Nun ist es amtlich

Paul Kagame Wahl 2010Was für eine Zitterpartie für Amtsinhaber Paul Kagame. Der ruandische Präsident wird wohl bei der Stimmabgabe Wasser und Blut geschwitzt haben, doch nun kann er sich für sieben weitere Jahre gelassen in seinem Chefsessel zurück lehnen. Das amtliche Endergebnis ist da. 93 Prozent der Wähler votierten am Montag für ihn. 87,75 Prozent hinter ihm liegt der Zweitplatzierte, der Sozialdemokrat Jean Damascene Ntawukuriryayo mit 5,15 Prozent der Wählerstimmen. Das kann man getrost einen Kantersieg nennen.

Interessanterweise waren Kagames drei Mitbewerber um das Präsidentenamt alle mit der Regierungspartei FPR verbandelt. So eine richtige Opposition oder Alternative gab es bei dieser Wahl nicht. Auch die Wahlbeteiligung von 97,5 Prozent deutet darauf hin, dass die Ruander den Wahltag zum Kagametag erhoben.

In Ruanda selbst wurde die Wahl bereits abgehakt, zwar hört man noch immer den „catchy“ Wahlsong „Tora Tora Kagame“ im Hitradio, aber ansonsten blickt man voraus. Und auch die internationalen Kritikerstimmen werden schon bald verstummen. Zu wichtig ist Ruanda in Ost- und Zentralafrika, um sich mit so läppischem Wahlgedöns rumzuschlagen. Der Kagamekurs wird also weiter der ruandische Weg bleiben.

Hitzewelle in Kigali

Bin gut in Ruanda, im Herzen Afrikas angekommen. Die erste Regenzeit des Jahres steht bevor, es ist drückend heiss. Aber es ist eine Wohltat nach den Regenstürmen in Kalifornien und dem Schnee in Deutschland.

Es ist beeindruckend durch diese Stadt zu laufen. Die politische Führung in Kigali will mit aller Macht das Land nach vorne bringen. „2020“ heisst die Devise, also in zehn Jahren will man ein Musterbeispiel für „New Commerce“, „IT“ und „Wirtschaftsboom“ in Afrika sein. Na, bis dahin können sie sich noch ganz schön am Riemen reissen, denn so einiges liegt im argen. Aber egal, es ist spannend, all das aus der Nähe zu sehen.

Einiges steht auf dieser Reise an, ein paar Interviews und auch ein Trip nach Goma, in die Nord-Kivu Region der DRC, der „Democratic Republic of Congo“. Ich bin sehr, sehr gespannt, was mich alles erwarten wird. Und wenn ich kann und es interessantes zu berichten gibt, werde ich mich an dieser Stelle melden.

Kleine Randnotiz, gestern hatte ich Lust zum Joggen, bin also bei Sonnenuntergang in der brütenden Hitze los gerannt und eine zeitlang auch auf einem Grünstreifen entlang einer Hauptstrasse gelaufen. Tja, bis mich ein Soldat mit Maschinengewehr angehalten hat…Ich hatte mich schon vorher gewundert, denn ein anderer Soldat hatte mir was unverständliches hinterher geschrien. Aber ich verstehe weder Kinyarwanda noch Französisch, und beim Laufen habe ich Tunnelblick. Doch als der mit seiner MG vor mir auftachte blieb ich doch lieber stehen. Er fragte mich mit ein paar Brocken Englisch nach meinem Name und was ich mache (!). Irgendwie konnte er mit mir nichts anfangen. Verschwitzt, unverständlicher Name und dazu in kurzen Hosen….“Go“. Es stellte sich später heraus, dass dort die Büroräume des Präsidenten liegen und daher die Sicherheitsvorkehrungen extrem sind. Aber wie soll ich das denn wissen, ein Warnschild habe ich nicht gesehen und der Grünstreifen lud einfach zum Joggen ein. Und so gefährlich sehe ich doch nicht aus, oder?