Gangland Los Angeles (1)

Polizeifahrt in South Central LA     

Los Angeles ist mit 40.000 Gang Mitgliedern „Gang Capital of the world“. Zumindest darauf bildet sich in LA niemand etwas ein, aber Tatsache ist, man hat sich damit abgefunden. Lange Zeit dachte man, man könnte hart durchgreifen, Polizeipräsenz zeigen und die bösen Buben von der Straße weg verhaften und hinter Gitter stecken. Doch das klappte nicht so richtig. Die Gewalt- und Kriminalitätsrate blieben unverändert hoch.

Nun versucht man ganz neue Wege zu gehen, mit Intervention und Prävention…und vor allem dem Eingeständnis, dass man dem Gangproblem nicht Herr werden kann. Gangs gehören zu Los Angeles wie das Hollywood Zeichen hoch droben am Berg. Es geht jetzt vielmehr darum, die Dinge in einem überschaubaren und kontrollierbaren Rahmen zu halten.

Hier der erste Audiobeitrag in einer Serie über die Gangs in Los Angeles.

South Central LA – 20 Jahre danach

An diesem Sonntag jähren sich zum 20. mal die „Riots“, die Ausschreitungen in South Central Los Angeles. Am 29. April 1992 brannte der Stadtteil. Nachdem vier weiße Polizisten von einer Jury frei gesprochen wurden, die für das brutale Vorgehen gegen den Afro-Amerikaner Rodney King vor Gericht standen, wurde geplündert, gebrandschatzt, South Central ging in Flammen auf. Die schockierenden Bilder, wie ein Mob aus schwarzen Jugendlichen einen weißen LKW Fahrer aus seinem Laster zieht und ihn zusammenschlägt, wie Läden in der eigenen Nachbarschaft geplündert  und anschließend angesteckt wurden gingen damals um die Welt.

Am Freitagabend war South Central Los Angeles ruhig. Fast. Im 77. Revier der Stadt, in dem die Ausschreitungen vor 20 Jahren begannen, gehört Gewalt und Kriminalität einfach dazu. Ich bin mit Sergeant Rodriguez unterwegs, der mir vorab die Gangaktivitäten im Bezirk beschreibt. Hier die „40 Riders“, dort die „60 Riders“, die „Crips“, die „Bloods“, die „Hoovers“. Der ganze Stadtteil ist aufgeteilt, so, dass Schulkinder am Morgen Angst haben in die Schule zu gehen, denn sie müssen durch fremdes Ganggebiet, ein, zwei Blocks weiter.

Und doch meint Sergeant Rodriguez vieles hat sich verändert seit 1992. Damals ging die Polizei hart vor. Die Mordrate lag alleine in diesem Revierbezirk bei nahezu 200. In der ganzen Stadt bei fast 2000. Heute ist die Mordrate in gesamt LA auf unter 300 gesunken. Auch die Polizeitaktik habe sich verändert, meint der Beamte. Früher machte man sein Ding, heute versucht man viel mehr mit der „Community“ zu arbeiten. Respekt und Vertrauen stehe im Vordergrund. Ehemalige Gang Mitglieder werden nach Schießereien für Interventionen gerufen. Die Polizeiarbeit läuft hier anders und erfolgreicher als noch vor wenigen Jahren. Die Statistiken belegen das.

Sgt. Rodriguez fährt durch die Straßen, erklärt, wer hier und dort das sagen hat. Dann ein Notruf, ein bewaffneter Raubüberfall. Noch im Tageslicht wurde direkt vor einem Cornerstore ein Mann überfallen. Zwei junge Schwarze zogen eine Knarre, hielten sie ihm an den Kopf und verlangten Geld. Einfach so, schnell und einfach, es ist Freitagabend in South Central LA. Das ist nach wie vor Normalität in der Gegend, auch wenn sich vieles zum Positiven hin verändert hat.

Zwei Hubschrauber kreisen ständig über dem Bezirk, sind sofort über dem Einsatzort, wenn die Polizei im Einsatz ist. An diesem Abend kommen noch mehrere Polizeirufe über Funk. Mit Sirene und durchgetretenem Gaspedal rasen wir durch den Stadtteil. Jugendliche Gangmitglieder werden kontrolliert. Es liege was in der Luft, heißt es. Doch es bleibt ruhig in den nächsten Stunden. South Central LA bleibt ein Problemviertel. Die Polizei tut, was sie kann. Die Lösungen für die sozialen Probleme im Stadtteil müssen allerdings woanders gefunden werden.

Einsatz in Afghanistan (Audio)

 

 

 

 

 

Polizeiausbildung in Kunduz (Audiobeitrag)      

 

 

 

 

 

Bundeswehreinsatz in Afghanistan (Audiobeitrag)     

Gesetzestreue in Juarez

Nach einem Interview an der Universität in El Paso ging es wieder rüber nach Juarez. Die Stadt hat einen Reiz, auch wenn man als Besucher nicht ganz begreift, wie man sagen kann “I love this city”. Noch viel mehr Ladenfronten als im letzten Jahr sind vernagelt, Häuser herunter gekommen, verwahrlost, am Einstürzen. Dann die allseits präsente und schwerbewaffnete lokale und Bundespolizei, dazwischen immer wieder Militär. Die schönen Tage von Ciudad Juarez sind längst verblasst.

Und dann ging es mit dem jungen Reporter einer Lokalzeitung durch die Stadt. Der 22jährige erzählt von seiner Arbeit, seinen Erlebnissen, berichtet vom Leben diesseits und jenseits der Grenze. Vor kurzem mußte er nach El Paso übersiedeln, nachdem er von der Bundespolizei entführt worden war. Zuvor hatte er einen Artikel über die Verflechtungen der Polizei mit den Drogenkartellen veröffentlicht. Kein Spaß, Luis zog sich erst einmal zurück.

Nach all den Interviews in El Paso und Ciudad Juarez schaut man die patroullierende Polizei ganz anders an. Den Schupos vertrauen hier die wenigsten, ich schließe mich da gerne an. Die noch im letzten Jahr überall zu findenen Flugblätter von verschwundenen Frauen, die damals noch an jedem Lichtmast und Telefonhäuschen hingen, sind fast vollständig verschwunden. Auch die rosa Kreuze auf einem Grundstück, auf dem die Leichen von zehn Frauen gefunden wurden, sind nicht mehr da. Es scheint fast so, als ob Juarez nicht in aller Öffentlichkeit an die Gefahr und die Frauenmorde erinnert werden will. Nach den Interviews mit dem Bürgermeister und dem Bischof wundert einen gar nichts mehr.

Doch man kann auch lachen in Juarez. Im Kentucky Club auf der Avenida Benito Juarez hängen die gesetzlich vorgeschriebenen Nichtraucherzeichen, doch niemand stört sich daran. Es wird gequalmt. Auf die Frage, warum man das hier darf, bekommt man nur ein Lachen. Ja, es wäre wohl eher sehr seltsam, wenn ausgerechnet dieses gutgemeinte Gesetz in Juarez eingehalten werden würde – Rauchen kann tödlich sein!

 

Der bedröhnte Cop

Gibt es eigentlich sowas nur in den USA? Ein Polizist beschlagnahmt Marihuana und backt damit mit seiner Frau zu Hause  „Brownies“. Doch damit nicht genug, als beide so richtig bedröhnt sind rufen sie den Notruf an und erklären, sie sterben gerade und die Zeit vergeht „sehr, sehr, sehr langsam“. Ok, das Video ist schon etwas älter, aber dennoch, man kann nur lachen und sich an den Kopf packen…

YouTube Preview Image

6 Morde in einer Woche

Oakland erlebt derzeit eine Welle der Gewalt. Sechs Menschen wurden innerhalb einer Woche umgebracht. Zuletzt ein 13jähriger, der mit seinem Freund die Straße runter ging. Ein Mann hielt ihn an und erschoß ihn einfach. Und gestern gab es eine Schießerei zwischen der Polizei und dem 20jährigen Andrew Barrientos, Andrew Barrientosder für verschiedene Delikte steckbrieflich gesucht wurde. Als die Beamten ihn anhalten wollten, zog der eine Knarre und feuerte auf die Polizisten. Ein Beamter wurde dabei schwer verletzt und schwebt in Lebensgefahr. Zu Fuß floh Barrientos, stoppte schließlich mit Waffengewalt einen Wagen und floh. Nun ist eine Kalifornien weite Fahndung nach ihm im Gange.

Das schlimme an diesen Taten ist, dass sie ganz normal für Oakland geworden sind. In der San Francisco Bay Area wundert es niemanden mehr, wenn in Oakland rumgeballert wird und sogar Kinder und Polizisten auf offener Straße erschossen werden. Die politische Führung der Stadt hat versagt. Nicht nur der heutige Bürgermeister Ron Dellums ist mitverantwortlich an diesem Zustand, sondern auch seine Vorgänger, wie Jerry Brown, der derzeitige kalifornische Gouverneurskandidat der Demokraten. Seit Jahren schon pendelt sich die Mordrate in der Stadt auf jährlich zwischen 120 – 150 ein. Ganze Stadtteile sind „No Go Areas“ geworden. Dort spielt sich der Drogenhandel ab, dort bekämpfen sich verschiedene Gangs bis aufs Blut. Und die Politiker, die Verantwortlichen und leider auch die Nachbarschaften selbst schauen tatenlos zu.

Hier noch ein Live-Video einer Schießerei in Oakland. Unterhalb des Einkaufszentrums liegt eine Polizeistation, deshalb auch die Präsenz der Polizei dort. Und umso erstaunlicher ist es, dass selbst hier Schießereien stattfinden.

YouTube Preview Image

Die Straßen von San Francisco

Scotty, Mike und Moe haben mir heute Abend mal San Francisco von einer anderen Seite gezeigt. Die drei sind Mitglieder der „Gang Unit“ des SF Police Departments. Nach einem Burger ging es erstmal mit einem Zivilwagen zum General Hospital. Dort wurde ein Verwundeter mit Schussverletzung eingeliefert. „Wenn du jemals eine Schussverletzung hast, lass dich hierhin bringen. Das sind die besten auf dieser Seite des Mississippis“, meinte Moe zu mir. Gut zu wissen! Die Ärzte, Krankenschwestern und allerlei Auszubildende schauten sich interessiert das Röntgenbild an. Darauf die Kugel im linken Lungeflügel. Scotty und Moe wollten den Angeschossenen zur Tat befragen, aber der kriegte kaum Luft und irgendwie wollte der auch nicht reden. Auf der Strasse löst man Probleme und Streitigkeiten einfach anders. Vor dem Krankenhaus standen schon ein paar Kumpels des Verletzten, die sich über seinen Zustand informierten.

Vom General Hospital ging es durch den Mission Distrikt nach Bay View Hunters Point, zwei Krisenstadtteile mit Gang Aktivitäten. Alle drei erzählten von ihrer Arbeit, beantworteten Fragen, zeigten da und dorthin. „Scotty verfährt sich immer“, lachte Mike. „Ich darf ja nie fahren“, meinte der. An einer roten Ampel brauste auf einmal ein weisser Ford Taurus rechts vorbei. Also hinterher. Nach 200 Metern wurde der mit Lichtsignal zum Anhalten aufgefordert. Alle drei stiegen aus, ihre „Badges“ sichtbar. Moe kam von rechts, Scotty von links die Knarre an der Hüfte griffbereit machend. Mike blieb etwas entfernter stehen. Und der Reporter durfte aus dem Auto zusehen. Nach ein paar Minuten kamen sie zum Wagen zurück. „Wir haben ihn nur verwarnt, alles kein Ding“, die drei waren wirklich nur auf Gangjagd. Und dann lachten sie drauflos. „Scotty hat den Fahrer gefragt, ob das neben ihm seine Mutter ist“, Moe kriegte sich nicht mehr ein. „Die sah aber auch alt aus“, verteidigte der sich. „Man das war seine Freundin, die war höchstens 25“, meinte Mike.

Und weiter ging die Fahrt…im Schritttempo durch die Mission Gegend, durch kleine Nebenstrassen. Die drei zeigten auf Graffiti, erzählten von verschiedenen Aktivitäten an dieser und jener Strassenecke, berichteten von Mord, Schiessereien, Überfällen. Schliesslich ging es zurück ins Präsidium, wo Scotty mir noch verschiedene Bilder und Videos von Gangs und Gangmitgliedern in der Stadt zeigte. Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen. San Francisco hat sich seit den Zeiten der berühmten Fernsehserie mehr als nur verändert.

Hier noch ein von Gangmitgliedern selbst produziertes Video aus dem Mission Distrikt:

YouTube Preview Image

Drogenkrieg eskaliert

Es geht um Milliarden Dollar. Auf beiden Seiten der Grenze verdienen sich einige Drogenbosse und Waffenschmuggler eine goldene Nase. Die mexikanische und die amerikanische Regierung wollen das Problem sogar gemeinsam angehen, doch bislang merkt man vor Ort nicht viel. 23.000 Morde in den letzten paar Jahren sprechen eine deutliche Sprache und die Gewaltspirale dreht sich weiter. Die Grenzstädte Juarez und Tijuana sind zu den gefährlichsten Städten der Welt geworden. Hier kennen die Gangs und Drogenbosse keine Gnade. Niemand ist sicher, der sich ihnen auch nur in den Weg stellt.

Die US Regierung hat nun angekündigt, die jährlichen Hilfszahlungen an Mexiko umschichten zu wollen. Anstelle von Hardware zur Drogenbekämpfung wolle man die finanziellen Mittel lieber zur Verringerung der Korruption bei Polizei, Armee und Politikern einsetzen. Das dies nicht weither geholt ist zeigt die Situation in Juarez. Der Bürgermeister der Stadt erklärte gegenüber der NZ, dass er bei Amtsantritt im Sommer 2007 rund 1600 korrupte Polizisten entlassen musste.

Mexico  Drug WarUnd nun wurde der Bürgermeister von Cancun, Gregorio Sanchez, verhaftet. Ihm wird Drogenhandel, Geldwäscherei und Verstrickungen in die organisierte Kriminalität vorgeworfen. Der Beschuldigte bestreitet dies, wirft der Regierung in Mexiko City ein politisches Manöver vor, denn Sanchez ist zur Zeit ein Kandidat bei der anstehenden Gouverneurswahl im Bundesstaat Quintana Roo.

Doch zweifellos ist die Korruption ein riesiges Problem in Mexiko. Viel Geld ist im Spiel, Polizisten und Soldaten sind unterbezahlt und auch Politiker halten gerne die Hand auf, um wegzuschauen. Die USA und Barack Obama erkennen langsam, dass der Drogenkrieg südlich der Grenze kein rein mexikanisches Problem mehr ist. Obamas Vorgänger, George W. Bush, kümmerte sich reichlich wenig um die Situation in Mexiko, auch wenn die USA unter Bush mit verschiedenen politischen Entscheidungen die Situation im Kartellkrieg nur noch weiter befeuerten. Barack Obama orderte nun auch US Truppen an die Grenze, um illegale Einwanderung und den Drogenschmuggel zu stoppen.

Die Einmischung Washingtons und der Versuch gemeinsam mit der Regierung Calderon der Korruption Herr zu werden. Ein wichtiger Schritt, der jedoch auch ins Leere führen kann. „Es herrscht Anarchie auf den Strassen“, erklärte mir ein mexikanischer Journalist in Juarez. Er beschrieb ein Bild mit wenig Hoffnung. Die Zeit wird es zeigen….bis dahin werden noch tausende von Menschen der Gewalt in Mexiko zum Opfer fallen.