Die Straßen von San Francisco

165 Millionen Dollar. Das ist kein Jackpot, das ist nicht das Vermögen eines reichen Menschen und auch nicht der Kaufpreis für ein Start-up Unternehmen im Silicon Valley. 165 Millionen Dollar gibt San Francisco Jahr für Jahr für Obdachlose in der Stadt aus. Und da San Francisco öffentliche Gelder aus Washington erhält, muss die Anzahl der „Homeless“ alle zwei Jahre ermittelt werden. Zuletzt in einer Nacht im Januar 2013. Damals zählte man in einer Nacht 6436 Männer und Frauen.

Doch diese Zahl war wohl zu gering, denn darin kamen obdachlose Kinder und Jugendliche gar nicht vor, die auf sich alleine gestellt in verlassenen Gebäuden hausen oder in Parks campen und ganz bewußt die Nähe zu obdachlosen Erwachsenen meiden. Nun wurde auch diese Zahl ermittelt. Diesmal schwärmten die Stadtbediensteten tagsüber aus. Demnach leben in San Francisco 914 Minderjährige auf der Straße. Allein, ohne Eltern und ohne ein Dach über dem Kopf.

Seit Ewigkeiten versucht die Stadt das Problem der Obdachlosigkeit in den Griff zu bekommen. Ganze Wahlkämpfe wurden schon zu diesem Thema geführt. Bislang schaffte man es nicht auch nur ansatzweise das Problem zu lösen. Und doch, San Francisco steht besser da, als viele andere amerikanische Großstädte. In Los Angeles stieg die Zahl der „Homeless“ zwischen 2011 und 2013 um 15 Prozent. In New York City waren es 13 Prozent. In San Francisco blieb die Zahl stabil, allerdings mit nunmehr 7350 noch viel zu hoch. Dennoch behauptet man im Rathaus der „City by the Bay“, dass gerade die 165 Millionen Dollar Investition dazu geführt habe, dass nicht noch mehr Menschen die Straßen von San Francisco ihr Zuhause nennen.

Wo ein Richter, da kein Angeklagter…

…so ungefähr könnte man den Beginn des „Gemeinde Gerichts“ in San Francisco beschreiben. Im Stadtteil Tenderloin und South of Market, am Rande der Downtown Hotels und der Touristengegend, kommt es immer wieder zu kleineren Straftaten. Das reicht von Prostitution bis hin zum Drogenkauf, öffentlichem Urinieren und Autoeinbruch. Um dem Problem Herr zu werden gründete Bürgermeister Gavin Newsom dieses direkte Gericht, nach Vorbild New York City. Die Idee dahinter ist, dass die eigentlichen Gerichte entlastet und die Vorfälle in wenigen Tagen abgeurteilt werden sollen. Auch ist als Strafe kein Gefängnis vorgesehen, sondern vielmehr ein sozialer Dienst in der Nachbarschaft oder Geldbussen.

Und nun hat dieses „Gemeinde Gericht“ eben seine Türen in San Francisco geöffnet. Eingeplant waren am ersten Tag fünf Fälle. Doch keiner der fünf Angeklagten tauchte auf. So stand Richter Ron Albers etwas verloren in seiner schwarzen Robe herum und harrte der Dinge aus, die da eigentlich auf ihn zukommen sollten. Das Problem bei dieser Art von Gerichtsverfahren ist schlichtweg, dass viele der Straftäter Obdachlose oder Drogenabhängige sind, die ohne weiteres absichtlich oder unbeabsichtigt den Prozesstermin verpassen.