Leichte Entwarnung in Kalifornien

Seit Wochen schon fegt ein Wintersturm nach dem anderen über Nordkalifornien. Regen, Schnee, Überschwemmungen, Glatteis, alles was dazu gehört und wie es eben auch für diese Jahreszeit sein sollte. Und selbst Südkalifornien bekommt etwas vom feuchten Wetter ab.

Nach Jahren der Dürre steigen die Wasserpegel wieder im „Golden State“. Vor einem Jahr waren 97 Prozent des Bundesstaates im Ausnahmezustand. Die Reservoirs waren leer, die Pegel in den Seen, Flüssen und auch beim Grundwasser sackten weiter ab. In vielen Gemeinden kam kein Wasser mehr aus den eigenen Brunnen. Gouverneur Jerry Brown hatte schon zuvor den Wassernotstand ausgerufen und damit alle Privathaushalte und Businessadressen zum Einsparen verpflichtet.

Ein Jahr später hat sich in weiten Teilen Kaliforniens die Situation etwas verbessert, Grund zum Durchatmen. 42 Prozent des Bundesstaates fallen nicht mehr unter die Dürre Kategorie. Das ist die positive Nachricht in diesen Tagen. Die schlechte ist, dass der Boden das viele Wasser gar nicht aufnehmen kann. Überschwemmungen, Schlammlawinen und auch die Tatsache, dass vor allem Nordkalifornien den Niederschlag abbekommt und es nur wenig in Südkalifornien regnet. Aber dennoch freut man sich hier über den Regen….auch  mein Hund, die es liebt und genießt tagtäglich auf unseren Spaziergängen durch die Pfützen zu rennen, ein Matschfest sondergleichen.

„It’s raining again“

Was war das? Gestern Abend fiel ich fast aus allen Wolken, ein Klang, den ich schon lange nicht mehr gehört hatte, zumindest hier in Oakland. Es regnete und das in Strömen. So sehr, dass auf der Straße ein Bach runterlief, die Gullis waren mit Laub und Nadeln verstopft. Yeah, es regnet.

Begeistert bei Regen und Sonne in der San Francisco Bay Area unterwegs.

Begeistert bei Regen und Sonne in der San Francisco Bay Area unterwegs.

Und es regnet noch immer. Heute morgen war ich mit meinem Hund draußen, die mich sehr früh weckte, denn in ihrem kurzen Leben, sie ist nun 21 Monate alt, hatte sie noch nie Regen gesehen oder gefühlt. Auch so etwas gibt es. Käthe wollte raus, ich nicht so sehr, aber selbst die Decke über den Kopf gezogen half nichts, sie heulte begeistert neben dem Bett und hin und wieder bekam ich eine Pfote ab. Endlich draußen ließ sie sich Zeit, sehr viel Zeit, schnupperte an allem, sprang in jede Pfütze und ich wurde klitschnass. Und das vor dem ersten Kaffee. Nein, ich beschwere mich nicht, aber das gibt noch was mit Monster El Niño im Anzug und einer agilen, kraftvollen und energiegeladenen Hündin.

Der Regen heute wird nicht viel gegen die Dürre in Kalifornien ausrichten können. Das ist wohl nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Allerdings wird damit zumindest die Feuergefahr in den Oakland Hills reduziert. Denn wenn man hier lebt, sind gewaltige Brände ein immer wiederkehrendes Horrorszenario. Man lebt damit, doch im Herbst steigt die Gefahr, die ist jetzt allerdings erst einmal gebannt.

 

 

Petrus öffnet die Schleusen

Kayaken auf dem Supermarktparkplatz in Healdsburg.

Kayaken auf dem Supermarktparkplatz in Healdsburg.

Erst ging jahrelang gar nichts und dann kam es mit aller Gewalt. Nordkalifornien wird derzeit von einer Sturmfront heimgesucht, die Überschwemmungen, entwurzelte Bäume, Stromausfälle und ein Verkehrschaos mit sich bringt. Im Wine Country von Sonoma konnten Anwohner sogar auf dem Parkplatz des Safeway Supermarktes in Healdsburg mit dem Kayak paddeln. Man nahm es gelassen, willkommene Erinnerungsfotos.

Die starken Regenfälle am Jahresende sind bitter nötig in einer Region, die immer mehr austrocknet. Doch derzeit geben Experten noch keine Entwarnung, noch sind die Pegel in den Seen und Reservoirs zu niedrig, der Grundwasserspiegel noch nicht gestiegen. Ein Großteil des Wassers läuft einfach ungehindert ab, der Boden ist ausgetrocknet und kann die Wassermassen gar nicht aufnehmen.

Mit Spannung wird in Kalifornien erwartet, ob es einen feuchten Jahresausklang gibt, ob das erwartete Wetterphänomen El Niño tatsächlich eintrifft und damit die Reservoirs gefüllt werden. Wenn ja, könnte man in Kalifornien endlich wieder aufatmen, denn in vielen Gemeinden herrscht Wassernotstand, im Central Valley, dem wichtigen Anbaugebiet, liegen aufgrund des Wassermangels ganze Felder brach, Wasser ist zu einem wichtigen Gut geworden, das derzeit die Nachrichten im Westen der USA bestimmt.

„Raindrops keep falling on my head“

Sturmfronten vor der amerikanischen Westküste bringen endlich Regen.

Sturmfronten vor der amerikanischen Westküste bringen endlich Regen.

Es regnet und alle freuen sich. Es regnet stark und alle freuen sich noch mehr. Seit drei Jahren erlebt Kalifornien eine Trockenperiode. Kein Regen, kein Schnee, die Seen, Flüsse und Reservoirs sind ausgetrocknet. Einige Städte haben massive Versorgungsprobleme, viele Gemeinden haben die Wassernutzung reglementiert. Und nun regnet es seit ein paar Tagen in Kalifornien. Erst waren es leichte Schauer, nun treffen in diesen Tagen zwei Sturmfronten vor der Küste aufeinander, die einen Dauerregen versprechen.

Vor meiner Tür fließt ein kleiner Fluß die Straße runter, weiter oben sind die Abflußkanäle verstopft. Ein seltenes Bild in der Gegend. Keiner schimpft über den Regen, überall wohin man auch kommt und wen man auch trifft, es heißt nur „we needed that rain“.

Die Krise ist damit noch lange nicht vorbei. Alles hängt davon ab, ob im Dezember und Januar noch weitere Stürme vom Pazifik her dicke Regenwolken nach Kalifornien blasen und der Wasserpegel endlich mal wieder steigt. In den Bergen und der Sierra hofft man auf Schneefall, das letzte Jahr war für die Skiresorts eine einzige Katastrophe. Nun also endlich Niederschlag. Ein schöner Tag, und ich muß sowieso daheim bleiben, um zu arbeiten. Alles passt!

Rain drops keep falling on my head

Seltener Anblick in diesen Tagen. Die Golden Gate Bridge im Regen.

Seltener Anblick. Die Golden Gate Bridge im Regen.

Man freut sich wie Bolle. Der US Wetterdienst hat angekündigt, dass die Chancen für Regen in der kommenden Woche gut stehen. Regen, Gottessegen für Nordkalifornien! Bei 50 % liegt die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag am Mittwochabend in San Francisco. Nun heißt es warten und hoffen, denn auf Regen warten sie alle. Die Pegel von Flüssen, Seen und Reservoirs sind so niedrig wie noch nie, die Wälder ausgetrocknet, die Brandgefahr erheblich. Sogar Bären, Pumas und Kojoten ziehen in von Menschen besiedelte Gebiete auf der Suche nach Wasser. Und nun soll es regnen, Yippieh!

Wahrscheinlich wird es genau zum Berufsverkehr am Mittwochabend regnen, und dann mit Sicherheit ein Verkehrschaos in der San Francisco Bay Area hervorrufen, Kalifornier können nämlich bei Regen nicht fahren…aber das ist dieses mal dann ganz egal. Hauptsache Petrus öffnet die Schleusentore.

¡Adiós! El Niño

Hier deutlich zu sehen, der Temperaturunterschied im Wasser von El Niño und El Niña.

Hier deutlich zu sehen, der Temperaturunterschied im Wasser am Äquator von El Niño und El Niña.

Die kalifornische Erde hat Durst. Richtig Durst nach Regen und Schnee. Doch seit drei Jahren schon passiert in Kalifornien nicht viel in Sachen Niederschlag. Die Reservoirs, Seen, Flüsse, Bäche trocknen aus, der Grundwasserspiegel sinkt. Anfang des Jahres verkündeten die Metereologen, dass ein Ende bald in Sicht sei. Im Mai noch meinten sie, El Niño werde zur Jahreswende richtig Dampf machen und Regen, Regen, Regen bringen. Die Wahrscheinlichkeit für das Wetterphänomen El Niño liege bei 90 Prozent. Die Zeichen standen gut, denn Messungen ergaben, das Wasser im Pazifik erwärmte sich deutlich. Die Energie, die dabei entsteht, bestimmt in der Folgezeit das Weltwetter und wird für feuchte Verhältnisse in Kalifornien verantwortlich gemacht. Zwischen San Diego und Eureka begann man schon zu jubeln.

Doch damit wird es wohl nichts. Ende August lag die Wahrscheinlichkeit für eine gewaltige Regenserie nur noch bei 60 Prozent, und es heißt nun, wenn überhaupt, dann werde El Niño gerade mal ein El Niñchen werden. Bisschen Regen ja, aber eine große Entlastung für die dürstende Land- und Forstwirtschaft, für die Gärten und die Golfplätze im Sonnenstaat werde es wohl nicht geben. Plan B gibt es nicht, also wird weiter gehofft, dass Petrus doch noch ein einsehen hat und zumindest ein paar gewaltige Regenwolken an die Pazifikküste schickt.

The Return Of El Niño

Wird es ein El Niño oder eine La Niña? Darüber rätseln derzeit noch die Wissenschaftler. Klar ist nur, es braut sich was zusammen in der Mitte des pazifischen Ozeans. In mehreren Hundert Metern Tiefe sind erste Anzeichen eines El Niño zu erkennen. Das hätte für die USA durchaus positive Auswirkungen, gerade für die unter extremen Wetterbedingungen leidenden Landstriche. Ein El Niño würde weitaus mehr Regen für den von Wasserknappheit betoffenen amerikanischen Südwesten bedeuten, weniger Hurricanes im Atlantik und wärmere Winter und damit weniger Schnee und Eis im Nordwesten der USA.

Klingt alles positiv, nicht wahr? Allerdings müsste El Niño schon im richtigen Gewand daher kommen, denn wenn es wieder so einer wie 97/98 wird, könnte das massive Ausfälle für die Ernten bedeuten. Drei Milliarden Dollar kostete damals El Niños Umtrieb allein in den USA. Denn nach dem vielen Regen steht ein extremer Sommer mit Rekordtemperaturen an. Auch weltweit hat das Wetterphänomen Auswirkungen. Hitze und Dürre sind damit verbunden, Ernten in vielen Teilen der Welt werden mit einem massiven Einzug von El Niño verloren gehen.

Auch ist noch nicht klar, ob das, was sich da mitten im Ozean entwickelt, nicht auch eine La Niña sein könnte, ein Kältefront. Und dann ist da auch noch die Möglichkeit, dass gar nichts passiert. Auf jeden Fall wollen die Wissenschaftler das ganze nun genauer beobachten, in Sachen Wetter und Wettervorhersage wird es nicht langweilig in diesen Tagen.

Killernatur

Flora und Fauna brauchen den Regen. Ja, aber der Tigerhai nicht ganz so viel. In den Küstengebieten zwischen Mexiko und Oregon stößt man auf den markant aussehenden Hai. Auch in der San Francisco Bay ist er in seichteren Gewässern zu finden. Doch in den letzten Wochen wurden mehr als 100 Tigerhaie tot geborgen. Unklar ist noch, was genau zu diesem Massentod führte und noch immer führt. Angenommen wird, dass der starke Regenfall in diesem Winter und Frühjahr dafür verantwortlich zu machen ist. Nicht, dass der Hai etwas gegen Regen hätte, das ist ihm eigentlich schnurzepurz egal, aber die langanhaltenden Schauer haben deutlich den Salzgehalt in der San Francisco Bay verändert. Und das, so erste Vermutungen von Wissenschaftlern, gefällt dem Hai so gar nicht und könnte letztendlich zum Tod der Tigerhaie führen. Die Untersuchungen laufen, die Wissenschaftler überlegen, ob es das sein könnte und, wenn ja, ob man Salzpäckchen in die Bay schütten sollte.

Tigerhaie werden bis zu 1,50 Meter lang, können durchaus 40 Jahre alt werden und ernähren sich von Krabben, kleinen Fischen und Würmern im Bodenschlamm.