Der Mann in der Wüste brennt bald wieder

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Das „Burning Man“ Festival hat wieder begonnen. Seit letzte Nacht sind die Tore geöffnet, Zehntausende zieht es in die Wüste von Nevada, nordöstlich von Reno. Und gleich am ersten Tag gab es einen „White Out“, einen Sandsturm, der über Stunden anhielt, den feinen Staub auf der Playa aufwirbelte und alles einstaubte. Die Folge war, dass nichts mehr ging auf dem Gelände, das Eingangstor geschlossen werden musste und sich eine Endlosschlange von Burnern bildete.

BMIR – Burning Man Information Radio

Wie in jedem Jahr gibt es eine Webcam (siehe oben), die rund um die Uhr Live-Bilder vom Festival übermittelt. Gerade nachts sehr beeindruckend, was da in dieser einen Woche im Wüstensand vor sich geht. Dazu gibt es Radiostationen nur für diese sieben Tage, die live von der Playa senden. Und das sind Piratensender, die sich nicht an Regeln und Gesetze der Aufsichtsbehörde FCC halten müssen. Sie senden und sprechen über und spielen was sie wollen…das was zu höre ist, ist meist sehr unterhaltsam. Hier ist beispielsweise Burning Man Information Radio, BMIR, das Programm gibt einen guten Eindruck, wie schräg, schrill, schön „Burning Man“ sein kann. Ein 24 Stunden Informations- und Unterhaltungsprogramm für Burner vor Ort und weltweit vom Rande der Playa.

 

Wenn der Mann in der Wüste brennt

Seit Montag campen wieder Zehntausende in der „Black Rock Desert“ in Nevada. Nordöstlich von Reno gelegen findet hier alljährlich das Burning Man Festival statt. Ein Ereignis, das einzigartig ist. Schräg, schrill, schön. Es ist ein Festival, ganz anders als alles was man kennt. Es geht um „Community“, um Kunst, um gemeinsames Leben, um Kreativität, um den Austausch, darum sich einmal auszuleben, wie man es normalerweise nicht tun würde. Und man kann sein, wie man will, alles geht, alles ist erlaubt, so lange es nicht gegen offizielle Gesetze und Burning Man Statuten läuft.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Aus Holz gefertigt, innen ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Im Innenraum der gewaltigen Holzskulptur ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Was mich schon mehrmals in die Black Rock Wüste gezogen hat, war die Kreativität der Teilnehmer. Im letzten Jahr meinte ein Künstler zu mir, Burning Man sei“ die größte Galerie der Welt“. Und das stimmt, nirgends sonst ist das möglich, was hier eine Woche lang im Wüstensand passiert. Er hatte ein riesiges, tonnenschweres Stahlkonstrukt errichtet. Ein Objekt von unzähligen auf dem weiten ausgetrockneten Seebett. Künstler arbeiten in Teams ein ganzes Jahr lang, um hier für diese eine Woche ihr Projekt zu präsentieren. Und sie alle lieben es, egal, ob sie am Ende finanziell draufzahlen, ob sie in der Hitze, im Staub, in der Knüste sind. Burning Man ist einzigartig und wirklich, auch beim Schreiben dieser Zeilen, schwer in Worte zu fassen. Man muß es mit eigenen Augen gesehen, auf der eigenen Haut gespürt haben. Man muß diese besonderen „Burning Man Momente“ erlebt haben, die für mich jedes Jahr aufs neue passierten. Seltsame Zufälle, die einfach passieren, doch die einen ganz tief drinnen lächeln lassen. So ein warmes Gefühl des „Ja, das ist es“.

Auch nach mehreren Versuchen konnte ich dieses Jahr kein Ticket bekommen. Burning Man ist mit 68.000 Teilnehmern ausverkauft. Was ärgerlich war, der Schwarzmarkt florierte. Zwielichte Händler boten Tickets für das fünffache des Kartenpreises an, was absolut gegen eines der Grundprinzipien von Burning Man ist. Denn auf dem Gelände ist Kommerz unerwünscht, man kann nichts kaufen, alles wird geteilt, getauscht.

Aber vielleicht war es ein Zeichen vom „Man“ selbst, dass ich diesmal nicht dort bin, in diesem Jahr eine Pause einlege, mich auf meine anstehende Reise in den Tschad vorbereite. Sonntagnacht stürmte ein Unwetter mit Regen und Hagel über das gewaltige Areal. Der Boden wurde zu einem klebrigen Etwas, der Zugang für die „Burner“ wurde gesperrt. Erst Dienstagmorgen waren die Tore wieder geöffnet. Und nun die Meldung, dass am frühen Donnerstagmorgen eine Frau auf der „Playa“ von Burning Man tödlich verunglückte. Sie wurde von einem „Art Car“ überrollt. Ein Zwischenfall, der einen großen Schatten auf das friedliche Fest wirft, der den Kritikern sicherlich neuen Zündstoff geben, der aber hoffentlich nicht eines der seltsamsten, doch friedliebendsten Festivals verändern wird. Ein Kommentar unter der Nachricht über den Tod der Frau drückt eigentlich das aus, was viele der Teilnehmer heute denken: „If I died there, and I was really into Burning Man, I’d say put my body inside the Burning Man just before it gets lit. That’s how I’d want to go.“

Der Papst auf Death Row

Heute war ich mal wieder in San Quentin zu Besuch. Ein paar Stunden am Samstagmorgen eingesperrt in einem Käfigabteil des Besuchsraums mit einem Death Row Insassen. Dazu Coca Cola und Popcorn, Mikrowellenburger und Nussmischung. Draussen strahlte die Sonne, die San Francisco Bay lag spiegelglatt nur einen Steinwurf vom Gitterfenster entfernt.

Reno erzählte, dass der katholische Geistliche in San Quentin einige Häftlinge aufgefordert hatte, Briefe an den Papst zu schreiben. Denn der kommt im kommenden Jahr nach Kalifornien, ein Besuch in San Francisco ist schon fest eingeplant. Der Jesuitenpriester im Staatsgefängnis hofft mit seiner Briefkampagne, den Papst auch zu einem Besuch in den East-Block von San Quentin zu bewegen. Dort ist die kalifornische Death Row untergebracht. Überraschen würde es nicht, wenn ohne viel Brimborium auf einmal der katholische Oberhirte vor dem Gefängnistor steht und um Einlaß bittet.

In der Vergangenheit gab es schon verschiedene hohe Besuche in San Quentin. Das reichte vom Dalai Lama bis zu Winnie Mandela. Papst Franziskus würde es bestimmt ganz anders machen, wenn ihn die Gefängnisleitung läßt. Sein erste Besuch hinter Gittern wäre es auch nicht. Man kann gespannt sein, ob es zu dem Besuch im ältesten kalifornischen Gefängnis kommen wird und wie die lokalen katholischen Ordensträger auf dieses durchaus ungewöhnliche Anliegen ihres Seelsorgers in San Quentin reagieren werden.

35 Jahre San Quentin

1994 lernte ich Reno kennen. Damals war ich noch in Nürnberg und schrieb ihn an. Nach ein paar Wochen kam die Antwort. Absender San Quentin State Prison. Reno wurde 1978 verhaftet, sitzt seitdem im Todestrakt des Staatsgefängnisses von San Quentin. In diesem Oktober jährt es sich zum 35. mal. Eine kleine Zelle ist sein „Haus“, wie er die 2,4 x 1,6 Meter große Zelle beschreibt.

Heute morgen war ich mal wieder dort. Ein schöner, sonniger und warmer Morgen. Die kleine Gemeinde San Quentin lag friedlich vor mir, als ich vom 580er runter und direkt zum Parkplatz des Gefängnisses fuhr. Am Ende der einzigen Straße stößt man auf das Gefängnistor, daneben gleich die Post, Postleitzahl 94964. Die San Francisco Bay war spiegelglatt, keine Welle planschte gegen die Betonblöcke, kein Lüftchen wehte. Vor dem Eingang standen schon rund ein Dutzend Frauen in der Schlange, viele von ihnen in hohen High Heels, engen Röcken, stark geschminkt. Eine willkommene Abwechslung für die Inhaftierten. Langsam wurde eine nach der anderen abgefertigt, dann kam ich dran. Ausweis vorlegen, Taschen leeren, das Innenfutter nach außen ziehen. Eindollarnoten sind erlaubt, für die Fünfdollarnote mußte ich mir „Quarters“, 25 Cent Stücke, am Automaten wechseln. Danach zur Metallkontrolle, Schuhe aus, Gürtel herausziehen….“like at the airport“, meinte der Wärter.

Danach lief ich entlang der Bay auf das Haupthaus von San Quentin zu, einem gelblichen alten Gebäude aus den Endtagen des 19. Jahrhunderts, das an eine mittelalterliche Burg erinnert. Vom Wachturm wird man beobachtet bist man schließlich durch eine elektronische Schiebetür aus Stahl in eine Schleuse tritt. Vor einem Panzerglas, dahinter ein Wärter, der freundlich grüßt. Dort wird der Ausweis und das Formular mit den Angaben des Gefangenen abgegeben, das man draußen am Eingang erhält. Noch einmal öffnet sich eine Stahltür und dann ist man drin im Besucherraum des „East Blocks“, des Todestraktes. 10 weiße Stahlkäfige sind dort im Boden verankert. Links ein paar Automaten mit Getränken, Süßigkeiten und Speisen, wie Hamburger, Sandwiches und Buffalo Wings. Zwei Mikrowellen stehen zum Aufwärmen der Speisen bereit. Nach einem kurzen Einkauf wird man in einen Käfig gesperrt. Reno war heute schon da und wartete, deshalb mußte er sich wieder Handschellen durch einen Schlitz im Stahlnetz anlegen lassen und dann den Käfig auf der anderen Seite verlassen. Erst nachdem ich drin, die Tür auf meiner Seite  zu und das Schloß eingerastet ist, darf er wieder hinein.

Und dann umarmt man sich kurz, sitzt sich gegenüber, isst, trinkt und plaudert über dies und das. 35 Jahre sind eine lange Zeit. Und noch immer hat er die Hoffnung, dass er als freier Mann San Quentin verlassen kann. Doch was dann?

Der Klang von Burning Man

Audiobeitrag zum Burning Man Festival 2013     

Über die USA wird in diesen Tagen viel berichtet. Und das sind nicht immer die besten Nachrichten. Abhörskandal und drohende militärische Einsätze, riesige Waldbrände und Wirtschaftskrisen….bei all den News bleibt kaum Platz mal über etwas anderes aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu berichten. Doch in dem obigen Audiobeitrag geht es um ein ganz außergewöhnliches, ja, einmaliges Ereignis, das jährliche „Burning Man“ Festival, das in der vergangenen Woche erneut in der Wüste von Nevada stattgefunden hat. Ich war dort, hier sind meine Eindrücke.

 

One Way Ticket To San Francisco

„One way ticket“ hieß der größte Hit der Discoband Eruption. Einzelfahrkarten stellen auch gerne südkalifornische Gemeinden aus, wenn sie Obdachlose loshaben wollen. Ein Greyhound Busticket und ab geht die Reise nach San Francisco, denn die nordkalifornische Metropole ist bekannt für den liberalen Umgang mit Obdachlosen. Ab und weg, das Problem ist gelöst.

Seit einiger Zeit nun schon setzen die Nevada Städte Reno und Las Vegas noch einen drauf, obwohl dieses asoziale Verhalten kaum noch zu toppen. Sie haben es spielend getoppt. Die Stadtverantwortlichen kaufen Pflegebedürftigen ein Busticket und schieben so teure Pflegefälle einfach Richtung San Francisco ab. Jüngstes Beispiel ist der 47jährige taubstumme und blinde Timothy Martin, der im April aus Reno kam. Auf den Straßen San Francsicos wurde er von einer Ambulanz aufgegriffen und ins General Hospital gebracht. Dort stellten Ärzte fest, dass ihm aufgrund seines Diabetes ein Bein abgenommen werden muß, die Krankenhausrechnungen haben sich mittlerweile auf mehrere Hunderttausend Dollar angehäuft. Und die muß die Stadt San Francisco übernehmen, denn Martin ist arm wie eine Kirchenmaus und müßte eigentlich in Betreuung sein.

Bis 2010 lebte Timothy Martin mit seiner Mutter. Als diese an Lungenkrebs verstarb wurde er im privaten, psychiatrischen „West Hills Hospital“ in Reno untergebracht. Doch die Rechnungen häuften sich für den mehrfach behinderten Mann an. In Reno sah man daher einen einfachen Ausweg; Abschiebung. Das Meeresklima in San Francisco würde ihrem Patienten sicherlich gut tun, dachten sich wohl die verantwortlichen Ärzte und kauften ihm ein Busticket. Auch eine Lösung, um den klammen Haushalt so einiger Einrichtungen und Gemeinden zu gesunden.

Die Stadt San Francisco geht nun der Frage nach, wie viele dieser Fälle vorliegen, die bereits als „Greyhound Therapy“ bezeichnet werden. Eine Therapie für die Stadtsäckel einiger Gemeinden wohlgemerkt, die einfach ihre teuren Pflegefälle per Greyhound Bus abschieden. Auf Nimmerwiedersehen wohlgemerkt.

 

Hoppala, Herr Reiche

Was lese ich denn da: „Abgeordneter soll Stewardess attackiert haben„…und dieser Bundestagsabgeordnete soll Steffen Reiche sein. Was für eine Lachnummer ist das denn? Ich habe Steffen Reiche vor ein paar Jahren kennen gelernt, als wir in Cottbus eine Ausstellung über Bilder aus dem Todestrakt in San Quentin organisierten. Der SPD-Abgeordnete kam zwar nicht unbedingt in Siebenmeilenstiefeln in die Pötte, war aber sehr am Thema interessiert. Zum Glück halfen ihm die Leute der Cottbuser Kunstfabrik weiter, sehr engagierte Kunst- und Kulturförderer.

Und nun das, er soll einer Stewardess ein Bein gestellt haben…Ich lach mich krumm. Nein, nein, die Frau hatte sicherlich Schmerzen nach dem Fall, aber ich kann mir so gar nicht vorstellen, dass Reiche auch nur einer Fliege was antun würde, geschweige denn, eine Stewardess in Begleitung seiner Kollegen stolpern lässt.

„Burning Man“ – zum Hören

BM11.jpgNun also mal wieder was zum Hören auf dem Blog…Und dann wollte ich eigentlich noch schreiben, dass das Fest nicht kommerzialisiert wurde, also man sieht keine Firmenlogos, das ist verpönt. Man darf auf dem Gelände nur mit dem Fahrrad fahren oder muss eine Sondergenehmigung für einen „Kunstwagen“ haben. Geld wird auch nicht gebraucht, man kann nichts kaufen und bekommt zum Beispiel in den vielen Bars die Drinks einfach so…“Burning Man“ ist wirklich ein besonderes Erlebnis.

Burning Man     


„Burning Man“ – Wüstenerlebnis der anderen Art

BM16.jpg„Don’t drink and drive“ meinte der verstaubte Mitzwanziger am Eingang mit einem breiten Grinsen. Die Haare, das Gesicht und die Klamotten total weiss vom Sand. Dann ging es in das riesige Areal von Black Rock City, einem ausgetrockneten Seebett inmitten von Nevada. Für eine Woche wird Black Rock City die siebtgrösste Stadt im Bundesstaat sein. Fast 50.000 Menschen zieht es Jahr für Jahr hierher, um etwas zu erleben, was man kaum in Worte fassen kann. BM8.jpg

„Burning Man“ ist ein Festival der Andersartigkeit. Es geht um neue Formen des miteinander Lebens, es geht um Kunst, um Selbstdarstellung. Nichts muss, aber alles geht…alles ist denkbar. Wenn man nackig durch die Gegend laufen will, dann tut man das. Wenn man als rosa Häschen verkleidet durch den Sand hüpfen möchte, dann hält einen niemand und nichts zurück. Man findet wahrscheinlich sogar noch weitere Teilnehmer an dieser Bunny-Hüpf-Parade.

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„Burning Man“ wurde vor 22 Jahren in San Francisco gegründet. Irgendwann Anfang der 90er zog man in die Wüste an diesen Ort, der etwas Spirituelles hat. Es ist ein Kampf der Extreme. Die Hitze, der Sand….soweit das Auge reicht nur Sand. Umrandet ist das Seebett von einer Bergkette. Man muss alles mitbringen, es gibt nichts zu kaufen. Vom Wasser bis zum Essen, von Sonnencreme bis was man eben so braucht, alles muss eingepackt werden. Und das ist nur, wenn man als „Normalo“ dabei sein will. Die Kunstprojekte, Pyro-Shows, Tanztempel, ausgefallene Projekte, auch das muss alles rangekarrt werden. Es gibt keine Strom- und Wasserversorgung, daran muss man vorher denken. Und hier in Black Rock City teilt man, wird eingeladen, tauscht man, alles ohne Geld.BM6.jpg

An Duschen ist nicht zu denken, man versucht sich mit etwas Wasser zu reinigen, aber auch das wird nach ein paar Tagen müssig. Irgendwie wird man eins mit dem Sand und dem Staub, der überall ist….

Doch genug von dem harten Umfeld…“Burning Man“ ist ein Festival der Superlative…es ist wie eine Mischung aus „Mad Max Movie“, „Love Parade“ und einem schrillen Zirkus in der Nacht vor dem Weltuntergang. Gefeiert wird rund um die Uhr. Doch vor allem nachts ist es ein Erlebnis. Überall bunte Lichter, Light Shows, Pyro Performances. Ich musste ständig daran denken, wie passend es wäre, wenn Rammstein hier auf einem Tieflader abrocken und den Nachthimmel mit ihrer Flammenshow erhellen würden. BM23.jpg

Es hat etwas Surreales an sich, wenn man sich da mal inmitten der Nacht in die Mitte der Playa setzt. Über einem der klare Sternenhimmel und dazu die lauten, harten Beats der Musik. Lichter blinken, Flammen zucken. Immer mal wieder kommt ein skuriles Fahrzeug vorbei, von dem einem freundliche Menschen zuwinken. Eine Woche vorher war nichts hier, und in einer Woche wird nichts mehr von all dem da sein. Zum Beispiel der zehn Stockwerke hohe „Tower of Babel“, eine Stahlkonstruktion, von der man einen Wahnsinnsausblick hat. Oder der Tempel, der aus Recyclingmaterialien entstanden ist und am Ende abgefackelt wird. BM18.jpgOder die gewaltigen Technodome, die lautstark die „Burner“ beschallen. Oder die Bar in drei Meter Höhe, die man nur besuchen kann, wenn man auf Stelzen läuft.

Oder die Bowling Bahn „Dust Bowl“, oder das Audio-Projekt von zwei jungen Deutschen, die seit Jahren hierher kommen und einmal selbst mit einem Kunststück vor Ort sein wollten. Sie erklärten mir, ihre Idee war, etwas mit Sound zu machen…und es war klasse. Ein Experiment aus Frequenzen und Tönen, gespeist mit Solarenergie. Und mitten auf der Playa, hoch oben, der „Burning Man“, der am Ende in Flammen aufgehen wird. Von überallher ist er sichtbar, wacht über dem ganzen.BM1.jpg

„Burning Man“ ist ein Erlebnis der Sinne, unbeschreiblich und überwältigend. Die Eindrücke stürzen auf einen herab und egal wohin man sich dreht, es gibt immer neues zu sehen und zu erleben. Dort ein gespanntes Seil, über das man balancieren kann. Da drüben ein „Barbie Concentration Camp“ („We put the BARbie in BBQ“), bei dem rund eintausend Barbiepuppen in einen aufgestellten Ofen wandern. Und da hinten ein riesiges Stahlkonstrukt, eine Hand, die man mit der eigenen Hand bewegen kann. Es gibt viel ausgefallene Kunst, teils faszinierend, beeindruckend und wunderschön. Teils natürlich auch etwas zu ausgefallen für meinen Geschmack. Aber Kunst ist nicht alles, was „Burning Man“ ausmacht, ist vor allem das Miteinander.

BM19.jpgUnvergesslich der Moment an einer aufgestellten Bar, die ganz am Rande, fernab des Trubels aufgestellt war. Die Theke war leer, schien wie vergessen. Ein einmaliger und ungestörter Blick auf die Weite des Seebetts und die Berge drum herum. Ich setzte mich hin, so als ob ich einen Drink bestellen wollte, aber es war ja keiner da. Nicht weit davon entfernt stand ein Mann mit einer Frau, die einen Bollerwagen und darauf eine Kühlbox dabei hatten. „Willst Du einen Drink?“. „Klar, was gibt es denn“. Ich wollte nicht nach Tequila fragen, denn danach war mir gerade, aber wer hat schon Tequila hier in der Pampa….“Ich habe hier einen extraguten Tequila, wäre das was?“ Und er öffnete die Kühlbox, holte ein kleines Eichenfässchen heraus und kam zur Theke, schenkte mir ein Gläschen ein und wir tranken auf diesen ungewöhnlichen Moment. Man muss dazu sagen, er gehörte nicht zu diesem „Thekenprojekt“. Die beiden zogen einfach mit ihrem Bollerwagen durch die Gegend und luden Menschen zum Tequila trinken ein. Sie waren aus Manhattan Beach bei Los Angeles, das zehnte mal schon bei „Burning Man“ und genossen diese friedliche Umgebung. BM26.jpg

Solche Augenblicke sind „Burning Man“. Man bekommt überall ein Lächeln, nette Worte, hin und wieder auch Umarmungen….einfach so. Obwohl man hier in der prallen Hitze vom Staub umgeben ist, ständig Durst hat und schon nach kurzem alles andere als frisch wirkt, es ist ein einmaliges Erlebnis, das einen total ausfüllt. Klar, man freut sich auf der Nachhausefahrt auf eine Dusche, sein Bett, aber die Eindrücke kommen hoch, immer wieder…und auch hier, während ich das schreibe, ist es schwer, das Erlebte in Worte zu fassen, denn es passiert bei „Burning Man“ so viel auf ganz verschiedenen Ebenen.

BM9.jpgEs gibt noch so vieles darüber zu berichten….z.b. keine Firmenlogos oder Sponsoren sind erlaubt. Oder am Ende wird alles wieder aufgeräumt, keine einzige Zigarettenkippe bleibt zurück. Die Wüste wird danach wieder so leer sein wie vorher. Und auch, dass „Burning Man“ eine eigene Stiftung gegründet hat, mit der verschiedene Kunstprojekte finanziert und realisiert werden…Ich denke, ich werde nochmal drüber schreiben. Aber ich muss ja auch noch einen Radiobeitrag produzieren, den man hier hören kann. BM7.jpg

TÜV? Was soll’n das sein!!!

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Am Wochenende war ich in Reno, rund fünf Autostunden nordöstlich von San Francisco. Wunderschöne Gegend, Lake Tahoe und gleich hinter der Grenze zu Nevada liegt Reno. Dort fanden die jährlichen „Hot Days in August“ statt.

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Als krönender Abschluss ein Treffen von Besitzern historischer, alter Autos…teilweise aufgemotzt bis zum Abwinken, teilweise ganz im Original gehalten. Amerikanische Schlitten und Strassenkreuzer wohlgemerkt, es gab so gut wie keine europäischen und schon gar keine asiatischen Modelle zu sehen.

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Schon auf der Fahrt nach Reno sah man die Karren im Verkehr fahren oder auf Anhängern. Und es war ein Treffen der Superlative….Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von alten Autos aus Kalifornien, Nevada, Oregon, Iowa…..Ich muss ja sagen, ich bin kein grosser Autofan, aber es war ein besonderes Erlebnis. So viel blitzeblanker Chrom, Ideenreichtum und Kreativität…und ein Geröhre, dass man teilweise sein eigenes Wort nicht mehr verstand.
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Der TÜV hätte einen Wagen nach dem anderen aus dem Verkehr gezogen und am Ende nur noch eine Handvoll Oldtimers für die abschliessende laute, bunte, schräge und schrille Parade übrig gelassen. Vorher wurde aber nochmals eifrig geputzt und gewienert, Staub gewischt und poliert….sogar die glänzenden Motorblöcke blieben da nicht unberührt.

Eine tosende Party war angesagt. Jubelnde Zuschauer und lautes Motorengeheul…und alle hatten einen Riesenspass zwischen Nostalgie und PS-Potenz.

Hier einige Eindrücke aus Reno…