Heute hat die Welt Geburtstag

Rammstein sind ein weltweites Phänomen, und das schon seit fast 25 Jahren. Die Band aus Berlin spielt in gleicher Besetzung und das ist erstaunlich in diesem Geschäft. Nun gewährt Keyboarder Flake einen Einblick in das Innenleben der Band. Sein zweites Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ ist ein Abriss von einem Tag auf Tour, gespickt mit Anekdoten aus seinem und dem Leben der Band.

Es ist eine enge Gemeinschaft, die als Rammstein die musikalische Welt aufgerollt hat. Erklären kann es eigentlich niemand, dass die sechs Musiker mit ihrem Sound und ihren deutschen Texten rund um den Globus so erfolgreich sind. Lange Zeit wurden sie vom deutschen Feuilleton genauso belächelt wie von den staatlichen Kulturexperten. Ganz wichtige Musikjournalisten warfen ihnen sogar eine Nähe zur Nazi-Ideologie vor, weil Sänger Till Lindemann angeblich das „R“ rolle wie Adolf Hitler es getan haben soll. Das ist natürlich totaler Quatsch. Weder rollt Lindemann das „R“ wie der einstige Führrrrerrr des tausendjährigen Reiches, noch sind Rammstein auch nur in der Nähe der verblendeten Geschichtsverfälscher auszumachen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Flake hat bereits sein zweites Buch vorgelegt. Nach „Der Tastenficker“ feiert nun also die Welt Geburtstag. Und Flake erzählt witzig und voller Humor vom Alltag in der Band. Flake kommt dabei immer wieder als Schwachmat voller Ängste rüber, er beschreibt sich selbst als das schwache Glied in der Band, der eigentlich nur durch Zufall dabei ist. Aber wenn man zwischen den Zeilen liest, dann merkt man schnell, dass Rammstein eine eingeschworene Gruppe ist, die jeden der Mitglieder braucht, um den Erfolgsweg weiterzugehen. Die sechs Musiker ergänzen sich auf ihre Weise.

„Heute hat die Welt Geburtstag“ ist ein unterhaltsames Buch, bei dem man immer wieder lächeln und lachen muss. Flake ist ein genauer Beobachter, der gekonnt Situationen, auch peinliche oder nicht geplante, beschreiben kann. Das macht das Buch zu einem lebendigen und höchst lesenswerten Bericht. Klar, ich mag die Musik von Rammstein, habe Flake und die anderen schon mehrmals selbst interviewt, zum ersten Mal, als sie eine noch unbekannte Vorband von KMFDM in einem kleinen Club in Palo Alto waren.

Das ist lange her. Rammstein gingen danach konsequent ihren Weg. Sie haben es im Laufe der Jahre geschafft, ganz ungeplant Sprach- und Kulturbotschafter zu werden. Man muss sich nur mal die DVD „Völkerball“ von Rammstein ansehen, um das zu begreifen. Die Band spielt da in Frankreich, England, Japan und Russland und überall singen junge Leute lautstark die wohlgemerkt deutschen Texte der Berliner mit. Als jemand, der seit 22 Jahren in den USA lebt, hier Radio macht und viel mit Hörern in Kontakt ist, weiss ich das sehr zu schätzen, was Rammstein für die deutsche Kultur- und Sprachförderung erreicht haben. Zwar unbeabsichtigt und fernab jeglicher staatlicher Unterstützung, aber deshalb umso willkommener.

Flakes Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ zeigt die sehr menschliche Seite hinter der harten Fassade dieser Band. Erschienen ist das Buch für 20 Euro im S. Fischer Verlag, und ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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Im Wohnzimmer zur Arbeit

In San Francisco gibt es ein einigermaßen funktionierendes öffentliches Verkehrssystem. Mit den Muni Bussen schaukelt man durch die Streets und Avenues. Hin und wieder geht gar nichts, wenn mal wieder der Stromabnehmer aus der Oberleitung gehüpft ist, manchmal regnet es auch in die alten Busse rein, dann wird einfach ein Regenschirm im Bus aufgespannt. Ich habe mich dort schon von Bekloppten zutexten lassen, einer von denen zeigte mir auch mal eine Knarre, einfach so. Ich stieg an der nächsten Haltestelle aus. Der Stadt fehlt das Geld, um das weitverzweigte System grundauf zu erneuern.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

San Francisco ist jedoch auch im Zentrum der High Tech Industrie, das Silicon Valley liegt nicht weit, viele der dort Angestellten, wollen lieber hier an der Bay leben als im vorstädtisch langweiligen Mountain View, Palo Alto oder Redwood City. In San Francisco werden neue Ideen entwickelt und getestet, Programme, Hardware und Apps. Kein Wunder also, dass auch neue Verkehsideen ausprobiert werden. Ein neues Startup Unternehmen, Leap, will nun den Busverkehr revolutionieren. Nichts mehr mit dreckigen Sitzen, zu heiss im Sommer oder zu kalt im Winnter und schon gar nicht Überflutung bei den seltenen Regenschauern.

Leap schickt nun Wohnzimmerbusse durchs Stadtzentrum. Von einem Stadtteil, den man eher als Yuppie Gegend beschreiben kann, nach Downtown, für 6 Dollar. Bequeme Sitze, kostenloses WiFi, USB Anschlüsse, eine Fruchtsaft- und Snackbar (nicht im Fahrpreis inbegriffen). Also Service ohne Ende. Man solle „in style“ zur und von der Arbeit kommen, heisst es.

Diese Busse werden eine erneute Diskussion aufwerfen. Schon seit langem stossen vielen in San Francisco die Busse von Google, facebook und anderen High Tech Schmieden auf, die ihre Mitarbeiter an öffentlichen Haltestellen in San Francisco aufgreifen, um sie in Luxusbussen ins „Valley“ zu bringen. All das ist Ausdruck der „Gentrification“ in der nordkalifornischen Metropole. Die Stadt verändert sich in Siebenmeilenstiefeln, die Busse der IT Giganten und nun von „Leap“ machen das ganz deutlich. Das einzige, was vielleicht bei all dem positiv zu sehen sein könnte ist, dass man den öffentlichen Nahverkehr durchaus auch angenehm gestalten könnte. Wenn das mal im Rathaus ankommt. Es gibt einfach keinen Grund, warum man mit Regenschirm durch eine der schönsten Städte der Welt Bus fahren muß.

Wie einst Leni Riefenstahl

Ich habe sowohl Riefenstahls Nürnberger Parteitagsfilm und ihren 36er Olympiastreifen gesehen, wie auch schon etliche Rammsteinkonzerte live miterlebt. Aber irgendwie will das für mich nicht zusammen passen. Anders allerdings für amerikanische und kanadische Kritiker, die sich bei der aktuellen Tour der Berliner Combo an Hitlers Lieblings-Leni erinnern. Muß man wohl so stehen lassen, ich denke ja beim Pommesessen bei McDonald’s auch immer an die Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten. Ist klar, oder?

Rammstein tourten letztes Jahr durch die USA. Die Nachfrage war so groß, dass man gleich nochmal kommen wollte. Es geht wieder quer durchs Land und die Fans sind begeistert. Vom „besten Tag meines Lebens“ bis „phänomenal“ und „einzigartig“ werden die Konzerte in den Blogs und auf facebook beschrieben. Rammstein rocken sich durch den Wilden Westen und zeigen ganz ungeniert, dass man durchaus auch mit deutschen Texten Amerika aufrollen kann.

Die explosive Pyroshow der Berliner ist einzigartig, man kann ohne zu übertreiben sagen, dass Rammstein derzeit die beste Live-Performance im Rockzirkus bieten. Die Tickets für ein Konzert sind nicht gerade billig, doch die Tour ist ausverkauft. Solch einen Hype erlebt man selten. Rammstein sind da, wo sie immer sein wollten. Mit einer bewundernswerten Ausdauer und Disziplin verfolgten sie ihren Masterplan. Als ich 1997 mit Paul Landers im kleinen Club „The Edge“ in Palo Alto hinter der Bühne saß, meinte er, sie begreifen selbst nicht, was da gerade abläuft. Das Ziel sei allerdings, so Landers lachend, auch in den USA die ganz großen Konzertsäle zu füllen. Doch dann auf der Bühne war klar, Rammstein sind ein Phänomen. Die paar Dutzend Amerikaner im Publikum waren geschockt, fasziniert, überrascht, geplättet. Sänger Till Lindemann setzte sich gleich beim ersten Song „Rammstein“ in Flammen. Die Band spielte ihr Programm auf dieser kleinen Bühne.

Seit dieser ersten Tour im Vorprogramm von KMFDM sind Rammstein Kult in den USA. Man hört sie selten im Radio und dennoch verkaufen sich ihre Platten, die größten Konzerthallen sind schon lange ausverkauft, nichts scheint sie stoppen zu können. Lange Zeit drückten sich die offiziellen deutschen Stellen in den USA, Botschaft, Konsulate und Goethe-Institute, darum, auch nur irgendwie in die Nähe der Berliner gebracht zu werden. Und das, obwohl Rammstein wohl mehr für die Verbreitung der deutschen Sprache und der deutschen Kultur getan haben, als viele der „offiziellen“ Kultur- und Sprachangebote. Man muß sich nur ein Konzert der Band ansehen, man sollte nur mal auf die Fanseiten blicken, dann sieht man, Deutsch ist „in“. Und wenn ein 15jähriger über „Du hast“ zum Deutschlernen kommt, soll mir das recht sein.

Rammstein Songs werden in den Deutschstunden der High Schools behandelt. In den Klassenzimmern kommt man über die Berliner auf die deutsche Musikszene, die Berliner Mauer, die DDR, Geschichte, Politik und Kultur.

Und nun touren sie wieder, die Fans jubeln, die Kritiker wissen so gar nicht, was sie davon halten sollen, dass tausende von Kids lautstark auf Deutsch mitsingen. Klar, holen wir mal wieder die olle Leni aus der Mottenkiste. Muß ja sein, jemand, der so schön das „R“ rollt wie Till Lindemann, hat  sicherlich was mit dem bekloppten, kleinen Österrrrrreicher zu tun. Und Explosionen, Feuer und Flammenshow, na, wenn das nicht an den Blitzkrieg über England erinnert.

Das Gute an allem ist, dass die Fans sich von solch bescheuerten Kritiken nicht beeinflussen lassen. Rammstein haben Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache geweckt. Dafür sollte man ihnen dankbar sein.

„We can do it… again“

Präsident Barack Obama hatte sich bei facebook angkündigt. Ein Nebengebäude des Social Media Unternehmens war mit Mitarbeitern, einigen Politikerkollegen wie Nancy Pelosi und Gavin Newsom, Unterstützern und einer ganzen Reihe von Medienvertretern gefüllt. Und dort wollte Barack Obama neben facebook Gründer Mark Zuckerberg eine Art „Town Hall Meeting“ abhalten. Ein paar Fragen aus dem Publikum, ein paar Fragen von der facebook Gemeinde, die per Online Fernsehen über die facebook Seite des Weißen Hauses zugeschaltet war….das war es dann auch schon.

Es war eine lockere Runde für den redegewandten Präsidenten. Keine Gefahr, kein Glatteis, man konnte den Eindruck gewinnen, Barack Obama läuft sich schon mal für den Wahlkampf warm. Er kam rüber als „easy going“, forderte Zuckerberg gleich zu Anfang auf, das Jacket auszuziehen, krempelte sich die Hemdsärmel hoch und witzelte immer mal wieder rum. Unter den strengen Blicken unzähliger Secret Service Agenten bescherte das größtenteils junge und fast noch jugendliche Publikum Obama ein Heimspiel. Der nahm die Unterstützung dankend an. Eine Stunde lang sonnte er sich in ihrer Mitte, fühlte sich sichtlich pudelwohl. Abschließend bat er das Publikum noch ihn auch weiter zu unterstützen. Denn er habe noch viel vor, was zu Ende gebracht werden müsse: Gesundheitsreform, Immigrationsgesetz, Wirtschaftsaufschwung, Arbeitsplätze schaffen…

Passend dazu übergab Mark Zuckerberg dem Präsidenten noch ein blaues Sweatshirt mit facebook Aufdruck (Made in China, was anderes bekommt man in den USA nicht mehr). Soviel zum Thema Arbeitsplätze in den USA. Obama schüttelte noch ein paar Hände, doch dann mußte er weiter zu „Fundraisern“, exklusive Abendessen, die 35.000 Dollar pro Nase kosten.

Und hier der gesamte Auftritt von Barack Obama bei facebook in Palo Alto.

      Obama bei facebook

Obama (noch nicht) bei facebook

Es scheint, jede Taubenzuchtvereinszeitung ist hier bei facebook. Praesident Obama hat sich angekuendigt, er ist u.a. in Kalifornien um Spenden fuer den kommenden Wahlkampf zu sammeln. Secret Service ueberall, Kontrollen, Hubschrauber, Bombenschnueffelhunde…. Aber meine Tasche haben sie nicht aufgemacht, noch nicht mal angefasst. Musste nur meinen Schluessel aus der Hosentasche ziehen.
Also, da waren die Sicherheitsvorkehrungen beim Besuch von Angela Merkel in Stanford hoeher…. Etwas verwunderlich!

Präsident auf Facebook

Am Mittwoch wird Präsident Barack Obama die Headquarters von Facebook in Palo Alto besuchen. Dort soll es ein „Town Hall Meeting“ geben, bei dem Obama über die Haushaltskrise und -misere sprechen wird. Man kann gespannt sein, was er so erzählen wird, wie seine Pläne zur Lösung der Schuldenkrise aussehen.

Als USA Korrespondent der Nürnberger Zeitung wurde ich vom State Department zu dieser Veranstaltung eingeladen. Nach einer Registrierung mit dem Weißen Haus und einem Security Check im Vorfeld, muß man Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung vor Ort sein. Die Sicherheitsvorkehrungen des „Secret Service“ sind mehr als hoch. Ich werde versuchen, die Veranstaltung für die Leser/Hörer des NZ-Blogs aufzuzeichen. Mehr am morgigen Abend an dieser Stelle.