Knarren gehen weg wie warme Semmeln

Die amerikanische Nation zeigt sich geschockt vom Attentat auf die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords, bei dem sechs Menschen getötet und 14 verletzt wurden. Nun wird diskutiert, wie es dazu kommen konnte. Hätten strengere Waffenkontrollgesetze das Blutbad verhindern können?

GLOCK 17Aus Angst vor schärferen Gesetzen ist der Knarrenverkauf nach dem Samstag sprunghaft angestiegen. Alleine in Arizona ging die Waffe des Täters, eine Glock 9mm mit Preisschild $ 499, mehr als doppelt so oft über den Ladentisch. Das Schießeisen des österreichischen Herstellers ist beliebt wegen ihrer einfachen Handhabung. Auch schon der Attentäter auf dem Campus der Universität Virginia Tech, Seung-Hui Cho, bei dem 2007 32 Menschen starben nutzte eine Glock 9mm.

Insgesamt stieg der Handfeuerwaffenverkauf in Arizona in den letzten Tagen um 60 Prozent. Doch auch in Ohio (65 Prozent), Kalifornien (16 Prozent), Illinois (38 Prozent) und New York (33 Prozent) wurden mehr Knarren verkauft. US weit waren es fünf Prozent.

Das ist wohl der amerikanische Weg, um mit einem Attentat umzugehen.

Seltsame Tierschutzgesetze

Die USA sind auch dafür bekannt, dass es hier noch immer Gesetze gibt, bei denen man sich fragt, wie die überhaupt Gesetze wurden. Und das findet man in allen Lebensbereichen, sogar beim Tierschutz.

So ist es in Ohio und Oklahoma verboten, Fische betrunken zu machen. Wer am Sonntag in Ohio Wale fangen will hat Pech gehabt, denn genau an dem Tag ist es untersagt. In Kalifornien ist es gesetzlich unerwünscht, dass Tiere in einem Umkreis von 500 Metern von Kirchen, Kneipen und Schulen korpulieren . In Wilbur, im US Bundesstaat Washington, darf man kein „hässliches“ Pferd reiten. Noch etwas weiter nördlich, in Fairbanks, Alaska, sollte man keinem Elch alkoholische Getränke ausschenken, denn das steht unter Strafe.

Touristen, die nach Los Angeles kommen, sollten sich hüten in der Stadt der Engel eine Kröte zu lecken,  das könnte teuer werden. In Sheridan, Wyoming, haben die Polizisten das Recht, Hunde zu beissen, damit diese ruhig sind. In Pine Island, im Bundesstaat Minnesotta, ist es nicht erlaubt, den Hut vor einer vorbeilaufenden Kuh zu ziehen. Auch darf man dort nicht mit einer Ente auf dem Kopf den Bundesstaat verlassen. In Atlanta gibt es ganz spezielle Gesetze, so sollte man dort seine Giraffe (!) nicht an einen Telefon- oder Laternenmast binden, wenn man mal kurz was einkaufen gehen muss. In Florida muß man die Parkuhr füttern, wenn man seinen Elefanten dort anbindet. Florida untersagt auch den Sex mit Stachelschweinen.

Esel vor der BadewanneIn Lawrence, Kansas, darf man auf öffentlichen Strassen keine Bienen im Hut transportieren und falls man mal nach Canton, Mississippi kommt ist es gut zu wissen, dass man dort keine Eichhörnchen aus einem Gerichtssaal heraus mit einer Pistole erschießen darf. North Carolina hat strikte Arbeitsschutzgesetze. So ist es dort  untersagt, Elefanten für die Baumwollernte einzusetzen. Auch dürfen Esel in Arizona nicht in Badewannen schlafen.

Die Stadt Baltimore hatte anscheinend schon Fälle, das Kinobesucher ihre Löwen mitbrachten, von daher ist dies nun untersagt. Und falls man in Tennessee zum Jagen gehen möchte, sollte man wissen, dass es dort verboten ist aus einem fahrenden Auto heraus auf Tiere zu schießen, außer auf Wale.

Und nein, ich bin nicht betrunken und habe das hier auch nicht erfunden. Amerika ist schon seltsam – Ihr NZ-USA Korrespondent.

Showdown at High Noon

Na ja, zur Mittagszeit gab es das Duell in Texas (und Ohio, Vermont und Rhode Island) nicht gerade, aber es wurde vorab als das eigentliche Finale bezeichnet. Hillary Clinton wurde am Abend zuvor via Satellit in die wichtige Abendsendung „The Daily Show with Jon Stewart“ zugeschaltet und Barack Obama rollte mit einem neuen Mariachi Werbespot durch den Flächenstaat des Lone Ranger.

Und dann kam der Tag der Entscheidung, Hillary schwitzte Blut und Wasser, denn am Abend schon könnte ihr Traum von der ersten Präsidentin ausgeträumt sein. Im Vorfeld wurden die Stimmen in der demokratischen Partei lauter, die sie zur Aufgabe aufforderten, falls sie in Ohio und Texas verlieren sollte. Obama hingegen gab sich cool und zuversichtlich. Er war sich seiner Sache gewiss. Doch der Abend brachte keine Entscheidung, zumindest nicht für die Demokraten. Die Kleinstaaten wurden fair aufgeteilt, Vermont fiel an Obama, Rhode Island an Clinton. Dann die erste Überraschung, Hillary Clinton konnte Ohio für sich verbuchen. Und schliesslich die zweite, lange Zeit lag sie in der Auszählung der Stimmen hinten, doch auch in Texas holte die New Yorker Senatorin auf und lag am Abend vorne. Interessanterweise rief spiegel.de Clinton bereits als Sieger der Vorwahl in Texas aus, noch bevor dies die die amerikanischen Medien taten. Bis zuletzt blieb das Rennen spannend.

Ganz anders bei den Republikanern. John McCain machte Nägel mit Köpfen. Er sicherte sich am Dienstagabend die Nominierung seiner Partei, die ihn so gar nicht als Kandidaten will. Vor einem Jahr galt er politisch als tot, doch dann schmiss er alles um, feuerte Berater, pumpte sich nochmal Geld und McCain machte das Unmögliche möglich. Er stürmte von ganz hinten in die Spitzengruppe, drängte Mister 9/11 Rudy Giuliani, den konservativen Liebling und Schauspieler (Law and Order) Fred Thomspon und den superreichen Geschäftsmann und früheren Gouverneur von Massachussetts Mitt Romney aus dem Rennen. Am Ende blieb nur noch Mike Huckabee, Prediger und ehemaliger Gouverneur von Arkansas. Doch auch der musste am Dienstag die Segel streichen. Am Abend stand John McCain genau da, wo er eigentlich schon im Jahr 2000 stehen wollte, im Rampenlicht der eigenen Partei. Damals hatte ihm George W. Bush mit einem niederträchtigen Wahlkampf die Nominierung geklaut, und nun würde genau dieser George W. Bush ihm morgen in Washington auf die Schultern klopfen, ihm gratulieren und die volle Unterstützung zusichern. Man konnte McCain an diesem Abend die Genugtuung über diesen Triumph deutlich ansehen.

Mike Huckabee hingegen galt als Überraschung im Rennen, er rannte weiter, obwohl schon früh klar war, dass er keine Chance hat. Doch Huckabee hat höhere Ziele. Schon seit einiger Zeit fehlt den Evangelikalen im Land eine Führungsperson. Nahmen sie im Wahlkampf 2004 noch eine wichtige Rolle ein, sind sie heute verblasst und nur noch eine Randerscheinung ohne grossen Einfluss. Der redegewandte Huckabee verstand es jedoch im Wahlkampf die christliche Basis in den USA zu mobilisieren. Noch am Abend bedauerten Kommentatoren das Ausscheiden Huckabees, dessen selbstsicheres und charismatisches Auftreten „sich so manch anderer Kandidat wünschen würde“, so FOX News. Mike Huckabee nutzte das nationalweite Rampenlicht, um seinen Namen bekannter zu machen und sich für eine Führungsrolle in der christlichen Bewegung des Landes zu empfehlen. Und auch, um sich als Vize-Präsidentschaftskandidaten für John McCain zu bewerben, denn der braucht einen „echten“ Konservativen und jemanden, der die christliche Basis der Grand Old Party überzeugen kann. McCain und auch Huckabee haben weitgehendst einen fairen und respektvollen Wahlkampf geführt und sich nicht bis aufs Messer gefetzt. Von daher könnte ein Ticket McCain/Huckabee durchaus möglich sein.

Die Demokraten kämpfen aber erst einmal weiter, reden über viel belangloses Zeugs, verpassen sich hier und da ein paar Tiefschläge, versprechen dem gleichen Wahlvolk was es hören will und geben noch ein paar Millionen von Dollar aus. Ein paar Staaten dürfen noch in den Vorwahlkampf eingreifen, ob das aber eine Entscheidung herbei führt, ist fraglich. Nach diesem Dienstag ist das Rennen wieder offen, auch wenn ich nach wie vor glaube, dass Obama am Ende gewinnen wird. Hillary Clinton aber wird nicht so einfach aufgeben und sich bestimmt noch ein paar nette Runden mit ihrem Senatorenkollegen liefern. Erst im August ist der Parteitag in Denver angesetzt, es könnte also bis dahin dauern…na, gut‘ Nacht, Marie!

Endspurt

In der kommenden Woche entscheidet sich die Zukunft Hillary Clintons. In Texas und Ohio wird gewählt und es sieht nicht gut aus, für die New Yorker Senatorin. Im Marsch aufs Weisse Haus sah Hillary diese Staaten lange Zeit als längst in der eigenen Tasche, doch in den letzten Wochen kippte alles. Obama liegt in den Umfragen in Texas derzeit vor seiner Konkurrentin und in Ohio gleich auf. Alles sieht danach aus, als ob Barack Obama nicht mehr zu bremsen ist. Schon werden Stimmen in der demokratischen Partei laut, die Hillary Clinton auffordern, im Falle von Wahlniederlagen in Texas und Ohio die Segel zu streichen und Obama den Vorzug zu lassen. Damit würde sicher gestellt werden, dass der eigentliche politische Gegner, John McCain, nicht aus den Augen verloren wird. Denn falls Clinton und Obama bis zum Parteitag Ende August in Denver den innerparteilichen Zweikampf weiterführen und sich gegenseitig auseinander nehmen, könnte das am Ende nur dem Republikaner McCain helfen. Doch Hillary Clinton ist noch nicht so weit die Segel zu streichen. Sie kämpft wie eine Löwin um jeden Wähler in Texas und Ohio. Nun erschien ein neuer Werbespot mit keinem geringerem als Schauspieler Jack Nicholson. Darin werden Filmausschnitte des Hollywoodstars zu einem witzigen Spot zusammen geschoben und am Ende erklärt Nicholson selbst, er habe diesen Werbefilm für gut befunden.   Barack Obama hatte erst kürzlich einen vielbeachteten Wahlwerbeclip, der auf youtube Hunderttausende von Downloads hatte.  Darin wird deutlich gemacht, dass der Senator aus Illinois die Hoffnungsfigur einer neuen Generation in den USA ist. Obama fasziniert die Menschen, über Sprach- und ethnische Grenzen hinweg. Er gilt als Neuanfang und das kommt in dem Werbespot durch. Ich denke, Hillary Clinton wird die Vorwahlen in Texas und Ohio verlieren und sich dann aus dem Wahlkampf zum Wohle der Partei zurück ziehen. Das könnte das Ende der Clinton-Dynastie sein, es sei denn, Tochter Chelsea ist in den vergangenen Wochen auf den Wahlkampfgeschmack gekommen und wird in ein paar Jahren als Kandidatin zurück auf die politische Bühne kommen.