Mr. President, you’re the best!

Ein Buch, ein Leitartikel und schon steht das Weiße Haus in Flammen. Diese Woche lief nicht gut für Donald Trump, bis auf den gestrigen Abend, da ließ sich der Präsident wieder einmal auf einer seiner Jubelveranstaltungen feiern. Tausende huldigten ihm, Trump genoss sichtlich das Bad in der Menschenmenge.

Donald Trump vergisst im Menschenbad die Probleme daheim. Foto: Reuters.

Vergessen waren für eine kurze Zeit die Sorgen, wer im Weißen Haus, in seiner Administration mit Pressevertretern spricht, wer der New York Times erklärte, es gebe eine geheime Widerstandsgruppe im „White House“, die gegen ihn und seine folgenreiche Politik arbeite. Nachdem die ersten Informationen über das Buch von Investigativreporter Bob Woodward bekannt wurden, antwortete Trump mit Vertrauensbekundungen seiner „Generäle“ Mattis und Kelly. Beiden wird in dem Buch nachgesagt, sie hätten deutliche Kritik am Präsidenten geäussert. Beide ließen in dieser Woche verlauten, das stimme nicht. Der angesehene Washington Post Journalist Woodward habe sich die Geschichte selbst zusammen gereimt. Alles Lüge, alles „Fake News“.

Nur einen Tag später veröffentlichte die New York Times einen Beitrag eines anonymen Autors, der angeblich im Weißen Haus arbeitet und das bestätigt, was Woodward in seinem Buch beschreibt – eine Gruppe von Insidern, die gegen Trump arbeitet oder ihn zumindest im Zaum halten will. Der Präsident tobte, sprach von Verrat und Gefährdung der nationalen Sicherheit. Vize-Präsident Mike Pence gab schriftlich eine Erklärung ab, dass er nicht der Autor der Zeilen sei und verlangte auch von anderen in der Administration solch eine Gelübde abzulegen.

Keiner will es also gewesen sein, keiner will mit Bob Woodward gesprochen haben. Und das passt ins Bild dieser Administration und des politischen Washingtons. Wer mit Trump zurecht kommen will, der muss ihm huldigen, ihn preisen, als großen und einzigartigen Präsidenten, der historische Taten leistet, Amerika wieder „great“ macht, Amerika wieder an erster Stelle stellt und den Ruf Amerikas in der Welt erhallen läßt. Selbst einst kritische Senatoren, wie Lindsey Graham, der Trump als „unfit“, also als ungeeignet einstufte, schwärmt und verteidigt nun den Präsidenten. Auch andere, wie Marco Rubio, Ted Cruz und Rand Paul loben Trump immer wieder über den Klee, und das, obwohl sie noch vor kurzem schärfste Kritiker des Kandidaten und Präsidenten Trump waren.

Es sieht danach aus, als ob sich so einige in Washington und im Weißen Haus selbst „ihre“ Strategie im Umgang mit Trump zurecht gelegt haben. Augen zu und durch, Trump loben, im Honig ums Maul schmieren und hoffen, dass es am Ende nicht so schlimm sein wird. Das ist naiv, das ist opportunistisch, das ist schlichtweg dumm, denn den Schaden, den die Trump Administration anrichtet, wird über Jahre hinaus zu spüren sein. National und international sind schon jetzt fatale Konsequenzen der Politik zu sehen und zu spüren, die nichts, aber auch rein gar nichts mit „Make America Great Again“ zu tun haben. Man kann nur hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler sich an all jene erinnern, die Trumps Politik mit möglich und mit unterstützt haben.

Besser nicht arm sein und krank werden

Die Republikaner im US Senat haben heute ihre Fassung der Reform von der Gesundheitsreform, auch als Obamacare bekannt, vorgelegt. Weniges bleibt, vieles wird verändert oder ganz abgeschafft. Verpflichtend soll die Krankenversicherung nicht mehr sein, damit wird das Grundprinzip einer allgemeinen und für alle gültigen Krankenversicherung ausgehebelt. Amerika krankt und kränkelt sich in die Zukunft.

Ein Krankenhausaufenthalt wird bald nicht mehr für jeden in den USA bezahlbar sein. Foto: Reuters.

Was Donald Trump im Wahlkampf vorgeschlagen hat, wird somit weitgehend umgesetzt, so zumindest sieht es nach dem Entwurf des Abgeordnetenhauses auch in dem Vorschlag der konservativen Senatoren aus. Steuererleichterungen für Reiche, die bislang ACA, „Affordable Care Act“, mitfinanziert haben. Kein Geld mehr für „Planned Parenthood“, in denen u.a. auch Abtreibungen durchgeführt werden, doch die wurden selbst unter Obamacare nicht finanziert. Streichungen von Leistungen, von finanziellen Hilfen, aus muss wird kann im Gesetz und jeder weiß, was das am Ende für Patienten bedeuten wird. All das geht einigen in der „Grand Old Party“ noch nicht weit genug, darunter Ted Cruz und Rand Paul. Sie verlangen eine grundsätzliche Streichung des ACA, jeder Amerikaner und jede Amerikanerin ist danach für die Gesundheit verantwortlich. Nun müssen die Verhandlungen zwischen den republikanischen Flügeln laufen, damit der Senat die Gesetzesvorlage ans Weiße Haus schicken kann. Der Sprecher des Senats, der Republikaner Mitch McConnell, will bereits in der kommenden Woche darüber abstimmen lassen. Die Zeit läuft also aus.

Die Reform der Reform ist alles andere als ein Gewinn für Amerika. Obamacare wurde gleich nach derin Einführung von den Konservativen als „sozialistisch“ und „unamerikanisch“ abgestempelt, eben weil die Gesundheit aller als nationales Ziel erkannt und ausgewiesen wurde. Nun geht die Schere wieder auseinander und wird vor allem die treffen, die ohne oder in schlecht bezahlten Jobs sind, die auf Trump und sein „America First“ bauten. „America First“ also für nur wenige in den USA. Alle sind gleich, nur manche sind gleicher. Wer Geld hat, wird sich auch weiterhin eine Krankenversicherung leisten können. Wer kein Geld hat, muss ganz ohne auskommen, hoffen, dass ihm oder ihr und seiner und ihrer Familie nichts passiert. Oder man wird eine reine Notfallversicherung abschließen, die auch nur einen Teil der anfallenden Kosten übernimmt. Jeder Arztbesuch, jedes Medikament, jede Behandlung muss dann erst einmal selbst bezahlt werden. Denn auch die finanzielle Unterstützung durch den Staat für das Gesundheitssystem Medicaid, mit dem sozial Schwächere, Kinder, Behinderte und Senioren unterstützt werden, soll auf Wunsch der Republikaner zurück gefahren werden.

Die Aktienkurse der Versicherungsunternehmen werden nun steigen, denn in Zukunft muss weniger bezahlt werden. Die Aktionäre wird es freuen. Die Reichen, wie die Trump Familie, jubeln, denn für sie entfällt auch jene Steuer, mit der Obamacare mitfinanziert wurde. Ein Trump im Weißen Haus lohnt sich also. Unterm Strich kommt – zumindest für ein paar Amerikaner – einiges mehr heraus.

Die Republikaner können auch anders

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich dachte schon; „Oh, Graus“. Eine republikanische Debatte ohne den Unterhaltungskönig Donald Trump. Das ist ja wie Stromberg ohne Stromberg. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht. Die sieben verbliebenen Kandidaten – Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, Ben Carson, Rand Paul, Chris Christie und John Kasich – lieferten doch tatsächlich so etwas wie eine politische Debatte. Es gab manchmal ein Hin und ein Her, es wurden Standpunkte verteidigt, erklärt, darum gestritten. Und sicherlich gab es auch Angriffe der Kandidaten, aber eben keine Verbaltiefschläge a lá Trump. Die Republikaner können also debattieren, wenn sie denn wollen und gelassen werden.

Der Donald, der eigentlich nicht auf der Bühne sein wollte, war dennoch da. Sein Name wurde mehrmals genannt, es drehte sich auch öfters mal um seine Sicht der Dinge. Und dann hatte Trump ja auch noch kurzerhand eine Konkurrenzveranstaltung aus dem Boden gestampft. Zeitgleich lief eine Benefiz-Veranstaltung für US Veteranen, auf der die Donald-Show so richtig ins Laufen kam. Trump als Gönner, der für die „Wounded Warriors“-Stiftung fünf Millionen Dollar einsammelte.

Schon vor der Debatte am Donnerstagabend und nach seiner Ankündigung nicht mit den anderen auf der Bühne stehen zu wollen, hatte er das Rampenlicht gesucht. Interview folgte auf Interview, zuletzt wenige Minuten vor seinem eigenen Auftritt für die Veteranen im Privatjet mit CNN. Der Nachrichtensender übertrug dann pikanterweise auch zeitgleich zur FOXNews Debatte die One-Man-Show des Multimilliardärs. Ich bin so langsam wirklich gespannt, wie die ersten Wahlen in Iowa und dann New Hampshire ausgehen werden. Danach wird sich das Feld deutlich verkleinern. Dann wird sich zeigen, ob sich eine vielleicht geeinte republikanische Partei noch gegen den Egozentriker Trump wehren kann.

It’s a one-man show, man!

Donald Trump stand in der Mitte der Bühne und alles drehte sich um ihn. Die anderen versuchten ihn anzugreifen, doch der Donald parierte gekonnt und teils mit Humor. Als Rand Paul ihm vorwarf, Trump bewerte andere nach ihrem Aussehen, wie er dies jüngst mit Carly Fiorina getan hatte, reagierte der Milliardär, er hätte ja nichts über Rand Pauls Aussehen gesagt, auch wenn er das durchaus könnte. Als Jeb Bush ihm von der Seite kam, meinte Trump, „Jeb, today you’re full of energy. I like that“. Vor ein paar Wochen hatte der Donald seinem Mitkonkurrenten attestiert eine lahme Ente zu sein, saft- und kraftlos im Rennen mitzulaufen.

Foto: AFP

Foto: AFP

Und dann war da noch Carly Fiorina auf der Bühne, die einzige Frau weit und breit. Wie würde sie reagieren? Ihr sah man an, dass sie sich vom lächelnden Donald nicht unterkriegen und unterbuttern lassen wollte. Sie teilte aus, doch kam dabei auch nicht gerade angenehm und sympathisch rüber.

An dem Abend in der Ronald Reagan Library, direkt vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine wurde über vieles gesprochen, oder zumindest vieles angerissen. Außenpolitik, die Wirtschaft, Abtreibung, der Iran-Deal, Obamacare, Hillary Clinton, die Grenze, Sicherheitspolitik….querbeet ging es durch die tagesaktuellen Themen. Der Moderator versuchte immer mal wieder mit Zitaten der einzelnen Kandidaten Zwist zu säen und vor allem die anderen gegen Donald Trump aufzubringen. Doch irgendwie war es ein nettes „Get together“ der bekanntesten Republikaner. Klar, die fiesen Blicke von links nach rechts und rechts nach links blieben nicht aus. Auch wurde deutlich, wie zerstritten die Ronald Reagan Partei ist. Dem einstigen Western Helden klingelten in den ewigen Jagdgründen sicherlich die Ohren, denn gerade Jeb Bush versuchte sich als Neffe von Reagan zu präsentieren.

Nach dieser Debatte wird man abwarten müssen, wer in den Umfragen steigen, wer fallen wird. Ich denke mal, viel wird sich nicht ändern. Die Amerikaner lieben ihre Außenseiter Trump und Carson. Nur am Kindertisch, die kleine Gruppe von Kandidaten vor der eigentlichen Fernsehdebatte, wird sich einiges tun. Schon bald werden sie die Segel streichen müssen. Lindsay Graham, George Pataki, Bobby Jindal und Rick Santorum sollten lieber jetzt als später erkennen, dass das Rennen ohne sie läuft.

Die Macht der Frauen

Die zweite Runde steht an. Diesmal stehen elf Republikaner auf der Bühne, um die Fernsehnation von sich zu überzeugen. Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Rand Paul, Ted Cruz, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie, John Kasich und diesmal auch Carly Fiorina. Zuvor schon tritt die zweite Reihe der Kandidaten an: Rick Santorum, Bobby Jindal, Lindsey Graham, George Pataki und Jim Gilmore. Rick Perry sollte eigentlich auch noch dabei sein, doch der ist ja aus dem Rennen ausgestiegen und überlegt nun, was er mit den Spenden, die er erhalten hat, machen soll.

Die Debatte wird live von CNN aus der Ronald Reagan Presidential Library im kalifornischen Simi Valley übertragen werden. Absolut präsidial vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine. Und klar ist schon im Vorfeld, zehn werden sich auf einen stürzen. Denn bislang hatte Donald Trump Narrenfreiheit, er hat sich in den letzten Wochen und Monaten selbst zur Zielscheibe der innerparteilichen Kontrahenten gemacht. Keiner spaltet die Partei so sehr wie Donald Trump. Zuletzt ließ der Donald es krachen, als er die ehemalige Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina heftigst mit den Worten angriff, wer wolle schon dieses Gesicht sehen?

Fiorina ließ den Angriff auf sich und ihr Aussehen locker abperlen und produzierte sogar einen Werbespot mit dem Titel „Faces“, der sehr gut ankam. Vor allem bei Frauen, die immer mehr zur politischen Macht im amerikanischen Wahlkampf werden. Zum einen machen sie 52 Prozent der Wähler aus, zum anderen werden viele Frauen mit der Aussicht Hillary Clinton als Präsidentin nicht richtig warm. Zwar stimmte der Großteil der Frauen in den USA seit George Bush 1988 für den demokratischen Kandidaten, darauf baute und baut Hillary Clinton in diesem Wahlkampf. Doch das will Carly Fiorina nun ändern. Sie greift an, als Geschäftsfrau, die sich von Männern, auch und erst recht von großmäuligen Geschäftsmännern wie Donald Trump nichts vorschreiben läßt. Es wird mit Sicherheit ein interessanter und unterhaltsamer Fernsehabend am heutigen Mittwoch werden.

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Das Feld lichtet sich

Am Donnerstag steht die erste Debatte der republikanischen Kandidaten an. 16 von ihnen hatten sich Chancen ausgerechnet, zehn dürfen mit auf die Bühne. Der konservative Nachrichtenkanal FOXNews hatte vorgegeben, dass nur diejenigen Kandidaten mitdiskutieren dürfen, die in den letzten fünf Umfragen unter die Top Ten der Präsidentschaftsanwärter gekommen sind.

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Und nun hat Rick Perry ein Problem. Der Texaner, der schon bei der letzten Wahl eine denkwürdige Katastrophe erlebte, schafft den „Cut“ wahrscheinlich wieder nicht. Da hilft diesmal auch keine Brille. Derzeit liegt er mit gerade mal 2,6 Prozent auf Rang 11 und es sieht nicht danach aus, als ob er in den letzten Tagen noch den Sprung nach vorne schafft. Perry wird bald Geschichte sein. Die Frage ist, ob er es dann 2020 wieder antreten wird oder irgendwo in der texanischen Ölindustrie einen Job annehmen wird.

Derzeit liegt Donald Trump mit 19 Prozent vorne. Danach Scott Walker (15%), Jeb Bush (14%), Ben Carson (10%). Im einstelligen Prozentbereich dann Ted Cruz, Mike Huckabee, Rand Paul und Marco Rubio. Und in den jüngsten Umfragen haben sich dann auch noch Chris Christie und  John Kasich an Rick Perry vorbei geschoben. Zahlreiche der etwas schwächeren Kandidaten erklärten, man solle diese Umfragen nicht überbewerten und erinnerten daran, dass vor vier Jahren zum gleichen Zeitpunkt Herman Cain vorne lag. Und an den erinnert sich heute niemand mehr.

Der republikanische Donnerstagabend

Am 6. August ist es so weit. Die erste Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten steht an. Abends um 21 Uhr Ostküstenzeit werden dann die Top Ten Kandidaten in den Umfragen gegeneinander antreten. Zu diesem Zeitpunkt sind es: Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Ted Cruz, Rand Paul, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie und Rick Perry. Diese Gruppe verspricht einiges an Sprengstoff und verbalen Angriffen. Allein Trump feuert ja schon seit Wochen seine Salven auf die Mitkonkurrenten ab. Der vom Donald stark angegangene Perry ballerte jüngst zurück. Und Mike Huckabee hat vor ein paar Tagen Barack Obamas Irandeal als „marching the Israelis to the door of the oven“ beschrieben.

Es wird also ein unterhaltsamer Abend mit zahlreichen Tiefschlägen werden, wenn die Kameras und Scheinwerfer angehen. Donald Trump, der derzeitige Frontrunner, wird gewohnt austeilen, um seine Position zu festigen. Auf klare, inhaltliche Aussagen wird man bei dieser von FOXNews live übertragenen Debatte jedoch lange warten müssen.

Doch es sind ja noch mehr Kandidaten im republikanischen Splitterzirkus dabei. FOXNews hat nun Gnade walten lassen und eine zweite Veranstaltung angesetzt. Der Rest der Möchtegernpräsidenten, die es bislang nicht in die vordere Spitzengruppe geschafft haben, dürfen nun am gleichen Abend schon ab 17 Uhr Ostküstenzeit vor die Kameras treten, quasi als Einstimmung für das Hauptevent danach. Mit dabei sind John Kasich, Rick Santorum, Bobby Jindal, Carly Fiorina, George Pataki und Lindsey Graham. Diese Kandidaten haben zumindest ein Prozent in den Umfragen geschafft.

Doch das sind noch lange nicht alle republikanischen Kandidaten fürs Weiße Haus 2016. 18 weitere eher unbekannte Namen stehen zur Wahl, die man aber zumindest einmal erwähnen sollte. Da sind Skip Andrews, George Bailey, Michael Bickelmeyer, Kerry Bowers, Dale Christensen, Brooks Cullison, John Dummett, Jr., Mark Everson, Jack Fellure, Jim Hayden, Chris Hill, Michael Kinlaw, K. Ross Newland, Esteban Oliverez, Michael Petyo, Brian Russell, Jefferson Sherman, Shawna Sterling. Diese Gruppe von Republikanern wird am Donnerstag nicht mit von der Partie sein. Daneben gibt es keine Interviews im Fernsehen, Rundfunk und Print. Aber es zählt wohl der olympische Gedanke, dabei sein ist alles.

34 Republikaner wollen also Präsident werden. Allein diese Zahl zeigt schon, in welchem Zustand die Partei ist. Eine Frage muß also gestellt werden, wird ein möglicher republikanischer Präsident überhaupt die eigenen Reihen hinter sich haben, um regieren zu können?

Hillary eint die Partei…die andere

„Washington Insider“. „Teil der Washingtoner Maschine“. „Von Gestern“. „Dritte Obama Amtszeit“. „Korrupt“. Das sind nur einige der Aussagen von führenden Republikanern, darunter auch Präsidentschaftskandidaten der GOP, nachdem Hillary Clinton ihre Kandidatur offiziell bekannt machte. Eigentlich sind sich die Republikaner spinnefeind, die Gräben sind tief zwischen den Flügeln der Partei. Aber was sie eint ist ihre Abneigung und ihr Hass gegenüber Hillary Clinton.

Die bekam das gleich mal zu spüren, was in den nächsten eineinhalb Jahren auf sie einprasseln wird. Doch Hillary Clinton hat eine dicke Haut. Sie kennt das Geschäft, als ihr Mann erst Gouverneur dann Präsident war. Als sie Senatorin, dann Präsidentschaftskandidatin und schließlich Außenministerin wurde. Kein anderer weit und breit im Kandidatenfeld kann so viele positive wie negative Erfahrungen in der Politik vorweisen.

Dennoch war die geballte Ladung überraschend. Kandidat Rand Paul wartete gleich mit einem Filmchen auf, der in einigen Bundesstaaten über die Mattscheibe laufen wird und dazu im Internet weit verbreitet wurde. Jeb Bush, noch nicht erklärter Kandidat, rief seine Anhänger zu Spenden auf, denn Hillary Clinton wolle in diesem Wahlkampf 1,7 Milliarden Dollar eintreiben. Der Kampf sie zu stoppen werde teuer, so Bush. Kandidat Ted Cruz erklärte, Clinton habe die USA unsicherer gemacht, denn unter ihr als Außenministerin mußten „wir den Aufstieg Russlands, des Iran und ISIS“ mitansehen. Und Marco Rubio, der am Montag als dritter republikanischer Kandidat seinen Namen in den Wahlkampfhut warf, meinte, diese Wahl gehe um Kandidaten, die „nicht im 20. Jahrhundert hängen geblieben sind“. Eine klare Breitseite gegen Clinton.

Hillary selbst zeigte sich unbeeindruckt und reagierte gar nicht auf die Angriffe. Und da hat sie wohl recht, man muß nicht alles kommentieren, was da im Wahlkampf erzählt und erklärt und gebrabbelt wird.

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„Let’s take our country back“

Der jugendlich wirkende Rand Paul will Präsident werden.

Der jugendlich wirkende Rand Paul will Präsident werden.

Irgendwie erinnert mich dieser Schlachtruf „Let’s take our country back“ an die aggressive Mucke von Rage Against The Machine. Da fehlt am Ende nur noch ein geschrienes „Motherf…..“. Doch am Dienstag war es nicht der Sänger von Rage Against The Machine, Zack de la Rocha, der das von der Bühne ins Mikrofon brüllte. Vielmehr rief es der republikanische Senator Rand Paul aus Kentucky seinen Anhängern zu. Es war auf einer durchorganisierten Veranstaltung in Louisville, Kentucky, und Rand Paul verkündete ganz offiziell, dass er ums Präsidentenamt kandidieren werde. „Let’s take our country back“!

Die Rede sei präsidial gewesen, meinten einige Kommentatoren. Paul präsentierte sich, wie sein Vater Ron Paul bei vorhergehenden Wahlkämpfen, als Außenseiter, als jemand, der nicht auf Lobbyisten hört und schon gar nicht die Parteilinie verfolgt. Immer mal wieder hatte sich der Jungsenator in der letzten Zeit mit den Parteialten angelegt, allen voran John McCain. Er verfolgt in der Außenpolitik und der Finanzpolitik ganz andere Wege. Die USA sollten nicht den Weltpolizisten spielen und die Schuldenbremse in die Verfassung schreiben, so Paul.

Paul geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Er wendete sich gegen eine übertriebene Beobachtung der eigenen Bürger durch die Geheimdienste, er wehrte sich gegen die flächendeckenden Abhörmaßnahmen der NSA. Zwar glaubt er, dass es die Erderwärmung gibt und, dass der Mensch daran Schuld ist, dennoch wetterte er gegen die Maßnahmen der Obama Adminstration. Den einzelnen Bundesstaaten sollte es erlaubt sein die Homo-Ehe zu verbieten. In vielen Punkten liegt Rand Paul durchaus auf der Parteilinie und doch stellt er sich als Querdenker dar, als unabhängig, als Washington Außenseiter.

Der 52jährige will mit einer „Grasroots“ Kampagne bis ins Weiße Haus kommen. Seine Ideen und Reden kommen vor allem bei jüngeren Wählern an, die für ihn den Wahlkampf führen werden. Das ist auch seine Stärke, denn bei den klassischen Republikanern fällt Rand Paul durch. Er hat keine Vernetzung im Washingtoner Politzirkus. Die Altherrenpartei der GOP setzt im Wahlkampf lieber auf ein sicheres, sprich etabliertes Zugpferd, als auf einen dynamischen Tea Party Aktivisten, der mehr durch seine Aufmüpfigkeit als durch seine Parteidisziplin bekannt wurde.

Rand Paul ist nach Ted Cruz der zweite offizielle Kandidat der Republikaner. Nächste Woche wird ein weiterer Name in den Hut geworfen, dann will Marco Rubio, Senator aus Florida, seine Kandidatur verkünden.

Ein Treffen der Anti-Obamaisten

In Maryland kamen sie alle zusammen, die potenziellen Kandidaten der republikanischen Partei. Die „Conservative Political Action Conference“ (CPAC) ist 21 Monate vor dem eigentlichen Wahltermin im November 2016 ein erster Blick auf das breite Feld der Konservativen im Land. Und die Kandidaten unterscheiden sich teils gravierend, das wurde schnell klar. Was sie verbindet ist eigentlich nur ihre deutliche Abneigung gegenüber Amtsinhaber Barack Obama und dessen Politik.

Der Senator von Kentucky, Rand Paul, kann auf die Unterstützung vieler junger Republikaner hoffen.

Der Senator von Kentucky, Rand Paul, kann auf die Unterstützung vieler junger Republikaner hoffen.

Falls einer von ihnen gewählt ins Weiße Haus einziehen sollte, dann wird Amerika eine scharfe Rechtskurve machen. Egal, ob sich am Ende die tiefen Taschen Jeb Bushs durchsetzen, der gewerkschaftsfeindliche Scott Walker, die Tea-Party Favoriten Ted Cruz oder Ben Carson, der von den christlichen Fundamentalisten geschätzte Rick Santorum, der Libertarier Rand Paul oder der auf sich bezogene Texaner Rick Perry. Dazu kommen noch weitere Kandidaten, die alle mitreden und Obama beerben wollen. Doch jeder von ihnen wird das Ruder herumreissen, die Gesundheitsreform rückgängig machen, die Grenzen schließen, international die harte Linie fahren.

CPAC ist ein Stellungskrieg innerhalb der Parteireihen. Hier will man überzeugen, beeindrucken, potenzielle Wähler und Finanziers ansprechen. Der Wahlkampf ist lang, vor allem im republikanischen Lager. Bei den Demokraten tut sich noch nicht viel. Alles hängt davon ab, ob Hillary nun endlich mal klar und deutlich sagt, ob sie kandidiert oder nicht. Es sieht ganz danach aus, dass die einstige First Lady/Senatorin/Außenministerin ihre Partei in den Wahlkampf führen wird. Einfach auch aus dem Grund, weil kein anderer Kandidat sich bislang nach vorne gewagt hat.

Die Republikaner werden sich in den nächsten Monaten einen blutigen und sündhaft teuren Mehrkampf liefern, der einige Kandidaten schlichtweg überfordern wird. Noch versuchen sie sich nur mit ihren Standpunkten zu positionieren. Doch schon bald werden die ersten direkten Angriffe und Tiefschläge gegen die Mitkandidaten platziert werden. Es geht um viel, ums Weiße Haus, um einen Platz in den Geschichtsbüchern.