Poltergeist in Larkspur

Larkspur ist eine Kleinstadt im superreichen Marin County, nördlich der Golden Gate Bridge. Direkt an der San Francisco Bay gelegen kann man sich hier als Grundstücksspekulant eine goldene Nase verdienen. 2010 erwarb eine Firma ein größeres Grundstück und wollte darauf Häuser bauen, die zwischen 1,2 und 2,5 Millionen Dollar verkauft werden sollten. Insgesamt handelt es sich um 55 Millionen Dollar Großprojekt. Doch dann stellte man fest, dass genau an dieser Stelle ein indianischer Friedhof der Miwok war. Per Gesetz mußten Archäologen eingeschaltet werden, die beim Graben einen wahren Schatz entdeckten. Sie schätzten, dass der Fund auf eine Ansiedlung rund 4500 Jahre zurück reicht, noch bevor in Ägypten die großen Pyramiden gebaut wurden. Man fand Knochen, Werkzeuge, Gegenstände, Belege für Tierzucht. Ein Archäologe, der seit 40 Jahren tätig ist, meinte, so einen Fund habe es in Kalifornien seit 100 Jahren nicht mehr gegeben.

Doch nichts ist von dem historischen Schatz geblieben. Das Gesetz sieht auch vor, dass die Nachfahren des Stammes schlußendlich entscheiden können und dürfen, was mit allem geschehen soll. In einer Eilaktion, ohne DNA Analyse, wurde ein nordkalifornischer Stamm als Nachfahren bestimmt. Die Indianer des Graton Rancheria Stammes durften entscheiden, obwohl gar nicht klar war und ist, ob sie überhaupt zuständig sind. Allein ihre örtliche Nähe zum Fundplatz prädestinierte sie. Archäologen witterten deshalb auch ein abgekartetes Spiel zwischen der Gemeinde Larkspur, die durch den Bau der Häuser eine  immense Ausgleichszahlung erhält, der Baufirma, die mit der Erschließung des Landes ein Vermögen verdienen wird und den indianischen Nachfahren, die einfach entschieden, die Gebeine müßten umgebettet werden, dann dürfe der Ort zubetoniert werden. Auch wurde alles unter dem Mantel des Stillschweigens erledigt, eine Vertragsklausel verbot die Öffentlichkeit zu informieren. Der Chef des Stammes wollte das ganze Tohuvabohu nicht verstehen und erklärte etwas entnervt: „Unsere Sichtweise ist, dass die Dinge uns gehören, Punkt. Lassen Sie uns frei entscheiden, was wir damit machen. Wenn wir zu dem Schluß kommen, dass es sich um heilige Objekte handelt, dann werden wir sie umbetten, denn in unserer Tradition sind Gegenstände, wie Perlen, Glückssteine oder was auch immer, Teil der Person, die gestorben ist. Wie würden Juden oder Christen reagieren, wenn wir ihre Überreste auf einem Friedhof ausgraben würden, um sie zu untersuchen. Niemand hat das Recht dazu“.

Die Archäologen sind entsetzt, die Indianer genervt, der Bauherr zufrieden, die Gemeinde erfreut, im Angesicht der neuen Steuereinnahmen. Ende der Geschichte. Es sei denn, die Geister, die man rief, sind mit der Entscheidung dann doch nicht so zufrieden. Einige gehässige Beobachter dieses Dramas hoffen nun, dass der 1982er Spielfilm „Poltergeist“ hier eine Fortsetzung im richtigen Leben finden wird.