Pinocchios Halbbruder stellt sich zur Wahl

Dieser Wahlkampf wird in die Geschichtsbücher eingehen. Es wurde gelärmt, beleidigt, niedergemacht und gelogen. Gelogen, bis sich die Balken bogen. Allen voran Donald Trump, der es eigentlich nie so wichtig mit der Ehrlichkeit nahm. Klar, im Wahlkampf biegen viele Politiker die Wahrheit so, wie es am besten passt und bei den Wählern ankommt. Auch Hillary Clinton bestach hin und wieder durch Falschaussagen, bewusst oder unbewusst, aber sie blieb im Rahmen, so wie etwa Barack Obama in seinen Wahlkämpfen 2008 und 2012.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: AFP.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: AFP.

Trump hingegen wird als Pinocchio in die Annalen eingehen. Seine Nase müsste eigentlich in diesem Wahlkampf erheblich gewachsen sein. Er sprach von 42 Prozent Arbeitslosigkeit, wenn sie eigentlich nur bei fünf Prozent liegt. Er erklärte, er könnte im staatlichen Krankenversicherungssystem für Senioren 300 Milliarden Dollar für Arzneimittel einsparen, obwohl dabei nur 78 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Trump stand auch auf der Bühne und in Interviews und meinte, er habe mit eigenen Augen gesehen, wie Tausende von Muslimen nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 jubelnd in New Jersey standen und auf die zusammenstürzenden Türme des World Trade Centers blickten. Auch habe Hillary Clinton die Geburtsortfrage von Barack Obama in die Welt gebracht und der Vater seines innerparteilichen Konkurrenten Ted Cruz habe eine Rolle beim Attentat auf John F. Kennedy gespielt.

Trump legte Fakten auch immer so aus, als ob er allwissend sei. Er sei gegen den Irakkrieg gewesen, obwohl nachgewiesen wurde, dass er dafür war. Auch erklärte er, er habe schon vorher gewusst, dass Osama bin Laden die USA angreifen werde und die Gesundheitsreform „Obamacare“ ein Desaster werden würde. Nichts dergleichen hat Donald Trump vorher gesagt, aber im Rückblick ist man immer schlauer und kann sich die eigene Geschichte so hinbiegen, wie man möchte Seine Fans bejubeln die Weitsicht des Donald, der keine Probleme damit hat, Statistiken und Umfragen so auszulegen, wie es ihm gerade passt. Mit einem ehrlichen Wahlkampf hat das nichts mehr zu tun. Aber das war wohl auch nicht zu erwarten. Von keiner Seite.

Amerika im Wahlkampf. Nun ist der zu Ende und doch „after the election is before the election“. Es geht gleich weiter. In zwei Jahren wird erneut der gesamte Kongress gewählt und schon jetzt bringen sich einige Republikaner in Stellung, die fest davon ausgehen, dass Donald Trump am Dienstagabend eine Klatsche erleiden wird. Einmal kurz durchgeatmet, ein lautes „Seufz“ und weiter geht es mit der Berichterstattung über die Endlosgeschichte des amerikanischen Wahlkampfes.