Die „Käufliche“ oder der „rassistische Troll“

Wen soll man nur wählen? In diesem Wahlkampf treten zwei Kandidaten gegeneinander an, die in beiden Lagern nicht gerade geliebt werden. Donald Trump spaltet seine derzeitige Wahlheimat, die Republikaner, wie kein anderer vor ihm. In den konservativen Reihen haben viele beschlossen einfach nicht zur Wahl zu gehen. Das ist ihre Entscheidung im Kampf ums Weiße Haus. Mitschuldig an einem Präsidenten Donald Trump wollen sie nicht werden, nach dem Motto „ich hab‘ ihn ja nicht gewählt“. Ganz so weit gehen und Hillary Clinton wählen, um Trump zu stoppen, werden Republikaner dann doch nicht. Lieber eine Nichtwahl oder vielleicht noch eine Stimme für Gary Johnson, den Kandidaten der Libertarian Party.

Bernie Sanders ist nun als Brückenbauer gefragt. Foto: Reuters.

Bernie Sanders ist nun als Brückenbauer gefragt. Foto: Reuters.

Hillary Clinton wird ebenfalls von einem weiten Teil ihrer Demokraten nicht geliebt. Selbst viele Frauen sind von der ersten weiblichen Kandidatin für den Job des „Commander in Chief“ nicht gerade begeistert. Und wenn man im Vorwahlkampf Bernie Sanders unterstützt hat, dann, so scheint es, steht man nun vor der Wahl Beelzebub oder Luzifer, Erhängen oder Erschießungskommando, Ersticken oder Ertrinken. Die Wahl wird zur Unwahl.

52 Prozent der Bernie-Wähler erklärten zwar in den jüngsten Umfragen, dass sie im November mit Bauchkrämpfen für Clinton stimmen werden. Der Grund ist einfach, nicht Hillary überzeugt sie, sondern Trump müsse verhindert werden. 18 Prozent der Befragten meinten, sie werden für Gary Johnson votieren, der durchaus einen soliden Wahlkampf führt und mit guten politischen Ideen überzeugen kann. 22 Prozent der Sanders-Jünger wollen jedoch für den Milliardär aus New York stimmen. Sie sagen, im Weißen Haus müsse endlich ein Außenseiter einziehen. Auch wenn man mit vielen, ja den meisten Äußerungen und politischen Ideen von Trump nicht überein stimme, Trump ließe sich im Vergleich zu Clinton nicht kaufen. Wie man den Sprung von Sanders zu Trump schaffen will ist für mich schleierhaft. Trump steht für alles, für was Sanders nicht steht. Ich hoffe, ich werde bis November noch jemanden treffen, der diesen Richtungswechsel gehen will und dann hier im Blog berichten.

Hillary Clinton hofft derzeit auf eine offizielle Unterstützung durch Bernie Sanders. Denn damit würde Sanders seinen Millionen von Wählern ganz deutlich vor Augen führen, dass der eigentliche Gegner nicht Hillary Clinton heißt, sondern Donald Trump. Jener Trump, der eine Mauer bauen, Muslime nicht einreisen lassen will. Jener Trump, der die Pressefreiheit in den USA beschränken, Umweltgesetze außer Kraft setzen will. Jener Trump, der auf der Weltbühne den harten Macho spielen will, der „Global Warming“ anzweifelt. Sanders ist nun gefragt politische Brücken zur eigenen Partei zu bauen. Nur so lässt sich das Undenkbare für die USA verhindern.

„Breaking News“….Donald Trump hat keinen Plan

Bitte schauen Sie sich das folgende Video an. Das wurde gestern Abend in Las Vegas, im Hotelcasino Caesar’s Palace aufgezeichnet. Der FOXNews Moderator Sean Hannity hatte Donald Trump zu Gast. Trump gewährte großzügigerweise den Wunsch, auch Fragen der Zuschauer zu beantworten. Zumindest schien das so vorher ausgemacht worden zu sein. Ab Minute 3:00 kommt eine junge Frau ans Mikrofon, um über die Schulden von Studierenden nach ihrem Abschluß zu sprechen. Die Frage ist einfach: „Mr. Trump, wie würden Sie die Situation verbessern?“ Und dann kommt Trump, mit einer, seiner typischen Nullantworten, die zeigen, der Mann hat keinen Plan.

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Man muß sich langsam fragen, wie es eigentlich zu einer Kandidatur von Donald Trump gekommen ist. Er ist ein Egozentriker, ein Egomane, der sicherlich niemanden um sich herum akzeptiert, der ihm nicht nach dem Mund redet. Donald Trump liebt die Bauchpinselei…bei sich wohlgemerkt. Er ist der Größte, der Tollste, der Erfolgreichste, der Reichste, der Klügste (der Schönste hat er, das muß man ihm zugestehen, noch nicht behauptet). Ein selbstverliebter Mann, wie in Amerika und die Welt noch nicht erlebt hat. Seine Kandidatur kann eigentlich nur auf einem Mißverständnis beruhen. Irgendjemand in seinem Umfeld wird zu ihm scherzhaft gesagt haben, „Donald, Du solltest Präsident werden“. Und Donald, ganz Donald, formte die Lippen zu einem „O“ (was leider sehr an was anderes erinnert), nickte leicht mit dem Kopf, die Haarwelle saß prächtig dank Dreiwettertaft und meinte, „Ja, ich wäre der beste Präsident aller Zeiten“.

Das war’s! Die Entscheidung war gefallen, Donald Trump erklärte seine Kandidatur. Als Superreicher mußte er nicht auf Betteltour gehen, um Gelder zu sammeln. Als Fernsehstar hatte er den Starbonus, und das alleine fanden und finden viele Amerikaner toll. Sie haben auch für Arnold Schwarzenegger gestimmt und würden auch für Lady Gaga votieren. Trump hatte ideale Ausgangsbedingungen. Den bekannten Namen, viel Geld, ein Riesenego und auf seine Weise Unterhaltungswert. Von Inhalten ist da keine Rede, die braucht jemand wie Trump nicht, er kann ja alles.

Leider habe ich auf der liberalen Insel San Francisco Bay Area noch niemanden getroffen, der für Donald Trump stimmen möchte. Denn ich würde ihn oder sie gerne fragen, was denn für den Donald spricht? Auf seiner Webseite findet man keinen politischen Plan, keine Analyse der aktuellen Situation, keine genauen Absichten, wie die derzeitigen Probleme in den USA und international gelöst werden sollen. Klar, die Mauer, die kommt immer, doch daran scheiterte schon die DDR. Aber sehen Sie selbst. Hier ist Donald Trumps Antwort auf seiner Webseite unter dem Punkt „JOBS – ich werde der größte Arbeitsstellen schaffende Präsident der amerikanischen Geschichte sein“. Das muß man eigentlich nicht mehr kommentieren:

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Ein starkes demokratisches Kandidatenfeld

Letzte Debatte vor den Vorwahlen     
Bernie Sanders macht Hillary Clinton das Leben schwer. Foto: Reuters.

Bernie Sanders macht Hillary Clinton das Leben schwer. Foto: Reuters.

Was soll man da noch sagen? Die Fernsehdebatten gingen am Montag mit dem letzten Aufeinandertreffen der demokratischen Kandidaten zu Ende. Es war ein „Town Hall Meeting“ mit Wählern in Iowa. Und es war gut. Inhaltlich, sachlich, ohne Tiefschläge. Die Kandidaten beschworen die Einheit der eigenen Partei, hatten positive Worte für ihre Mitstreiter, setzten auf ihre Stärken. So sollte es sein. Die demokratische Debatte für die Präsidentschaftswahl 2016 war um Welten besser, als die andauernde Schwarzmalerei im republikanischen Lager. Dort scheint es nur darum zu gehen, wer ein größeres Ego hat und wer Präsident Obama noch mehr anlasten kann.

Egal, nun beginnen mit der Stimmabgabe in Iowa in sechs Tagen die Vorwahlen, danach folgt New Hampshire. Bis ich hier in Kalifornien dran komme, ist die Wahl entschieden. Also zumindest, wer gegen wen antreten wird. Und wenn man bedenkt, dass Kalifornien der bevölkerungsreichste Bundesstaat in den USA ist und wahltechnisch so gut wie keine Rolle spielt…aber ich wiederhole mich nur, wenn ich sage, das amerikanische Wahlsystem ist nicht gerade das beste.

Da half auch keine Brille

Aus die Maus für Rick Perry. Das hatte er sich anders vorgestellt. Foto: AFP.

Aus die Maus für Rick Perry. Das hatte er sich anders vorgestellt. Foto: AFP.

Rick Perry streicht die Segel. Vor genau vier Wochen hatte ich schon angekündigt, dass der Texaner zum zweiten Mal aus dem Rennen ums Weiße Haus aussteigen wird, nun läßt er auch Taten folgen. Vor vier Jahren blamierte er sich bis auf die Knochen, hatte in den Debatten auf vieles keine Antwort. Vorzeitig verließ er das Feld. Danach konzentrierte er sich auf seine Arbeit als Gouverneur von Texas und bereitete still und leise einen Schlachtplan für die nächste Runde vor.

Rick Perry trat erneut an. Ambitioniert, voller Elan, es schien, auch besser vorbereitet als beim letzten Mal. Perry baute darauf, dass seine Erfahrungen als längster Gouverneur von Texas und sein Imagewandel beim Wähler ankommen würden. Nun mit Brille, sein Kontrahent Donald Trump spottete, das mache ihn auch nicht klüger. Das Perry Team wurde jedoch schlichtweg überrascht von der Flut an republikanischen Kandidaten, die da auf einmal alles überschwappten. Neben dem Texaner tauchten 14 weitere namhafte Anwärter und eine Anwärterin im Rennen auf. Rick Perry fiel nicht nur beim Spendensammeln weiter ab, selbst sein Thema der Grenzsicherung wurde vom großmäuligen Donald Trump übernommen. Rick Perrys Idee der Nationalgarde an der Grenze hatte keine Chance gegen den unsinnigen Mauerbau auf Kosten der Mexikaner von Donald Trump.

Rick Perry fiel und fiel zurück. Bei der ersten Debatte der Kandidaten kam er noch nicht einmal auf die Hauptbühne, denn in den Umfragen erreichte er nur zwei Prozent. Nicht genug für die Prime Time. Danach war klar, das Ende ist nah. Perry konnte seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, die Spendengelder blieben aus. Zwar wollte man noch einmal alles versuchen, doch nach nur vier Wochen ist das Ende der Fahnenstange endgültig erreicht. Rick Perry schmeißt die Brocken hin. Das wars für ihn und mal ehrlich, man wird ihn in den kommenden 14 Monaten auch nicht vermissen.

Donald Trump ist Jesus

Donald Trump liebt alle. „I love the Chinese people, great people“. „I love the Mexican people. A lot of terrific Mexicans are working for me“. „The Russians. Great people“. Donald Trump hat ein offenes Herz für die Völker dieser Erde. Egal, ob er da mit Krieg, Wirtschaftssanktionen oder Mauern droht, die andere für die Amerikaner zahlen sollen. Trump ist eigentlich der kaptitalistische Jesus, der nun Präsident werden will.

Donald Trump hat derzeit gut Lachen. Foto: AFP.

Donald Trump hat derzeit gut Lachen. Foto: AFP.

Gestern habe ich mir mal wieder eine Wahlkampfrede und ein langes Schmuseinterview mit ihm auf FOXNews angesehen. Trumps Haarwelle lag perfekt, die Lippen ganz spitz berichtete er von all seinen guten Taten, seinen Erfolgen als Geschäftsmann, seinen Kontakten rund um die Welt, die er natürlich nutzen werde, wenn er erst einmal im Weißen Haus sitzt. Und wenn man ihm zuhört, dann versteht man, warum viele Amerikaner, oder viele republikanische Wähler ihn mögen. Trump war und ist erfolgreich. Er hat ein Milliardendollarvermögen angehäuft, viele Geschäftsideen erfolgreich umgesetzt. Seine Art Kontrolle zu übernehmen, ein vielgepriesener „Leader“ zu sein, demonstrierte er für alle sichtbar auch in seiner NBC-Sendung „The Apprentice“. Und dann ist da der Donald, dem niemand den Mund verbietet. Er redet Klartext, kümmert sich nicht um politische Korrektheit, um das, was politisch umsetzbar oder nur ein Hirngespinst ist. Trump sagt das, wie ihm gerade ist. Er ist der Gockel auf dem Hof, der da auf dem Misthaufen steht und einfach mal kräht. Alle hören ihm zu und richten ihren Tag nach ihm aus.

Man sollte also Trump langsam ernst nehmen, gerade auch, wenn man ihn, wie das viele Wähler tun, mit den anderen Kandidaten vergleicht. Donald Trump legt einen Lebenslauf vor, mit dem er hausieren geht. Erfolg, Milliardendollarvermögen, gute Kontakte in alle Welt. Ihm gegenüber stehen Kandidaten, Berufspolitiker, die eigentlich noch nicht viel im Leben geschafft haben. Entweder haben sie einen berühmten Namen, wurden vom politischen Establishment der Partei nach vorne gepusht oder werden von reichen Geldgebern im Hintergrund finanziert.

Die Amerikaner lieben Underdogs, gerade, wenn sie selbstbewusst und mit einer Art „American Dream“ Vision auftreten. Und genau das macht Trump. In den letzten Wochen hat der Donald gezeigt und bewiesen, dass man ihn weder totschweigen noch übergehen kann. Er bleibt erst einmal im Rennen und wird auch weiterhin mit seinem Gekrähe die politische Debatte mitbestimmen.

558 Tote durch Polizeikugeln…so far!

Ein erneuter Fall. Wieder ein toter Afro-Amerikaner. Diesmal wurde ein unbewaffneter Schwarzer von einem weißen Campus Polizisten in Cincinnati erschossen. Wegen einer Lapalie, einem fehlenden vorderen Kennzeichen. Doch diesmal klagt der lokale Staatsanwalt auf Mord. Und erneut gibt es eine Diskussion, wie rassistisch die amerikanischen Polizeieinheiten sind.

Foto: AFP

Foto: AFP

Die Statistiken zeigen ein klares Bild. 558 Menschen wurden in diesem Jahr (!) durch Polizeikugeln in den USA getötet. 534 Männer und 24 Frauen. Davon waren 468 mit einer „deadly weapon“ bewaffnet, 57 waren unbewaffnet. Von all den Getöteten waren 274 Weiße, 140 Schwarze, 86 Hispanics und 20 „Andere“. Man kann diese Statistik nun lesen wie man will, auslegen wie man will, analysieren wie man will. Eines steht fest, Afro-Amerikaner sind im Bezug auf die Gesamtbevölkerung häufiger betroffen, als Weiße. Aber das sind sie auch im Strafvollzug, bei Schulabgängern, bei Obdachlosen.

Diese Statistik der tödlichen Schüsse durch Polizisten belegt eigentlich nur eines. Und zwar, dass Amerika ein grundlegendes Problem hat. Es gibt eine Schieflage in der Gesellschaft, die auch 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung noch nicht behoben ist. Und seien wir mal ehrlich, wohl auch nicht zu beheben sein wird, gewollt oder ungewollt. Die Mär vom „American Dream“, vom Hocharbeiten, vom Tellerwäscher zum Millionär ist so gegenwärtig und so falsch wie seit langem nicht mehr. Das wird in diesen Tagen, Wochen und Monaten offensichtlich. Das steht hinter diesen trockenen Statistikzahlen.

Es ist allerdings kein Schwarz-Weiß Bild, das man hier ansetzen kann, also hier die schwarzen Opfer, dort die weißen Täter. Wer so denkt, kommt zwar zu einem Ergebnis, doch zu keiner Lösung. Allerdings will man in den USA auch keine ernstzunehmenden Lösungsvorschläge, das zeigt die Debatte um Waffenbesitz und – gewalt nur zu gut. Selbst der gegenwärtige Wahlkampf macht deutlich, dass es um eine inhaltliche Diskussion schon lange nicht mehr geht. Tödliche Statistiken hin oder her. Es ist eine platte Phrasendrescherei, die am Ende zu nichts führen wird.

Geld regiert die Welt

Die Nachricht kam im republikanischen Lager einem Erdbeben gleich . Die New York Times berichtete, dass sich David Koch und sein Bruder Charles Koch auf einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl geeinigt hätten. Wisconsins Gouverneur Scott Walker soll der Auserwählte sein. Die Koch Brüder sind Milliardäre, ihr Geld machte die Familie im Ölgeschäft. „Koch Industries“ ist das zweitgrößte Unternehmen in privater Hand in den USA. Die Kochs fördern schon seit Jahrzehnten mit ihrem Reichtum konservative Institute in den USA, sie galten lange Zeit als die Finanziers der Tea Party Bewegung und ohne ihre Schecks wird kein Republikaner gewählt.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Doch nun ließ ein enger Vertrauter der „Koch Brothers“ durchblicken, dass noch keine echte Entscheidung getroffen worden sei. Vielmehr werde man im Sommer zu einer Konferenz laden, auf der einige der Kandidaten ihre Positionen verdeutlichen dürfen. Man werde genau hinschauen, was für ein Team der jeweilige Kandidat zusammen gestellt hat, wie er sich präsentiert und vor allem „how they articulate issues the Kochs care about“, also wie sehr der Kandidat die Weltsicht der Brüder in Washington umsetzen würde.

Und die Weltsicht der „Brothers“ ist eindeutig. Von Demokraten halten sie nichts, sie verstehen sich als „pro freedom“, die Märkte bestimmen die Gesetze und Umweltpolitik steht nicht gerade hoch auf ihrer Prioritätenlisten. So haben sie 400 Kongressabgeordnete mit allerlei Grün davon überzeugt – oder gedrängt, ihre Unterschrift unter ein Versprechen zu setzen, dass diese keine Gesetze gegen „Global Warming“ unterstützen ohne gleichzeitige drastische Steuererleichterungen. Die Kochs sitzen mit an den Schaltstellen Amerikas.

Bei der letzten Wahl 2012 waren sie alles andere als erfreut, als sich am Ende Mitt Romney im GOP Kandidatenfeld durchsetzte. Sie sahen ihn als einen Abklatsch von Barack Obama, als keine ernstzunehmende Alternative im Kampf für die Rückeroberung des Weißen Hauses.

Der Wahnsinn der Nullnachrichten beginnt

HIllary Clinton geizt beim dem Trinkgeld.

HIllary Clinton geizt beim Trinkgeld.

Au weia! Eineinhalb Jahre Nullnummer und Nullnachrichten liegen vor uns. Jedes Wort, jede Bewegung, jede Geste der Kandidaten wird auf die Goldwaage gelegt. Und allen voran Hillary Clinton. Die ist derzeit nach ihrer offiziellen Verkündung ihrer Kandidatur auf einer Promotour durch jene Bundesstaaten, die zuerst die Vorwahlen haben. Und da passierte es, in Iowa machte ihr Bus vor einem Chipotle Halt, das ist ein mexikanisches Fast Food Restaurant. Hillary und ihre Mitarbeiterin bestellten „chicken burrito bowl, a chicken salad, a blackberry Izzy, and a soda“, wie der Manager des Betriebs danach erklärte. Doch dann geschah es, weder Hillary Clinton noch ihre Begleiterin ließen ein Trinkgeld zurück. Sowieso zahlte die Clinton Begleiterin. „Ihre Rechnung war etwas über 20 Dollar, sie zahlten mit 21 Dollar und steckten das Wechselgeld ein“, so der Restaurantleiter gegenüber der Presse.

Unglaublich! Da ist doch Hillary Clinton auf einer Tour durch die USA, um mit den Bürgern und dem Volk zu bandeln und dann hinterlässt sie nicht einmal ein Trinkgeld bei denen, die es nötig haben. Die Konservativen stürzten sich darauf. Talk Show Moderator Rush Limbaugh machte damit in seiner Sendung auf. Vor wenigen Monaten habe Clinton noch 300.000 Dollar pro Auftritt erhalten und nun könne sie nicht einmal einen Dollar Trinkgeld hinterlassen, so der wortgewaltige Obama und Clinton Hasser. Falsch sei sie, eine Heuchlerin, „out of touch with the American people“, so auch die einhellige Meinung auf FOXNews.

Leider wird dabei übersehen, dass man eigentlich kein Trinkgeld in einem Fast Food Restaurant hinterlässt. Doch auch wenn man das tut, oder eben auch nicht tut, warum ist das nun eine nationale Schlagzeile? Hillary Clinton ist weder Mutter Theresa noch ein heilsbringender Engel. Sie ist Politikerin und kandidiert fürs Weiße Haus. Sie sollte, wie jeder andere Kandidat und Politiker auch, an ihrer und seiner Arbeit gemessen werden. An den Ideen, Inhalten und Konzepten des Wahlkampfs. Doch darauf kommt es wohl wieder einmal nicht an. Es wird ein drei Milliarden Dollar Wahlkampf werden, in dem es mehr um Trinkgeld, Kleidung, Essen und Gesten gehen wird, als um eine sinnvolle und inhaltliche Debatte über den Ist-Zustand und die Zukunft Amerikas. Das für sich sagt sehr viel aus über die eigentliche Lage der Nation.

 

Obama sucht Nachfolger(in)

Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch mit Barack Obama. Wird sie die erste US Präsidentin werden?

Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch mit Barack Obama. Wird sie die erste US Präsidentin werden?

Hillary Clinton ist auf Werbetour für ihr Buch in Deutschland und die erste Frage, die ihr überall gestellt wird ist, wann sie endlich ihre Kandidatur bekannt geben wird? Als ob sie das wirklich in Deutschland preisgeben würde. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass Hillary Clinton überhaupt kandidieren wird, und das aus mehreren Gründen, Amtsinhaber Barack Obama scheint sich schon auf eine Nachfolgerin festgelegt zu haben. Und die heißt eben nicht Hillary Clinton. Mit der einstigen First Lady, Senatorin, Außenministerin, doch vor allem innerparteilichen Kontrahentin im Rennen um das Weiße Haus 2008, verbindet Obama so etwas wie eine Hass-Liebe. Hillary ist eine begnadete Politikerin, die voll und ganz in ihrer Rolle als Chef-Diplomatin in der Obama Adminstration aufging. Doch Ehemann Bill Clinton hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er eigentlich von Barack hält; nämlich gar nichts. Ein „Nobody“ sei Obama, der mit schönen Worten, aber ohne Inhalte die Wahl gewonnen habe. Seine Frau hätte die Herausforderungen nach acht Jahren George W. Bush besser gemeistert, als der Jung-Senator aus Illinois, so der Ex-Präsident Bill Clinton.

All das scheint Barack Obama nicht vergessen zu haben, denn er setzt bereits auf eine andere Kandidatin, Massachusetts Senatorin Elizabeth Warren. Sie gilt als Vertraute von Obama, als Unterstützerin seiner Politik, als Erbin seines politischen Vermächtnisses. Hillary, so heißt es aus dem Weißen Haus, würde einiges rückgängig machen oder zumindest aufweichen, was Obama in harten Kämpfen mit den Republikanern durchgesetzt hat. Offiziell wird sich Barack Obama zu dieser Personenwahl nicht äußern, doch die Obama Beraterin Valerie Jarrett hat sich bereits mehrmals mit Elizabeth Warren getroffen, um sie von einer Kandidatur zu überzeugen. Dabei sei es auch ums Geld gegangen. Jarrett habe Warren zugesichert, dass Obama seine „Geldmaschine“ für sie einsetzen werde.

Die 65jährige Elizabeth Warren war vor ihrer Wahl zur US Senatorin für den Bundesstaat Massachusetts Rechtswissenschaftlerin an der Harvard Universität. Ihr Spezialgebiet liegt auf Insolvenzrecht. Warren ist beliebt beim progressiven Flügel der demokratischen Partei und könnte als Kandidatin die Basis der Demokraten und Linken ansprechen.

Kampf der Noch-Nicht-Kandidaten

Erst im November 2016 wird erneut ein amerikanischer Präsident gewählt. Schon jetzt vermutet und munkelt man, wer denn für die Demokraten und die Republikaner in den Ring steigen werden. Namen werden gehandelt, es wird genau beobachtet, welcher Politiker wo auftritt, was er sagt und mit wem er sich umgibt. Zwei Kandidaten, die einfach nicht von den Listen gestrichen werden, sind Hillary Clinton für die Demokraten und Jeb Bush für die Republikaner. Jeder von ihnen führt das Feld der potenziellen Kandidaten an, obwohl es überhaupt noch keine offiziellen Kandidaten gibt. Sowohl Clinton wie auch Bush haben sich bislang nicht festgelegt. „Ich denke darüber nach“, erklärte diese Tage Hillary Clinton im kalifornischen San Jose und auch Jeb Bush meinte vor ein paar Tagen in einem Interview mit FOXNews, er entscheide sich noch in diesem Jahr, ob er kandidieren werde.

Hinhalten und verzögern und aus dem direkten Schußfeuer bleiben. Die amerikanische Politik ist eine Schlangengrube. Wer ans Ziel will, muß da durch. Der Vorwahlkampf in der eigenen Partei ist ein brutaler und kräftezehrender Mehrkampf. Alles ist erlaubt, Tiefschläge einbezogen. Wer sich zu früh in Position bringt, wird zermahlen, zerlegt, gedemütigt. Hillary und auch Jeb kennen das Geschäft nur zu gut. Sie haben es am eigenen Leib und aus unmittelbarer Nähe erlebt. Ein Kampf zwischen den beiden ist unwahrscheinlich und doch, er wäre ein Zweikampf mit Inhalten. Denn beide stehen für neue Ideen und Ziele, und sind dabei in wichtigen politischen Fragen gar nicht mal so weit voneinander entfernt. Amerika ist und bleibt im Dauerwahlkampf.