Es war einmal eine kleine Hexe…

Otfried Preusslers kleine Hexe, Hänsel und Gretel und die böse Hexe im Wald und dann noch die „Wicked Witch“ im „Wizard of Oz“. Das waren so die Hexenbilder, mit denen ich aufgewachsen bin, die mein Hexenbild prägten. Warzen, Besen und ein brodelnder Kessel. Doch die Realität der Hexen hat so gar nichts mit diesen Bildern zu tun, wie ich jüngst feststellen konnte. Die San Francisco Bay Area ist ein Zentrum der Hexenbewegung und hier lernte ich weibliche und männliche Hexen kennen.

Am Anfang stand die Webseite des “Covenant of the Goddess”, eines Hexenbundes. Mehr durch Zufall stieß ich darauf und dachte mir, das könnte eine schöne Geschichte für die Religionssendung eines bundesweit ausgestrahlten Radiosenders sein. Ich schrieb an die Email Adresse des Covenant, ob es möglich wäre, ein Interview zu führen und an einem Treffen teilzunehmen. Die Antwort kam, ob ich zu einem Telefoninterview bereit wäre. War ich. An einem Dienstag rief mich eine Vertreterin des „Northern California Chapter“ an und interviewte mich. Warum, weshalb, wieso….Hexen sind etwas zurückhaltend.

Nach einigen Tagen meldete sich „Macha“ bei mir. Sie wäre zu einem Interview bereit und ja, ich könnte bei ihr Zuhause vorbeikommen. Gespannt fuhr ich in die Nord-Bay. In einem unscheinbaren Haus wohnte die Hexe. Für eine Stunde sprachen wir über „Witches“ und Wicca, die Mysterienreligion. „Macha“ berichtete, dass sie sogar regelmäßig als Priesterin im Staatsgefängnis von San Quentin sei, um sich dort mit Angehörigen des Wicca Glaubens auszutauschen und eine Zeremonie zu feiern. Zum Schluss fragte ich, ob Macha auch einen Besen habe. Sie lachte und meinte, ich solle ihr folgen. Und da standen sie, gleich mehrere Besen in der Abstellkammer.

Eine Woche später erhielt ich wieder eine Mail. Don Frew und Anna Korn würden mich gerne kennenlernen. Sie leiten die “Adocentyn Research Library”, eine Bücherei des Paganismus. Ein unscheinbares Haus mit einer Ladenfront in einer Seitenstraße in Albany, einer Kleinstadt gleich neben Berkeley. Nichts deutet darauf hin, dass sich hier eine Bibliothek der etwas anderen Art befindet. Don und Anna warteten schon, sie wirken wie Alt-Hippies, nahmen sich für den Besucher viel Zeit, um über Wicca und das Hexentum zu sprechen. Der “Covenant of the Goddess” sei ein Netzwerk von Hexen, erzählte Don Frew. „Es ist keine Kirche. Gegründet wurde der Covenant 1975, um Hexen dieselben religiösen Rechte und Sicherheiten einzuräumen, wie anderen religiösen Organisationen. Dieser Hexen Verbund hat sich von Kalifornien aus in den gesamten Vereinigten Staaten ausgebreitet.“

Die San Francisco Bay Area ist ein Zentrum dieser spirituellen Bewegung in den USA. Der liberale Geist, die damals noch billigen Mieten, der Aktionismus zog viele in den 1960er und 1970er Jahren ans Golden Gate. Hier lebten, hier arbeiteten sie und trafen Gleichgesinnte. Mit der erstarkenden Frauenbewegung in Berkeley, Oakland und San Francisco entwickelte sich auch die Suche nach der Weiblichkeit im Glauben. Und man fand es in der Natur, der Umwelt, der Mutter Erde, wie der 58jährige Hexer Don Frew erklärt: „Es bedeutet, dass ich daran glaube, dass sich das Göttliche in und durch die natürliche Welt manifestiert. Ja, es gibt eine übernatürliche Gottheit, aber ich fühle mich mehr mit einem Baum verbunden, mit der Sonne über uns, mit diesem Tisch hier. All das drückt das Göttliche aus. Und ich versuche mein Leben in Harmonie damit auszurichten. Meine Rituale damit abzustimmen, mit den Gesichtern des Mondes, mit den Jahreszeiten, mit dem Lauf des Lebens. Das alles ist der Weg hin zu einem harmonischen Leben.“

Auf meine Bitte und mein Drängen doch an einem Treffen teilnehmen zu können, erhielt ich immer wieder Absagen. Einige Mitglieder wären dazu nicht bereit, ich könnte mir stattdessen ein Video ansehen, hieß es. Und dann kam die Einladung zu einem „Spiral Dance“. Nur wenige Meilen von der Pagan-Bücherei entfernt liegt Richmond. Und dort in einem alten Fabrikgelände, direkt an der San Francisco Bay gelegen, trafen sich an einem Samstagabend mehrere Hundert Hexen und Gläubige des Paganismus zu einem “Spiral Dance”, einem Gruppentanz, der Gemeinschaft und Wiedergeburt ausdrücken soll.

Die Einladung kam von Starhawk, der Organisatorin dieses Treffens. Sie ist eine ältere Frau und die wohl bekannteste Hexe in den USA ist. Sie hat unzählige Bücher über die Bewegung, den Wicca Glauben, die Wiedergeburt des Hexentums geschrieben. Man kennt sie, bevor wir ein ruhiges Plätzchen für ein Interview finden konnten, umarmten etliche Frauen und Männer die 67jährige, wechselten ein paar Worte mit ihr, sagten ihr, wie sehr sie sich auf den Abend freuten. „Eine Hexe zu sein bedeutet für mich“, so Starhawk, „sich den alten in der Natur basierenden Traditionen aus Europa und dem Nahen Osten zu verpflichten Sie gründen sich in dem Glauben, dass die Erde heilig ist, dass jeder von uns heilig ist und den göttlichen Geist verkörpert, der in allem lebt. Und das greift auf die alten Traditionen der Kräuterkunde und der Verbindung zur Natur zurück.“

Starhawk schreibt unter anderem auch für die Religionsbeilage der Washington Post, ist Kommentatorin auf mehreren einschlägigen Online Plattformen und begeherte Rednerin in den USA und Europa. „Einige Leute wollen sich nicht als Hexe bezeichnen. Ich laufe auch nicht mit einem Schild herum, auf dem steht “Hallo, ich bin eine Hexe’. Aber für mich ist es wichtig, dieses Wort zurück zu bekommen, denn damit konfrontiert man die gesamte Geschichte. Dieses Wort und für was es steht, für die Idee einer Frau als Heilerin, eine mächtige Frau, die als gefährlich und angstvoll gesehen wird. Wenn wir uns dem stellen, dann gehen wir dagegen an, dann beginnen wir mit einem Wandel tief verborgener Unterstellungen in unserer Kultur, die für mich die Ungleichheit der Geschlechter bestärken.“

Als es draussen dunkel wurde, begann in dem alten Fabrikgebäude die Zeremonie. Über Lautsprecher wurde bekannt gegeben, dass ein deutscher Radiojournalist anwesend sei, der aber niemanden in seinen Aufnahmen erkennbar machen werde. Hexen wollen nicht so einfach erkannt werden. In einem riesigen Kreis saßen etwa 600 Menschen zusammen, sangen, lachten, weinten gemeinsam. Die Namen von Verstorbenenen wurden vorgetragen. Reden und Gesang folgten. Und dann begann der eigentliche “Spiral Dance” mit Trommelschlag und Gesang. Zwei endlos wirkende Menschenschlangen bewegten sich im Kreis und kamen sich dabei immer näher. Eine positive und durchaus mitreißende Energie machte sich in der Halle breit, die Community lebte auf und rückte zusammen. Vieles wirkte wie in Trance.

In den USA leben nach Starhakws Aussagen etwa 3-4 Millionen Menschen, die sich als Hexen bekennen, die dem Wicca Glauben angehören. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Doch eins wurde an diesem Abend in Richmond deutlich, die San Francisco Bay Area ist ein Zentrum von Wicca, Hexen, dem Glauben an die Natur, an die Weiblichkeit in der Religion. Die Hexen, die ich kennenlernte durfte, haben so gar nichts mit dem gruseligen Bild aus Kindertagen zu tun. Es geht um Harmonie, um ein Miteinander, darum, gemeinsam und bewußt zu leben. In diesen Zeiten ist das durchaus eine Bereicherung.

Außergewöhnliche Wohnstätten in der SF Bay Area

Foto: Judy Meuschke-San Francisco and Peninsula Realtor

Foto: Judy Meuschke

Es ist nicht ganz billig, aber man bekommt dafür schon was besonderes. Das als „Flintstone House“, also das Fred Feuerstein Haus, bekannte Anwesen in Hillsborough, südlich von San Francisco steht zum Verkauf. 1976 wurde es gebaut, gleich mehrere namhafte Künstler hatten ihr Händchen im Spiel. Es gibt wohl keine Ecken in dem Gebäude, alles ist rund und wirkt wie aus Knetmasse geformt.

Foto: Judy Meuschke

Foto: Judy Meuschke

Wer auf dem 280er fährt, kommt daran vorbei und jedesmal schaut man wieder hin und fragt sich, was da die Besitzer und den Architekten geritten haben. Doch vielleicht war es gerade das, man fällt auf mit so einem Dach über dem Kopf. Allerdings muß man heute etwas tiefer in die Tasche greifen. Der Immobilienmarkt hat sich wieder erholt in der San Francisco Bay Area, die Preise für Grundstücke sind gestiegen; „The sky is limit“. Für das „Flintstone House“ werden 4,5 Millionen Dollar verlangt. Das Rauschen der Autobahn in Sichtweite kommt kostenlos dazu.

Den Freeway hört man auch auf der letzten Insel in Privatbesitz, die es noch in der San Francisco Bay gibt. „Red Rock Island“ soll verhökert werden. Kann man schon so beschreiben, denn der Fels, der zwischen Richmond und San Quentin liegt war noch vor wenigen Jahren 22 Millionen Dollar wert. Damals hieß es, es gäbe Interessenten für das Stückchen Land. Doch dann wollte doch keiner so richtig. Das Preisschild wurde auf neun Millionen Dollar umgeschrieben. Und nun kostet die Insel nur noch fünf Millionen Dollar.

Für jemanden mit Geld ist das vielleicht ein Prestigeobjekt, denn Nachbarn gibt es keine, die Ausblicke sind phänomenal und wer hat schon eine Insel gegenüber von San Francisco. Manchmal wird der Felsen auch „Golden Rock“ oder „Treasure Island“ genannt, denn es gibt Gerüchte, dass hier Piraten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Schätze vergraben haben sollen. Doch bislang ist nichts gefunden worden. Aber man kann fleißig weiter buddeln.

1964 kaufte Mendel Glickman, der Sohn von Frank Lloyd Wright, für 50.000 Dollar den Felsen in der Brandung. Er hatte die Idee, darauf ein Ferienhaus zu bauen, aber daraus wurde nichts. „Red Rock Island“ blieb leer. Nun also kann man, wenn man denn will, ein Stück Land der Bay Area Geschichte kaufen. Allerdings wird jede Baumaßnahme nicht einfach sein, denn ein Käufer muß sich gleich mit drei Counties auseinandersetzen. „Red Rock Island“ gehört zu Marin County, Contra Costa County und San Francisco County, ein bürokratischer Alptraum wartet auf jeden Häuslebauer.

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Ein vorbildlicher Polizist?

Richmond ist eine Kleinstadt in der San Francisco Bay Area. Eine Raffinerie des Öl Giganten Chevron bestimmt das Stadtbild. Richmond war in den letzten Jahren vor allem wegen der hohen Mord- und Kriminalitätsrate in den Schlagzeilen. Es gab  mehr Morde pro Einwohner als irgendwo sonst in Kalifornien. Auch US weit war Richmond in der Mordstatistik ganz vorne mit dabei.

Polizeichef Chris Magnus während einer Protestveranstaltung in Richmond.

Polizeichef Chris Magnus während einer Protestveranstaltung in Richmond.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Politik, Polizei und Nachbarschaften ziehen nun an einem Strang und versuchen das Problem unter Kontrolle zu bringen. Ganz neue Töne hört man aus Richmond, die Polizei ist hier Teil der „Community“. In September wurde ein Schwarzer von einem Polizisten in einem Laden in Richmond erschossen. Der Polizeipräsident Chris Magnus wandte sich über facebook an die Nachbarschaft, intervenierte mit seinem Stellvertreter, war offen für Gespräche. Magnus und sein Vize Allwyn Brown wurden daraufhin zur Beerdigung des 24jährigen  Richard Perez eingeladen und nahmen auch daran teil.

Nun ist Chris Magnus erneut in den lokalen Schlagzeilen. Nach den Freisprüchen für Polizisten in Ferguson und New York nahm der „Police Chief“ von Richmond an einer Protestveranstaltung vor einem Gemeinschaftshaus in Richmond teil. Dabei hielt er ein Plakat hoch auf dem stand; „Black Lives Matter“. Magnus wird dafür nun von der Polizeigewerkschaft angefeindet, die erklärt, dass kein Offizieller in Kalifornien in Uniform an einer politischen Veranstaltung teilnehmen dürfe. Chris Magnus widerspricht dem und fragte, seit wann es politisch sein soll, wenn man erklärt, dass schwarzes Leben genausoviel wert ist wie das von weißen Amerikanern und die durchaus berechtigten Sorgen der „Community ernst nimmt. Er sei Teil dieser „Community“, von daher mache er sich berechtigte Sorgen

Freier und Zuhälter an den Pranger

Mit großem Interesse habe ich kürzlich in der Nürnberger Zeitung vom Besuch der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig bei der Prostituiertenselbsthilfeeinrichtung Kassandra gelesen. Eine Ministerin vor Ort, die das Gespräch sucht. In den USA, und sogar in der liberalen San Francisco Bay Area, wäre so etwas ganz undenkbar. Hier geht man andere Wege, die klar machen, Prostitution ist nicht erwünscht.

Verhaftete Freier in Richmond, Kalifornien.

Verhaftete Freier in Richmond, Kalifornien.

Im Juni schon stellte die Polizeibehörde in Oakland eine Webseite online, auf der fortan verhaftete Freier und Zuhälter öffentlich mit Bild und Daten präsentiert werden. Richmond, nur ein paar Meilen nördlich von Oakland, zieht nun nach. In einer Polizeiaktion vor ein paar Tagen wurden 11 Männern die Handschellen angelegt, als sie in einer Undercover Operation Sex von als Prostituierte „verkleidete“ Polizeibeamtinnen verlangten. Nach dem Klicken der Fesseln wurden Fotos gemacht, die umgehend auf der facebook Seite der Richmond PD veröffentlicht wurden.

Das ist die neue Strategie der örtlichen Behörden in Abstimmung mit den Polizeieinheiten. Man will abschrecken, die illegale Prostitution unter Kontrolle bringen. Einige Straßenzüge in Oakland sind mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus als „besondere“ Meile bekannt. Zuhälter karren zum Teil minderjährige Prostituierte von Las Vegas und aus dem mexikanischen Tijuana hierher, um sie anschaffen zu lassen. Die Freier kommen aus der gesamten Bay Area, einem Einzugsbereich von nahezu sechs Millionen Menschen. Hilfen für die betroffenen Frauen gibt es kaum, von einer Organisierung, wie es in Nürnberg Kassandra macht, kann hier keine Rede sein. Also, wird mit drastischen Mitteln drauf gehauen, um dieses „gesellschaftliche Übel“ zu beenden. Wenn man schon nicht den Menschenhandel stoppen kann, dann soll der Online Pranger dabei helfen, die Freier fern zu halten.

Doch die öffentliche Zurschaustellung von Männern, die für Sex zahlen wollen, kommt nicht überall gut an. In vielen Foren wird über diese drastische Maßnahme heftigst diskutiert. Ein Argument wird dabei immer wieder angeführt, es sei verfassungswidrig jemanden zu bestrafen, bevor er verurteilt wurde. Denn klar ist, zumindest die Undercover Aktionen der Polizistinnen haben nicht zu Sexaktivitäten geführt. Ein Verhafteter in Richmond meinte, er habe nur mit den Frauen gesprochen, dabei ging es zwar auch um Sex, doch nichts sei passiert. Bei der Verhaftung war der Hosenstall des Mannes geschlossen. Sein Bild erschien dennoch auf der facebook Seite der Richmond PD. Nun sind die Gerichte gefragt, ob diese Art der mittelalterlichen Abschreckung überhaupt rechtens sind. Ganz zu schweigen davon, dass diese Aktionen den betroffenen Frauen rein gar nicht helfen, sie eher noch weiter an den Rand der Gesellschaft bringen.

Obama in Nöten

Die Gesundheitsreform wurde von Präsident Obama als Erfolg für alle Amerikaner gepriesen. Zum ersten mal sei es möglich, dass jeder US Bürger eine Krankenversicherung abschließen könne. Doch klar war auch, dass das Gesetzespaket von Gegnern umgehend an die Gerichte geschickt würde. Und nun wird „Obamacare“, wie es die Republikaner nur öffentlichkeitswirksam bezeichnen, auf Herz und Nieren geprüft.

Ein Richter in Richmond, Virginia, hat nun das zentrale Stück der Reform, die gesetzliche Verpflichtung auf eine Krankenversicherung, als nicht verfassungskonform gewertet. Damit erzielten die Republikaner einen ersten Teilsieg, denn sie hatten im Kongresswahlkampf angekündigt, alles daran zu setzen, um die Reform zu Fall zu bringen, oder die Finanzierung dafür unmöglich zu machen. Als „Job Killer“ haben sie immer und immer wieder „Obamacare“ beschrieben, zwei Begriffe, die vor allem bei der erzkonservativen Basis der „Tea Party“ ankamen.

Interessanterweise ist der Richter in Virginia ein Republikaner, der von George W. Bush eingesetzt wurde. Zuvor hatten zwei andere Richter das Gesetzespaket für verfassungskonform gehalten, zwei von Bill Clinton eingesetzte demokratische Richter. Weitere Klagen aus republikanisch geführten Bundesstaaten stehen an. Und nun wird die Reform von Justizia weitergereicht. In 1-2 Jahren wird sie dann beim obersten US Verfassungsgericht landen. Ausgang noch ungewiss.