The Battle for People’s Park

Vor 50 Jahren ist in Berkeley ein Protest blutig eskaliert. Im Kampf um den sogenannten „People’s Park“, einer kleinen Freifläche unweit des UC Berkeley Campuses, kam es zu blutigen Strassenschlachten, die Nationalgarde marschierte neben Hunderten von Polizisten auf. Es gab einen Toten und Dutzende zum Teil schwer Verletzten. An den „Battle for People’s Park“ wird nun in diesen Tagen in Berkeley erinnert, denn er veränderte auch die politische Landschaft in der weltbekannten Kleinstadt.

Am 15. Mai 1969 kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen um den People’s Park – was ist an diesem Tag genau passiert?

Es kam zum sogenannten “Bloody Thursday”, also dem blutigen Donnerstag, denn an diesem 15. Mai 1969 explodierte die Situation in Berkeley. Die Polizei und die Highway Patrol rückten an und errichteten einen riesigen Zaun um den Park. Das war in den frühen Morgenstunden. Gegen Mittag dann kam es auf dem nicht weit entfernten Uni-Gelände zu einer Protestveranstaltung, die sich zu einem Protestzug formierte und zum Park zog. Die Polizei versuchte die Demonstranten aufzuhalten, doch die Situation eskalierte. Tränengas und Stockschläge, Steine flogen, Barrikaden wurden errichtet, schließlich schossen einige Polizisten mit Schrot auf die Demonstranten. Einer von ihnen starb, der 25jährige James Rector, der eigentlich auf einem Dach stand und sich alles von oben anschaute. Ein Polizist meinte jedoch, er hätte Steine geschmissen und schoss auf ihn. Neben Rector wurden Dutzende von Demonstranten und Polizisten verletzt.

Machen wir einen Schritt zurück. In diesem Konflikt ging es um die Nutzung einer städtischen Freifläche, viele Community Aktivisten und Studenten wollten dort einen „People’s Park“ machen – ein Ort der frei von den Bewohnerinnen der Stadt verwaltet werden sollte. Was war genau damals der Konflikt?

Dieser City Block war eigentlich bebaut, die Universität Berkeley kaufte das Gelände, liess die Häuser abreissen und wollte erst ein Studentenwohnheim darauf errichten, dann einen Parkplatz, dann ein Fußballfeld. Aber das Gelände war lange verwaist und wurde als Müllhalde und illegaler Parkplatz genutzt. Für den 20. April 1969 hatten schließlich mehrere Gruppen und Studierende dazu aufgerufen, diesen Platz zu einem Community Park umzugestalten. Und das wurde mit viel Engagement und der Zustimmung der meisten Nachbarn gemacht. Bis eben zu diesem 15. Mai, als die Universität erklärte, das ist unser Gelände, alles niedertrampeln und niederwalzen und einen hohen Zaun errichten ließ.

Wie konnte der Streit um eine Grünfläche so eskalieren?

Man darf eines heute nicht vergessen. Berkeley war damals durchaus konservativ regiert, hatte einen republikanischen Bürgermeister. Zum Vergleich, Donald Trump schaffte es 2016 gerade mal auf 3 Prozent in Berkeley. Hinzu kam, dass Ronald Reagan Gouverneur von Kalifornien war und er damit Wahlkampf geführt hatte, dass er die für ihn liberalen Universitäten im Bundesstaat säubern wolle. Zwischen 1964 – 1965 war die UC Berkeley ja der Vorreiter der „Free Speech Bewegung“ in Kalifornien  und den USA. Das gefiel Reagan und vielen anderen Konservativen gar nicht. Sie wollten kein Aufmucken, keine Proteste, keine „Sit-ins“ und vor allem keine Querulanten.  Das Gelände des „People’s Parks“ war Uni-Gelände, die Leitung der UC Berkeley hatte also aufgrund des politischen Druckes von außen keinen großen Spielraum überhaupt sinnvolle Verhandlungen zu führen. Hinzu kam, dass es keine klare Führung bei der, ich sag mal, Park Gruppe, gab…die war basisdemokratisch organisiert, wenn überhaupt.

Nach diesen Demonstrationen wurde der Ausnahmezustand verhängt und sogar die Nationalgarde zur Unterstützung beigezogen. Weshalb wurde so hart reagiert?

Das lag wirklich an Ronald Reagan, der von den Hippies, den Gewalttätern und Drogensüchtigen sprach und hart durchgreifen wollte. Er liess die Nationalgarde mit drei Bataillonen anrücken, die dann mit Bajonett durch die Strassen patrouillierten. Dazu wurden Panzer aufgefahren. Viele der Soldaten der Nationalgarde waren wohl eher auf der Seite der Studierenden, denn sie hatten sich vor einem Einsatz in Vietnam damit gerettet, dass sie sich bei der kalifornischen Nationalgarde verpflichtet hatten. Ganz anders die Polizeireihen, da waren viele ehemalige Soldaten dabei, die die Protestierenden als Feinde, ja als Vietcong sahen und bezeichneten. Sie griffen extrem hart durch, so, als ob sie auf Feindesgebiet und im Krieg seien. Das Bild war also deutlich, Soldaten mit Gewehren gegen die langhaarigen Anti-Vietnamskriegs Demonstranten. Berkeley war damals neben der Free-Speech Bewegung auch ein Hotspot im Kampf gegen die Wehrpflicht. In Oakland, also gleich neben Berkeley, die Grenzen sind fliessend, wurde die Black Panther Partei gegründet, also die radikale Partei der Schwarzen. Diese Gegend hier war hoch politisch und Reagan wollten ein Zeichen setzen.

Angeordnet wurde die Nationalgarde vom damaligen Gouverneuren Ronald Reagan. Er hat dieses Vorgehen auch später immer wieder verteidigt – trotz Kritik. Hat ihm dieses massive Vorgehen gegen mehrheitlich friedlich protestierende Studierende geschadet?

Das kann man sicherlich nicht sagen, denn 10 Jahre später hat er genau mit dieser Law & Order Politik für das Präsidentenamt kandidiert und konnte sich ja bekanntlich durchsetzen. Reagan, der einstige Western Held, dann Gouverneur mit harter Hand wurde schließlich US-Präsident, der, so sagen ja viele, die Sowjetunion mit seiner kompromisslosen Politik in die Knie zwang. Also, die Vorfälle in Berkeley haben Reagan nie geschadet. Ganz im Gegenteil, er hat sich auch nie für sein Vorgehen entschuldigt.

Berkeley war in den 60 Jahren immer wieder Schauplatz von verschiedenen Protesten – sei es gegen den Vietnamkrieg oder durch die Free Speech Bewegung. Wie hat diese intensive Zeit die Stadt geprägt?

Berkeley ist heute die wohl liberalste Stadt in den USA. Trump hat drei Prozent bei den Wahlen erhalten. Republikaner kandidieren hier gar nicht, aber das machen sie auch nicht in Oakland oder San Francisco. Berkeley ist sicherlich heute ein Zentrum der links-liberalen politischen Denke in den USA. Konservative behaupten ja immer, die Universität sei ein linkes Nest. Deshalb suchen ja auch erzkonservative Redner wie Ann Coulter oder auch Milo Yiannopolous die Konfrontation in Berkeley, wissend, dass es zu Protesten kommen wird, um so zu zeigen, dass die verhassten Linken, Kommunisten, Sozialisten in Berkeley die “Free Speech”, die Redefreiheit, nicht für jeden gelten lassen. Berkeley ist also auch heute noch eine sehr politische Stadt.

Vor 50 Jahren waren nun also diese Proteste um den „People’s Park“ – heute gilt die Stadt als sehr liberal und progressiv. Sind diese Proteste heute noch spürbar?

Der “People’s Park” ist ja tatsächlich ein paar Jahre später entstanden. Irgendwann gab die Universität klein bei…Es ist nun kein besonders schöner Park, heute hängen dort viele Obdachlose und Straßenkinder rum, aber dieser Park wurde zu einem Symbol für Berkeley und den Widerstand in Berkeley…quasi, wir das gallische Dorf in den USA. Steve Wasserman vom HeyDay Verlag hat nun passend zum 50. jährigen Jubiläum ein umfassendes Buch mit Bildern und vielen, vielen Zeitzeugenberichten herausgebracht. Er sagte mir, er habe 50 Jahre darauf gewartet, dieses Buch “The Battle for People’s Park – Berkeley 1969” veröffentlichen zu können.  Dieser Kampf um einen Park ist also tief verwurzelt in der Geschichte und im Bewußtsein von Berkeley.

Amerika und die neue Protestbewegung

“Jemand rufe Halleluja”. “Halleluja”. “Jemand rufe Halleluja”. “Halleluja”. “Jemand rufe Halleluja”. “Halleluja”. Pastor Mike reibt sich mit einem kleinen Handtuch den Schweiß von der Stirn. Er hat sich in seiner fast 50minütigen Predigt verausgabt. Es ist Sonntagmorgen in Berkeley. Der “Christian Center The Way” liegt an der University Avenue, die die weltbekannte Universität mit der San Francisco Bay verbindet. Das Gebäude ist ein unscheinbarer Flachbau, doch wer an diesem Morgen hier vorbeiläuft kann trotz des Straßenlärms die lautstarke Band und den Gesang der Gläubigen hören. “Halleluja” heißt es immer wieder.

Pastor Mike bei seiner Predigt.

Pastor Mike, wie ihn hier alle nur nennen, ist kräftig gebaut, Afro-Amerikaner, Anfang 40. Er lacht viel, auch bei seiner Predigt, bei der er nicht einfach nur vorne steht und spricht, er bezieht seine Gemeinde mit ein. Er fordert ihre Reaktionen heraus, mal wohlwollend, mal entrüstet. Pastor Mike spricht über Gerechtigkeit, über Sieger und Zurückgelassene, über die aktuelle Situation im Land. Auf seine politische Predigt angesprochen, meint er anschließend: “Ich bin davon überzeugt, dass Kirche und Politik zusammen gehören. Ich glaube, immer wenn man über Systeme spricht, die mit dem Leben der Menschen zusammenhängen, dann muss man über einen moralischen Rahmen sprechen, den die Kirche und der Glauben bieten”.

Für Pastor Mike ist dieser moralische Rahmen nicht nur auf seine Gemeinde beschränkt, er engagiert sich in einem US weiten Netzwerk, zu dem sich in den letzten Jahren zahlreiche schwarze Gemeinden zusammen geschlossen haben. “Black Church PAC” – PAC steht für “Political Action Committee” – ist Teil der Initiative “New Nation Rising”. Es ist eine schnell wachsende Bewegung in den USA, die von dem neuen politischen Ton im Land befeuert wird. Zum einen soll damit mehr politischer Einfluss erlangt werden und zum anderen soll ein Gegenpart zur christlich-fundamentalistischen Rechten im Land geschaffen werden.

Dem stimmt Ben McBride zu, er ist der Co-Direktor von “Pico California” einem glaubenbasiertem Netzwerk in Kalifornien mit Sitz in Oakland. “Wir sind Christen, Muslime, Juden, Buddhisten und auch solche, die sich keiner organisierten Religion anschließen wollen, die aber für ethnische und soziale Gleichberechtigung eintreten.” Seit mehr als 20 Jahren wächst dieses Graswurzelnetzwerk von den Redwoods im Norden des Bundesstaates bis hinunter zur mexikanischen Grenze. “Wir sehen uns nicht unbedingt als eine Antwort auf jene, die Dr. King einmal “unsere kranken weißen Brüder in den Südstaaten und im Bibelgürtel” nannte . Jene, die die Vision einer Gemeinschaft für alle verloren haben”. McBride betont, dass er vielmehr die religiösen Fundamentalisten im Land als Gegenstück zu ihren Bemühungen einer sozial gerechten Gesellschaft sieht.

“Pico California”, “New Nation Rising” und andere Zusammenschlüsse religiöser Gruppen in den USA sind Beispiele für eine Neuausrichtung der außerparlamentarischen Opposition, die aus der Mitte der schwarzen Gemeinden kommt. Und das nicht ohne Grund. Ben McBride zitiert einen Satz von Martin Luther King Jr., den dieser 1967 in einem NBC Interview sagte: Ich befürchte, dass mein Traum zu einem Alptraum geworden ist. Für Ben McBride steht fest, dass die Afro-Amerikaner in den USA einen großen Fehler gemacht haben. “Wir verlangten nach Integration, stattdessen hätten wir zuerst unsere Gemeinschaft stärken sollen.”

Und darum geht es nun. Für McBride und auch für Pastor Mike von “The Way” in Berkeley waren die Ausschreitungen von Ferguson, Missouri, und die Gründung der “Black Lives Matter” Bewegung ein Wendepunkt, ja ein “Aufwachen” in den Glaubensgemeinschaften der USA. Mit der Wahl von Barack Obama als ersten farbigen Präsidenten des Landes, verbanden viele die Hoffnung auf bessere Zeiten. “Hope” und “Change”, die Rufe jener Tage sind jedoch verhallt, gerade auch weil unter Obama mehr illegale Einwanderer als je zuvor abgeschoben wurden, Mike Brown, Treyvon Martin und andere von Polizisten erschossen wurden.

„Dieses Land braucht immer einen „Nigger““, meint Ben McBride.

Der Ernüchterung unter Obama folgte der Schock mit der Wahl von Donald Trump. Viele Communities im Land verfielen in eine Starre, denn da war auf einmal ein Präsident im Amt, der das weiße Amerika längst vergangener Tage umwarb und Afro-Amerikaner gegen Latinos aufhetzte. Trump betonte erst kürzlich wieder, dass unter ihm die Arbeitslosigkeit von Schwarzen verringert wurde, auch weil mehr und mehr illegale Einwanderer aus dem Süden abgeschoben wurden. “Für uns gibt es da nichts zu feiern”, erklärt Ben McBride. “Am Ende des Tages glauben wir Farbige, die 400 Jahre lang unter dem amerikanischen Imperium gelitten haben, dass es heißen muss, alle oder keiner. Man macht den schwarzen Nachbarschaften keine Versprechen und bezieht unsere muslimischen, unsere Latino Nachbarn und Brüder, auch südlich der Grenze nicht mit ein. Wir sind hier lange genug, um zu wissen, dass dieses Land immer einen “Nigger” braucht. Sei es mit schwarzer Hautfarbe, roter oder brauner, diese Gesellschaft funktioniert nicht ohne.”

Deutliche Worte eines “Community Leaders”, der mit am Tisch von Barack Obama sass und der nun von Donald Trump und seiner Administration gemieden wird. Pastor Mike sieht das, für was Donald Trump steht und was dieser sagt als “Geschenk” an. “Ich bin davon überzeugt, dass wir den “Trumpismus” besiegen werden”.

Organisiert wird auf der lokalen Ebene, Netzwerke gebildet, die nicht mehr übersehen werden können. Die ersten Erfolge sind sichtbar und haben das Weiße Haus und viele Republikaner im Kongress alarmiert. Bei der Wahl um den freigewordenen Senatsposten in Alabama im vergangenen Dezember konnte mit einem massiven Kräfteeinsatz die Wahl des republikanischen Rechtsaußenkandidaten Roy Moore verhindert werden. Pastor Mike war einer von mehreren Glaubensführern aus der San Francisco Bay Area, die sich im Wahlkampf engagierten. “Ich war für mehrere Wochen vor Ort. Wir haben Kirchen und Gemeinden organisiert, wir haben an Hunderten von Türen geklopft und mit Tausenden Menschen gesprochen und das alles in weniger als einem Monat.” Wähler wurden registriert und informiert. Das Ergebnis war der Wahlsieg des demokratischen Kandidaten Doug Jones in einem traditionell republikanischen Bundesstaat. Der Erfolg gezielter Basisarbeit. Ein Model für die kommenden Wahlkämpfe in diesem Jahr und 2020.

Cayman Amiri ist der Vorsitzende des “Islamischen Kultur Center in Nordkalifornien” (ICCNC). Ein altes Freimaurer Gebäude beherbergt seit über 20 Jahren die stetig wachsende islamische Gemeinde in Oakland. Amiri sieht seine Aufgabe in diesen Tagen nicht nur darin für die muslimische Gemeinde der Region da zu sein, sondern das Center öffnet seine Türen auch für einen interreligiösen Austausch. Zum ersten Mal überhaupt in den USA hat im vergangenen Dezember die Bürgermeisterin einer Metropole ihre “State of the City” Rede im islamischen Kulturzentrum gehalten. Libby Schaaf, Bürgermeisterin von Oakland, wollte damit ein deutliches Signal in stürmischen politischen Zeiten setzen. Die musikalische Untermalung lieferte eine Gruppe, die schon seit längerem im Center probt. Mitglieder von Aswat sind Menschen aus jenen Ländern, die unter Donald Trump mit einem Einreiseverbot belegt wurden.

Auch das ein politisches Signal und dennoch Cayman Amiri gibt sich bescheiden. “Wir feiern den Islam durch Kunst und Kultur, und die Musik ist Teil dieser Kunst. Es kann durchaus sein, dass es einen politischen Unterton hat, aber unsere Aufgabe liegt nicht darin, politisch aktiv, für oder gegen eine bestimmte Politik zu sein. Wir sind vielmehr für Gerechtigkeit. Das heisst, nur weil ein paar Terroristen aus bestimmten Ländern kommen, heisst das nicht, dass jeder von dort ein Terrorist ist, dass eine ganze Religion terroristisch ist. Wir bieten den Menschen an, sich zu bilden über die Kultur, die Religion, unsere Herkunft. Das sollte eigentlich jede Organisation machen.” Dieser Ansatz wird im breiten Angebot des islamischen Kulturzentrums deutlich. Eng arbeitet Payman mit der “Kehilla Synagoge” und der “Montclair Presbytarian Church” zusammen. Es geht um Armenspeisung, um Hilfen für Obdachlose, um Schutz für Flüchtlinge, aber auch um gemeinsame Kunst- und Kulturveranstaltungen. “Wir machen auch immer wieder deutlich, wie wichtig es für Muslime ist zu wählen. Es ist die Verantwortung von jedem sich zu registrieren und wählen zu gehen.” Politik von unten, darauf bauen mehr und mehr religiöse Gruppen.

Am “American Baptist Seminary of the West”, einer Bildungseinrichtung direkt am “People’s Park” in Berkeley gelegen, werden die Fragen von sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit groß geschrieben. Seit diesem Jahr wird auf Drängen der Studierenden und auch einiger Dozenten die Kursreihe “Public Theological Program” angeboten. “Der Kernpunkt dabei ist, dass wir die Teilnehmer dahingehend ausbilden, ihren Glauben auf die Straße zu bringen, weg von nur einem Pastor und der Kanzel”, umschreibt es LeAnn Flesher, die Dekanin des “American Baptist Seminary of the West”. “Es geht auch darum, wie wir diese Botschaft verpacken können, um sie in der Öffentlichkeit erfolgreich anbieten zu können.” Schon länger habe man über solch ein Angebot nachgedacht, meint Flesher. Der Wahlkampf von Donald Trump und seine Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten habe jedoch “das Feuer gehörig angefacht”.

In den Gemeinden der USA wird mehr und mehr von “social justice” und “equality”, von sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit gesprochen. Pastoren, Imame, Rabbiner rufen die Gläubigen dazu auf, aktiv am demokratischen Prozess teilzunehmen, sich einzumischen, nicht mehr wegzusehen, sich als Wähler registrieren zu lassen und schließlich zur Wahl zu gehen. Vor 50 Jahren, am 4. April 1968, wurde Martin Luther King Jr. ermordet. Dieser Tag scheint im Rückblick wie das Ende der Bürgerrechtsbewegung zu sein. LeAnn Flesher vergleicht die heutige Bewegung in den Kirchen mit der damaligen um den charismatischen Baptistenpastor und Bürgerrechtler. “Einer der großen Unterschiede ist für mich, dass sie nicht um eine Person wie Martin Luther King Jr. aufgebaut ist. Wir sehen heute viele Führungspersonen und unzählige von Gruppen, die im ganzen Land entstehen, die sich für dieses Ziel der sozialen Gerechtigkeit einsetzen”. Und die sich vernetzen, wie das Ben McBride mit “Pico California” versucht. “Für mich ist das keine schnelle Sache. Ich bin jetzt 40 Jahre alt, ich weiss nicht, ob ich das je erleben werde. Aber ich weiss, dass ich und andere es tun müssen, damit hoffentlich meine Enkel zu Lebzeiten ein Amerika erleben werden, in dem es zu einer wirklichen Versöhnung kommen kann.”