Lovefest in Charlotte

Man, man, man….das wäre ja wirklich eine Tragödie, wenn im November Barack Obama nicht wiedergewählt werden würde. Der Parteitag der Demokraten hat in Charlotte begonnen und am Ende des ersten Tages weiß ich nun alles über den Vater, Ehemann, Bruder, Visionär, lebendes Beispiel des „American Dream“. Soviel Liebe in einem Raum, so viel Nähe, Verständnis, Geborgenheit, das erlebt man wahrlich selten.

Wie kann man so einen Mann nur abwählen, der jeden Abend, nachdem er mit der Familie zu Abend gegessen hat, vor dem Einschlafen noch zehn Briefe von normalsterblichen Amerikanern liest. Der immer mal wieder in wichtigen politischen Debatten zu seinem Schreibtisch geht, das Oval Office wird dann ganz ruhig, einen Brief hervorzieht und erklärt, John Doe aus Missouri baue auf sie alle im Weißen Haus.

Man hört die Reden auf diesem „Lovefesten“ der Parteien und fragt sich schon, was ist dran. Was stimmt da, was ist Realität, was ist Show…na ja, Show ist vieles, aber ich frage mich schon, was man da wie zu sehen hat. Ich lebe hier in den USA, seit 16 Jahren, aber die Debatte über die aktuelle Lage Amerikas gleicht einer Diskussion, ob das Glas nun halbvoll oder halbleer ist. Alles eine Frage der Perspektive, der Überzeugung, der Intentionen. Und das soll jetzt nicht heißen, dass Republikaner und Demokraten den gleichen Weg verfolgen. Auch nicht, dass alles in Ordnung ist. Amerika steckt in einer tiefen Krise. Die Frage ist wohl mehr, ob ein Obama oder ein Romney diese gewaltige Aufgabe alleine schafft. Denn klar ist, nach der Wahl geht der gleiche Grabenkrieg weiter. Die Parteitage zeigen nur umso mehr, wie gespalten Amerika geworden ist.

Hier der Höhepunkt des ersten Abends, des demokratischen Parteitags, die Rede von Michelle Obama:

Michelle Obama in Charlotte     

Der teuerste Schreibtischstuhl der Welt

Man bekommt einen Blick auf einen gut gepflegten und streng bewachten Park, die Wände des Raumes sind rund, eigene Toilette gleich nebenan und natürlich ist die Reinemachefrau oder der Reinemachemann im Preis inbegriffen. Kostenpunkt für dieses einmalige Büro in bester Washingtoner Lage liegt derzeit bei rund eineinhalb Milliarden Dollar. Sesselsitzer Barack Obama und Möchtegerninhaber Mitt Romney veranstalten gerade eine sündhaft teure Reise nach Jerusalem, wer ab Januar 2013 an diesem Schreibtisch Platz nehmen darf.

Dazu ein aktueller Audiobeitrag:

Romney und Obama im Wahlkampf     

Der Mann mit der Schere

Amerika steckt bis zur Oberkante Unterlippe im finanziellen Morast. Die Schulden drücken, die Möglichkeiten aus diesem Sumpf rauszukommen sind gering. Und nun ist Wahlkampf und jeder kommt mit klugen und weniger klugen Vorschlägen daher, was er oder was sie machen würde, wenn er oder sie denn im Oval Office sitzen würde.

Einer, der wohl die radikalsten Vorstellungen hat ist Ron Paul. Wenn man ihm zuhört denkt man Edward mit den Scherenhänden steht vor einem, denn Paul schneidet sich durch den Bundeshaushalt, wie kein anderer Kandidat. Und nicht nur vorsichtig hier ein Löchlein und dort ein Löchlein. Paul schnippelt schnie-schnaa-schnappi durch den Zahlenberg.

Wenn Ron Paul Präsident werden würde, Amerika stände eine grundlegende Neuausrichtung bevor. Erst jüngst hat Paul sein Konzept vorgestellt mit Kürzungen im Bundeshaushalt von einer Billion Dollar. Von jetzt auf gleich. Fünf Ministerien würden ganz dicht gemacht werden, andere müßten mit Einschnitten von 30-40 Prozent umgehen, amerikanische Truppen aus Übersee würden umgehend abgezogen, die amerikanische Entwicklungshilfe auf Null runter gefahren werden. Die Anzahl der Staatsbeamten würde reduziert und viele Dienstleistungen und Angebote der Bundesregierung auf die Bundesstaaten abgewälzt werden. Dazu noch eine radikale Umstrukturierung des Steuersystems, was den Amerikanern zwar mehr Geld in die eigene Tasche brächte, aber auch die öffentlichen Angebote drastisch einschränkte.

Zu guter letzt würde das Jahresgehalt des Präsidenten unter Ron Paul auf 39,336 Dollar gesenkt werden, auf das Niveau eines normalen amerikanischen Arbeiters. Ist ja auch vergleichbar!!! Immer wieder wird Ron Paul, auch in Deutschland, als seriöser Kandidat gehandelt. Doch bei diesem Zahlenspiel wird nur zu deutlich, zumindest als jemand, der in den USA lebt, dass Ron Paul besser keine Chance im Vorwahlkampf haben sollte.

Ich fass‘ es nicht!

Gestern hielt Präsident Barack Obama seine erste Rede aus dem Oval Office. In knapp 18 Minuten übernahm er die Verantwortung für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, versprach Abhilfe, Druck auf den Ölkonzern BP und stellte kurz seine neue Energiepolitik vor. Es war eine gute Rede, was dabei herauskommt, muss man in den kommenden Wochen und Monaten abwarten. Immerhin hat er heute BP 20 Milliarden Dollar für Soforthilfen für die Betroffenen in der Region abtrotzten können. Ein wichtiges Zeichen.

Sarah PalinAllerdings habe ich mir nach der Rede auch die Reaktionen auf Obamas Ausführungen angeschaut. Hätte ich mal lieber nicht tun sollen. Da turnen echt einige Verbalakrobaten durch die Fernsehnation. Allen voran die olle Sarah Palin, die sich wirklich dazu erdreistete, Barack Obama zu unterstellen, er wolle eigentlich gar nicht das Leck stopfen, sondern viel lieber seine radikale Umweltpoltik voran treiben. Da sitzt man da und hört das und denkt sich nur: boah, die Alte hat so einen an der Waffel! Palin meint, da sie noch nicht mal eine volle Amtszeit Gouverneurin von Alaska war nun alles besser zu wissen. Keine Ahnung von Tuten und Blasen, aber mitreden wollen. Und das Schlimme ist ja, sie will auch noch Präsidentin werden. Na dann, gute Nacht, Marie!

Republikaner finden sowieso alles Mist, was der Demokrat Obama anpackt. Klar gibt es politische Differenzen, aber in dem Fall der Ölkatastrophe ist es unsinnig Obama vorzuwerfen, er versuche nicht alles, um das ausströmende Öl zu stopfen. Was soll er denn machen, runtertauchen und seinen Finger aufs Loch drücken? Palin, Palin…geh‘ du mal wieder nach Alaska und schau dir deine Nachbarn in Russland an. Aber das Genöle geht einem wirklich sowas von auf die Nerven…