Er schafft sich selbst ab

Wer dachte, Donald Trump wird in Washington aufräumen, der sollte sich langsam warm anziehen. Trump bringt da eine Mannschaft zusammen, bei der man nur noch den Kopf schütteln kann. Wie kann es sein, dass Rick Perry zum Energieminister ernannt werden soll, jenem Ministerium, das er im Wahlkampf 2012 als republikanischer Kandidat noch abschaffen wollte? Peinlich, wie er damals von drei Ministerien sprach, die er als Präsident umgehend streichen würde. Eines davon fiel ihm auf der Bühne nicht ein, es war das Energieministerium, das er nun leiten soll.

Rick Perry hat(te) gute Gründe dafür das Ministerium in Washington aufzulösen, denn der Texaner ist eng mit der Ölindustrie in seinem Bundesstaat verbandelt. Die Ausrichtung des Energieministeriums unter Trump/Perry ist also klar. Zukunftsorientiert, regenerative Energiequellen, Energiesparmaßnahmen, alles fehl am Platz. Donald Trump setzt mit seiner Wahl des Energieministers und auch mit seiner Entscheidung den Chef des ExxonMobil Unternehmens, Rex Tillerson, zum Außenminister zu machen deutliche Zeichen. Öl, Erdgas, Kohle…Willkommen im Trump-Reich.

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Eine politische Woche

Es tat sich einiges in dieser Woche. Zwei Demokraten, Jim Webb und Lincoln Chafee, beendeten ihre aussichtslose Kandidatur ums Rennen für das Weiße Haus. Joe Biden kündigte das Ende seines angedachten Umzugs ins Oval Office an und machte damit endgültig Platz für Hillary, die in dieser Woche im Mittelpunkt in Washington DC stand. Clinton überzeugte bei der Marathonanhörung über ihre Rolle und wann sie was wußte beim Terrorangriff auf das US Konsulat im lybischen Bengasi. Die Republikaner veranstalteten ein Tribunal im Wahlkampf, um, wie es der Fraktionsvorsitzende der GOP, Kevin McCarthy, nannte, Hillary auf ihrem Weg ins Weiße Haus zu stoppen. Ein politisches Fanal sollte es werden, doch daraus wurde nichts. Hillary Clinton war gut auf die Angriffe vorbereitet.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Präsidentschaftsrennen sowieso nicht. Foto:  Brian Snyder/Reuters.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Wahlkampf sowieso nicht. Foto: Brian Snyder/Reuters.

Doch das war noch nicht alles in dieser Woche. Die Umfragen unter republikanischen Wählern ergaben, dass fast 60 Prozent für einen Außenseiter stimmen würden. Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina führen derzeit die Republikaner vor. Der Wahlkampf verläuft so gar nicht nach den Plänen des konservativen Establishments in den USA. Das Darling der Partei, der Gouverneur von Wisconin Scott Walker, ist bereits aus dem Rennen ausgeschieden. Auch der ambitionierte Texaner Rick Perry ist Vergangenheit. Und nun muß sogar Jeb Bush eingestehen, dass ihm das Geld knapp wird. Im Vorfeld sammelte Bush fast 100 Millionen Dollar ein, davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Er setzt nun auf einen Schmalspurwahlkampf, um überhaupt noch bis zum Beginn der Vorwahlen in Iowa zu kommen. In den Umfragen liegt er weit abgeschlagen.

Der einzige Republikaner, der politische Erfahrung mitbringt und vielleicht noch eine Chance hat, ist der 44jährige Senator aus Florida, Marco Rubio. Aber selbst er liegt derzeit mehr als zehn Prozentpunkte hinter Ben Carson und weit über 20 Prozentpunkte hinter Donald Trump. Alle Kandidaten, bis auf den Milliardär Trump, hängen am Geldhahn der Spender. Der Donald lacht nur darüber und greift in seine eigene Tasche. Mittlerweile erkennen auch die Medien in den USA, dass Trump keine Lachnummer ist. Er will durchhalten und wird wohl auch bis zu den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und dem „Super Tuesday“ im Rennen bleiben.

Am kommenden Mittwoch findet die dritte republikanische Fernsehdebatte statt. Danach, das ist schon jetzt klar, wird sich das Kandidatenfeld weiter lichten. Wer hier nicht punktet, sollte aufhören, gerade auch im Hinblick auf den eigentlichen politischen Gegner, die Demokraten. Denn dort entwickelt sich ein Zweikampf zwischen einer Überfrau und einem Senator, der keine Negativkampagne führen will. Hillary Clinton hat noch Schonzeit. Das liegt vor allem jedoch am Unvermögen der Republikaner, die aktuell die besten Wahlkampfhelfer der einstigen First Lady sind.

 

Die Macht der Frauen

Die zweite Runde steht an. Diesmal stehen elf Republikaner auf der Bühne, um die Fernsehnation von sich zu überzeugen. Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Rand Paul, Ted Cruz, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie, John Kasich und diesmal auch Carly Fiorina. Zuvor schon tritt die zweite Reihe der Kandidaten an: Rick Santorum, Bobby Jindal, Lindsey Graham, George Pataki und Jim Gilmore. Rick Perry sollte eigentlich auch noch dabei sein, doch der ist ja aus dem Rennen ausgestiegen und überlegt nun, was er mit den Spenden, die er erhalten hat, machen soll.

Die Debatte wird live von CNN aus der Ronald Reagan Presidential Library im kalifornischen Simi Valley übertragen werden. Absolut präsidial vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine. Und klar ist schon im Vorfeld, zehn werden sich auf einen stürzen. Denn bislang hatte Donald Trump Narrenfreiheit, er hat sich in den letzten Wochen und Monaten selbst zur Zielscheibe der innerparteilichen Kontrahenten gemacht. Keiner spaltet die Partei so sehr wie Donald Trump. Zuletzt ließ der Donald es krachen, als er die ehemalige Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina heftigst mit den Worten angriff, wer wolle schon dieses Gesicht sehen?

Fiorina ließ den Angriff auf sich und ihr Aussehen locker abperlen und produzierte sogar einen Werbespot mit dem Titel „Faces“, der sehr gut ankam. Vor allem bei Frauen, die immer mehr zur politischen Macht im amerikanischen Wahlkampf werden. Zum einen machen sie 52 Prozent der Wähler aus, zum anderen werden viele Frauen mit der Aussicht Hillary Clinton als Präsidentin nicht richtig warm. Zwar stimmte der Großteil der Frauen in den USA seit George Bush 1988 für den demokratischen Kandidaten, darauf baute und baut Hillary Clinton in diesem Wahlkampf. Doch das will Carly Fiorina nun ändern. Sie greift an, als Geschäftsfrau, die sich von Männern, auch und erst recht von großmäuligen Geschäftsmännern wie Donald Trump nichts vorschreiben läßt. Es wird mit Sicherheit ein interessanter und unterhaltsamer Fernsehabend am heutigen Mittwoch werden.

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Hillaryous

Hillary Clinton macht derzeit einen auf Rick Perry. Zum zweiten Mal ist sie dabei, und zum zweiten Mal sieht es nicht gut aus. Und wie der Texaner Perry hatte sie erneut große Hoffnungen. Doch der „homerun“, der sicher geglaubte Sieg bei den Vorwahlen, ist in weite Ferne gerückt. Das liegt nicht unbedingt an den starken Mitkonkurrenten in der Partei, es liegt vor allem an Hillary selber. Mal wieder.

"What's up ladies?" Hillary Clinton verliert immer mehr Unterstützung bei Frauen. Foto: AFP.

„What’s up ladies?“ Hillary Clinton verliert immer mehr Unterstützung bei demokratischen Frauen. Foto: AFP.

Bernie Sanders punktet gut gegen Hillary Clinton. In einigen Bundesstaaten liegt er in Umfragen sogar vor Hillary. Allerdings wird er landesweit nicht gegen sie bestehen können, wenn Clinton wirklich im Rennen bleiben sollte. Das ist anzunehmen, denn auch 2008 hielt sie durch gegen Barack Obama, auch wenn viele ihr rieten aus dem Rennen auszusteigen. Hillary wollte die Niederlage nicht eingestehen. Da ist nun auch noch Vize-Präsident Joe Biden, der lange Zeit einfach still im Hintergrund agierte. Die Zeichen, so Beobachter, deuten jedoch darauf hin, dass er ernsthaft eine Kandidatur auslotet. Eigentlich ist er, wenn er nun doch will, viel zu spät dran. Aber wie gesagt, noch ist bei den Demokraten nichts entschieden. Und Biden könnte der Alternativkandidat für Hillary sein, falls ihr Stern noch weiter fällt.

Da sind also die Mitkandidaten, die Hillary Clinton etwas Probleme bereiten. Was ihr allerdings richtig Kopfschmerzen bereiten wird, sind die jüngsten Zahlen, die nach einer Umfrage der Washington Post und ABC veröffentlicht wurden. Erklärten im Juli noch 71 Prozent der weiblichen Demokratenwähler, dass sie Clinton unterstützen werden, sind es nun nur noch 42 Prozent. Ein unglaublicher Einbruch im so wichtigen Wählerblock der Überdemokratin. Hillary Clinton baut im Wahlkampf auf die Stimmen der Frauen, die endlich eine Präsidentin im Weißen Haus sehen wollen. Daraus scheint nichts zu werden, wenn Clinton es nicht schaffen sollte, die Reihen der Frauen hinter sich zu schließen.

Die FBI Ermittlungen um ihren externen Email Server im State Department stoßen den Damen im Wahlvolk auf. Man erinnert sich nur zu gerne an die Skandale um ihren Ehemann Bill Clinton, der sich mehrmals versuchte herauszureden, auch als schon klar war, er habe Bockmist gebaut („I did not have Sex with that woman“). Clinton ist Clinton, so wird mittlerweile Hillary eingeordnet. Der große Name wird zum Stolperstein. Kein guter Beginn der heißen Wahlkampfphase in den USA.

Da half auch keine Brille

Aus die Maus für Rick Perry. Das hatte er sich anders vorgestellt. Foto: AFP.

Aus die Maus für Rick Perry. Das hatte er sich anders vorgestellt. Foto: AFP.

Rick Perry streicht die Segel. Vor genau vier Wochen hatte ich schon angekündigt, dass der Texaner zum zweiten Mal aus dem Rennen ums Weiße Haus aussteigen wird, nun läßt er auch Taten folgen. Vor vier Jahren blamierte er sich bis auf die Knochen, hatte in den Debatten auf vieles keine Antwort. Vorzeitig verließ er das Feld. Danach konzentrierte er sich auf seine Arbeit als Gouverneur von Texas und bereitete still und leise einen Schlachtplan für die nächste Runde vor.

Rick Perry trat erneut an. Ambitioniert, voller Elan, es schien, auch besser vorbereitet als beim letzten Mal. Perry baute darauf, dass seine Erfahrungen als längster Gouverneur von Texas und sein Imagewandel beim Wähler ankommen würden. Nun mit Brille, sein Kontrahent Donald Trump spottete, das mache ihn auch nicht klüger. Das Perry Team wurde jedoch schlichtweg überrascht von der Flut an republikanischen Kandidaten, die da auf einmal alles überschwappten. Neben dem Texaner tauchten 14 weitere namhafte Anwärter und eine Anwärterin im Rennen auf. Rick Perry fiel nicht nur beim Spendensammeln weiter ab, selbst sein Thema der Grenzsicherung wurde vom großmäuligen Donald Trump übernommen. Rick Perrys Idee der Nationalgarde an der Grenze hatte keine Chance gegen den unsinnigen Mauerbau auf Kosten der Mexikaner von Donald Trump.

Rick Perry fiel und fiel zurück. Bei der ersten Debatte der Kandidaten kam er noch nicht einmal auf die Hauptbühne, denn in den Umfragen erreichte er nur zwei Prozent. Nicht genug für die Prime Time. Danach war klar, das Ende ist nah. Perry konnte seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, die Spendengelder blieben aus. Zwar wollte man noch einmal alles versuchen, doch nach nur vier Wochen ist das Ende der Fahnenstange endgültig erreicht. Rick Perry schmeißt die Brocken hin. Das wars für ihn und mal ehrlich, man wird ihn in den kommenden 14 Monaten auch nicht vermissen.

Bye-Bye Texas Ricky

Sag zum Abschied leise Servus. Rick Perrys Wahlkampf ist vorbei. Foto: AFP.

Sag‘ zum Abschied leise Servus.  Foto: AFP.

Anfang August schrieb ich schon davon, nun ist es wohl auch offiziell. Der ehemalige Gouverneur von Texas, Rick Perry, streicht die Segel. Nachdem Perry es nicht geschafft hatte, den offiziellen „Cut“ für die erste Fernsehdebatte von FOXNews zu machen, war klar, das Ende ist nah. Nun wurde bekannt, dass Rick Perry seine Mitarbeiter in der Wahlkampfzentrale in Austin und in einigen Büros in den verschiedenen Bundesstaaten nicht mehr zahlen kann. Den Mitarbeitern stehe es frei, sich einen neuen Job zu suchen. Die Spenden wurden immer weniger, derzeit fließt so gut wie gar kein Geld mehr in sein PAC, sein Political Action Committee. Zwar erklärte ein Sprecher, die meisten Perry Unterstützer arbeiteten auch weiterhin für das große Ziel, Rick Perry for President, aber das ist wohl nur ein Wunschtraum.

Rick Perry, der bereits vor vier Jahren sang und klanglos unterging, hoffte auf eine zweite Chance. Er bereitete sich seit Jahren vor, änderte sein Aussehen und sein Auftreten, informierte sich über die Innen- und Außenpolitik und plante einen texanischen Wahlkampf zu führen. Er als längster und erfolgreicher Gouverneur des Lone-Star-State glaubte wirklich, seine politische Botschaft kommt an.

Doch Perry konnte zu keinem Zeitpunkt aus dem Schatten der anderen Kandidaten heraustreten. Mit 16 bekannten Namen im Rennen, darunter einige „Heavy Weights“ der Partei, und den ständigen direkten Attacken von Donald Trump, der Perry riet, erst einmal einen Intelligenztest machen zu lassen, ging der Texaner unter. Nun also das endgültige und frühe Aus. Rick Perry wird nun wohl einen Job in der texanischen Ölindustrie annehmen. Damit kann er zumindest mehr Geld machen, als als President of the United States of America.

Das Feld lichtet sich

Am Donnerstag steht die erste Debatte der republikanischen Kandidaten an. 16 von ihnen hatten sich Chancen ausgerechnet, zehn dürfen mit auf die Bühne. Der konservative Nachrichtenkanal FOXNews hatte vorgegeben, dass nur diejenigen Kandidaten mitdiskutieren dürfen, die in den letzten fünf Umfragen unter die Top Ten der Präsidentschaftsanwärter gekommen sind.

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Und nun hat Rick Perry ein Problem. Der Texaner, der schon bei der letzten Wahl eine denkwürdige Katastrophe erlebte, schafft den „Cut“ wahrscheinlich wieder nicht. Da hilft diesmal auch keine Brille. Derzeit liegt er mit gerade mal 2,6 Prozent auf Rang 11 und es sieht nicht danach aus, als ob er in den letzten Tagen noch den Sprung nach vorne schafft. Perry wird bald Geschichte sein. Die Frage ist, ob er es dann 2020 wieder antreten wird oder irgendwo in der texanischen Ölindustrie einen Job annehmen wird.

Derzeit liegt Donald Trump mit 19 Prozent vorne. Danach Scott Walker (15%), Jeb Bush (14%), Ben Carson (10%). Im einstelligen Prozentbereich dann Ted Cruz, Mike Huckabee, Rand Paul und Marco Rubio. Und in den jüngsten Umfragen haben sich dann auch noch Chris Christie und  John Kasich an Rick Perry vorbei geschoben. Zahlreiche der etwas schwächeren Kandidaten erklärten, man solle diese Umfragen nicht überbewerten und erinnerten daran, dass vor vier Jahren zum gleichen Zeitpunkt Herman Cain vorne lag. Und an den erinnert sich heute niemand mehr.

Der republikanische Donnerstagabend

Am 6. August ist es so weit. Die erste Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten steht an. Abends um 21 Uhr Ostküstenzeit werden dann die Top Ten Kandidaten in den Umfragen gegeneinander antreten. Zu diesem Zeitpunkt sind es: Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Ted Cruz, Rand Paul, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie und Rick Perry. Diese Gruppe verspricht einiges an Sprengstoff und verbalen Angriffen. Allein Trump feuert ja schon seit Wochen seine Salven auf die Mitkonkurrenten ab. Der vom Donald stark angegangene Perry ballerte jüngst zurück. Und Mike Huckabee hat vor ein paar Tagen Barack Obamas Irandeal als „marching the Israelis to the door of the oven“ beschrieben.

Es wird also ein unterhaltsamer Abend mit zahlreichen Tiefschlägen werden, wenn die Kameras und Scheinwerfer angehen. Donald Trump, der derzeitige Frontrunner, wird gewohnt austeilen, um seine Position zu festigen. Auf klare, inhaltliche Aussagen wird man bei dieser von FOXNews live übertragenen Debatte jedoch lange warten müssen.

Doch es sind ja noch mehr Kandidaten im republikanischen Splitterzirkus dabei. FOXNews hat nun Gnade walten lassen und eine zweite Veranstaltung angesetzt. Der Rest der Möchtegernpräsidenten, die es bislang nicht in die vordere Spitzengruppe geschafft haben, dürfen nun am gleichen Abend schon ab 17 Uhr Ostküstenzeit vor die Kameras treten, quasi als Einstimmung für das Hauptevent danach. Mit dabei sind John Kasich, Rick Santorum, Bobby Jindal, Carly Fiorina, George Pataki und Lindsey Graham. Diese Kandidaten haben zumindest ein Prozent in den Umfragen geschafft.

Doch das sind noch lange nicht alle republikanischen Kandidaten fürs Weiße Haus 2016. 18 weitere eher unbekannte Namen stehen zur Wahl, die man aber zumindest einmal erwähnen sollte. Da sind Skip Andrews, George Bailey, Michael Bickelmeyer, Kerry Bowers, Dale Christensen, Brooks Cullison, John Dummett, Jr., Mark Everson, Jack Fellure, Jim Hayden, Chris Hill, Michael Kinlaw, K. Ross Newland, Esteban Oliverez, Michael Petyo, Brian Russell, Jefferson Sherman, Shawna Sterling. Diese Gruppe von Republikanern wird am Donnerstag nicht mit von der Partie sein. Daneben gibt es keine Interviews im Fernsehen, Rundfunk und Print. Aber es zählt wohl der olympische Gedanke, dabei sein ist alles.

34 Republikaner wollen also Präsident werden. Allein diese Zahl zeigt schon, in welchem Zustand die Partei ist. Eine Frage muß also gestellt werden, wird ein möglicher republikanischer Präsident überhaupt die eigenen Reihen hinter sich haben, um regieren zu können?

Nicht gerade präsidial

"Ich sag doch nur, was ich denke", scheint Mike Huckabee hier zu sagen. Er vergleicht den Nukleardeal mit dem Iran mit den Gasöfen der Nazis. Foto: AFP

„Ich sag doch nur, was ich denke“, scheint Mike Huckabee hier zu sagen. Er vergleicht den Nukleardeal mit dem Iran mit den Gasöfen der Nazis. Foto: AFP

Der eine ist der wohl größte Selbstdarsteller im amerikanischen Show- und Politzirkus. Der andere vergleicht einen international ausgehandelten Deal mit dem Iran mit dem Holocaust („marching the Israelis to the door of the oven“). Noch einer kandidiert auf der Plattform, dass er die Gewerkschaften in seinem Bundesstaat platt gemacht hat. Und dieser dort hat einfach den richtigen Namen für eine Präsidentenwahl. Dann ist da noch ein Texaner, der vor vier Jahren kläglich versagt hat und nun mit Brille, schlauen Sprüchen und einem ständigen Schulterklopfen die Nummer eins werden will. Und da sind noch so ein paar weitere, die eigentlich alles besser können als der Amtsinhaber, doch vor allem durch ihre große Klappe auffallen.

Der republikanische Wahlkampf in den USA ist ein Trauerspiel. Keiner der Kandidaten ist auch nur annähernd dafür geeignet ins Weiße Haus einzuziehen. Als jemand, der in den USA lebt, arbeitet und Steuern zahlt wird es einem ganz angst und bange bei der Aussicht eines GOP Präsidenten. Das liegt zum einen an den Kandidaten selbst, die über twitter und in vorgekauten Kurzaussagen Schlagzeilen für einen Medienkrieg liefern. Zum anderen an dem amerikanischen Wahlkampfzirkus, der schon im vollen Gange ist, und das eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Urnengang.

Es geht nicht um Inhalte, es geht zu diesem Zeitpunkt nur ums Auffallen. Allen voran Donald Trump, der tagtäglich tönt und damit in den Umfragen vorne liegt. Sogar bei den Wählern in den ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire. Trump wird bei der ersten Fernsehdebatte am 6. August von allen Seiten hart rangenommen werden. Das steht fest, das kündigen alle an. Aber ob da Sprüche, wie die des Texaners Rick Perry helfen, der Trump einfach als „Krebsgeschwür in der Partei“ ausgemacht hat, helfen, sei dahingestellt. Perry selbst ist nämlich nicht viel besser. Donald Trump verkauft sich als Außenseiter, erfolgreicher Geschäftsmann, der endlich einmal Klartext spricht. Und das kommt bei einem Teil der Republikaner an. Gerade beim sehr aktiven und lautstarken Tea-Party Kreis.

Das Feld der GOP Kandidaten ist mehr als voll. Und das zeigt vor allem, dass die Partei gespalten ist. Keiner will sich hinter einen anderen Kandidaten stellen und diesen unterstützen. Vielmehr will man selbst das Rennen machen. Um dabei überhaupt wahrgenommen zu werden, muß man provozieren, wie Trump oder nun eben auch Mike Huckabee, der den Irandeal mit den Gasöfen der Nazis vergleicht. Die Juden würden bei diesem Deal mal wieder verheizt, so die Aussage Huckabees. Und der Ex-Gouverneur von Arkansas bleibt bei seiner Aussage. Nichts wolle, nichts brauche er da zurück nehmen. Krass, ein Schocker und er ist auf den Frontseiten der amerikanischen Medien. „Any News are good News“. Von einem umsichtigen und weitsichtigen, einem diplomatischen und feinfühligen Präsideten ist in den GOP Reihen also keine Spur zu finden. Derzeit gleicht die Partei eher einer Elefantenherde im Porzellanladen.

„You’re fired Radio Goethe Man“

Politische Berichterstattung ist oftmals zäh und langweilig. Das hoch drei sind Wahlkämpfe. Man versucht eigentlich ständig über nichts zu schreiben, über Nullaussagen, Versprecher, Reaktionen. Und dann ist da Donald Trump, ein Egozentriker, ein Selbstdarsteller, ein von sich so eingenommener Egomane, der einfach alles besser weiß und auf alles eine Antwort kennt. Ich bin mir sicher, Donald Trump würde sogar mir sagen, ich hätte keine Ahnung von der deutschen Musikszene und sollte es sein lassen: „You’re fired Radio Goethe Man“.

Trump legt sich derzeit mit allen und jedem an. Keiner in seiner Partei und darüberhinaus ist vor seinen verbalen Ausbrüchen sicher. Das verspricht einen ungemeinen Unterhaltungseffekt, den man so noch nie im amerikanischen Wahlkampf erlebt hat. Trump teilt aus: Der Texaner und frühere Gouverneur Rick Perry sollte erst einmal einen IQ Test machen bevor er als Kandidat zugelassen wird, denn er verstehe bestimmte Begriffe gar nicht. Arizonas Senator und die graue Eminenz in der Partei, John McCain, sei verrückt und habe keine Ahnung von Politik. Jeb Bush sei eine Null, die nur einen bekannten Namen habe und auf keinem Fall Präsident werden dürfe. Der Ex-George W. Bush Berater, Karl Rove, sei ein unfähiger „Clown“, den FOXNEws einfach nicht mehr als Kommentator einladen solle.

Trump liebt das twittern. In kurzen knappen Sätzen versprüht er sein Gift auf seine innerparteiligen Konkurrenten, verbreitet seine politische Ziele vom Mauerbau, einer starken US Armee, Wirtschafts- und Außenpolitik und liebt es sich hier selbst zu beweihräuchern. Der Milliardär mit der eigenwilligen Haartolle ist das Schicksal der republikanischen Partei. Die Demokraten müssen derzeit überhaupt keinen Wahlkampf führen, denn Trump macht ihn für sie. Er hat eine unvergleichgliche Medienpräsenz, denn jeder weiß, der Donald hält nicht zurück, das schafft Freude, Stimmung und gute Einschaltquoten. In den Umfragen unter republikanischen Wählern steigt und steigt er, derzeit hat er sich sogar etwas vom breiten Feld mit rund 17 Prozent abgesetzt.

Falls Donald Trump noch länger im Rennen bleiben sollte, und das ist sehr stark anzunehmen, ist der Wahlkampf schon ein Jahr vor dem eigentlichen Termin im November 2016 entschieden. Trump trampelt wie ein Elefant durch den politischen Porzellanladen und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Von einer geeinten Partei, die regierungsfähig ist, sind die Republikaner meilenweit entfernt. Genau das führt uns Trump in diesen Tagen vor Augen. Der Wahlkampf ist Showbusiness. Von inhaltlichen Debatten will man nichts wissen, Stellung bezogen wird auf Twitter. Und keiner kann das besser als Donald Trump. Er ist als selbsternannter Heilsbringer, als Retter Amerikas in dieses Rennen eingestiegen. „I’m the man“ und niemand kann und darf neben ihm bestehen bleiben. Donald Trump wird sicherlich nicht der Kandidat der Republikaner werden, doch er setzt alles daran, dass nach ihm nur verbrannte Erde bleibt. Nicht für den eigentlichen politischen Gegner, sondern für die eigene Partei.