„Sexed up“ Wahlkampf

Sex sells…das ist eine alte Werbeweisheit. Das denken sich wahrscheinlich auch die Republikaner im etwas drögen US Wahlkampf. Um die Basis zu mobilisieren, wird nun einfach etwas über Sex gesprochen.

Der konservative Superstar Rush Limbaugh, seines Zeichens Pionier in Sachen Talkradio, dessen Radioshow auf nahezu 500 Stationen ausgestrahlt wird, hat in der letzten Woche in seinen Sendungen eine junge Studentin angegriffen. Sandra Fluke war von der Demokratin Nancy Pelosi, die Limbaugh „Botox gefüllt“ nannte, zu einer Anhörung im Kongress eingeladen worden.

Zum Hintergrund: Fluke studiert an der Georgetown Universität, der ältesten katholischen Universität in den USA. Die Studentin kritisierte, dass es Bestrebungen gebe, kirchliche Einrichtungen davon zu befreien, dass Verhütungsmittel über deren Versicherungsschutz finanziert werden. Sandra Fluke meinte, Verhütungsmittel kosten Studentinnen viel Geld im Laufe ihres Studiums, es sei jedoch unumgänglich, dass junge Frauen vor ungewollten Schwangerschaften geschützt seien. Von daher unterstütze sie den Plan der Obamaregierung, dass Krankenversicherungen von nun an auch Verhütungsmittel bezahlen müßten. Gegen diese Festlegung hatten kirchliche Einrichtungen schon länger protestiert und angedroht das Thema in den Wahlkampf zu bringen. Die Republikaner griffen das natürlich auf.

Sandra Flukes Auftritt im Kongress blieb nicht unbeantwortet. Der Höhepunkt waren die Äußerungen von Limbaugh, der Fluke als „Nutte“, als „Schlampe“ bezeichnete, die für Sex von der Allgemeinheit bezahlt werden will. Warum müßten alle Versicherten dafür blechen, dass sie mit einem Mann ins Bett gehe. „Miss Fluke, wenn wir schon dafür zahlen sollen, dass sie Sex haben, dann wollen wir auch was dafür. Wir wollen, dass sie Videos online stellen, damit wir alle zusehen können“, meinte Limbaugh abschließend.

Die Demokraten und etliche Frauengruppen zeigten sich entsetzt über diese Angriffe Limbaughs und forderten die republikanische Parteispitze auf, sich davon zu distanzieren. Präsident Barack Obama rief sogar Sandra Fluke an, um ihr für ihren mutigen Auftritt vor dem Kongress zu danken.

Und auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum versucht mit Sex zu punkten. Das „Darling“ der christlich-konservativen Wählerschaft hat nun erklärt, dass er nach seiner Wahl zum US Präsidenten ein einheitliches Ehegesetz einführen werde und alle homosexuellen Ehen im Land für nichtig erklären wird. US weit sind das rund 131.000 homosexuelle Partnerschaften, die für Santorum nicht zählen. Einige Bundesstaaten haben die sogenannten Homoehen erlaubt, diese gelten jedoch nur in dem jeweiligen Staat.“Wir können keine 50 verschiedenen Ehegesetze im Land haben. Man muß nur eins haben“.

 

Kreuzzug gegen Obama

Schwarz auf weiß stand es schon lange da. In so einem dicken Buch, aber das haben eh nur die wenigsten in Washington gelesen oder andere, wie im Fall der katholischen Kirche, haben erst einmal abgewartet. Denn 2012 ist ja ein Wahljahr. Und Politiker in Wahljahren reagieren auf Wählerproteste ganz anders, mehr kalkulierend, schnell vom Tisch damit und gut ist.

Um was geht es denn eigentlich. Das politische Lieblingskind von Barack Obama ist die Gesundheitsreform. Mit dem Versprechen endlich für jeden Amerikaner den bezahlbaren Zugang zum amerikanischen Gesundheitssystem zu schaffen ist er zum erfolgreichen Wahltag 2008 marschiert. Für einen Großteil der US Bürger war eine einheitliche Krankenversicherung einfach das Thema des letzten Wahlkampfs. Obama siegte und machte sich an die Arbeit. Proteste von links und rechts, geradeaus und von der hintersten Hinterbank waren zu vernehmen. Die Republikaner betitelten das „Monsterwerk“ als „Obamacare“ und schossen von allen Seiten darauf. Von „Todeskommissionen“ war zu hören, die darüber entscheiden sollten, ob ein Kranker überhaupt noch ein Anrecht auf Behandlung habe. „Unamerikanisch“ sei Obamacare, „sozialistisch“, „von Kuba abgeschaut“…. Obama hatte wahrlich keinen leichten Stand mit seinem gewaltigen Wahlversprechen.

Und so fiel es dann am Ende auch aus. Viele Kompromisse mußten eingearbeitet werden, um es in der eigenen Partei nicht zwischen den Flügelkämpfen aufgerieben zu bekommen. Und dennoch im großen und ganzen ist es ein Jahrhundertwerk geworden, denn zum ersten mal sollten alle Amerikaner krankenversichert sein. Aber das war dann doch nicht das Ende der Diskussion. Man muß sich nur die republikanischen Präsidentschaftsdebatten anhören, in denen alle Kandidaten von einer ersten Amtshandlung sprechen: Der Annulierung von Obamacare!

Und nun kommt auch noch die katholische Kirche und droht mit einem „Marsch auf Washington“. Was den Bischöfen vor allem in der neuen Krankenversicherung Obamas aufstößt sind die Vorgaben, dass der Arbeitgeber für Verhütung, die Pille danach und Sterilisationsmaßnahmen aufkommen soll. „Niemals zuvor, beispiellos in der amerikanischen Geschichte, hat sich die Bundesregierung so gegen die katholische Kirche gewandt“, meinte der Vorsitzende der amerikanischen Bischofskonferenz Bill Donohue. Die Katholiken mobilisieren also gegen Obama. In offiziellen Stellungnahmen, von der Kanzel und auf der Straße. Ganz nebenbei bemerkt man, dass man in den USA 70 Millionen Katholiken hinter sich habe, eine große Wählergruppe. In einigen Bundesstaaten könnte das ausschlaggebend sein. Die republikanischen Gegenkandidaten wittern bereits Morgenluft und umsäuseln die Bischöfe. Gingrich und Santorum predigen bereits mit Heiligenschein vom Ende Obamacare. Es könnte doch noch eng werden für den Amtsinhaber, wenn der Vatikan die US Wahl entscheiden will.