Der wievielte Amoklauf ist es?

Foto: AFP.

Foto: AFP.

Am 27. August beendete ich einen Blogeintrag mit den Worten: Es wird wieder passieren, irgendwo und irgendwann im Land. Vielleicht heute, vielleicht morgen. Egal, es wird passieren. Das steht fest.“ Es hat fünf Wochen gedauert, dann knallte es wieder. Diesmal am Umpqua Community College in Roseburg, Oregon. 13 Tote, mindestens 20 Verletzte. Doch die Zahlen können sich noch verändern. Der Todesschütze, ein 20jähriger, ist bei dem anschließenden Schußwechsel mit der Polizei ums Leben gekommen. Ein Einzeltäter, heißt es, über Hintergrund und Motiv ist noch nichts bekannt. Es ist schon die 45. (!) Schießerei in diesem Jahr an einer Schule, einem College, einer Unversität.

Das Entsetzen ist – mal wieder – groß. In Washington forderte ein sichtlich betroffener Präsident Barack Obama umgehend striktere Waffengesetze. „Das ist etwas, was ich nicht alleine machen kann“. Er wolle für die Opfer und deren Angehörige beten, meinte er, und drückte damit auch aus, dass das wohl das einzige sein wird, was er machen kann und wird. Man glaubt Obama, dass er gerne etwas tun würde, doch im politischen Washington keine Chance auf eine Verschärfung der Waffengesetze sieht. Das vermeintliche Recht auf Waffenbesitz wird von konservativen Politikern und Richtern über das Grundrecht auf Unversehrtheit der eigenen Bürger gestellt.

Wenn solche regelmäßigen Amokläufe und Massenschießereien nichts verändern. Wenn Kleinkinder und Kirchgänger, Schüler, Studenten, Kinobesucher und Arbeitnehmer nicht mehr da sicher sind, wo sie glauben sicher zu sein, dann stimmt doch etwas nicht in „God’s Country“. Ich lebe seit nunmehr 19 Jahren in einem Land, in dem einfach hingenommen wird, dass Jahr für Jahr die Bewohner einer Stadt in der Größe von Forchheim einfach abgeballert werden. Schußwaffen fordern jährlich rund 30.000 Tote in den USA, Morde, Selbstmorde, „Unfälle“ mit Knarren. Und nichts verändert sich. Das eigentliche Ereignis, das zwangsläufige Betroffensein, das Abhaken und zum Alltag übergehen, es ist noch nicht mal mehr ein Skandal. Es ist Amerika. Es wird wieder passieren, irgendwo und irgendwann im Land. Vielleicht heute, vielleicht morgen. Egal, es wird passieren. Das steht fest.“

 

Rocky Mountain High

John Denver hatte sicherlich nicht damit gerechnet, dass sein Song einmal so ausgelegt wird. Rocky Mountain High, high in den Rocky Mountains. Gott hab‘ ihn selig. Seit Anfang des Jahres darf man in Colorado legal Marihuana kaufen und verköstigen. Und eigentlich gibt es keine Beschränkungen. Man muß 21 sein, nach dem Genuß darf man nicht Autofahren, die Verkaufsshops dürfen nur von 8 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet sein und als Käufer darf man „nur“ eine Ounce, also rund 28 Gramm erwerben. Good Times, Rocky Mountain High.

Nun wird auch in anderen westlichen Bundesstaaten genau beobachtet, was sich da in den Bergen tut. Der Pottourismus verspricht gute Einnahmen für den Bundesstaat. In Kalifornien, Alaska, Arizona und Oregon sind bereits Initiativen entstanden, die bei den nächsten Wahlen die Wähler über eine Legalisierung von Marihuana abstimmen lassen wollen. Mit der Legalisierung von Marihuana unterläuft man auch die mexikanischen Drogen Syndikate. An der Grenze zum südlichen Nachbarn wird immer wieder tonnenweise Mariuhana beschlagnahmt. Mehr als 90 Prozent der konfiszierten Drogen ist Mariuhana.

Neue Töne im gescheiterten Drogenkrieg. Amerika erlebt derzeit einen Umbruch. In Umfragen erklären mehr als 50 Prozent der Bürger, dass sie nichts gegen eine Legalisierung von Pot hätten. Die Obama Administration hat darüberhinaus erklärt, dass sie erst einmal nichts gegen die Gesetzgebung in einzelnen Bundesstaaten unternehmen wird. Also, es ist und bleibt vorest legal in Colorado einen Joint zu drehen. Zumindest unter diesem Präsidenten. Und auch in Washington DC soll das Kiffen bald erlaubt sein. Ein bißchen high in der Politmetropole, vielleicht wäre das gar nicht so schlimm und würde den aggressiven Ton und das angespannte Verhältnis zwischen Demokraten und Republikanern etwas entschärfen. Good Times.

Ein Hilferuf der verhallt

Einsparungen      

In Oakland kommt keine Polizei mehr bei Einbrüchen. Die Aufklärungsrate bei schweren Verbrechen wie Mord und Vergewaltigung liegt bei nur rund 25 Prozen. Feuerwehren werden geschlossen oder nur noch zum Teil besetzt. Amerika spürt mittlerweile ganz deutlich die Einsparungen im öffentlichen Haushalt. Es geht nicht mehr nur um den Verteidigungshaushalt, Nationalparks, den Straßenbau. Die Kürzungen sind mittlerweile auch ganz unten im täglichen Leben angekommen. Nichts ist mehr sicher oder heilig vor dem Rotstift. Sogar ganze Sheriff Departments werden aufgelöst, wie das Beispiel im Audiobeitrag zeigt.

„News“ der anderen Art

Auch das sind Nachrichten und Amerika steckt voller solcher Meldungen:

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Mann in Maine nahm in einem Hospital an einer Fortbildung zum Thema Herzgesundheit teil, als er sich über Brustschmerzen beschwerte. Der anwesende Herzspezialist forderte seine Krankenschwester auf, den Mann doch in die Notaufnahme zu begleiten, doch kaum stand der auf, brach er zusammen. Sofort wurden das vortragende Team aktiv, nutzte sogleich die mitgebrachten Apparaturen an diesem unfreiwilligen Patienten bis das eigentliche und herbeigerufene Notaufnahmeteam erschien. Der Mann ist dank der schnellen Reaktion in gutem Zustand.

Attacke im Tiefflug. Fahrradfahrer in Pendleton, im Osten des Bundesstaates Oregon, werden derzeit von einem Falken angegriffen. Immer wieder stürzt sich der Vogel aus dem Himmel auf die vorbeifahrenden Radler und pickt ihnen auf dem Helm. Der Grund dafür ist, dass der beliebte Fahrradweg ganz in der Nähe des Nestes ist, in dem ein paar Jungvögel des Falken hocken. Einer der Radler gab an, dass der Vogel wie ein herabstürzender Kampfflieger angeschossen kam und seinen Helm angriff.

Der freundliche Einbrecher von nebenan. Ein Einbrecher in Vineland, New Jersey, knackte die Haustür eines Hauses und bemerkte dann seinen Fehler. Als die dort wohnende Frau ins Zimmer kam, entschuldigte sich der Einbrecher höflich und erklärte, es tue ihm leid, er wollte eigentlich im Nachbarhaus einbrechen. Auch bot er an, das demolierte Fliegengitter wieder zu reparieren. Die Hausherrin meinte daraufhin, das sei sehr nett, aber es wäre wohl besser, wenn der Dieb lieber ginge. Die herbeigerufene Polizei konnte bislang niemanden dingfest machen.

Milchiger Angriff. Und dann ist da noch die Frau in Delaware, Ohio, die nun eine Anzeige am Hals hat. Nach einem Streit mit ihrem Mann, schloss sich die angetrunkene Frau in den Familienwagen ein. Der Gatte rief die Polizei, die auch kam und die Frau dazu aufforderte, das Auto zu verlassen. Doch die weigerte sich und schrie nur die Beamten an. Die Sheriff Deputies öffneten schließlich gewaltsam die Tür. Der Frau gefiel das jedoch gar nicht, entblösste ihre Brust und begann die Polizisten mit Brustmilch zu bespritzen. Nun hat sie die Anklage wegen „ungehöriges Verhalten“ zugestellt bekommen.

Killernatur

Flora und Fauna brauchen den Regen. Ja, aber der Tigerhai nicht ganz so viel. In den Küstengebieten zwischen Mexiko und Oregon stößt man auf den markant aussehenden Hai. Auch in der San Francisco Bay ist er in seichteren Gewässern zu finden. Doch in den letzten Wochen wurden mehr als 100 Tigerhaie tot geborgen. Unklar ist noch, was genau zu diesem Massentod führte und noch immer führt. Angenommen wird, dass der starke Regenfall in diesem Winter und Frühjahr dafür verantwortlich zu machen ist. Nicht, dass der Hai etwas gegen Regen hätte, das ist ihm eigentlich schnurzepurz egal, aber die langanhaltenden Schauer haben deutlich den Salzgehalt in der San Francisco Bay verändert. Und das, so erste Vermutungen von Wissenschaftlern, gefällt dem Hai so gar nicht und könnte letztendlich zum Tod der Tigerhaie führen. Die Untersuchungen laufen, die Wissenschaftler überlegen, ob es das sein könnte und, wenn ja, ob man Salzpäckchen in die Bay schütten sollte.

Tigerhaie werden bis zu 1,50 Meter lang, können durchaus 40 Jahre alt werden und ernähren sich von Krabben, kleinen Fischen und Würmern im Bodenschlamm.

Entwarnung an der Westküste

Erst Japan, dann Hawaii und dann rollte die gewaltige Welle Richtung amerikanischer Westküste. Mit Stunden Vorlauf bereitete man sich in den Küstenregionen von Oregon bis Kalifornien auf die Wasserflut vor. Der Great Highway in San Francisco, direkt am Strand gelegen, wurde vorsichtshalber gesperrt. Die Polizei arbeitete in der Nacht mit Obdachlosenorganisationen zusammen, um die „Homeless“ in der Gegend dazu aufzufordern, ihre Camps am Rande des Golden Gate Parks zu verlassen. Entlang der Küstenregionen von Central Kalifornien bis hoch nach Oregon wurden die Menschen dazu aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Die Welle kam, doch zum Glück genau zu der Zeit, als Ebbe am Golden Gate war. Keine größeren Schäden wurden bislang gemeldet.

UPDATE: Aus Crescent City in Nordkalifornien kommt die Meldung, dass rund 35 Boote und einige Landungsstege zerstört wurden. In Santa Cruz, einem beliebten Surfgebiet, waren Surfer sogar trotz Warnungen im Wasser als die Welle kam, um den Tsunami zu reiten. Auch im Hafen von Santa Cruz wurden einige Boote zerstört.

YouTube Preview Image

Return of the Wolverine

WolverineEin Wolverine (Gulo gulo), oder wie er auf Deutsch heisst, ein Vielfrass ist in Nordkalifornien aufgetaucht. Das Männchen wurde in der Nähe von Truckee entdeckt. Und das ist eine Überraschung, denn eigentlich wurde vor rund 90 Jahren dem letzten Wolverine in Kalifornien das Fell über die Ohren gezogen, er wurde Opfer der Pelzindustrie. Einige Wolverines leben heute noch zwei Bundesstaaten weiter in Gebieten von Idaho, das ist aber rund 1300 Kilometer entfernt. Normalerweise wandern Wolverines rund 35 Kilometer pro Tag. Doch Buddy, wie er getauft wurde, scheint wohl auf seiner Wanderung die Rockies, die Blue Mountains im Nordosten von Oregon und den Lassen National Park durchquert zu haben, um bis in die Tahoe Gegend zu gelangen.

Der einsame Wolverine, das grösste seiner Art aus der Familie der Marder, ist anscheinend auf der Suche nach einem Weibchen. Wissenschaftler, die das Verhalten des Tieres beobachten, vermerkten, dass er seinen maskulinen Duft verbreite, um auch mal wieder etwas „Action“ zu bekommen. Bislang ergebnislos, denn in der Truckee Gegend wurden schon seit Ewigkeiten kein Wolverines mehr gesichtet. Einige Beobachter meinten auch scherzhaft, man sollte Buddy lieber Randy nennen, was auch fuer „geil“ im Englischen steht. Denn wer solch eine Wanderung hinter sich hat, der hat einen riesigen Hormonstau.

Bislang rätselt man noch, wie nun genau der fellige Zeitgenosse hier gelandet ist. Ob gewandert oder gekidnappt, Tatsache ist, er fühlt sich scheinbar wohl, wenn auch etwas einsam in Truckee.

YouTube Preview Image

Die Seehunde sind aufgetaucht

Seehunde in FlorenceEs war die Frage aller Fragen in San Francisco. Fast über Nacht verschwand die riesige Seehundpopulation, die sich seit Jahren am Pier 39 breit gemacht hatte. Keiner wusste, wohin die mehrere tausend Seehund starke Gruppe geschwommen war. Doch nun tauchten sie wieder auf. Rund 2000 der Meeressäuger steckten nun vor der Küste Oregons ihre Köpfe aus dem Wasser. Einige Hundert nisteten sich gleich in Höhlen unweit der Stadt Florence ein.

Der Grund für die Abwanderung der Seehunde aus der San Francisco Bay Area scheint nun auch geklärt zu sein. Vor der Küste Oregons ist das Wasser kälter, die Strömung kommt direkt von Alaska und dort sind Heringe und andere Köstlichkeiten für die Seehunde zu finden. Das El Nino Phänomen in diesem Jahr hat nämlich die Fische nach Norden verdrängt, nun sind die Seehunde einfach hinterher geschwommen. Ob sie wieder zurück in de Bay Area kommen ist fraglich. Erst nach dem grossen Loma Prieta Erdbeben 1989 verlegten die Seehunde ihren Ruheplatz von vor dem Cliff House nach Pier 39.

Amerikanischer Artenschutz

Amerika steht immer im Verruf der Umwelt nie so richtig eine Chance zu geben. Doch nun planen die USA etwas, was in dem Ausmasse einmalig und überaus bedeutend wäre. Meeresbiologen der „National Oceanographic and Atmospheric Administration“ haben vorgeschlagen, mehr als 181.000 Quadratkilometer Meeresfläche vor der amerikanischen Westküste als kritischen Lebensraum auszuweisen. Das würde von Long Beach in Südkalifornien bis hinauf an die kanadische Grenze reichen. Grund ist die bis zu 2,7 Meter lange und rund 550 Kilogramm schwere Lederrückenschildkröte, die Jahr für Jahr rund 6000 Meilen schwimmt, um sich vor dem Golden Gate mit Quallen den Magen voll zu schlagen.

LederrückenschildkröteDie Schildkröten verlassen im Spätsommer ihre Nistplätze in Indonesien, auf den Solomon Islands, Vanuatu und Papua New Guinea um die lange Reise für das Festmahl vor der amerikanischen Westküste anzutreten. Es ist die längste bekannte Migrationswelle überhaupt. Seit 1970 gelten die Lederrückenschildkröten als gefährdete Art. Bislang weiss man nur wenig über sie, schätzt ihre Lebensdauer auf 40 bis zu 100 Jahren. Zwischen 2000 und 5700 Weibchen sind noch am Leben, allerdings hat die Population der Schildkröten um rund 90 Prozent in den letzten 20 Jahren abgenommen. Der Grund dafür sind vor allem Eingriffe des Menschen in den Lebensraum der Meeresreptilien.

Nun soll ein Jahr lang genauestens untersucht werden, ob solch ein besonderer Schutzraum der Schildkröte von Nutzen ist. Damit verbunden wäre die sichere Migration und auch der Erhalt der Quallenpopulation für die Reptilien als Nahrungsquelle. Doch diese Einsetzung eines kritischen Lebensraumes hätte weitreichende Folgen für die Landwirtschaft, industrielle Verschmutzung, Öl- und Gas-Bohrungen, Kraftwerke an der Küste, Abwasserleitungen und die Fischerei. Umweltschützer preisen diesen Schritt und hoffen schon jetzt auf den langfristigen Schutz der Lederrückenschildkröte.

Von Silbermond, Rammstein und Megaherz

Nach einer endlos langen Autofahrt bin ich wieder zurück. Ich war in Corvallis und Eugene, zwei Uni-Städte in Oregon. Beide haben ein sehr aktives Deutschprogramm und im Zuge von zwei Veranstaltungen über 60 Jahre Berliner Luftbrücke, wurde ich eingeladen, das ganze am Abend noch mit einem Deutschmusikmix abzurunden.

Es waren zwei interessante Abende, die mich ein bisschen an die Realschulparties in Nürnberg Eibach erinnerten…na ja, ich gebe es ja zu, ein paar Kracher aus der NDW-Zeit habe ich auch gespielt. Aber die gehören ja auch dazu, zeitlose Musik sozusagen…Anyway, was ich eigentlich sagen wollte war, den Amerikanern sagt die deutsche Musikszene wirklich zu. Da wurde nach der neuesten Megaherz CD „Heuchler“ gefragt, Rammstein wurden gleich mehrmals gewünscht. Doch auch Bands wie Rummelsnuff, Silbermond, Tokio Hotel, Sportfreunde Stiller und Die Fantastischen Vier waren angesagt.

In Corvallis waren einige im Club, die auch meine Sendung „Radio Goethe“ hören, lokal ausgestrahlt auf KBVR. Von daher kann ich noch verstehen, dass bei manchem ein breites Spektrum der deutschen Musikszene bekannt ist. Aber in Eugene kannte man die Sendung nicht, doch auch da kamen Musikwünsche nach ganz speziellen Sachen.

An beiden alkoholfreien Abenden (weil auf Uni-Geländen) waren DJs wie Tomcraft und Lützenkirchen der Renner. Ich war nur froh, dass ich nicht „3 Tage wach“ übersetzen musste….“Pille, Palle…druff, druff, druff„…ich glaube, dann hätte ich geschaut wie das sprichwörtliche Achala, wenn’s blitzt….