Deutsche Internierung im 2. Weltkrieg

Deutsche Internierte im Zweiten Weltkrieg     

John Christgau wurde nach seinen Recherchen zur deutschen Internierung auch nach Washington DC eingeladen.

Als ich 1996 von Nürnberg nach San Francisco zog, um hier für ein paar Jahre als freier Korrespondent zu arbeiten, musste ich meine Themenlücke finden. Damals begann es im Silicon Valley und in San Francisco zu brodeln, das Internetzeitalter begann. Als jemand, der sich kaum für Computer und Technologie interessierte hielt ich mich von diesen Themen bewusst fern. Hinzu kam, dass damals rund drei Dutzend deutsche Korrespondenten in der Gegend lebten und arbeiteten, die sich fast alle auf die High Tech Industrie stürzten.

Für mich waren andere Themen interessanter und spannender, darunter die deutsche Geschichte in den USA, in Kalifornien und der San Francisco Bay Area. Und mehr durch Zufall stieß ich auf das fast völlig unbekannte deutsch-amerikanische Kapitel der Internierung deutscher Staatsbürger im Zweiten Weltkrieg, vor allem nach dem japanischen Angrif auf die Navy Base Pearl Harbor auf Hawaii. Es handelte sich dabei nicht um Kriegsgefangene und nicht um Nazi Sympathisanten. Vielmehr waren es deutsche Immigranten, die in den USA mit einem deutschen Pass lebten. Viele der 12000 Betroffenen hatten Familien, deren Kinder in den USA geboren wurden, damit amerikanische Staatsbürger waren. Doch auch sie wurden in Familienlager, wie Crystal City in Texas, interniert. Im Zuge meiner Recherchen lernte ich John Christgau kennen, der eines der wenigen Bücher über dieses Thema geschrieben hatte. „Enemies“ ist ein ganz wichtiges Geschichtsbuch, denn es beschreibt, wie die Amerikaner nach Pearl Harbor zu einem Rundumschlag gegen Japaner, Italiener und eben auch Deutsche im Land ausholten. Es herrschte Panikstimmung in den USA. Und nicht nur das, die Agenten des FBI schwärmten aus, um deutsche und japanische Staatsangehörige in Mittel- und Südamerika zu verhaften und in Internierungslager in den USA zu bringen.

John Christgau erzählte diese spannende deutsch-amerikanische Geschichte, die die meisten Amerikaner und Deutsche gar nicht kennen. Er selbst hörte auch durch Zufall davon, als er bei einem Nachbarn war. John lud mich zu sich nach Belmont ein, wir trafen uns gleich mehrmals für dieses Feature, das man oben im Audioplayer hören kann. Er vermittelte mir weitere Ansprechpartner, ich flog für Interviews mit ehemaligen Internierten nach Seattle, nach Arizona und nach New Hampshire. Diese Geschichte war so aufregend und beeindruckend, dass ich John mit dem deutschen Generalkonsulat in Verbindung brachte. Auch dort hatte man von der deutschen Internierung kaum etwas gehört. Nach dieser Recherche blieben wir in Kontakt. John lud mich immer mal wieder zu Lesungen ein. Er war ein rastloser Schreiber, der Geschichten aufsog und erzählte und ein gutes Dutzend Bücher veröffentlichte. Ein Meister des Wortes, der ein hervorragender Interviewpartner war, denn er dachte genau darüber nach, was er sagen wollte und konnte.

Der 84jährige John Christgau verstarb nun unerwartet. Noch vor kurzem hatte er mich zu einem Theaterstück eingeladen. Natürlich zu einem von ihm selbst geschrieben. Im kommenden Frühjahr soll es eine Gedenkveranstaltung für ihn geben, passend in der städtischen Bibliothek von Belmont.

Auch dieser Opfer sollte man gedenken

Zum 75. Mal hat sich am 7. Dezember der Jahrestag des japanischen Angriffs auf den Seehafen Pearl Harbor gejährt. In vielen Veranstaltungen wurde der Opfer gedacht, daran erinnert, dass diese Attacke der Beginn des Krieges für die USA war. Doch der Angriff auf Pearl Harbor führte auch zu einer Jagd auf Japaner, Japan-Amerikaner, Deutsche, Deutsch-Amerikaner und Italiener im Land. Ihnen wurde pauschal vorgeworfen den „Feind“ zu unterstützen. Nur wenige Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor begannen die Pläne für eine umfassende Registrierung dieser Gruppen.

In den USA wird meist nur von den Lagern für die Japaner und Japan-Amerikaner gesprochen. Diese haben bereits in den 80er Jahren vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan eine offizielle Entschuldigung und Entschädigungszahlungen für erlittenes Unrecht erhalten. Später entschuldigte sich Washington auch bei den Italienern.

Die zweitgrösste Gruppe an Internierten, die Deutschen mit rund 11.000 Betroffenen, mussten sehr lange warten, bis das Unrecht als Unrecht bezeichnt wurde. Fälschlicheweise werden in Beiträgen noch immer die internierten Deutschen als Kriegsgefangene oder Nazi-Schergen dargestellt. Kriegsgefangene wären jedoch in offizielle „Prisoner of War Camps“ gekommen und Nazi-Spione oder Saboteure bis zu ihrer Hinrichtung in Gefängnisse.

Das Tor zum Internierungslager Fort Lincoln, außerhalb von Bismarck, North Dakota.

Das Tor zum Internierungslager Fort Lincoln, außerhalb von Bismarck, North Dakota.

Jene Deutsche, die in den Camps, wie „Crystal City“ (Texas) oder „Fort Lincoln“ (North Dakota), endeten waren Auswanderer, die zum Teil schon lange Jahre in den USA lebten oder sogar vor Hitler flüchteten. Nachgewiesenermassen internierten die Amerikaner sogar deutsche Juden, die in den späten 30er Jahren noch Deutschland verlassen konnten. Familien, Geschäfte, ganze Lebensläufe wurden zerstört. Dieses Kapitel der deutsch-amerikanischen Geschichte klingt wie ein Hollywoodfilm, lange Zeit wurde darüber einfach geschwiegen.

Es geht in diesem Kapitel um die Allmacht der Ermittlungsbehörden und der Justiz, und die Verweigerung auf Verteidigung der Beschuldigten. Dieses Thema bleibt in den USA ein stets aktuelles, wie die Ereignisse nach den Terroranschlägen des 11. Septembers belegen. Wie auch die erneute Debatte über die Registrierung von Muslimen im Land zeigt. Dieses deutsch-amerikanische Kapitel handelt vom FBI, das in einer Nacht und Nebel Aktion Deutsche aus Südamerika verschleppte und in die USA brachte. Es handelt von deutsch-amerikanischen Familien, in denen der Vater noch deutscher Staasbürger war, die Kinder aber hier geboren und damit per Gesetz Amerikaner waren. Gesamte Familien wurden zum Austausch mit GIs nach Deutschland geschickt, also auch jene jungen amerikanischen Staatsbürger, deren Vater Deutscher war.

Vor ein paar Jahren produzierte ich zu dem Thema ein Hörfunkfeature für den Bayerischen Rundfunk. Dafür interviewte ich Kurt Peters in Seattle und Max Ebel in New Hampshire, die beide bereits verstorben sind und bis zuletzt auf eine Entschuldigung hofften. Den Beitrag können Sie hier hören:

Feature     
"Enemies" von John Christgau beschreibt die Internierung der Ausländer im Zweiten Weltkrieg.

„Enemies“ von John Christgau beschreibt die Internierung der Ausländer im Zweiten Weltkrieg.

2010 war es dann endlich soweit. Fast unbemerkt von der amerikanischen Öffentlichkeit wurde unter ein dunkles Kapitel der deutsch-amerikanischen Geschichte ein Schlussstrich gezogen. Die Senatoren Feingold, Kennedy und Grassley brachten ihren parteiübergreifenden Gesetzesvorschlag im US-Senat ein. Darin erkennen die Vereinigten Staaten erstmals an, dass sie den während des Zweiten Weltkriegs in den USA lebenden und teils internierten Deutschen Unrecht zugefügt haben. Die Vereinigten Staaten gestehen in der  Novelle auch ihr Fehlverhalten an jüdischen Flüchtlingen ein, die an ihren Grenzen abgewiesen wurden. Senator Feingold erklärte, dass mit dieser Gesetzesgebung auch dazu beigetragen werden soll, „dass Amerikaner das Unrecht verstehen, das gegen Europäer in den USA, Europäer in Südamerika und europäische Flüchtlinge geschah.“

Die Geschichte der Internerierung der Deutschen in den USA kann man auf der Webseite der Koalition der Deutsch-Amerikanischen Internierten nachlesen.

Für Interessierte kann ich noch ein hervorragendes Buch mit dem Titel „Enemies“ empfehlen. Autor ist John Christgau, der südlich von San Francisco lebt und die umfangreichste und erste Archivsuche überhaupt zu diesem Thema durchführte. Über seine Webseite kann man mit ihm in Kontakt treten.

70 Jahre nach Pearl Harbor

Heute vor 70 Jahren griffen die Japaner den amerikanischen Navy Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. 2403 amerikanische Soldaten starben bei diesem Angriff in den Morgenstunden des 7. Dezember 1941. Noch heute wird behauptet, es sei eine „heimtückische“ Aktion der kaiserlichen Armee gewesen, obwohl auch klar ist, dass der amerikanische Präsident Roosevelt schon vorab von geplanten Aktionen der Japaner informiert gewesen war. Die Spionageaktivitäten des japanischen Konsulats in Honolulu waren den Amerikanern bekannt. Die Diplomaten hatten regelmäßig Informationen über die Flotte der US Navy nach Tokio gefunkt.

Um 6:10 Uhr Ortszeit am 7. Dezember 1941 begann die erste Angriffswelle der Japaner auf den Navy Stützpunkt Pearl Harbor. Und noch eine zweite Angriffswelle kam, der letzte japanische Kampfjet drehte um 9:45 Uhr ab. Die US Flotte war im Mark getroffen: 2403 getötete Soldaten, 1178 Verwundete, 12 gesunkene oder gestrandete Schiffe, 9 beschädigte Schiffe, 164 zerstörte Flugzeuge, 159 beschädigte Flugzeuge. Amerika war geschockt. Nur einen Tag später trat Präsident Roosevelt vor den Kongreß in Washington und erklärte Japan den Krieg. Zuvor war das amerikanische Parlament noch gespalten, ein Großteil der Abgeordneten wollte die USA lieber nicht in die Kriegswirren in Europa und Asien hinein gezogen sehen. Doch am Tag nach dem Angriff auf Pearl Harbor stimmten alle Parlamentarier bis auf einen für die Kriegserklärung von Roosevelt. Vier Tage später erklärten Deutschland und Italien den USA den Krieg, damit eskalierte der Zweite Weltkrieg.

Nach der Attacke der Japaner änderten sich auch die Bedingungen für Japaner, Japan-Amerikaner, Deutsche und Italiener in den USA. Die amerikanischen Konzentrationslager wurden eröffnet, in denen weit über 100.000 Japaner und japanisch stämmige Amerikaner, 11000 Deutsche und rund 1500 Italiener interniert wurden. Viele der Deutschen lebten bereits seit Jahren in ihrer neuen Heimat, etliche waren aus Hitler-Deutschland geflohen, darunter auch jüdische Bürger. Zudem wurden auch einige in den USA geborene Kinder deutscher Eltern mit verhaftet. Doch das FBI kannte keine Gnade. Die Camps waren zumeist im Landesinneren angesiedelt, wie in Bismarck, North Dakota oder Crystal City, Texas. Und nicht nur das, die amerikanische Bundespolizei verhaftete sogar in Süd- und Mittelamerika Deutsche und Japaner und verschleppte sie in einer Nacht- und Nebelaktion in die US Camps.

An diesem 7. Dezember wird an den Angriff auf Pearl Harbor gedacht, die noch lebenden Veteranen von damals  geehrt. 70 Jahre danach, eine lange Zeit, doch die Narbe ist für die Amerikaner geblieben. An diesem Tag sollte man aber auch an jene denken, die als Einwanderer in die USA kamen, um eine neue Heimat zu finden. An jene, die unschuldig in amerikanische Internierungslager geschickt wurden, einzig aus dem Grund, weil sie Japaner, Deutsche oder Italiener waren.

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Ölpest vor Kalifornien?

MontebelloEs könnte passieren. Ölteppiche vor der kalifornischen Küste. Und die derzeitige Gefahr kommt nicht so sehr von den Bohrinseln in der Nähe von Santa Barbara. vielmehr von einem gesunkenen Tanker. Die „Montebello“ wurde am 23. Dezember 1941, 16 Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor vor der Küste Kaliforniens von einem japanischen U-Boot torpediert und sank. Seitdem liegt sie auf dem Meeresboden mit ihrer Ladung von rund 8 Millionen Liter Rohöl. Eine Tauchmission Mitte der 90er Jahre ergab, dass das Schiff fast unbeschadet und im ganzen in rund 300 Metern Tiefe ruht. Doch nun macht man sich Sorgen darüber, was genau aus dem Öl geworden ist. Eine neue Expedition soll klären, inwieweit die Tanks des über 70 Jahre alten Schiffes noch sicher sind und was getan werden kann, um eine Ölkatastrophe vor der kalifornischen Küste zwischen Monterey und San Luis Obispo zu verhindern.