Oakland in Alarmbereitschaft

Das Urteil ist da. Der frühere BART Polizist Johannes Mehserle muß für zwei Jahre ins Gefägnis. Mit zehn Monaten U-Haft und bei guter Führung könnte er schon wieder in zehn Monaten auf freiem Fuß sein.

Mehserle/GrantMehserle hatte in der Neujahrsnacht 2009 bei einer Verhaftung den wehrlos am Boden liegenden Oscar Grant erschossen. Im Prozess erklärte Mehserle, er habe im Eifer aus Versehen anstatt der Elektroschockpistole seine richtige Knarre gezogen und Grant in den Rücken geschossen.

Die Jury folgte im Juli der Begründung der Verteidigung und entschied sich für fahrlässige Tötung und nicht für die Anklage auf Mord. Nun hat der Richter das Strafmaß festgesetzt und blieb am äussersten unteren Strafrahmen. Auch er folgte in der Begründung der Verteidigung.

Nun bereitet sich Oakland auf eine heiße Nacht vor, denn schon zweimal kam es in der Vergangenheit zu Ausschreitungen, chaotischen Zuständen und Plünderungen in der Innenstadt. Angehörige von Oscar Grant erklärten, es wundere sie nicht, dass Mehserle kaum belangt werde und nicht die Höchststrafe von 14 Jahren erhalte. Das Rechtssystem in den USA sei nach wie vor rassistisch. Johannes Mehserle ist weiß, Oscar Grant Afro-Amerikaner …. Kein gutes Zeichen für das, was auf Oakland zukommt.

Die verrückten Amerikaner

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, es waren interessante, spannende und nie langweilige 12 Monate. Amerika ist voller Geschichten. Von der politischen Zentrale in Washington DC bis zur „left coast“, der von vielen Republikanern abfällig genannten und eher politisch links tendierenden Pazifikküste. In Amerika gehen einem Journalisten nie die Geschichten aus, das steht fest. Alleine der Blick in die heutige Zeitung zeigt, was sich so alles tut fernab der Tagesthemen Stories.

Da ist der Mann in Warren, Michigan, der überfallen und mit einem Messer verwundet wird. Er ruft mit seinem Handy die Polizei an und erklärt, er werde im nahegelegenen Diner auf die Beamten warten, denn „es ist zu kalt hier draussen“. Der 52jährige geht also ins Cafe, bestellt in aller Ruhe einen Kaffee und setzt sich hin. Die Bedienung will erst ihren Augen nicht trauen, doch in der Brust des Mannes steckt noch die Klinge des Messers mit dem er angegriffen wurde. „Ist kalt heute“, meint er nur.

Oder da ist der 37jährige aus Oldsmar in Florida. Er rief den Notruf 911 an und erklärte er sei überfallen und zusammen geschlagen worden. Als die Polizisten kamen stellte sich raus, dass die Geschichte vollends erfunden war, der Mann hoffte lediglich mit dem Streifenwagen in eine andere Bar gefahren zu werden. Doch die Polizisten verstanden keinen Spass. Nun hat er eine Anzeige wegen Missbrauchs des Notrufs am Hals.

Auch schön ist die Nachricht aus Lancaster, Pennsylvania, wo ein Sheriff einen 22jährigen Amish Mann verhaftete. Der steuerte betrunken seine Kutsche. Fragt sich nur, ob ihm nun der Führerschein abgenommen wird. Aber richtig Ärger wird er wohl mit den Älteren seiner Gemeinschaft bekommen, denn Alkoholkonsum ist bei den Amish verpönt.

San FranciscoIst es ein Zeichen Gottes? In Sterling, Connecticut, wurde ein Kalb mit einem weissen kreuzförmigen Mal auf der Stirn geboren. Der Farmer schrie sofort „Holy Cow“. Nicht ganz so heilig geht es derzeit in Nevada zu, wo die Bundesregierung damit begonnen hat, Wildpferde einzufangen und sie zu zum Teil zu zähmen oder in den Mittleren Westen zu schaffen. Die Wildpferde, so die Begründung, würden zu viel Gras fressen und kaum was für die Kühe übrig lassen, die auf dem staatlichen Weideland zugelassen sind. Da sehen wohl ein paar Bürokraten zuviel Money, Money, Money, denn Farmer müssen dafür zahlen, dass ihr Vieh auf öffentlichen Flächen grasen darf. Die Wildpferde hingegen breiten sich kostenlos aus, und das in rasantem Tempo. Ach ja, da ist dann noch die Story von Jesus Christus, DIE als Geschworene in einem Prozess in Birmingham, Alabama, entlassen wurde. Ja, Sie lesen richtig….Dorothy Lola Killingworth hatte vor einiger Zeit ganz legal ihren Namen auf „Jesus Christus“ ändern lassen. Doch im Gerichtssaal war sie alles andere als die Ruhe selbst. Sie fiel durch Störmanöver auf und wurde schliesslich aus dem Geschworenenpool entlassen. Auch mal eine Nachricht.

Sie sehen, Amerika ist voller „Stories“. Langweilig wird es hier nie. Aber eigentlich gibt es solche und viele andere Geschichten überall, man muss nur hinhören und hinsehen. Auf ein schönes, ereignisreiches und interessantes 2010. Prost Neujahr!

$ 80.000 pro Download Song

Eine steile Rechnung hat nun eine Frau in Minnesota präsentiert bekommen. Für 24 Songs, die sie im Internet geladen und dann über eine „File Sharing Site“ zur Verfügung gestellt hatte, wurde sie jetzt von einem Gericht zu 1,92 Millionen Dollar oder 80.000 Songs pro Song verdonnert.

Der Anwalt der Frau argumentierte zwar, dass nicht eindeutig festgestellt werden konnte, ob sie es auch wirklich gewesen sei, doch eindeutige Recherchen ergaben, dass sowohl ihr Online Name, ihre Mailladresse als auch ihre Internet Protocol Adresse stimmten. Der Jurist meinte echt, man habe die Frau ja nicht auf frischer Tat erwischt, was für ein Dämelargument ist das denn!!!

Der Verteidiger stellte die Angeklagte als mutige Frau dar, die im Kampf gegen die gewaltige amerikanische Plattenindustrie, die geklagt hatte, aufstand und ihr Recht forderte. Die RIAA betonte nochmals, dass es ihr nicht um einen Richterspruch ginge und sie der Beschuldigten auch nach dem Prozess noch die Möglichkeit einer aussergerichtlichen Einigung einräume.

Die mehrfache Mutter gab sich am Ende gelassen und meinte, sie werde das ohnehin nicht zahlen können. Eigentlich, wenn man sich mal die runtergeladenen Songs der Frau genauer ansieht, kann man nur zum Ergebnis kommen, sie ist für einen schlechten Musikgeschmack bestraft worden. Der Richter dachte sich beim Durchlesen der Songliste sicherlich: „Boah, so wat geht ja gaaaaa nich…dat gehoert verbot’n“.

Amazon und die Meinungsfreiheit

In München steht der erklärte Holocaust Leugner und früheres RAF Mitglied Horst Mahler vor Gericht, nachdem er sich im Herbst 2007 selbst angezeigt hatte. Mahler hatte ein verbotenes Buch in Deutschland mehrfach verschickt, in dem der Massenmord an den Juden im Dritten Reich geleugnet wurde. Seiner Logik folgend, wollte er erreichen, dass viele Leute dieses Schriftstück versenden und sich danach selbst anzeigen, um so den Paragraphen der Volksverhetzung auszuhebeln. Mahler nutzt nun im Gerichtssaal die Möglichkeit, seine anti-semitischen Parolen auszuführen.

Interessanterweise sind genau diese Bücher, die Mahler verschickte und im Verfahren anspricht, im freien Handel in den USA erhältlich. Und nicht nur das, jeder kann sie weltweit ganz einfach über den Online-Versand amazon.com erwerben. Neben diesen anti-semitischen und geschichtsfälschenden Druckwerken kann man hier auch die hasserfüllten Bilderbücher aus dem Nürnberger Stürmer Verlag, wie „Der Giftpilz“ von Ernst Hiemer oder „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid“ von Elvira Bauer im Nachdruck beziehen. Sicherlich ist die Bestellung und der Bezug solcher Schriften aus den USA strafbar in Deutschland, allerdings ist die Verbreitung solcher Machwerke schon lange nicht mehr von deutschen Strafverfolgungsbehörden kontrollierbar.

Das Glück verlässt OJ

capt.488dea3aaf7840d29230434bec7ad5bf.aptopix_oj_simpson_nvjh115.jpgAm Freitag glaubten in den USA wieder einige an Gerechtigkeit. OJ Simpson muss nun doch noch ins Gefängnis. Zwar nicht für die Morde an seiner Ex-Frau und ihrem Freund Ron Goldman im Jahr 1995, sondern für einen bewaffneten Diebstahl. Pech für Simpson, dass er in Las Vegas auch noch an eine der härtesten Richterinnen im Bundesstaat Nevada geriet. Die erkannte sein Reuebekenntnis nicht an und verdonnerte den einstigen Football-Profi zu einer satten Gefängnisstrafe von mindestens 15 Jahren. Und auch dem Antrag seiner Anwälte, Simpson bis zum Berufungsprozess auf freien Fuss zu setzen, schmetterte sie ab. Auf OJ wartet nun ein Leben hinter Gittern. Für viele ist das nun das vorläufige Ende einer Endlossaga…doch wie der Name schon sagt, wir werden bestimmt wieder etwas von OJ hören.

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