Collegeradio ist ein Kraftwerk

KraftwerkIch habe hier ja schon viel über Collegeradio in den USA geschwärmt. Die Uniradios sind viel mehr als nur Studentenradio. Sie übernehmen oftmals die Aufgabe des „Community“ Radios, geben Minderheiten und anderen Themen ein Forum. Und sie sind Trendsetter. Viele Bands, die heute legendär sind, wie Nirvana, R.E.M., Metallica uva. haben auf Collegeradio begonnnen.

Ein DJ von KUSF hat mir nun eine Audiofile zugeschickt, die das erneut untermauert. Ende der 70er Jahre interviewte WKSU, der Sender von Kent State University, Ralf Hütter von Kraftwerk. Die Macher von Collegeradio erkannten schon früh, dass Kraftwerk bahnbrechende musikalische Ideen haben. Und die Band hat mit der Kurzversion von „Autobahn“ einen genialen Schachzug gemacht, denn damit war es möglich diesen Song in der normalen Rotation von Radiostationen unterzubringen. Da die Mitglieder der Düsseldorfer Formation sehr selten Rede und Antwort standen und stehen hier das WKSU Interview zum Nachhören.

Kraftwerk auf WKSU     

Vic Chesnutt ist tot

vicatthecutAm Freitag verstarb im Alter von 45 Jahren der Sänger und Songschreiber Vic Chesnutt. Ein hochtalentierter Musiker, der jedoch seit einem fatalen Autounfall mit 18 Jahren querschnittsgelähmt war und unter starken Depressionen litt. Chesnutt starb im Kreis seiner Familie und Freunden. Unklar ist bislang, an was er starb. Einen Tag zuvor twitterte seine enge Freundin, die Musikerin Kristin Hersh: „Ich kann Euch sagen, was ich weiss, aber niemand weiss viel: ein weiterer Selbstmordversuch, sieht schlimm aus, Koma — falls er überlebt, wird da wohl ein Hirnschaden sein“

Ich habe Vic Chesnutts Musik lieben und schätzen gelernt, als ich vor etlichen Jahren in einem CD Laden in Berkeley sein Bandprojekt „Brute“ fand. Eine wunderschöne Platte. Danach folgten seine Soloaufnahmen und ich war begeistert. Die Lufthansa Country/Folk/Americana Sendung machte es mir dann möglich, dass ich Chesnutts Musik auch mal einem ganz anderen Publikum präsentieren konnte.

Vic Chesnutt wurde von Michael Stipe von R.E.M. in einem Club in Athens, Georgia entdeckt. Daraufhin produzierte Stipe die ersten zwei Solo Alben von Chesnutt. Durch eine Dokumentation wurde die Geschichte des Sängers bekannt. Etliche Musikerkollegen produzierten eine Benefiz CD „Sweet Relief II: Gravity of the Situation“ für Vic Chesnutt, um ihm bei seinen hohen Gesundheitskosten unter die Arme zu greifen.

Hier ist Vic Chesnutt in einem Interview mit Terry Gross, das Anfang Dezember aufgezeichnet wurde:

Und hier noch ein You Tube Clip:

YouTube Preview Image

Radio tut gut

KUSFWenn man von Metallica, Tom Waits, Nirvana oder R.E.M. spricht, muss man auch College Radio erwähnen. Denn ohne die Uniradios in den USA wären all diese Bands und Musiker niemals bekannt geworden. Eine der bekanntesten und auch wichtigsten Collegestationen in Nordamerika ist KUSF in San Francisco, der Sender, auf dem ich vor 13 Jahren mit Radio Goethe angefangen habe. KUSF ist die Alternative im Grossraum San Francisco. Die zahlreichen Gold Records im Büro der kleinen Station belegen das, Bands haben so dem Sender ihren Dank ausgesprochen, nachdem sie gross rausgekommen sind. Wer weg will vom Kommerzfunk und Einheitsbrei streng formatierter Sender schaltet in San Francisco die 90,3 UKW ein. Hier hört man alles, was es woanders nicht gibt und man entdeckt die ganze Bandbreite des musikalischen Angebots. Manchmal ist das stressig und nervig, aber Musik ist ohne Grenzen und so ist KUSF. Das ganze nennt sich Freeform Radio.

Auf einer Photowand sieht man sie alle im Studio C sitzen, bevor sie die Charts eroberten. Kurt Cobain und PJ Harvey, Nick Cave und die Melvins. Collegeradio in den USA ist anders als das Uniradio in Deutschland. Zumeist hat man starke UKW-Frequenzen, wie beim Beispiel KUSF eine potentielle Hörerreichweite von 1,5 Millionen Hörern. Und viele der Universitätsstationen haben die Aufgabe des Community Radios übernommen und binden die verschiedensten Gruppen mit ein. Bei KUSF sind es etliche Fremdsprachenprogramme, dazu Kulturprogramme und Spezialsendungen. Und das beste an allem ist, KUSF ist schon lange keine Lokalstation mehr nur für San Francisco. Per Mausklick schalten sich Hörer von überallher zu. Wie wäre es also mit einer transkontinentalen Radiobrücke zwischen Nürnberg und der Bay Area? Kommentare und Hörerwünsche zum Programm sind immer willkommen. Und wem der Sound nicht gleich gefällt, keine Sorge, einfach dranbleiben. Freeform Radio heisst auch, dass mehrere Genres und Sounds in einer Stunde gespielt werden.