Deutschland hat ein Imageproblem

AfD, Pegida und Xenophobie, gewaltsame Übergriffe auf Ausländer und radikalisierte junge Asylbewerber. Deutschland ist derzeit in den internationalen Schlagzeilen. Hier in den USA muß man nur mal „Germany“ auf google News eingeben und schon bekommt man die Antworten. Der Großteil der Nachrichten ist alles andere als positiv.

Fotos von Demos gegen Flüchtlinge haben die Bilder eines weltoffenen Deutschlands verdrängt. Foto: Reuters.

Fotos von Demos gegen Flüchtlinge haben die Bilder eines weltoffenen Deutschlands verdrängt. Foto: Reuters.

Das wird hier drüben genauestens beobachtet, was da im Herzen Europas passiert. Die Erfolge der Rechtspopulisten der AfD wird ausführlich in den Zeitungen, online und sogar in Fernseh- und Radionachrichten kommentiert. Ausschreitungen, gerade im Osten Deutschlands, führen zu Reisewarnungen. Auf den Seiten des „State Departments“ heißt es: „Hooligans, meistens betrunkene Skinheads, haben erkennbare Ausländer und Mitglieder rivalisierender Gruppen angepöbelt und angegriffen. Offensichtlich rassistisch begründete Übergriffe (aufgrund einer „fremden“ Erscheinung) gegen US Staatsbürger sind vorgekommen. Diese Situation könnte sich noch aufgrund von mehr als einer Millione Flüchtlingen verschlimmern, die 2015 nach Deutschland kamen“.

Klare Worte, die mit Medienberichten von pöbelnden und prügelnden Mobs unterlegt werden. Deutschland hat in diesen Tagen ein deutliches Imageproblem in den USA. Negative Schlagzeilen bestimmen auf weiter Flur das Bild. Da ist dann noch der VW-Skandal, die FIFA-WM Affäre und der Schlingerkurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Selbst Donald Trump griff im Wahlkampf die Kanzlerin an. Er sagte: „Hillary Clinton will die Angela Merkel Amerikas werden und ihr wisst, was diese massive Immigration für ein Desaster für Deutschland und das deutsche Volk geworden ist. Die Kriminalität ist auf ein Level gestiegen, das sich niemand auch nur vorstellen konnte.“ Wenn es denn nur Trumps Worte zu Deutschland wären, dann müsste man das nicht ernst nehmen, denn noch im August 2015 erklärte er, Merkel sei „probably the greatest leader in the world today.“

Die negativen Nachrichten und Schlagzeilen dominieren in diesen Tagen die Berichterstattung über Deutschland. Erst gestern titelten zahlreiche Outlets, darunter die „Huffington Post“, „Yahoo News“ und auch „Voice of America“: „German Government Fears Xenophobia Will Do Economic Harm – Violent acts by rightist supporters rose by 43% in 2015“. Das ist wahrlich kein gutes Bild. Schlimmer noch, es wird von Leuten wie Trump als Argument für einen Einreisestopp für Muslime und seine Mauerpläne an der mexikanischen Grenze benutzt.

 

 

Trump der Brandstifter

Donald Trump hat in den USA einen neuen Beinamen bekommen: Pinocchio. Eigentlich müßte seine Nase Tag für Tag weiter wachsen. Trump ist ein moderner Münchhausen, ein Lügenbaron. Allerdings einer der ganz gefährlichen Sorte. Sein Ohr ist ganz nah an Volkes Stimme, zumindest an einem sehr lautstarken Teil der Amerikaner. Nennen wir sie in Anlehnung an die dumpfen Töne der sächsischen Pegida PAGIDEN (Patrioten Amerikas Gegen die Islamisierung der Neuen Welt).

Donald Trump will Präsident werden und um dahin zu kommen, geht er über Leichen. Er pöbelt, wütet, lügt. Trump wird immer mehr zu einem gesellschaftlichen Zündler. Seine Themen- und Wortwahl wird immer gefährlicher. Jüngstes Beispiel, Trump erklärte, er habe nach den Terroranschlägen vom 11. September mit eigenen Augen gesehen, wie Tausende von Moslems in New Jersey den Einsturz des World Trade Centers feierten (siehe Video unten). Darauf später von einem Reporter angesprochen, der meinte, die Polizei habe darüber überhaupt keine Informationen, antwortete Trump, er habe das mit eigenen Augen gesehen….im Fernsehen.

Donald Trump macht Politik, gefährlich und ohne Skrupel. Nach den Terrorattacken von Paris sind die Amerikaner mehr als nervös. Die republikanischen Kandidaten und viele GOP Gouverneure weigern sich, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Trump hört genau hin, erkennt die Stimmungslage und setzt noch einen drauf. Mit Horrorszenarien von islamistischen Flüchtlingen, Radikalen, die nur darauf warten in den USA zu bomben punktet er. Und nun noch die jubelnden Moslems nach dem Trauma 9/11.

Trump kann sich dabei sicher sein, Unterstützung zu finden, denn die PAGIDEN in den USA bestimmen genauso wie die Pegiden in Deutschland die Diskussion. Donald Trump, der gesellschaftliche Zündler, der damit wohl über Leichen gehen wird, um ins Weiße Haus einziehen zu können. Der amerikanische Wahlkampf hat damit eine gefährliche Wende genommen.

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Die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen ist „verrückt“.

Pegida, Nügida und all die anderen selbsternannten Kämpfer gegen die Islamisierung des Abendlandes werden diesmal wohlwollend mit dem Finger auf die ach-so-verhassten Amerikaner zeigen. Gleich mehrere Kandidaten ums Präsidentenamt in den republikanischen Reihen warnen davor, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Donald Trump ganz Donald Trump schwor sogar, falls Barack Obama seinen Plan durchführe, 10,000 „Refugees“ aus dem Kriegsgebiet in die USA zu bringen, werde er sie, so bald er Präsident ist, die 10,000 wieder zurück schicken. Niemand wolle sie hier in Amerika. Sein Publikum applaudierte

Ted Cruz will keine Flüchtlinge im Land haben. Foto: AFP.

Ted Cruz will keine Flüchtlinge im Land haben. Foto: AFP.

Der Neurochirug im Rennen, Ben Carson, sprach sich auch mit weicher Stimme gegen die Aufnahme von Syrern aus, denn diese seien von moslemischen Extremisten „unterwandert“. Ins gleiche Horn blies nun auch Senator Ted Cruz, der auf einer Wahlkampfveranstaltung in Michigan erklärte, der Plan, syrische Flüchtlinge in die USA zu bringen, sei „verrückt“, denn einige von ihnen seien islamistische Terroristen. „Es wäre der Höhepunkt des Irrsinns, Zehntausende von Menschen hierher zu bringen, darunter Dschihadisten, die nur kommen, um unschuldige Amerikaner zu ermorden“. Kann man leichtfertiger mit der Farbe Angst umgehen?

Ted Cruz meinte dann noch: „Es gibt einen Grund, dass der Direktor der „National Intelligence“ sagte, unter den Flüchtlingen befinden sich ohne Zweifel eine signifikante Anzahl von ISIS Terroristen“. Nur hatte James Clapper, der Direktor der „National Intelligence“, das so nie gesagt. Letzten Monat meinte er, dass man davon ausgehen könne, das der IS versuchen werde, den Flüchtlingsstrom zu infiltrieren. Die USA jedoch werden alles daran setzen, genau hinzusehen, wer nach Amerika reingelassen wird, so Clapper.

Einige der republikanischen Kandidaten im Wahlkampf erinnern also sehr an die Falschaussagen, die Wortverschwurbelungen, an die Panikmache und an die Horrorszenarien der Idaisten in Deutschland. Sie passen gut zusammen, wählbar sind sie hier und dort nicht.

 

 

 

Da schreibt doch einer vom anderen ab

Gestern saß ich hier und schrieb einen Artikel über die Medienresonanz in den USA zu Pegida und Co Veranstaltungen. Die Amerikaner sehen das gelassen, verfallen nicht mehr, wie noch vor 20 Jahren, in Panik, wenn da ein paar Tausend Menschen in Dresden demonstrieren, mit Deutschlandfahnen wedeln und ausländerfeindliche Parolen skandieren. Deutschland ist für die USA ein sicherer Partner in Europa, auf den man sich verlassen kann, so läßt sich das zusammen fassen.

Eine Nacht später sieht das anscheinend anders aus, wenn man sich die Berichterstattung in Deutschland ansieht. Man sollte nur mal „Reisewarnung + Pegida“ in eine Suchmaschine eingeben und schon tränen einem die Augen von den Schlagzeilen, die man da liest:

Abendzeitung: „Wegen Pegida-Demos: Reisewarnung für US-Bürger“

Berliner Zeitung: „Wegen Pegida-Demos: Reisewarnung für US-Bürger“

Der Tagesspiegel: „USA warnen vor Reisen nach Berlin und Dresden“

Nordwestzeitung: „MTTELUNG [sic] DES STATE DEPARTMENT US-Reisewarnung wegen Pegida-Demos“

Was ist eine Reisewarnung und für welche Länder gibt es sie? Zu lesen auf der Webseite des State Departments.

Was ist eine Reisewarnung und für welche Länder existieren sie? Nachzulesen auf der Webseite des State Departments.

Das sind nur ein paar der ausgewählten Medien. Andere zogen wohl nach, denn die Falschmitteilung wurde übernommen. Interessant dabei ist nämlich, dass es keine „Reisewarnung“ von Seiten des State Departments gibt. Auch nicht zu finden auf der Webseite der amerikanischen Botschaft in Berlin. Lediglich auf der Internetpräsenz des „Overseas Security Advisory Council (OSAC)“ wird eine „Security Message for U.S. Citizens“ veröffentlicht, in der es heißt, Amerikaner sollten „wachsam“ sein, falls sie in eine Pegida Demonstration oder in das Umfeld geraten.

Diese „Security Message“ ist keine Reisewarnung, wie sie das State Department oder auch das Auswärtige Amt für derzeitige Trips nach Jemen, Irak oder Libyen ausgesprochen haben. Es ist nur ein Sicherheitshinweis, wie dieser auch von Seiten des Auswärtigen Amtes während der Proteste in Ferguson, Missouri, formuliert wurden.

Das State Department definiert sogar auf seiner Webseite, was es unter einer Reisewarnung versteht: „Wir erlassen eine Reisewarnung dann, wenn Sie sehr gründlichst die Reise in ein Land überdenken sollten“. Und das ist bei dieser allgemeinen OSAC Sicherheitsnachricht nicht der Fall. Deutschland wird als nicht wie Syrien, Zentralafrikanische Republik oder Mali eingestuft. Es scheint also, da hat ein Redakteur entweder falsch übersetzt, zu schnell aus der Hüfte geschossen oder einen krassen Aufhänger für eine Meldung gebraucht. Und andere zogen einfach nach. So macht man auch Nachrichten.

 

 

Pegida-da-da

Ich erlebe noch Sachen. Da koche ich mir am Abend eine Suppe, löffele dann so vor mich hin und schalte durch die 528 Kabelkanäle. Und was kommt in den „CBS Evening News“, ein Beitrag aus Dresden. Da berichtet doch tatsächlich ein Korrespondent für den Sender von den Pegida Märschen. Und nicht nur das, er interviewt auch noch einen Dresdner Professor, dem er die Wörter in den Mund legen mußte („I think you meant that…“) und einen „publisher of a rightwing magazine“, der mit eng gelegtem Schal um den Hals gerade mal drei Worte sagen durfte. Immerhin Pro und Contra. Das, meine Damen und Herren von der deutschen „Lügenpresse“, ist eine ausgewogene Berichterstattung. Jawohl!

Pegida Demonstration in Dresden.

Pegida Demonstration in Dresden.

Wobei, so ausgewogen war es dann doch nicht. Der Reporter berichtete zwar, dass in Dresden etwa 25.000 „patriotische Europäer“ auf der Straße waren, um gegen die „Islamisierung Deutschlands“ und gegen Angela Merkels Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ zu protestieren. Doch dann fügte der amerikanische „Schmierenjournalist“ hinzu, dass an dem Abend in Deutschland weitaus mehr Menschen für Flüchtlinge, Asylsuchende und gegen Pegida demonstriert hätten.

Aber, das ist mal was Neues für eine amerikanische Berichterstattung. Denn bislang wurden solche Gegendemonstrationen immer gerne unter den Tisch gekehrt, nicht beachtet oder schlichtweg totgeschwiegen. Deutschland, so hieß es bislang immer, habe ein Nazi Problem. Fakt, Punkt, Aus. Gerade im wildem Osten müßte man sich als Ausländer hüten, nicht unter die Sprigerstiefel einer tobenden Glatzenherde zu geraten, hieß es da immer. Kein Witz, sogar die in Deutschland stationierte US Army gab lange Zeit Warnhinweise für Militärangehörige und ihre Familien heraus, möglichst nicht in das Gebiet des einstigen Arbeiter- und Bauernstaates zu fahren.

Die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Sowohl bei den Reisewarnungen als auch in der amerikanischen Berichterstattung über Deutschland. Das ist doch mal was Schönes. Pegida wird also aus dem Ausland nicht als ein „deutsches“ Problem gesehen, sondern vielmehr als ein lokaler Protest am Rande der Republik, irgendwo da hinten im Erzgebirge.

„What’s Pegida?“

Deutschland macht mal wieder Schlagzeilen. HoGeSa, Pegida und selbst Vorra sind Begriffe, die man in diesen Tagen in der amerikanischen Berichterstattung finden kann. Noch wird einigermaßen objektiv berichtet, doch alleine, dass Fremdenfeindlichkeit, massive Aufmärsche von Neo-Nazis und Schlägertrupps, protestierende „Durchschnittsbürger“ und brennende Asylbewerberunterkünfte wieder in den Medien zu finden sind, ist kein gutes Zeichen. Keine Berichterstattung über Deutschland ist besser als eine, die mit Nationalismus, Xenophobie und verblendeten Glatzköpfen zu tun hat.

HoGeSa Aufmarsch in Köln. Solche Bilder gingen um die Welt.

HoGeSa Aufmarsch in Köln. Solche Bilder gingen um die Welt.

Deutschland wird von außen, vor allem aus den USA, ganz anders betrachtet und bewertet, als das vielen in Berlin, Köln, Dresden und Nürnberg recht ist. Die Bilder der glatzköpfigen Hooligans aus Köln, die marschierenden Ausländerfeinde in Dresden, die Hakenkreuze an den Wänden in Vorra gingen um die Welt. Deutschland, so wird vermittelt, ist noch immer eine Gefahr im Herzen Europas.

Was gegen HoGeSa, Pegida und ausländerfeindliche Organisationen und rechtspopulistische Parteien, wie die AfD, unternommen wird, wie Tausende Deutsche für Asylsuchende und gegen Rassismus auf die Straßen gehen, wie kreativ gegen Neo-Nazis in Wunsiedel protestiert wird, darüber wird nur klein, nebenbei oder gar nicht berichtet. Doch es ist wichtig, es wird auch wahrgenommen und als Deutscher im Ausland tut es gut, darauf verweisen zu können, dass eben nicht „alle“ Deutschen so denken, vielmehr, nur ein kleiner Teil der Deutschen „crazy“ ist.

Ich erinnere mich noch an die Zeit Anfang der 90er Jahre, als sich in Rostock, Hoyerswerda und anderswo fremdenfeindliche Übergriffe häuften. Die Bilder der marschierenden Glatzen, der brennenden Unterkünfte, der grölenden Menge gingen um die Welt, wurden riesig in der Tagespresse aufgemacht. Damals war ich in den USA und konnte auf die kleinen Kurzmeldungen verweisen, die im San Francisco Chronicle untergingen. Eine Meldung freute mich besonders. In einem Fünfzeiler wurde berichtet, dass die Nürnbergerinnen und Nürnberger sich die Hände gaben und die Altstadt symbolisch „blockierten“, „schützten“. Solche Meldungen, solche Nachrichten sind wichtig, auch wenn sie nur „nebenbei“ gebracht werden. Doch es gibt sie. Das zählt!