America Under Attack!

In knapp zehn Wochen wird in den USA gewählt. Das gesamte Abgeordnetenhaus und ein Teil des Senats werden neu besetzt. Die Republikaner erhoffen sich, einen deutlichen Sieg einzufahren, ihre Mehrheit im „House“ auszubauen und gleichzeitig die Kontrolle über den Senat zu übernehmen. Damit würde Präsident Obama in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit endgültig ausgebremst werden und die GOP könnte bereits jetzt mit der Beseitigung des „politischen Flurschadens“ beginnen, wie sie die Politik Obamas sehen. Alles ist möglich am 4. November. Um sicher zu gehen, dass die republikanischen Wähler auch ihre Stimme abgeben, wird nun – mal wieder – ein Wahlkampf voller Angst vom Zaun gebrochen. Und im Angstschüren sind die Republikaner Weltmeister.

Die Santa Fe Bridge trennt Ciudad Juarez von El Paso. Werden schon bald die ISIS Terroristen über diese Brücke kommen?

Die Santa Fe Bridge trennt Ciudad Juarez von El Paso. Werden schon bald die ISIS Terroristen über diese Brücke kommen?

In irgendeinem Hinterzimmer der Parteizentrale muß sich folgendes zugetragen haben. Ein paar kluge Köpfe überlegten sich, wie man am besten die Emotionen der Wähler bedienen kann. Einer meinte, man müsse im Wahlkampf mehr auf die Grenzsituation eingehen, denn die sei ja löchrig wie ein Schweizer Käse. All die Illegalen kommen so ins Land, nehmen den hartarbeitenden Amerikanern die Jobs weg, plünderten das Sozialnetz und sowieso seien viele von ihnen auch noch Schwerkriminelle und Bandenmitglieder. Die anderen nickten wohlwollend. Toller Plan.

Der neben ihm saß meinte nur, vielleicht sollte man auch noch die mexikanischen Drogenkartelle mit in dieses Szenario aufnehmen, denn die seien ja wie die Mafia, unkalkulierbar, das schüre Ängste. Alle nickten, guter Plan.

Der Dritte im Bunde überlegte etwas und erklärte dann, die größte Gefahr bliebe dennoch der internationale Terrorismus. ISIS und Al-Qaida, das seien Dauerbrenner. Und sowieso habe die GOP schon mehrere Wahlkämpfe mit diesen Schreckgespenstern des Terrors gewonnen.

Und dann meldete sich der Vierte im Raum. Warum verbinde man nicht all diese Szenarien, das wäre doch dann der SuperGAU des Angstschürens: Die Kämpfer von ISIS, eigentlich im Irak und Syrien aktiv, sind schon in Mexiko gelandet, haben sogar schon eine Terrorzelle in der Grenzstadt Ciudad Juarez aufgebaut. Natürlich ging das nur mit Zustimmung der dort aktiven Drogenkartelle. Nicht genannte Mitarbeiter der Geheimdienste hätten Telefonate, Emails und SMS Botschaften abgehört und abgefangen, in denen ganz deutlich würde, dass ISIS, Ortsgruppe Juarez, Bombenanschläge auf Grenzposten und Einrichtungen im Grenzbereich auf amerikanischer Seite durchführen will. Die Grenzen sind ja durchlässig, von daher ein Klacks für die Islamisten und ihre Kumpels von den Kartellen. America Under Attack!

Ich weiß nun nicht, ob dieses Hinterzimmergespräch tatsächlich so stattgefunden hat. Denkbar wäre es, denn das Horrorszenario, das hier beschrieben wird, ist tatsächlich die Wahlkampfstrategie der Republikaner. Genau so und in dieser Deutlichkeit. In den konservativen Medien von FOXNews und Breitbart bis hin zu Kommentatoren, wie Allen B. West, wird dieser Terrorplan Tag für Tag Zuschauern, Zuhörern und Lesern dargeboten und nimmt immer haarsträubendere Formen an. Ich denke, bis zum Wahltag werden die ISIS Kämpfer auch noch mit nordkoreanischen oder pakistanischen Nuklearwaffen bewaffnet sein. Es sind ja noch knapp zehn Wochen. Alles ist möglich, man muß es nur glauben.

 

Agent Obama und die CIA

Man muß ihn ja nicht mögen, aber was Obama alles angekreidet wird, ist schon ein Unding. Eigentlich ist er ja kein Amerikaner, also, nicht von Geburt an, was ihn vom Präsidentenamt ausschließen würde. Deshalb hat sich die „Birther“ Bewegung gegründet, die in detektivischer Kleinstarbeit beweisen will, dass Obama Kenianer oder sonst ein Ausländer von Geburt aus ist.

Und dann gibt es die religiöse Rechte in den USA, die felsenfest davon überzeugt ist, dass Barack Hussein Obama ein Islamist ist, quasi durch die Hintertür das christliche Abendland Amerikas dem Koran zuführen will. Trotz Homoehe, trotz Abtreibung, trotz Freizügigkeit, hier handelt ein hinterhältiger Islamist im Namen von Mohammed, Mekka, Madrassas. Das ihm noch nicht unterstellt wurde, dass er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten das Scharia Gesetz einführen will, ist lediglich eine Gratwanderung.

Obama der „Kommunist“, „Sozialist“, „Faschist“ und nun wird er auch noch als „Spion“ und „Agent der CIA“ geführt. Tatsache! Kein Witz! Das alles geht auf einen Fehler der Columbia University zurück, die erklärte, Obama wäre nur von 82-83 immatrikuliert gewesen und nicht, wie der Präsident selbst erklärt, von 81-83. Gerüchten zufolge sei Barack Obama vor seiner Zeit an der Uni in New York als Agent der CIA in Pakistan eingesetzt gewesen. Klar, mit Zweitnamen Hussein stehen einem die Türen und Tore der radikal islamischen Splittergruppen am Hindukusch weit offen. Sein Lächeln, sein Charme wird die fusselig-bärtigen Gotteskrieger überzeugt haben. Auch wenn die Verwaltung der Columbia University mittlerweile erklärte, Obama sei doch schon von ’81 an Student der Uni gewesen, es habe sich bei einer früheren Erklärung um einen Computerfehler gehandelt, Verschwörungstheoretiker und Obama-Hasser sind sich einig, da stimmt was nicht. Und natürlich findet man auch noch Professoren, die sich so gar nicht an den heutigen Präsidenten als Studenten erinnern können. „Bei mir war der nicht in der Vorlesung“.

Ich hoffe nur, dass das Leben von Barack Hussein Obama, das „wirkliche“ Leben dieses geheimnisvollen Mannes mal verfilmt wird. Spannender kann kein Agentenstreifen sein, „Bourne Identity“ mit Matt Damon ist dagegen wie ein Walt Disney Filmchen.

Menschen 2011

Einer wird im Rückblick auf das Jahr 2011 auf alle Fälle vorkommen: Osama bin Laden. Nach fast zehnjähriger Jagd wurde er am 2. Mai im pakistanischen Abbottabad von einer amerikanischen Spezialeinheit gestellt und getötet. Ein Audiobericht:

Osama bin Laden 2011     

9/11 – 10 Jahre danach

Osama bin Laden ist tot. Das war das Ziel von Präsident George W. Bush, der in den Ruinen des World Trade Centers schwor, den Oberterroristen zu jagen und zu fangen. „Dead or Alive“, wie man so schön im Wilden Westen sagt, fügte Bush hinzu. Osama ist tot, doch so richtig will die Partystimmung nicht aufkommen. Nichts ist mit Friede, Freude, Eierkuchen in Washington DC.

Warum auch? Das Terrornetzwerk Al-Qaida hat den Krieg gegen die USA gewonnen, und das auf ganzer Flur. Zwar reden die USA noch immer von militärischen Gewinnen gegen die Taliban und gegen Al-Qaida im Irak, in Afghanistan und in Pakistan, doch schon lange ist klar, Amerika hat den „War on Terror“ verloren. Das ist seit dieser Woche nicht mehr zu übersehen. Mit dem Schlachtruf von George W. Bush und den Kriegen im Irak und Afghanistan, dem militärischen Einsatz in Pakistan haben sich die USA selbst an die Wand drücken lassen. Ein kleiner Gegner hat den Riesen Amerika ausgeknockt. Die USA sind pleite, ihre Kreditwürdigkeit in Frage gestellt. Die Kriege haben die amerikanischen Steuerzahler in den letzten zehn Jahren rund vier Billionen Dollar gekostet plus Zinsen und Zinses-Zinsen, denn das Geld wurde auf Pump verballert. Diese Zahl hat das Eisenhower Research Project an der Brown University zusammengerechnet. Darin enthalten sind die direkten Kosten der Militäreinsätze, aber auch die Versorgung von verletzten und verwundeten Soldaten und die Langzeitpflege von kriegsgeschädigten Veteranen.

Doch diese gewaltige Zahl von vier Billionen Dollar beinhaltet noch nicht einmal alle Kosten verbunden mit dem „War on Terror“. Seit dem 11. September 2001 drehen die USA am Rad. Die Terroranschläge sind zu einem Totschlagargument geworden, mit dem in Amerika alles verändert werden konnte und kann. Die Bürgerrechte wurden eingeschränkt, Kommunen und Bundesstaaten sparten hier, um öffentliche Gelder da in die „Sicherheit“ der Bürger zu investieren. Die Vereinigten Staaten bröckeln und das sprichwörtlich. Die gesamte Infrastruktur in den USA leidet unter dem Mangel an finanziellen Mitteln, die woanders gegen einen vermeintlichen Gegner eingesetzt werden. Die Straßenverhältnisse in Kalifornien sind katastrophal, öffentliche Parks werden geschlossen, Büchereien dicht gemacht, in den Schulen und an Universitäten wird auf Sparflamme unterrichtet.

Und dann ist da noch der moralische Sieg der Terroristen. Nicht die Täter der verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 leben in Angst und Schrecken, es sind die Amerikaner, die seit zehn Jahren hinter jedem Busch einen Attentäter vermuten. An Flughäfen wird man als normaler Passagier wie ein potenzieller Bombenbastler behandelt. Alte, Gebrechliche, Schwerbehinderte, Kleinkinder werden abgetastet, als würden sie zum heiligen Krieg aufrufen. Moslems in den USA erleben seit zehn Jahren einen täglichen Spießrutenlauf. Wer von ihnen in einem Flughafen ein Gebet für eine sichere Reise spricht, läuft Gefahr verhaftet zu werden und einen Großalarm auszulösen. „We are at war“, eine Nation im Krieg. Damit wird alles erklärt, alles entschuldigt, jedes Argument gegen die offizielle Linie der Regierung vom Tisch gewischt. Sogar die Forderung, dass Präsident Barack Obama endlich seine Wahlversprechen einlösen soll, wie zum Beispiel die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo Bay und anderer geheimer CIA Gefängnisse, wird mit dem Totschlagargument beiseite geschoben.

Auch außenpolitisch haben sich die USA mit der Bush-Doktrin geschadet. Amerika hat den Status einer Supermacht verloren, ist nicht mehr der Kämpfer für Frieden, Freiheit und Demokratie. Die USA stehen heute für Kalkül, militärische Macht und draufhauen mit aller Gewalt. Seit dem Beginn des „War on Terror“ sind, so das Eisenhower Research Project der Brown University, 225.000 Menschen durch den Krieg gestorben. Soldaten, ihre Gegner und Zivilisten. Auch diese Kosten wurden nicht berechnet, können nicht berechnet werden. Wie errechnet man Trauer für unschuldige Opfer, wie errechnet man Hass gegen die USA, wie errechnet man Rachegefühle gegen ein Land?

Die USA haben ihren „War on Terror“ verloren. Mit Saddam Hussein und Osama bin Laden sind ein paar bekannte Köpfe gerollt, doch von einer Befriedung der Regionen, von einer Befreiung, von einer Demokratisierung kann nicht die Rede sein. Und nun auch noch das, Amerika ist pleite. Wer jetzt noch von „Mission accomplished“ spricht, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt, träumt weiter von „God’s country“, von „the mighty, the greatest nation in the world“.

 

 

Mission accomplished

Präsident Bush jagte ihn ganz in Wild West Manier: Die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 hatten die Amerikaner wahrlich im Mark getroffen. Fast seine zwei gesamten Amtszeiten verbrachte Bush damit, Osama bin Laden auf den Fersen zu bleiben, doch vergeblich:

Doch die Geduld hat sich nun ausgezahlt. Im zehnten Jahr nach den Anschlägen und acht Jahre auf den Tag genau nach George W. Bushs „Mission Accomplished“ Verkündigung, wurde der Al Qaida Boss von US Spezialkräften aufgespürt und erschossen.

Radiobeitrag zum Tod von bin Laden     

Präsident Barack Obama trat am Abend vor die Fernsehnation. Alle TV-Sender und Radiostationen unterbrachen ihre aktuellen Sendungen, um ins Weiße Haus umzuschalten. Zuvor hatte Obama schon mit Bill Clinton und George W. Bush telefoniert, um ihnen von der „guten“ Nachricht zu berichten. Die USA hoffen mit dem Schlag gegen den Kopf des Terrornetzwerks, die Organisation deutlich geschwächt zu haben. Doch erst einmal bleibt es bei der Hoffnung. Noch am Abend verkündete das „State Department“, aufgrund der Aktion in Pakistan müsse von einer erhöhten Anschlagsgefahr für alle Amerikaner im Ausland ausgegangen werden.

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Cartoonist ist nicht mehr

Molly Norris gibt es nicht mehr. Zumindest offiziell nicht mehr. Und unter diesem Namen nicht mehr. Die Cartoonistin aus Seattle hatte im April die Idee, einen „Everybody Draw Mohammed Day“ auszurufen. Der Grund dafür war die zensierte Sendung „South Park“ von Comedy Central. Dort sollte eigentlich der gezeichnete Mohammed neben anderen religiösen Persönlichkeiten auftreten. Doch die Anwälte im Sender bekamen kalte Füße und änderten flugs das Programm. Geschrei hin oder her. Die South Park Kreativen treten zwar jedem und allem vors Schienbein, aber Mohammed, da hört der Spaß auf.South Park Mohammed

Norris‘ Initiative führte zu einer Art Schneeballeffekt. Eine Facebookseite wurde gegründet, die wiederum zog das Interesse von pakistanischen Behörden auf sich, die als Folge facebook ganz in Pakistan verboten. Und dann rief so ein Mufti noch eine „Fatwa“ aus, das wiederum nahmen die amerikanischen Behörden sehr ernst. Das FBI klingelte dann eines Tages bei Molly Norris an der Tür und die Agenten sagten zu ihr, eigentlich wäre es am besten, wenn sie mal alles einpackt, abreist, niemandem sagt, wohin sie fährt, ihre Namen ändert und irgendwo, wo auch immer, ganz von vorne anfängt.

Am Mittwoch gab nun Molly Norris‘ Arbeitgeber, der Seattle Weekly, bekannt, dass die Comics der Zeichnerin nicht mehr erscheinen werden. „Molly is no more“.

Ready for War

West PointWest PointDie Kadetten, die am Dienstag in West Point auf die Rede Präsident Obamas warteten, waren in guter Stimmung. Die Zeit, bis der „Commander in Chief“ eintraf, nutzten sie mit interessanter Lektüre. Einer lass „Kill Bin Laden“, ein anderer schmökerte in „On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society“. Und nun gehen diese Bilder um die Welt. Macht bestimmt einen guten Eindruck zwischen Afghanistan und Pakistan.

Eiertanz mit Barack

ObamaDie seit Wochen und Monaten mit Spannung erwartete Rede des amerikanischen Präsidenten sollte die Nation einen. Doch stattdessen spaltete sie nur noch mehr.

Hier ein Audiobericht:

Obama Rede