Der NRA-Kandidat geht über Leichen

Unter Beschuss - das bewaffnete Amerika im Wahlkampf     

Donald Trump war der Kandidat der „National Rifle Association“. Schon frühzeitig legte sich die Waffenlobby auf ihn als Kandidaten fest. Trump tönte im Wahlkampf immer und immer wieder, seine Söhne seien die besten Schützen und er verteidige das (vermeintliche) Grundrecht auf Waffenbesitz. Er werde alle Beschränkungen für „Gun Owners“ durch die Obama Administration rückgängig machen, wenn er erst einmal Präsident sei.

Donald Trump wurde gewählt und hielt Wort. Schon im Februar 2017 setzte er eine Anordnung seines Vorgängers außer Kraft, die besagte, dass Amerikaner, die aufgrund mentaler Probleme Sozialhilfe erhalten oder deshalb einen Vormund zugesprochen bekommen haben keine Waffen besitzen dürfen. 75.000 zusätzliche Namen wären so in eine Datenbank gelangt. Trump strich diese Anweisung ersatzlos. Auch schmetterte er erneut Forderungen ab, dass diejenigen, die auf der „No Fly“ Liste des FBIs stehen, keine Waffen erwerben und besitzen dürfen.

Nach dem Amoklauf in Parkland, Florida, forderte Trump, dass man mehr zur Früherkennung von mentalen Störungen machen müsse(!). Seltsam, vor dem Hintergrund seiner Aufkündigung der Obama Anordnung. Und nur ein paar Tage vor dem Amoklauf an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ veröffentlichte das Weiße Haus den Trumpschen Haushaltsplan für die kommenden Jahre. Darin wird das Budget von Medicaid drastisch zusammen gestrichen, also gerade die staatlichen Mittel gekürzt, die solche Hilfsprogramme für psychisch Kranke finanzieren. Auch wurde der Rotstift bei Ausgaben für Schulsicherheit angesetzt, ein Drittel dieser Ausgaben sollen, so Trump, gestrichen werden.

Der Präsident betonte seit seinem Amtsantritt auf jeder seiner zahlreichen Wohlfühlevents, dass er für das Grundrecht auf Waffenbesitz ist und nichts daran ändern werde. Daher erscheint es wie Hohn für die Opfer von Florida, wenn genau dieser Mann nun tweetet, dass die Demokraten ja die Gesetze hätten ändern können, wenn sie denn gewollt hätten. Trump zeigt mit dieser Kurznachricht (mal wieder) sein wahres Gesicht. Das eines Mannes, der problemlos über Leichen geht.

 

„Not guns kill people, people kill people“

Es dauerte nicht lange, dann machte Präsident Donald Trump klar, dass der Amoklauf von Parkland, Florida, nichts mit den sehr laxen Waffengesetzen in den USA zu tun hat. Trump tweetete am Morgen nach dem Blutbad, dass viel darauf hindeute, dass der Täter „geistesgestört“ gewesen sei. Kein Wort dazu, dass der junge Mann mit einem Sturmgewehr den Anschlag verübte, dass er überhaupt die Möglichkeit hatte, solch eine Waffe zu erwerben und zu besitzen.

Das ist nichts Neues, denn Trump sagte schon im Oktober nach der Massenschiesserei von Las Vegas mit 58 Toten, dass der Täter Stephen Paddock „zuallererst krank und wahnsinnig“ gewesen sei. Über das unverhältnismäßige Waffenarsenal des Todesschützen äußerte sich Trump nicht. Warum auch, der Täter war ja ein Bekloppter und nicht zu vergleichen mit jedem anderen Amerikaner. Dass es in den USA allerdings viele solcher „mental Kranken und Wahnsinnigen“ gibt, zeigte die Tat am Valentinstag in Florida.

Wer noch immer darauf hofft, dass ein Massaker endlich zu einer breiten, sinnvollen und sachlichen Diskussion über Waffengesetze, den Zugang zu Schusswaffen und deren Privatbesitz in den USA führten könnte, der sollte langsam aufwachen. Und es ist nicht Donald Trump, der Wunschkandidat der Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA), der dies verhindert, es gibt in diesem Land einfach keine politische Mehrheit in dieser Frage, die 1 und 1 zusammenzählen kann und will. Das war so, das ist so und das wird so bleiben.

Es gibt im Wochenmagazin der ZEIT diese Deutschlandkarten, auf der Woche für Woche Fakten aus Deutschland bildlich dargestellt werden. Das reicht vom Schokoladenkonsum bis hin zur Friseurdichte in der Republik. Natürlich kommen da auch ernsthafte Daten zum Einsatz. Für die USA könnte man folgende Landkarten anlegen. Interessante Fakten und Daten gibt es genügend hinsichtlich der Waffendiskussion:

  • Seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut, im Dezember 2012, gab es in den USA 1606 Massenschiessereien mit 1829 Toten und 6447 Verletzten.
  • Die Bevölkerung der USA macht 4,43 Prozent der Weltbevölkerung aus. Allerdings haben die Amerikaner 42 Prozent der weltweit in Privatbesitz befindlichen Schusswaffen.
  • Die USA liegen mit ihrer allgemeinen Kriminalitätsrate im weltweiten Durchschnitt. Das Land ist nicht gefährlicher als andere und dennoch sind viele US Bürger der Überzeugung sie bräuchten eine Schusswaffe zur Selbstverteidigung.
  • Jene Bundesstaaten mit den meisten Schusswaffen in Privatbesitz, verzeichnen auch die höchsten Selbstmordraten. Liegt die „Erfolgsquote“ für Suizide mit Messern und durch Gift bei 5,1 bzw 7,4 Prozent, steigt sie mit einer Schusswaffe auf 96,5 Prozent.
  • In den Bundesstaaten mit mehr Schusswaffen werden auch mehr mehr tödliche Schüsse auf Polizisten abgegeben.
  • In den letzten 20 Jahren hat sich die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung gewandelt. Waren in den 1990er Jahren noch mehr Amerikaner für kontrollierte Waffengesetze, sind heute mehr als 51 Prozent für das Recht auf Waffenbesitz.

Seit dem Amoklauf an der „Sandy Hook Grundschule“ in Newtown, Connecticut, kam es in den USA zu 1606 Massenschiessereien.

 

 

Here we go again…

Die 30. Massenschiesserei in diesem Jahr, 18 davon waren an Schulen. Diesmal starben an der „Marjory Stoneman Douglas High School“ in Parkland, Florida, mindestens 17 Menschen, 12 weitere wurden verletzt. Die Nachrichtenkanäle überschlugen sich mit ihrer Berichterstattung, Präsident Donald Trump tweetete sein Mitgefühl. Und die große Frage an diesem Mittwoch ist, wann und wo die nächste Bluttat in den USA passieren wird?

Nach dem Schulmassaker in Parkland, Florida. Foto: Reuters.

Dass es wieder so kommen wird, ist klar. Denn Amerika hat ein Problem. Das weiß eigentlich jeder in diesem Land. Sogar Mitglieder einer Militia-Gruppe stimmten mit mir dahingehend überein. Die Zahl der Massenschiessereien und Amokläufe belegen dieses Problem allzu gut. Nur, eine Lösung gibt es nicht. Das zeigt schon alleine die Reaktion eines „Experten“ auf FOXNews am heutigen Nachmittag, der forderte, dass endlich bewaffnete Wachposten vor Schulen patroullieren sollten, um in Zukunft solche Amokläufe wie in Parkland zu verhindern.

Das ist die Antwort derer, die auf mehr Waffen im Kampf gegen die Waffengewalt setzen. Und dieser Wild-West-Vorschlag ist nicht mit einer Forderung nach einem Verbot von Schusswaffen zu vereinen. Die Weltsichten liegen da zu weit auseinander. Die USA sind ein schwerbewaffnetes Land, in dem man einfach sterben kann, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Und dieser Ort sind nicht die Innenstädte, die sozialen Brennpunkte einer Stadt, die bekannten Drogenumschlagplätze, nein, es sind Grundschulen, es sind Kirchen, es sind Country-Musik Festivals. Es passiert nicht mitten in der Nacht, in aller Dunkelheit, es passiert am Nachmittag in einer Schule, am Sonntagmorgen in einem Gotteshaus, am Abend bei einem Konzert unter freiem Himmel. Egal wer erschossen wird, ob Kleinkinder, Gläubige, Musikfans, nichts hat bislang Veränderungen gebracht. Keine Einsicht, kein Einlenken, kein Umdenken.

Amerika sollte endlich mit der Scheinheiligkeit aufhören, das wäre zumindest ehrlich. Die Berufsbetroffenheit von Politikern und Moderatoren, die erst dazu auffordern für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten, um dann einen Tag später das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz zu verteidigen, führt nur noch zum Würgereiz. Es wird sich nichts ändern, außer die Zahl weiterer Amokläufe.