„It takes a village…“

„…to raise a child“. Dieser Satz der einstigen First Lady Hillary Clinton erlebt eine ganz neue Bedeutung im Kongo. Hier muß man zusammen halten und zusammen arbeiten, um auch nur kleine Fortschritte zu erzielen.

Die lutherische Grundschule im kleinen Ort Kilungutwe. Am Rande des Dorfes gelegen findet man zwei Klassenzimmer aus Backsteinen (Bild links), selbstgezimmerte, wackelige Schulbänke, die Fenster offen, Lehmboden. Einen kleinen Hügel hinauf liegen zwei weitere Klassenzimmer für die älteren Kinder. Ein Lehmbau mit Strohdach, der mehr an einen Stall als an eine Bildungseinrichtung erinnert.

Und auch in Bukavu, immerhin eine Großstadt, ist das Bild nicht besser. In der Gemeinde Bizimana stehen zwar größtenteils aus Backsteinen gefertigte Klassenzimmer, doch der Gesamteindruck ist mehr als ärmlich. Über 400 Kinder werden hier unterrichtet. Der Boden ist unbefestigt, draußen ist es schlammig. Gleich neben dem Klassenzimmer der 1A (Bild) liegen die Außentoiletten. Im Raum riecht man die Fäkalien. Bis zu fünf Kinder teilen sich eine Schulbank. Ein paar Schüler schreiben auf Schiefertafeln, einige haben Hefte, der Großteil jedoch kann gar nicht mitschreiben. Die Unterrichtsmaterialien fehlen hier überall.

Die Schule ist eine halbstaatliche, was bedeutet, die lutherische Kirche ist der Träger, die Lehrer müßten aber eigentlich vom Staat finanziert werden. Müßten….denn  seit längerem, teilweise schon seit Jahren, haben sie kein Gehalt mehr bekommen. 40 Dollar im Monat erhält ein Lehrer normalerweise, nun leben sie von den kleinen Schulbeiträgen der Schüler. Und die kommen auch eher sporadisch und meist nur teilweise. Und dann hat der Staat am Anfang des Schuljahres verkündet, dass alle Schulen für die ersten drei Klassen kostenlos sind, was zur Folge hat, dass die Eltern nun kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Und das, obwohl der Staat auch weiterhin nicht die Lehrer bezahlt. Eine fatale Situation.

Vor kurzem wurde einigen Lehrern ein Teilmonatsgehalt ausgezahlt. 20.000 kongolesische Franc, also rund 20 Dollar. Allerdings erhielten die Lehrer nur 17.000. Denn derjenige, der die Kasse verwaltete mußte auch was bekommen und der mußte ebenfalls etwas an seinen Vorgesetzten abdrücken.

Die Situation ist nicht anders bei den Schülern, die nach dem Abschluß den Sprung auf die Universität schaffen. Auch hier müßten die Professoren eigentlich vom Staat finanziert werden, doch Gehälter werden schon lange nicht mehr bezahlt. Deshalb treiben die Professoren das Geld bei den Studenten ein. In jeder Vorlesung, vor jeder Prüfung, wenn man die korrigierte Arbeit zurück haben will und dann auch noch das Zeugnis bekommen möchte. Natürlich zahlt man extra für die Prüfungsunterlagen, die der Prof. selbst zusammen gestellt hat.

Die Regierung in Kinshasa und der gesamte Staatsapparat leben auf dem Rücken der Bevölkerung. Für alles und nichts muß gelöhnt werden. Vor allem bei staatlichen Einrichtungen wird von den Beamten kräftig zugelangt, denn die kleinen Zugelder sind ihr Einkommen. Wenn man sich die Zustände in den Schulen ansieht weiß man, dass der Kongo in absehbarer Zeit nicht voran kommen wird. Und das, obwohl dieses Land, aufgrund seiner Bodenschätze zu einem der reichsten der Welt zählen könnte.