Amerika ist rassistisch

Jetzt ist es eben Eric Garner. Die Namen lassen sich austauschen. Ein weiterer unbewaffneter Schwarzer, der nach einem Polizeieinsatz verstarb. Auch wenn der republikanische Kongressabgeordnete für New York, Peter King, erklärt, die NYPD schütze eigentlich junge Afro-Amerikaner und der Fall Eric Garner sei kein rassistischer Vor-, sondern ein tragischer Zwischenfall. „Wenn er kein Asthma und kein Herzproblem und nicht übergewichtig gewesen wäre, dann wäre er höchstwahrscheinlich nicht davon gestorben“, meinte King. Das heißt, wenn ich das richtig verstehe, Schwarze mit Asthma, Herzproblemen und Übergewicht sollten in Zukunft noch mehr aufpassen und sich vor allem auf keine Konfrontationen mit der Polizei einlassen. Das ist auch eine Sicht der Dinge.

Präsident Barack Obama betonte erneut, Amerika habe ein Polizeiproblem. Viele Communities trauten den Beamten in Uniform nicht. Das sei zu lösen. Der Bundesjustizminister Eric Holder will sich den Fall Garner genauer ansehen und prüfen lassen, ob da Bürgerrechte verletzt wurden.

Ein Einzelfall? Ganz sicher nicht. Wir sind 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung in den USA. 2015 jähren sich die Unruhen im Stadtteil Watts von Los Angeles, die Gründung der Black Panther Partei in Oakland, Massenproteste gegen offenen und versteckten Rassismus in den USA. Jahrzehntelang tat man in den USA so, als ob alles paletti sei. Eine Klassengesellschaft, aufgeteilt nach Hautfarbe, das gibt es doch nicht. Nicht in den USA. Man verwies auf Gesetze, die Gleichbehandlung und Förderung von Minderheiten versprechen. Die tumultigen 60er Jahre liegen lange hinter uns, wurde immer wieder betont, so, als ob man sich selbst davon überzeugen wollte.

Tatsache ist jedoch, Amerika ist ein gespaltenes Land. Nicht nur in Demokraten und Republikaner. Nicht nur in reich und arm. Sondern eben auch in weiß und schwarz. Erst gestern Abend erzählte mir ein Bekannter, ein 63jähriger Architekt und eben  Afro-Amerikaner, dass er oft und ohne Grund von der Polizei kontrolliert wurde und wird. Ein Professor in San Francisco kann das nur bestätigen (die NZ berichtete). Selbst in seinem Büro und vor seinem eigenen Haus wurde er schon von Polizisten mit diesem gewissen Unterton befragt und kontrolliert. Auch Todesstrafengegner verweisen immer auf die Tatsache, dass man in den USA zum Tode verurteilt wird, wenn man arm und/oder farbig ist.

Amerika hat ein Problem. Ein ziemlich großes sogar. Die Polizei geht massiver gegen Afro-Amerikaner vor. Das belegen Aussagen von Schwarzen, von Weißen. Das belegen Statistiken, die zeigen, dass Afro-Amerikaner für geringe Delikte verhaftet und verurteilt werden, für die Weiße einen „Slap on the wrist“ oder einen „Pass“ bekommen. Was in der derzeitigen Diskussion nach den Todesfällen in Ferguson und New York fehlt, ist der Ansatz einer grundlegenden Debatte in den USA. Die Polizei muß derzeit ihren Kopf für die Versäumnisse einer ganzen Gesellschaft hinhalten, obwohl die Polizeieinheiten nur ein Spiegelbild der Gesellschaft sind. Dass es Fehlverhalten der Polizei gibt, ist unbestritten. Dass manche Polizisten ihre Uniform für unnötige Machtdemonstrationen nutzen, steht außer Zweifel. Doch die Beamten haben auch einen schweren Job, tagtäglich fahren sie in schußsicherer Weste in den Einsatz, wissen nie, ob da nicht ein Bekloppter mit einem Sturmgewehr auf sie wartet. Sie nun alleine für die mangelnde Gleichheit in den USA verantwortlich zu machen ist, wie ein Pflaster auf die Schnittwunde eines Krebspatienten zu kleben.

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Die Geister, die man rief

Angriffe im Irak     
Barack Obama am Wochenende im "Rose Garden" des Weißen Hauses.

Der amerikanische Präsident Barack Obama am Wochenende vor Pressevertretern im „Rose Garden“ des Weißen Hauses.

Amerikanische Bomberpiloten kennen sich langsam aus im Irak. Zum dritten mal wird eine größere Angriffswelle auf Stellungen im Irak geflogen. Diesmal heißt der Gegner „Islamischer Staat“. Keine Bodentruppen sollen eingesetzt werden, das wird immer wieder betont, die Lösungen werden aus der Luft gesucht.

Hinzu kommt, dass die CIA bereits Waffen an die Kurden im Norden liefert. Sollen die sich doch mit den Terroristen des „IS“ rumschlagen, auch wenn die USA maßgeblich an der katastrophalen Lage im Irak mitverantwortlich sind. Barack Obama versucht sich zu erklären, die Republikaner werfen ihm eine lasche Kampagne vor. Da hätte er es auch gleich sein lassen könnnen, meint John McCain. Die Aussagen der republikanischen Spitzenpolitiker lassen schon mal ahnen, was auf Amerika und die Welt zukommen wird, wenn 2016 ein neuer, ein republikanischer Kandidat zum Präsidenten bestimmt wird. Die Kommentare von McCain, Graham oder auch King machen mir zumindest deutlich, warum der „Kriegspräsident“ Obama 2008 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde: Es hätte schlimmer kommen können.

Ein aktueller Audiobeitrag zu Reaktionen in den USA auf den neuen Militäreinsatz im Irak.

Osama soll Obama helfen

Seit langem schon arbeiten die Regisseurin Kathryn Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal an einem Film über die Jagd auf den Terrorfürsten Osama bin Laden. Und dann, am 2. Mai, wurden sie von der Nachricht überrascht, dass Bin Laden in einer Geheimmission amerikanischer Elitetruppen erschossen wurde. Bigelow und Boal, die für „Hurt Locker“ den Oscar bekamen, überlegten nur kurz, ob diese neue Sachlage ihrem Filmprojekt ein Ende setzt.

Nein, ganz im Gegenteil, denn anscheinend hat das Weiße Haus Wind von den Plänen bekommen und findet die Idee durchaus unterstützenswert. Drehbuchautor Boal hat sogar Zugang zu Treffen des Militärs und der Navy Seals bekommen, die ansonsten eher hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Obama Administration scheint einen Hintergedanken bei all der Freundlichkeit zu haben. Der Kinostart für den Osama-Jagd Streifen ist auf den 12. Oktober 2012 festgesetzt, also weniger als vier Wochen vor der Wahl. Obama als amerikanischer Held und Terrorjäger.

Natürlich führt das zu Aufregung bei den Republikanern, immerhin hatte ihr Präsident Bush die Jagd auf Bin Laden mit den Worten „Dead or Alive“ eröffnet. Auch sehen sie die Sicherheitslage gefährdet, wenn einem Drehbuchautoren Zugang zu den geheimen Navy Seal Kommandos gegeben wird. Der republikanische Abgeordnete Peter King hat deshalb jetzt eine Untersuchung der Vorfälle gefordert. Was wissen Bigelow und Boal von den Navy Seals und wie hat das Weiße Haus dabei mitgeholfen? King kritisiert auch den Zeitpunkt des Filmstarts, den er schon jetzt als billigen Werbefilm für den demokratischen Präsidenten abtut.

Kathryn Bigelow und Mark Boal verstehen die ganze Kritik nicht. In einer Erklärung ihres Büros heisst es: „Unser geplantes Filmprojekt über die Jahrzehnte lange Jagd auf Bin Laden ist schon seit Jahren in Arbeit und beinhaltet die gemeinsamen Anstrengungen von drei Administrationen, von Präsident Clinton, Bush und Obama, und dem Verteidigungsministerium und der CIA. Es war ein amerikanischer Triumph, heroisch und überparteilich. Es gibt keine Grundlage dafür, dass wir diesen enormen Sieg anders darstellen werden.“

 

 

Michael Jackson Memorial

12:25 PST

Kenny Ortega erinnert an die letzten Tage von Michael Jackson, seine Proben für die Comeback Show. Jackson habe unermüdlich für diese Konzertreihe gearbeitet. „Michael, we love you more“….und nun „We are the world“…viele, viele Stars kommen auf die Bühne, um diesen Song, Michael Jacksons Song, zu singen.

12:22 PST

Shaheen Jafargholi blows the crowd away!!!

12:16 PST

Smokey Robinson berichtet von den Anfängen der Jackson 5. Er erinnert sich, wie diese fünf sein Lied sangen, vor allem der jüngste von ihnen, Michael Jackson. „I could not believe that someone that young had so much believe, so much soul“.

12:09 PST

Usher…zu ihm fällt mir nichts ein….nicht so mein Ding, aber wohl passend für die Feier….au weia, jetzt läuft er zum Sarg, berührt ihn. Im Hintergrund Familienphotos von Michael. „Gone too soon“…das ist nun etwas zu schmalzig…sogar für eine Trauerfeier, ich kann mir nicht helfen. Janet Jackson ist die erste, die zu Usher läuft und ihn umarmt.

12:03 PST

Die Kongressabgeordnete Sheila Jackson Lee aus Texas ist da und auf der Bühne in Vertretung der schwarzen Abgeordneten im US Kongress. Sie könne nicht singen und auch nicht tanzen, aber das Werk Michael Jacksons habe alle berührt. Michael Jackson sei ein wahrer, guter Samariter gewesen. Sie erinnert an ein Treffen mit Michael Jackson im US-Kongress, bei dem er sich für den verstärkten Kampf gegen die Immunschwäche Aids eingesetzt habe. Jackson Lee berichtet vom „Moment of Silence“ im Kongress am Todestag von Michael Jackson. Zum Abschluss salutiert sie dem Toten…(man hätte hier AC/DC einspielen sollen „We salute you“)

11:58 PST

Bernice King, Tochter von M.L.King und Coretta Scott King, berichtet von der Verbundenheit von Michael Jackson zu ihrer Familie.

11:55 PST

Martin Luther King III ist nun dran. Ein Bürgerrechtler spricht über den „King of Pop“. King Junior versucht die Brücke zwischen der Bürgerrechtsbewegung seines Vaters und dem Werk von Michael Jackson zu schlagen…Gewagt, sehr gewagt..

11:47 PST

„Smile if your heart is aching“ (Charlie Chaplin)…laut Brooke Shields Michael Jacksons Lieblingslied. Und nun singt Jermaine Jackson dieses Lied für seinen Bruder.

11:41 PST

Brooke Shields auf der Bühne…weinend, beschreibt ihre Freundschaft zu Michael Jackson. Sie kannte ihn, seitdem sie elf Jahre alt war. Erzählt von den Schwierigkeiten schon früh erwachsen zu werden. Sie habe viel mit Michael gelacht. Er habe sogar einmal versucht ihr den „Moonwalk“ beizubringen, doch vergeblich.

11:35 PST

John Mayer auf der Bühne, die Stimmung wird lockerer. Rhythmisches Mitklatschen bei Jacksons „Human Nature“.

11:27 PST

Oh My God!!!..Al Sharpton…der ist auch überall dabei, wo eine Kamera angeschaltet wird…fehlt nur noch Jesse Jackson…bitte, bitte nicht…

11:24 PST

Jennifer Hudson singt, sie war eine der Finalistinnen 2004 bei „American Idol“….sie kannte Jackson nicht persönlich, aber machte immer deutlich, dass MJ ihr grösster musikalischer Einfluss war.

11:18 PST

Kobe Bryant und Magic Johnson auf der Bühne…und sie reden über den Mann Michael Jackson, seine private Seite, sein Wille zu spenden und soziale Projekte zu unterstützen…Magic Johnson erzählt von dem Abend, an dem er mit Michael in dessen Haus „Kentucky Fried Chicken“ gegessen hat. Michael Jackson hat die Türen für viele Afro-Amerikaner geöffnet, so Magic Johnson.

11:10 PST

Stevie Wonder meint, Gott habe Michael Jackson zu sich geholt, denn Gott habe wohl eine neue Aufgabe für ihn… „We are the world(s)“…

11:08 PST

Ein Videozusammenschnitt von Michael Jacksons Songs. Hervorragend… und so sollte der „King of Pop“ in Erinnerung bleiben.

11:03 PST

„Simply the greatest entertainer that ever lived“ (Berry Gordy, Motown)….wow…

11:02 PST

Alle Networks sind live dabei. Weltweit sollen rund eine Milliarde Menschen am Fernseher der Trauerfeier folgen. Der „King of Pop“ sprengt sicherlich alle Superlative. Noch nie gab es so eine Medienpräsenz bei einem Ereignis wie diesem.

10:57 PST

Ist schon interessant, wie sich nun alle um Michael Jackson scharen. In Interviews und auch bei dieser Trauerfeier…irgendwie hatte man in den letzten Jahren schon so das Gefühl, dass MJ mehr als Aussätziger im Musik- und Showbusiness gesehen wurde.

10:50 PST

Queen Latifah…“Michael Jackson war zuallererst ein Mensch wie wir alle“….na, das ist schon etwas weit hergeholt….Tut mir leid… Michael Jackson war ein Superstar, ohne Frage. Ein begnadeter Entertainer und hat mit „Thriller“ einen Meilenstein der Musikgeschichte veröffentlicht…aber man soll ihn doch jetzt nicht zum Jesus machen…bitte, bleibt mal auf dem Boden da unten in LA.

10:46 PST

Also ich finde ja, man hätte seine Videos auf der riesigen Leinwand zeigen, die Leute zum Tanzen einladen sollen und in Erinnerungen schwelgen lassen. Wäre das nicht ein besserer „Tribute“ gewesen?

10:40 PST

Es wird ruhig im Staples Center, der Sarg mit Michael Jackson wurde herein gebracht und nun spricht ein Pastor „a friend of the family“…oh bitte nicht….Mariah Carey singt…

10:36 PST

Kommentatoren vergleichen die Trauerfeier von Jackson mit der von Prinzessin Diana. Ein Kommentator meinte sogar, die Frage bleibe offen, ob der „King of Pop“ grösser war als der „King of Rock’n Roll“ Elvis Presley. Ich würde mal sagen, die Frage hat sich von selbst beantwortet. No offense to Michael….

10:32 PST

Vier Millionen Dollar soll die Trauerfeier der Stadt Los Angeles kosten. Ist schon klasse, die Jackson Familie, Freunde und Angehörige kommen in dicken Rolls Royce Karossen daher gefahren, der Freeway wird zur Rush Hour für sie gesperrt und die Stadt muss dafür zahlen….irgendwas stimmt hier nicht.

10:29 PST

Interessanterweise hat gestern ein republikanischer Kongressabgeordneter aus New York die Medienberichterstattung zum Tod von Michael Jackson angegriffen. Man solle Jackson wirklich so sehen wie er war, so Peter King in seinem You Tube Video. Und das sei, Jackson war ein „Perverser“:

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10:25 PST

Seit gestern berichten die Radio- und Fernsehsender von Los Angeles, befragen jeden und alles über Michael Jackson. Der „King of Pop“ muss wirklich eine Menge Leute gekannt haben und hat mit seiner Musik anscheinend Generationen von Menschen tief bewegt

7.7.2009 – 10:20 PST

Ich glaube es ja nicht, auf allen amerikanischen Fernsehkanälen werden Fans um Spenden für die Trauerfeier gebeten. Los Angeles habe kein Geld und diese Veranstaltung koste mehrere Millionen Dollar…Irgendwas stimmt wirklich nicht in Kalifornien!