Na denn, Prost!

Der demokratische Abgeordnete Bob Brady trinkt aus dem Wasserglas des Papstes.

Bob Brady trinkt aus dem Wasserglas des Papstes.

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Und doch, manchmal gibt es sie wirklich. Nachdem Papst Franziskus am Donnerstag im US Kongress eine denkwürdige Rede hielt, die in Teilen in beiden politischen Lagern sehr positiv aufgenommen wurde, kam die Zeit des demokratischen Abgeordneten Bob Brady aus Pennsylvania. Der Pontiff verließ das Gebäude, alles blickte auf ihn, als Brady sich zum Rednerpult schlich und das Wasserglas des Papstes „klaute“. Damit ging er in sein Büro, nahm einen tiefen Schluck, gab es weiter an seine Frau und zwei Mitarbeiter, die ebenfalls aus dem Wasserglas tranken. Anschließend rief er den demokratischen Senator Bob Casey, ebenfalls aus Pennsylvania, in sein Büro. Der kam mit Frau und Mutter, alle drei tauchten ihre Finger in das Glas und bekreuzigten sich.

Nachdem die Aktion bekannt wurde, erklärte sich Bob Brady gegenüber der Washington Post. Natürlich werde er für das Glas zahlen, meinte er. Diebstahl sei es also nicht. Auf den Einwand der Zeitung, dass es ja eigentlich kein gesegnetes Wasser sei, denn der Papst habe lediglich daraus getrunken. „Es interessiert mich nicht, was sie denken“, antwortete der Demokrat. „Alles was der Papst berührt ist gesegnet. Daran glaube ich und niemand wird mich davon abbringen.“

Den Rest Wasser hat er nun in eine Flasche abgefüllt, um damit seine Enkelkinder zu segnen. Das Glas selbst will Bob Brady nun an eine Spurensicherung schicken, die die Fingerabdrücke des Papstes verifizieren sollen, denn „jeder kann ja einfach sagen, er habe ein Glas des Papstes“. Es war auch nicht das erste Glas, das Brady mitgehen hat lassen. Auch bei der „State of the Union“ Rede von Barack Obama, klaute er danach das Wasserglas vom Rednerpult. Da sag nochmal einer, der US Kongress sei kein Tollhaus.

 

Die Heiligsprechung des Junípero Serra

Wer durch Kalifornien reist, kommt an diesem Namen nicht vorbei. Es gibt Junípero Serra Boulevards, Junípero Serra High Schools und Junípero Serra Squares. Und dann sind da noch die Missionen von San Diego bis nördlich von San Francisco, die von dem spanischen Jesuiten im 18. Jahrhundert gegründet wurden. An acht der Missionen war Serra beteiligt. Er brachte den Katholizismus nach „Neu Spanien“, vom heutigen Baja California bis hoch nach Nordkalifornien.

Junípero Serra war umstritten, seine harte und brutale Art, auch gegen sich selbst, war bekannt. Serra missionierte die „Wilden“ im amerikanischen Westen, war darüberhinaus der Inquisator für Spanien in der Region. Nun will Papst Franziskus ihn in Washington heilig sprechen. Das ist umstritten, denn viele „Native Americans“ sehen in Junípero Serra den Vertreter einer Gewaltherrschaft, die ihre Nationen zugrunde richtete. Sie haben kein Verständnis dafür, dass dieser Mann, der mit aller Härte sein Ziel der Missionierung verfolgte, nun als Heiliger verehrt werden soll. Doch Proteste und Briefe an den Vatikan halfen nichts. Junípero Serra wird am morgigen Mittwoch vom Papst diese besondere Ehre der Katholiken erhalten.

Der Papst auf Death Row

Heute war ich mal wieder in San Quentin zu Besuch. Ein paar Stunden am Samstagmorgen eingesperrt in einem Käfigabteil des Besuchsraums mit einem Death Row Insassen. Dazu Coca Cola und Popcorn, Mikrowellenburger und Nussmischung. Draussen strahlte die Sonne, die San Francisco Bay lag spiegelglatt nur einen Steinwurf vom Gitterfenster entfernt.

Reno erzählte, dass der katholische Geistliche in San Quentin einige Häftlinge aufgefordert hatte, Briefe an den Papst zu schreiben. Denn der kommt im kommenden Jahr nach Kalifornien, ein Besuch in San Francisco ist schon fest eingeplant. Der Jesuitenpriester im Staatsgefängnis hofft mit seiner Briefkampagne, den Papst auch zu einem Besuch in den East-Block von San Quentin zu bewegen. Dort ist die kalifornische Death Row untergebracht. Überraschen würde es nicht, wenn ohne viel Brimborium auf einmal der katholische Oberhirte vor dem Gefängnistor steht und um Einlaß bittet.

In der Vergangenheit gab es schon verschiedene hohe Besuche in San Quentin. Das reichte vom Dalai Lama bis zu Winnie Mandela. Papst Franziskus würde es bestimmt ganz anders machen, wenn ihn die Gefängnisleitung läßt. Sein erste Besuch hinter Gittern wäre es auch nicht. Man kann gespannt sein, ob es zu dem Besuch im ältesten kalifornischen Gefängnis kommen wird und wie die lokalen katholischen Ordensträger auf dieses durchaus ungewöhnliche Anliegen ihres Seelsorgers in San Quentin reagieren werden.