der Protestbewegung. Hier entstand die „Free Speech Movement“, hier wurde gegen den Vietnamkrieg, den Golfkrieg, für die Occupy Bewegung, Black Lives Matter und gegen Donald Trump protestiert. Die Ausstellung im „Oakland Museum of California“ war schon lange geplant, doch hat nun mit dem Wahlsieg Donald Trumps einen ganz aktuellen Bezug gefunden. Dazu auch der folgende Beitrag auf Deutschlandradio Kultur über die liberale Bay Area nach dem Wahlsieg Trumps:

      Das liberale Amerika

Ein Kampf ums Überleben

Eine Woche Donald Trump im Weißen Haus zeigt, der „American Dream“ und die „American Values“ sind in Gefahr. Ein harter und intensiv geführter Kampf steht in den USA an. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Reisefreiheit, ja, die Demokratie an sich steht auf dem Spiel.

Donald Trump zeigt einen Regierungsstil, der an den von Diktatoren erinnert. Mit einer Unterschrift ordnet er an. Und das mit weitreichenden Folgen, wie nun das Einreiseverbot für Muslime aus dem Iran, dem Irak, Jemen, Syrien, Somalia, Libyen und Sudan zeigt. Was er sagt stimmt, auch wenn das noch so abwegig und offensichtlich falsch ist. Trump glaubt, was er aus seinem eigenen Mund hört. Da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren.

Foto: Reuters.

Noch gibt es jedoch Medien und Politiker, Kommentatoren, Fachleute und Bürger, die sich einmischen. So twitterte der frühere Ethik-Berater von Barack Obama, Norm Eisen, von der Gruppe „Citizens for Responsibility and Ethics in Washington“: „WARNUNG: Mister President, ihr Muslimbann läßt Länder unbeachtet, in denen Sie Geschäftsinteressen haben. Das ist eine Verfassungsübertretung. Wir sehen uns vor Gericht.“ Auch die massiven Protestveranstaltungen am Tag nach dem das neue Kapitel in der amerikanischen Geschichte endgültig aufgeschlagen wurde machten das deutlich. Die amerikanischen Straßen beben und es scheint ganz so, dass sich viele in den USA nicht mit dem Status Quo, mit diesem Mann im Oval Office abfinden wollen.

Trump unterschrieb auch ein Dekret, das finanzielle Mittel für all jene Städte streichen soll, die sich selbst als „Sanctuary City“ einstufen, also Städte, die unter bestimmten Umständen nicht mit den Einwanderungsbehörden zusammen arbeiten wollen. Sie behandeln all ihre Bürger gleich, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Darunter sind etliche Bay Area Städte. Die „Mayors“ trafen sich nun – Berkeley Mayor Jesse Arreguín, San Francisco Mayor Ed Lee, San Jose Mayor Sam Liccardo, Oakland Mayor Libby Schaaf – und machten in einer gemeinsame Stellungnahme deutlich, dass sie sich nicht den Drohungen von Donald Trump beugen wollen. Die Gelder, die der Präsident nun streichen will, sind nicht unerheblich. Allein Oakland erhält 130 Millionen Dollar aus Washington, Gelder, mit denen Bildungsmaßnahmen und polizeiliche Projekte finanziert werden. Trump, so die Bürgermeister, spiele mit dem sozialen Frieden und der Sicherheit in vielen amerikanischen Städten.

Doch Donald Trump wird sicherlich nicht auf die gemeinsame Stellungnahme aus der Bay Area hören. So etwas geht ihm wohl wahrlich an der Haartolle vorbei. Trump ist resistent für einen produktiven Dialog. Nach einer Woche im Amt trampelt er weiter über all das, für was Amerika einmal stand. Sogar vor der weltweiten Erinnerung am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts macht Trump nicht Halt. Er unterschrieb sein unsinniges Dekret zum Einreiseverbot für Menschen aus dem Iran, dem Irak, Jemen, Syrien, Somalia, Libyen und dem Sudan ausgerechnet an diesem 27. Januar 2017. Wer noch immer glaubt, Trump werde ein großer Staatsmann mit Weitsicht, Ehrfurcht und Verantwortungsbewußtsein sein, der sollte sich all die Tweets und Reden und Entscheidungen dieses Mannes durchlesen, die er in dieser einen Woche von sich gegeben hat. Wort für Wort. Das sagt alles aus über Präsident Donald Trump.

 

 

„Ich wünsche mir fast Bush zurück“

Es waren dann doch 60.000 Menschen, die in Oakland auf die Straße gingen und gegen Donald Trump und seine politischen Pläne protestierten. Und das war nicht der einzige Protest in der Bay Area, in zahlreichen Städten wie Napa, Walnut Creek, Santa Rosa, San Jose und San Francisco wurde ebenfalls demonstriert.

Einen Tag nach der Vereidigung des 45. Präsidenten zeigten viele in den USA, dass sie sich nicht mit dem neuen Mann im Weißen Haus abfinden wollen. Nun geht es daran eine Opposition aufzubauen und zu stärken. Der „Million Women’s March“ am Samstag war der erste Schritt dazu. Eine offene Kampfansage an Präsident Donald Trump und seine Adminstration.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden noch mehr hassen könnte als George W. Bush und Dick Cheney“, meinte ein Teilnehmer und fügte sarkastisch hinzu; „Ich wünsche mir fast Bush zurück“. Eine Demonstrantin hatte auf ihr Plakat geschrieben: „Keep your tiny hands out of my government“. Die Unsicherheit war auf dem Marsch in Oakland zu spüren. Viele rechnen mit dem schlimmsten. Trump hat bereits umfassende Pläne angekündigt, darunter „Obamacare“ zu streichen, die staatliche Finanzierung für „Planned Parenthood“ zu beenden, Umweltschutzmaßnahmen zu lockern, aus dem Klimaschutzabkommen auszusteigen, illegale Einwanderer auszuweisen, das Militär zu stärken und, und, und. All diese Themen und mehr konnte man auf den unzähligen Plakaten der Demonstrationsteilnehmer lesen.

Was an diesem Samstag im Januar deutlich wurde, in Amerika bildet sich gerade eine weitreichende Gegenbewegung, die u.a. Frauenrechts- und Umweltschutzgruppen, Bürgerrechtsorganisationen und Immigrationsverteter zusammen bringt. Alt und jung, Frauen und Männer. Eine Protestbewegung mit solch einem Ausmaß hat Amerika schon lange nicht mehr erlebt. Es tut sich was in den USA, das haben die heutigen Protestmärsche gezeigt. Donald Trump spricht nicht für die Mehrheit der Amerikaner.

 

Amerika marschiert gegen Trump


In Washington und allen Großstädten der USA sind heute Hunderttausende auf den Straßen, um gegen Donald Trump und das zu protestieren, für was er steht.

Hier in Oakland geht der Demonstrationszug ganz langsam voran. Weit über Zehntausend Menschen sind am Rande von Downtown für den „Million Women’s March“ zusammen gekommen. Die Botschaft ist eindeutig: Love Trumps Hate!

Wo man singt, da lass dich nieder

In der San Francisco Bay Area hat man mit allem gerechnet, aber nicht mit einem Wahlsieg von Donald Trump. Über 80 Prozent der Wähler stimmten im Bezirk San Francisco gegen den New Yorker Milliardär, der so für gar nichts steht, was hier gelebt und geliebt wird. Trump wetterte  in seinem Wahlkampf gegen die „San Francisco Werte“, beschimpfte Oakland als „gefährlichste Stadt der Welt“, drohte den Gemeinden und Städten der Region, ihnen die Bundesmittel zu streichen, wenn sie nicht aufhörten eine „Sanctuary City“ zu sein. Das sind Städte, die zum einen soziale Angebote und Schulen auch für illegale Einwanderer öffnen. Zum anderen bewusst nicht mit der Einwanderungsbehörde zusammen arbeiten und ihnen bekannte „illegal immigrants“ nicht melden.

Der Schock saß also tief, als Donald Trump in der Wahlnacht als selbstzufriedener Sieger da stand, sich und seine Verbalattacken gegen alles und jeden bestätigt fühlte. Was machen, war und ist hier die große Frage? Den Kopf in den Sand stecken und durch, hoffen, dass in den kommenden vier Jahren nicht alles so wird, wie es Donald Trump in seinem „Contract with the American Voter“ angekündigt hat? Hier in der San Francisco Bay Area rätselt man, was nun kommen wird.

Der weltbekannte San Francisco Gay Choir geht da einen ganz anderen Weg. Die vielen Sänger waren ebenfalls geschockt vom Wahlausgang, doch wollten sich damit nicht abfinden. Der Chor veröffentlichte ein Video „There will be light“ und plant nun eine Tour durch mehrere Südstaaten, die Brücken bauen soll, zeigen soll, dass Amerika viel mehr ist, als nur der Blick zum eigenen Bauchnabel. Der SFGC wird auf seiner „Lavender Pen Tour“ nach North Carolina, South Carolina, Mississippi, Tennessee, Georgia und Alabama reisen, um dort aufzutreten und, um mit einer „kräftigen, positiven Stimme unsere befreundeten LGBTQ+ Amerikaner, vor allem unsere LGBTQ+ Jugendlichen zu unterstützen. Und gleichermaßen wollen wir eine Hand zu einen ehrlichen Dialog mit allen Amerikanern ausstrecken“.

Der San Francisco Gay Choir sammelt nun Geld für seine Konzertreise in den Süden der USA. Es ist ein wichtiges Zeichen in diesen schwierigen Zeiten. Aufeinander zugehen, das sollte auch jemand anderes in diesem Land lernen und tun.

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Kein Grund zum Feiern in Oakland

Die Mordrate bleibt in Oakland unter 100. Foto: AFP.

Es sind bislang „nur“ 84 Morde in diesem Jahr. Der jüngste am Dienstagabend, als der Fahrer eines Autos in East-Oakland mit mehreren Schüssen von einem noch unbekannten Täter gestoppt wurde. Sein Wagen fuhr auf parkende Autos auf. Die Polizei rätselt noch, wer hinter der Tat stehen könnte.

Nur noch ein paar Tage bis zum Jahreswechsel. Die Mordrate bleibt also in diesem Jahr erneut unter 100, ein Erfolg. 2015 wurden in meiner Wahlheimat 89 Menschen ermordet, 2014 waren es 80 „Homicides“. Nürnberg hat weit über 100.000 mehr Einwohner als Oakland, doch in der Frankenmetropole wurden im Jahr 2015 nur acht Morde vermeldet. Im gleichen Zeitraum gab es deutschlandweit 296 Morde. Deutschland ist im Vergleich zu den USA ein sicheres Land. Das sollte bei all den Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate durchaus betont werden.

Schießereien und solche mit Todesfolge sind in amerikanischen Großstädten Normalität. Man lernt damit zu leben. Mit den Nachrichten, den Fernsehbildern, den Todesanzeigen. Weit über 35.000 Zwischenfälle mit Schusswaffen werden Jahr für Jahr in den USA registriert

Für mich sind diese Mordstatistiken aber auch beruhigend, so makaber das klingen mag. Denn die Wahrscheinlichkeit hier in Oakland ein Opfer zu werden, ist wohl manchmal höher als auf meinen Reisen in Konflikt- und Krisenregionen. Das lässt eine Reise nach Somalia, in den Kongo oder nach Afghanistan auf einmal ganz anders erscheinen. Natürlich hinkt dieser Vergleich, das weiß ich auch. Aber in den 17 Jahren, in denen ich in Oakland lebe wurden etwa 1500 Menschen ermordet. Zum Vergleich, bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Zeitraum 1992 bis 2015 fielen 106 Soldaten.

Oakland ist kein Kriegsgebiet, keine Kampfzone, keine außergewöhnlich gefährliche Metropole. Auch wenn Donald Trump im Wahlkampf Oakland mit Kabul und Bagdad verglichen hat. Es ist eine Stadt wie viele in den USA. Gewalt, Mord, Totschlag, Schießereien gehören hier einfach zum Alltag. Und die Zahl 84 am Ende des Jahres ist damit ein Erfolg.

Ein Erlanger ist unter den Toten in Oakland

36 Menschen starben bei dem verheerenden Feuer in einem umgewandelten Lagerhaus in Oakland. Einer der Verstorbenen ist ein Franke. Wolfgang Renner aus Erlangen ist mit 61 Jahren das älteste Opfer, das bei dem Brand ums Leben kam.

Das Gebäude 1305 31st Avenue, bekannt als "Ghostship" brannte völlig aus. Foto: AFP.

Das Gebäude 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“ brannte völlig aus. Foto: AFP.

Am Freitagabend fand in dem Gebäude 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“, eine Rave-Party statt. Aus bislang noch ungeklärten Gründen brach das Feuer gegen 23:30 Uhr aus, ein Großteil der Besucher im ersten Stock hatte keine Chance sich zu retten. Das Feuer brach im Erdgeschoss aus, als der dicke Qualm in das obere Stockwerk drang, war es zu spät. Die selbstgebaute Treppe aus Holzpaletten und Sofas stand zu diesem Zeitpunkt wohl schon in Flammen, einen Notausgang, Rauchmelder und Sprinkleranlagen gab es in der Lagerhalle nicht.

Wolfgang Renner lebte schon seit Jahren in Oakland. Freunde und Bekannte beschrieben ihn auf der facebook Gedenkseite für die Opfer der Katastrophe als „warmherzig, offen, charmant, intelligent, etwas verrückt“ und als einen „freien Geist“. Er soll laute Musik, Ausdruckstanz und schräge Klänge geliebt haben. Der 61jährige sei wie viele auf der Party selbst Musiker gewesen. Mit Aushilfsjobs hielt er sich über Wasser, um so seine elektronischen Musik zu finanzieren und zu verbreiten. Hin und wieder komponierte er Musik für Laienschauspielgruppen in der Bay Area. Mit ihm starb seine Lebensgefährtin Michelle Sylvan.

 

In der Trauer die Hoffnung

Das "Ghostship" am Tag danach. Foto: Reuters.

Das „Ghostship“ am Tag danach. Foto: Reuters.

Die gedrückte Stimmung spürt man überall in Oakland. Das Feuer vom vergangenen Freitag in einer Lagerhalle im Fruitvale Distrikt brannte sich durch die gesamte Stadt. Gestern kamen Tausende am Lake Merritt in Downtown Oakland zusammen, um der Opfer zu gedenken. 36 Tote wurden bislang gefunden, noch nicht alle konnten identifiziert werden.

Die Katastrophe hat auch die Frage aufgeworfen, wie eine vitale, kreative und offene Kunst- und Kulturszene in einer Stadt wie Oakland leben und überleben kann, wenn die Mieten ständig steigen, kein Raum mehr für Kulturschaffende bleibt. Braucht das kulturelle Leben in einer Großstadt Schutz- und Freiräume? Das Feuer vom Freitag zeigte vielen auf, unter welchen Bedingungen Kunst entsteht, was Künstler und Kunstbegeisterte machen und machen müssen, um das zu schaffen, was diese Stadt und diese Region auch ausmacht.

Die Bay Area mit ihren kreativen Zentren San Francisco, Oakland, Berkeley, Marin und Sonoma County zeichnet aus, das hier immer irgendetwas passiert. Viele der Kunstobjekte beim alljährlichen Burning Man Festival werden hier entworfen, erstellt, erbaut. Künstler leben dafür in Fabrikhallen, machen Abstriche. Auch bei der Sicherheit. 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“ war da keine Ausnahme.

Die aktuelle Diskussion geht nun auch darum, wie die Stadt Oakland, die Behörden reagieren werden. Ob sie mit harter Hand vorgehen, alle umgewandelten Fabrik- und Produktionsstätten durchforsten und darauf drängen, dass alles „up to code“ sein muß. Das würde das Ende der reichhaltigen und vielseitigen Kunst- und Kulturszene Oaklands bedeuten. Oder wird man mit den Kulturschaffenden der Stadt einen gemeinsamen Weg finden, um den kreativen Puls Oaklands am Schlagen zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit aller zu garantieren. Und wird man es schaffen Künstler und Musiker hier zu halten, ihnen Räume zum Arbeiten und zum Leben zu bieten? Oakland steht nach einer unvorstellbaren Katastrophe vor dieser Frage, vor dieser gewaltigen Aufgabe. Sie ist zu lösen, wenn man denn erkennt, welchen Wert Kunst, Kultur auch fernab der Museen, Galerien und geförderten Treffpunkte für eine weltoffene, interessante, lebenswerte und vielschichtige Stadt wie Oakland hat.

Wie konnte es zur Katastrophe kommen?

Das ist die Frage, die derzeit viele in Oakland beschäftigt. Wie konnte es zu dem katastrophalen Feuer in dem Gebäude 1305 31st Avenue kommen, mit wahrscheinlich Dutzenden von Toten? Es war keine Lagerhalle mehr, seit Jahren schon lebten und arbeiteten dort Künstler. Unter der Webadresse Ghostship kann man sich einen Eindruck machen. 1305 31st Avenue wurde zu einem beliebten Underground-Partytreffpunkt. Am Freitag fand dort mal wieder eine Party statt, die allmonatliche „OBSCURa MaCHINa“, im ersten Stock des Gebäudes.

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Gegen 23:30 brach am Freitagabend das Feuer aus. Der herbeigerufenen Feuerwehr bot sich ein Bild des Schreckens. Der untere Bereich war total mit Möbeln, Inventar, Musikinstrumente, Kunstobjekten zugestellt. Ein Sprecher des „Oakland Fire Departments“ sprach von „einem Labyrinth“, seine „Fire Fighters“ hätten das Gebäude nicht betreten können, alles stand in Flammen.

Das "Geisterschiff" vor dem Brand. Ein riesiges Kunstobjekt für sich. Foto: oaklandghostship.com

Das „Geisterschiff“ vor dem Brand. Ein riesiges Kunstobjekt für sich. Foto: oaklandghostship.com

Ein weiteres Problem war, dass nur eine selbstgebaute Treppe aus Paletten und Sofas in die obere Etage führte. Der Rück- und Fluchtweg für die Partygäste war in den Flammen schnell versperrt. Das „Ghostship“, wie sich dieser Künstlerraum nannte, verbrannte im Feuermeer.

Schon lange war bekannt, dass das Haus nicht so genutzt wurde, wie es die Auflagen vorgaben. Immer wieder wurde Behördenvertretern der Zugang zu 1305 31st Avenue verweigert. Nun geht die Suche nach Schuldigen los. Bürgermeisterin Libby Schaaf kündigte an, genau herausfinden zu wollen, was genau vorgefallen ist und wo die Fehler im System lagen und liegen. Unterdessen wird versucht den Opfern und ihren Angehörigen zu helfen. Eine großangelegte Spendenaktion hat begonnen. Auch das MLB Team der Oakland Athletics und das NBA Team der Golden State Warriors beteiligen sich an der Aktion.

Das Feuer in dem Künstlerkollektiv, in dem wohl mehrere Personen lebten, hat jedoch auch eine erneute Debatte über bezahlbaren Wohnraum in der Stadt und der Region entfacht. Oakland ist zu einem der teuersten Wohnmärkte im ganzen Land geworden. Künstler und Kulturschaffende zogen schon vor Jahren aus San Francisco über die Bay, hatten hier lange Zeit die Möglichkeiten billig zu wohnen, sich zu entfalten. Die vielen leerstehenden Industriebauten und Fabriken machten es möglich. Doch das ist längst vorbei. High Tech Firmen, wie google und facebook, kaufen ganze Straßenblöcke in „low income Communities“ in Oakland auf, um dort die Häuser zu sanieren und an ihre Mitarbeiter weiter zu geben. Oakland erlebt nun ein brutales Erwachen. Das Feuer vom Freitag ist eines der katastrophalsten in der Geschichte der Stadt.