Keinen interessiert’s in den USA

Da wählen die Deutschen und keinen Amerikaner interessiert es. So kann man in etwa den Bundestagswahlkampf aus Sicht der USA beschreiben. Hin und wieder mal ein Artikel in der New York Times, einer in der Washington Post, die dann auch von anderen Tageszeitungen übernommen wird. Der Großteil der US Zeitungen unterhält ja keine eigenen Korrespondentenbüros mehr in Übersee. Das war es dann aber auch schon. An Amerika geht der Zweikampf Merkel – Steinbrück unbeachtet vorbei. Und wenn dann doch mal berichtet wird, dann geht es eher um die Möglichkeit, dass Angela Merkel Stimmen an die „Anti-Euro Partei“ AfD verlieren könnte.

Die Bundeskanzlerin ist bekannt in den USA. „Merkel good“ hört man da immer mal wieder. Merkel wird mit Europa gleich gesetzt, ihr Name ist alles, was man über Deutschland und die deutsche Politik weiß. Das Parteiensystem, die politische Vielseitigkeit, die Wahlmöglichkeit an sich ist den Amerikanern unbekannt. Eine breite Berichterstattung, wie sie in Deutschland über jeden amerikanischen Wahlkampf bis zum Abwinken passiert, ist in den USA undenkbar. Viel zu kompliziert, viel zu wenige Schlagzeilen, viel zu kurz, viel zu unglamourös. Deutschland bleibt im weiten Amerika das Land der Bayern und des Oktoberfests. Politik zwischen Euro und Energiewende paßt da nicht ins Bild. Prost!

Ein Wahlbrief auf Umwegen

Und ich dachte schon, der Brief kommt nicht mehr an und ich kann meine Kreuzchen zur Bundestagswahl nicht abgeben. Doch nun lag es im Briefkasten, das Schreiben vom Wahlamt Nürnberg. Allerdings nicht auf geradem Wege per Luftpost versandt, sondern auf Umwegen mit Maltapost verschickt. Abgestempelt in Victoria, Malta. Also, der direkte Weg zwischen Nürnberg und Oakland geht sicherlich nicht über Malta, egal wie ich die Landkarte auch drehe. Ist der Service der deutschen Post im interkontinalen Briefverkehr wirklich so schlecht geworden, dass man nun diese Route wählt? Ist das nun Hilfe im europäischen Sinne, dass man Postaufträge nun an Malta vergibt? Oder etwa beides? Und wie kommt man in einer deutschen Behörde auf die Idee die Post über Malta verschicken zu lassen? Fragen über Fragen, ich bin nur froh, dass ich in Oakland lebe. Man stelle sich vor, der Stimmzettel müßte irgendwo nach Afrika gebracht werden….wie auch immer…

SPD Bundestagswahlkampf in Kalifornien

Normalerweise kommen deutsche Politiker gerne nach Kalifornien, reisen ins Silicon Valley oder nach Los Angeles, lassen sich mit Tech-Promis wie Mark Zuckerberg oder Hollywood Stars photographieren. Das kommt gut an, gerade im Wahlkampf. An die Deutschen, die hier leben, denkt dabei niemand, es geht um die Wähler daheim.

Doch mehr als 1,7 Millionen Deutsche leben im Ausland und sind wahlberechtigt. Bei der letzten Bundestagswahl nahmen gerade mal 5 Prozent der Auslandsdeutschen ihr Wahlrecht in Anspruch. Dabei kann es so einfach sein, man muss sich nur in eine Wahlliste eintragen und bekommt dann die Briefwahlunterlagen von der letzten Heimatgemeinde zugeschickt. Bislang wurden diese potentiellen Wähler von den Parteien so gut wie gar nicht beachtet. Lediglich die Konsulate und Botschaften haben pflichtgemäß die Deutschen in ihren Amtsbezirken auf die Möglichkeit der Stimmabgabe hingewiesen.

Die SPD will nun in diesem Jahr um jede Stimme kämpfen. Auch um die in Kalifornien und an anderen Orten weltweit. Ihr Kanzlerkandidat Kandidat Peer Steinbrück wendet sich deshalb gezielt in einer Videobotschaft an die Deutschen im Ausland. Jede Stimme zählt in diesem Wahlkampf. Auch die in Übersee, wenn man bedenkt, dass die Wahl 2002 gerade mal mit 7000 Stimmen mehr für Rot-Grün entschieden wurde.

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