1989

…darum geht es gerade auf KUSF 90.3 fm. Ich habe dazu eine Zweistundensendung produziert, die nun in San Francisco ausgestrahlt wird. 1989, vom Abschied Ronald Reagans, die brutale Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking, das Desaster in Hillsborough. Und natürlich der Fall der Berliner Mauer und die Wochen und Monate davor.

Das ist derzeit sowieso das Thema der Deutschen in den USA. Der Generalkonsul ging darauf am Freitag in seiner Rede zum 3. Oktober ein. Das Goethe-Institut erinnerte daran beim Oktoberfest auf dem Dach der Einrichtung und auch ich werde im November zum Thema „1989 – 20 Jahre nach dem Fall der Mauer“ eine Präsentation in einer High School in Indianapolis geben. Es war ja auch sehr, sehr bewegend, wenn man es miterlebt hat.

Wo waren Sie, was haben Sie damals gemacht, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Nachricht von der Maueröffnung hörten?

Hier kann man auch in die Sendung reinhören:

1989 Part 1     
1989 Part 2     

Ein Blick in die Hölle

Yiyun LiYiyun Li ist eine Schrifstellerin, die ganz in meiner Nähe wohnt. Nur einen Steinwurf von meinem Haus in Oakland entfernt lebt und arbeitet sie. Li  hat ein Buch geschrieben, das fesselt, das einen tief bewegt, das schockiert, das einen ärgerlich und wütend macht, das einen zum Nachdenken bringt, das einen traurig macht…und ja, das einen zweifeln lässt an der Menschheit. „Die Sterblichen“ ist ihr zweiter Roman, der erste, der auf Deutsch bei Hanser erschienen ist.

Es ist eine Geschichte im China der späten 70er Jahre, Yiyun Li verarbeitet Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Kindheit in einer fiktiven Handlung. Und doch all das passierte, könnte passiert sein. Letzte Woche traf ich Yiyun Li in ihrem Haus und sprach mit ihr über ihr Buch, ihre Arbeit, ihr Leben.

Ein Audio Bericht:

Yijun Li     

San Francisco

Nach ein paar Wochen auch mal wieder ein Blogeintrag aus San Francisco. Nicht dass es in der Zwischenzeit nichts zu berichten gab, aber ich war in Deutschland unterwegs. Ein paar schöne Tage in Nürnberg waren auch darunter.

Und dann komme ich zurück und überall Polizei. Die Stadt im Belagerungszustand wegen der olympischen Fackel. Das Flugzeug der Chinesen stand am Flughafen abseits auf der Rollbahn und wurde schwer bewacht. An den Eingängen zum Flughafengebäude hatten sich Polizisten positioniert.  Und in der Stadt selbst lieferten sich die beiden Fronten vor allem verbale Duelle. Es kam kaum zu Verhaftungen, hier und da ein paar Schiebereien, aber alles in allem blieb es ruhig.

Das lag sicherlich auch an der Entscheidung von Bürgermeister Gavin Newsom, den Lauf kurzerhand auf eine andere Strasse zu verlegen. Zwar liefen dann die Läufer mehr für sich die breite Van Ness Street runter, bewacht von Hunderten Polizisten, aber immerhin wird heute nicht über Verletzte oder Massenverhaftungen diskutiert. Auch muss man beachten, dass fast ein Drittel der Bevölkerung Chinesen-Amerikaner sind, die darauf gedrängt haben, dass der Fackellauf friedlich in der Stadt über die Bühne geht. Und Newsom selbst hat grosse politische Ziele, er gilt als potentieller Nachfolger von Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Ein Weltereignis wie dieses und dann Ausschreitungen befördert so ein Ansinnen nicht gerade.

Proteste gab es, und die wurden auch zugelassen, aber eben nicht in unmittelbarer Nähe des olympischen Feuers. Wer jetzt dem Bürgermeister ein Einknicken vor dem Weissen Haus und den Machthabern in Peking unterstellt, liegt meines Erachtens total falsch. Newsom hat mit der Verlegung die richtige Entscheidung getroffen, zum Wohl des Ansehens der Stadt San Francisco und auch zur Sicherheit der beteiligten Läufer, der Protestierenden und nicht zuletzt der eingesetzen Polizeibeamten.

Es war ein Riesenereignis für die Stadt, die Welt blickte gespannt auf das, was sich da wohl ereignen würde. Und seien wir doch  mal ehrlich, viele gingen davon aus, dass es auch hier zu heftigen Protesten und Ausschreitungen kommen würde. San Francisco ist bekannt dafür, dass hier für und gegen alles demonstriert wird. Und die Front der Anti-China Demonstranten stand einer grossen Gruppe von Jubelchinesen gegenüber, die weitgehend vom chinesischen Konsulat in San Francisco heran gekarrt wurden, um mit der roten Fahne zu winken.

Nun ist der Spuk vorbei, die Stadtverantwortlichen atmen durch und rechnen mal so langsam vor sich hin, was das ganze dem Stadtsäckel gekostet hat. Mit Sicherheit wird man sich das nächste mal nicht um diesen sogenannten Friedenslauf aus Olympia balgen.