Schwarz gegen Weiß

Es brennt auf der Telegraph Avenue in Oakland.

Es brennt auf der Telegraph Avenue in Oakland.

In amerikanischen Städten gehen die Proteste unvermindert weiter. In New York, Ferguson, Oakland, Berkeley, San Francisco wird gegen Polizeigewalt demonstriert. Und während der Großteil der Teilnehmer friedlich und lautstark auf die Straßen geht, vereinnahmt ein gewaltbereiter Haufen die Medienberichterstattung. Gewaltbereite, vor allem weiße Jugendliche und junge Männer legen es auf Provokation, auf eine Auseinandersetzung mit der Polizei an. Dabei schlagen sie Scheiben ein, beschmieren Gebäude, zünden Müllcontainer an und zerstörende parkende Autos. Und gerade das wird der Protestbewegung nun vorgeworfen.

Schwarze Bürgerrechtler, „Community Leaders“, Pfarrer und Aktivisten werfen den Steinewerfern und Sprayern vor, eine breite Bewegung in Beschlag zu nehmen, lediglich ihren Spaß bei den Konfrontationen mit der Polizei haben zu wollen, den Grundansatz der Bewegung für ihre Ziele zu mißbrauchen. In Oakland griffen Schwarze in den Nachbarschaften selbst ein, stellten sich schützend vor kleine Läden, um die Vandalen abzuhalten. Viele der afro-amerikanischen Teilnehmer an den Demonstrationen sehen sich mittlerweile auch als Friedensstifter auf den Protestzügen.

Auf den Veranstaltungen sprechen darüberhinaus vor allem weiße Redner, auch das stößt den „African-Americans“ auf. In Berkeley wurde ein weißer Stadtrat ausgebuht, als er gegen die Polizeigewalt sprach. “Let a black person talk”, schrie jemand, “We’ve heard enough from Caucasian men”, ein anderer. Sowieso besteht der Großteil der Protestierenden aus weißen Amerikanern. Schwarze und Farbige sind in der Minderheit. Bürgerrechtler erklären, dass dies daran liege, dass viele Schwarze Angst hätten mitzumarschieren. Sie würden sich bei einer gewaltbereiten Demonstration unnötig in Gefahr begeben. Es gehe gegen Polizeigewalt, die Lage eskaliert, die Polizei greift mit allen Mitteln ein, Afro-Amerikaner werden so erneut und unnötig zum Ziel auf einer Demonstration genau gegen diese Polizeigewalt. Ein sinnloser Kreislauf.

Es wird nicht langweilig

Diesmal Berkeley. Dort, wo vor 50 Jahren die „Free Speech Movement“ begann, versammelten sich Hunderte von Protestierenden, um erneut durch die kalifornische Kleinstadt zu ziehen. Samstagnacht war es bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen einem Teil der Demonstranten und der Polizei gekommen. Ladenfronten wurden zerstört, Geschäfte geplündert, Polizeiwagen beschädigt. Schließlich feuerte die Polizei Tränengas ab, genau zu dem Zeitpunkt, als aus der Zellerbach Hall feingekleidete Konzertbesucher nach draussen kamen.

Polizeieinsatz während der Proteste in Berkeley.

Polizeieinsatz während der Proteste in Berkeley.

Was spät in der Nacht zum Sonntag endete, wurde am Abend fortgesetzt. Mehrere Hundert Demonstranten versammelten sich an der Universität, um wieder durch Berkeley zu marschieren. Man wolle sich von der Polizeitaktik und der Polizeigewalt nicht einschüchtern lassen, hieß es. Der große Teil der Protestierenden war gekommen, um friedlich gegen die jüngsten Entscheidungen von Grand Jurys zu demonstrieren. Zweimal waren unbewaffnete Schwarze durch den Einsatz weißer Polizisten umgekommen. In Ferguson wurde Michael Brown erschossen, in Staten Island, New York starb Eric Garner nachdem er in den Würgegriff genommen worden war.

Proteste entflammten im ganzen Land. Oakland, San Francisco und Berkeley wurden zu einem „Hotspot“. Friedliche Demonstrationen arteten in Provokation und Gewaltexzesse aus. Die Konfrontation mit der Polizei wurde von einem Teil der Teilnehmer gesucht, kleine lokale Läden beschmiert, beschädigt, geplündert. Die Reifen von parkenden Autos in Nachbarschaften wahllos aufgeschlitzt. Der Ansatz des zivilen Ungehorsams, eine Kommune lahmzulegen, wurde damit zunichte gemacht. Die Medien zeigten nur die Bilder der Gewalt, die brennenden Mülltonnen, die Reaktion der Polzei auf die Ausschreitungen. Vor laufenden Fernsehkameras wurden nur schreiende Protestierende gezeigt, gemäßigte und nachdenkliche Stimmen waren nicht zu erkennen.

Demonstrationen sind wichtig, sie zeigen, dass etwas in diesem Land nicht stimmt. Sie können die Diskussion unterstützen, die an anderer Stelle geführt werden muß. Doch der gewaltbereite und vermummte Block bei diesen Protesten schadet nur dieser Forderung nach Gleichheit vor dem Gesetz. Bei den Demonstrationen erklärten mir Teilnehmer, nur mit Gewalt sei in diesem Land etwas zu ändern, sprachen von Revolution und einer Massenbewegung. Wie bei „Occupy“ wird auch diese Protestwelle bald verebben. Und ändern wird sich am Ende auch nichts.

Was kauft man(n) am „Black Friday“

Der „Black Friday“, der Tag nach Thanksgiving, ist der Einkaufstag in den USA. An diesem Freitag wird der Weihnachtsverkauf eingeläutet, die Käufer werden mit massiven Sonderangeboten in die Läden gelockt. Vom Fernseher bis zur Spielekonsole, vom Sessel bis zum Regenmantel, es scheint, die Lagerhallen der Kaufhäuser müssen mit aller Gewalt geleert werden.

"America's Gun", das AR-15 Sturmgewehr ist eine der beliebtesten Schußwaffen in den USA.

„America’s Gun“, das AR-15 Sturmgewehr ist eine der beliebtesten Schußwaffen in den USA.

Und wenn so ein Tag wie der „Black Friday“ auch noch mit einem Ereignis, wie dem Urteilsspruch in Ferguson zusammen trifft, dann will auch die Waffenindustrie nicht zurückstecken und mitverdienen. Mit bis zu 30 Prozent Nachlass wurde „America’s Gun“ beworben. Die Unruhen in Ferguson, Oakland und anderen amerikanischen Städten, die aufgebrachten „schwarzen“ Mobs zeigten wohl einigen, man sollte sich besser auf den Tag X vorbereiten. 175.000 Waffen wurden an diesem „Black Friday“ verkauft. So viele Anträge gingen beim FBI ein, die prüfen müssen, ob der Käufer vorbestraft ist und somit keine Knarre erwerben darf. Damit gingen pro Sekunde drei Anträge bei den Behörden ein.

Doch die 175.000 Ballermänner, die da am Freitag verkauft wurden sind kein Rekord für die USA. Der wurde mit etwas mehr Feuerkraft am 21. Dezember 2012 aufgestellt. Wenige Tage nach dem Massaker an der Sandy Hook Grundschule. Damals propagierten Waffennarren, verblendete Verfassungshüter, Tea-Party Aktivisten, konservative Talk-Show Sprücheklopfer und das Sprachrohr der Rechten, FOXNews, dass der schwarze Sozialistenpräsident Barack Obama diesen „bedauernswerten Zwischenfall“ in Newtown, Connecticut wohl zum Anlass nehmen würde, um Amerikas beliebtestes Spielzeug zu verbieten. Waffen wurden gekauft, viele Waffen wurden gekauft, eine Rekordzahl an Waffen wurde gekauft.

Nun eben Ferguson, und wieder schnellen die Zahlen in die Höhe. Es wird geschätzt, dass in den USA rund 350 bis 400 Millionen Schußwaffen im Umlauf sind. Man schätzt lediglich, so genau weiß das eigentlich niemand. Der legale und illegale Waffenhandel in den USA floriert. Der letzte Freitag war wahrlich ein schwarzer Tag für die amerikanische Gesellschaft.

 

Feuer auf der Telegraph Avenue

Es brennt auf der Telegraph Avenue in Oakland.

Es brennt auf der Telegraph Avenue in Oakland.

Die zweite Nacht voller Proteste. Rund 3000 Demonstranten marschieren durch Oakland, fordern Gerechtigkeit für Michael Brown. Es sind zumeist junge Leute, die hier lauthals schreien „Shut it down for Michael Brown“. Das Ziel, Oakland lahm zu legen. An diesem Dienstagabend gelingt ihnen das auch weitgehend. Man solle weiträumig Downtown umfahren, heißt es im Verkehrsfunk.

Die Polizei hat aus der letzten Nacht gelernt und  umliegende Städte und erneut die Highway Patrol um Unterstützung gebeten. Mehrere Hundertschaften sind vor Ort, ein Polizeihubschrauber kreist über dem Marsch. Die meisten Teilnehmer sind friedlich, doch es gibt auch einen vermummten Block, die Parolen an Häuserwände, auf Ladenfronten, auf Bushhaltestellen sprayen. Je länger der Demonstrationszug andauert, um so aggressiver wird die Stimmung. Schließlich stürmen mehrere Hundert Demonstranten einen Böschung hinauf, die auf den Freeway 580 führt. Autos stoppen sofort, als sie die Menschen an der Seite sehen, die langsam auf die Fahrbahn drängen. Die Polizei ist schnell mit einem Großaufgebot vor Ort und drängt die Demonstranten zurück.

Unten werden bereits Feuer auf der Telegraph Avenue angezündet. Abfallcontainer liegen auf der Fahrbahn, daneben eine alte Matraze, sie brennen lichterloh. Ein Teilnehmer schmeisst mehrfach Steine und einen harten Plastikbehälter gegen die Fenster eines Drogeriemarktes, viele Geschäfte in Downtown Oakland sind an diesem Abend mit Brettern vernagelt. Die Situation kippt in diesem Moment.

Eindeutige Parole an eine Bushaltestelle gesprüht.

Eindeutige Parole an eine Bushaltestelle gesprüht.

Unter der Brücke parkt ein Auto, die Reifen werden einfach zerstochen. Das hier hat nichts mehr mit einer Demonstration für Gerechtigkeit für Michael Brown zu tun. Es geht nur noch um eine offene Konfrontation mit der verhassten Polizei, die immer wieder als „Schweine“ beschimpft und angepöbelt werden. Laute Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine werden auf die Beamten geworfen. An der nächsten Kreuzung gerät ein Polizeiwagen in die Mitte einer gewaltbereiten Gruppe, die die Chance gleich nutzen und den Wagen umwerfen will.

Weitere Mülltonnen werden angezündet, direkt vor einer Kirche ist die gesamte Straße ein stinkendes und loderndes Flammenmeer. Schließlich geht die Polizei geballt vor, drängt die Demonstrierenden zurück. In einer geschlossenen Kette schiebt sie mehrere Hundert Protestierende vor sich her. Der Großteil der Demonstranten hat sich bereits verabschiedet. Die zweite Protestnacht zieht sich zur Stunde noch hin, sechs Stunden nach Beginn. Oakland bekommt mal wieder die Schlagzeilen, die es eigentlich nicht verdient.

Ferguson ist überall

Die Demonstranten in Ferguson verlangen, dass der weiße Polizist angeklagt wird.

Die Demonstranten in Ferguson verlangen, dass der weiße Polizist Darren Wilson für die tödlichen Schüsse auf Michael Brown angeklagt wird.

Noch ist nichts klar. Noch hat sich die „Grand Jury“ nicht geäußert, ob der weiße Polizist Darren Wilson für die tödlichen Schüsse auf den unbewaffneten, schwarzen 18jährigen Michael Brown angeklagt werden soll. Am Freitag verabschiedeten sich die Mitglieder der Jury erst einmal ins Wochenende. Am Montag werden sie wieder zusammen kommen, um dann entweder weiter zu beraten oder eine Entscheidung zu fällen.

Im ganzen Land bereiten sich die Kommunen und Polizeieinheiten auf das vor, was da kommen könnte. Im Falle einer Nicht-Anklage wird davon ausgegangen, dass es zu massiven Unruhen in Städten quer durch die USA kommen wird. Oakland ist einer der Hotspots, der im Zentrum stehen wird. Die Hafenstadt gleich gegenüber von San Francisco hat eine große „Afro-American Community“. Schon nach den tödlichen Schüssen auf Oscar Grant und der geringen Haftstrafe für den BART Polizisten Johannes Mehserle kam es hier zu gewalttätigen und tagelangen Protesten. Der Fall Grant wurde in dem vielbeachteten Spielfilm „Fruitvale Station“ aufgerollt.

Oakland ist im Herzen der liberalen Bay Area, ein Zentrum des politischen Aktionismus. Hier wurde die Black Panther Party gegründet, hier entstand die „Free Speech Movement“, hier gibt es unzählige von politischen Grassroots Bewegungen. In Oakland gab es eines der größten „Occupy“ Camps, mitten in der Stadt, direkt vor dem Rathaus. Und Tausende Occupy-Demonstranten legten tagelang den Hafen von Oakland lahm. Das ganze Ausmaß lag auch daran, dass seit Jahren die Polizeireihen in Oakland ausgedünnt wurden. Fast 40 Prozent weniger Beamte waren für eine Stadt dieser Größe im Einsatz. Reagiert wurde meist nur noch auf Schießereien, bei Einbrüchen kam zumeist überhaupt kein Streifenwagen mehr vorbei.

Aus den vergangenen Protesten hat man gelernt, so heißt es. Die Polizei ist vorbereitet, hat sich mit umliegenden Dienststellen in anderen Städten, dem Sheriff (Bezirk) und der Highway Patrol (Staat Kalifornien) auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. Der öffentliche Nahverkehr wird bei Ausschreitungen sofort gestoppt, um keine weiteren, zum Teil gewaltbereiten Demonstranten nach Oakland zu lassen, Ein- und Ausfahrten der Freeways in Downtown werden blockiert werden. Alles Signale stehen auf Sturm. Gespannt wartet man auf die Nachricht auf Ferguson.

South Central LA – 20 Jahre danach

An diesem Sonntag jähren sich zum 20. mal die „Riots“, die Ausschreitungen in South Central Los Angeles. Am 29. April 1992 brannte der Stadtteil. Nachdem vier weiße Polizisten von einer Jury frei gesprochen wurden, die für das brutale Vorgehen gegen den Afro-Amerikaner Rodney King vor Gericht standen, wurde geplündert, gebrandschatzt, South Central ging in Flammen auf. Die schockierenden Bilder, wie ein Mob aus schwarzen Jugendlichen einen weißen LKW Fahrer aus seinem Laster zieht und ihn zusammenschlägt, wie Läden in der eigenen Nachbarschaft geplündert  und anschließend angesteckt wurden gingen damals um die Welt.

Am Freitagabend war South Central Los Angeles ruhig. Fast. Im 77. Revier der Stadt, in dem die Ausschreitungen vor 20 Jahren begannen, gehört Gewalt und Kriminalität einfach dazu. Ich bin mit Sergeant Rodriguez unterwegs, der mir vorab die Gangaktivitäten im Bezirk beschreibt. Hier die „40 Riders“, dort die „60 Riders“, die „Crips“, die „Bloods“, die „Hoovers“. Der ganze Stadtteil ist aufgeteilt, so, dass Schulkinder am Morgen Angst haben in die Schule zu gehen, denn sie müssen durch fremdes Ganggebiet, ein, zwei Blocks weiter.

Und doch meint Sergeant Rodriguez vieles hat sich verändert seit 1992. Damals ging die Polizei hart vor. Die Mordrate lag alleine in diesem Revierbezirk bei nahezu 200. In der ganzen Stadt bei fast 2000. Heute ist die Mordrate in gesamt LA auf unter 300 gesunken. Auch die Polizeitaktik habe sich verändert, meint der Beamte. Früher machte man sein Ding, heute versucht man viel mehr mit der „Community“ zu arbeiten. Respekt und Vertrauen stehe im Vordergrund. Ehemalige Gang Mitglieder werden nach Schießereien für Interventionen gerufen. Die Polizeiarbeit läuft hier anders und erfolgreicher als noch vor wenigen Jahren. Die Statistiken belegen das.

Sgt. Rodriguez fährt durch die Straßen, erklärt, wer hier und dort das sagen hat. Dann ein Notruf, ein bewaffneter Raubüberfall. Noch im Tageslicht wurde direkt vor einem Cornerstore ein Mann überfallen. Zwei junge Schwarze zogen eine Knarre, hielten sie ihm an den Kopf und verlangten Geld. Einfach so, schnell und einfach, es ist Freitagabend in South Central LA. Das ist nach wie vor Normalität in der Gegend, auch wenn sich vieles zum Positiven hin verändert hat.

Zwei Hubschrauber kreisen ständig über dem Bezirk, sind sofort über dem Einsatzort, wenn die Polizei im Einsatz ist. An diesem Abend kommen noch mehrere Polizeirufe über Funk. Mit Sirene und durchgetretenem Gaspedal rasen wir durch den Stadtteil. Jugendliche Gangmitglieder werden kontrolliert. Es liege was in der Luft, heißt es. Doch es bleibt ruhig in den nächsten Stunden. South Central LA bleibt ein Problemviertel. Die Polizei tut, was sie kann. Die Lösungen für die sozialen Probleme im Stadtteil müssen allerdings woanders gefunden werden.

The Best of Oakland!

Heute wurde in Los Angeles das Urteil gegen Johannes Mehserle gesprochen, der am Neujahrstag 2009 Oscar Grant tötete. Mehserle war in der Bay Area Polizist des U-Bahn Systems „BART“ und zog bei der Verhaftung seine Pistole und erschoß den am Boden liegenden Grant. Der Ex-Cop erklärte im Prozess, er habe aus Versehen seine Pistole gezogen, er wollte vielmehr seine „Taser Gun“ einsetzen und den Verhafteten zur Ruhe bringen, der sich widersetzte. Johannes Mehserle ist weißer Hautfarbe, Oscar Grant ein Afro-Amerikaner.

Oakland DowntownDer gesamte Zwischenfall wurde von Umstehenden mit Handy Kameras gefilmt und führte schon kurz danach zu Gewaltausbrüchen in Oakland. Johannes Mehserle wurde des Mordes angeklagt, heute jedoch erklärte eine Jury es sei nur „fahrlässige Tötung“, allerdings mit einer Waffe gewesen. Dieser Zusammenhang kann eine Gefängnisstrafe von 5-12 Jahren nach sich ziehen. Das Urteil wird Anfang August gesprochen. Die Familie von Oscar Grant zeigte sich enttäuscht und erklärte „das System habe erneut die Afro-Amerikaner im Land betrogen“.

Die Polizeieinheiten sind bereits in Oakland Downtown aufmarschiert und zeigen Präsenz. Anwohner, Ladenbesitzer und Angestellte fliehen aus dem Innenstadtbereich aus Angst vor erneuten Gewaltausbrüchen. Anarchistische und gewaltbereite Gruppen kündigten im Vorfeld des Urteilsspruchs Proteste an. Geschäftsinhaber haben schon am Wochenende ihre Ladenfronten mit Spanholzplatten abgesichert, um eingeschmissene Scheiben und Plünderungen zu verhindern, wie es sie beim letzten mal zahlreich gab. Gouverneur Arnold Schwarzenegger rief zur Besonnenheit auf. Bürgermeister Ron Dellums appellierte an alle Bürger: „Show the best of Oakland“….was auch immer das heißen soll!

UPDATE: Ich komme gerade nach Hause, war nach meiner Sendung noch in Downtown Oakland und dort ging es am Abend rund. Läden wurden geplündert, Steine und Flaschen flogen, die Polizei rückte massiv gegen gewalttätige, zumeist weiße, Jugendliche vor. Rund 100 Personen wurden festgenommen. Die Polizei erwartet ein heisses Wochenende in Oakland.

Unruhen in den Strassen von Oakland

Am Nachmittag sah alles noch nach einem friedlichen Protest aus. Eine Woche nach den tödlichen Schüssen auf den 22jährigen Oscar Grant in der U-Bahn Haltestelle Fruitvale in Oakland, fand genau an diesem Ort eine Demonstration statt. Gefordert wurde eine rasche Aufklärung, wie es zu dem tödlichen Schuss aus der Waffe des BART-Polizisten kommen konnte. Oscar Grant lag mit gefesselten Armen auf dem Boden, als der Polizist die Waffe zog und ihm in den Rücken schoss.

Mit Einbruch der Dunkelheit löste sich jedoch eine Gruppe von rund 200 Protestierenden und zog Richtung Downtown Oakland. Fensterscheiben gingen zu Bruch, Autos wurden beschädigt, Müllcontainer angezündet…die Polizei war kurz davor Tränengas einzusetzen. Die Situation in Oakland gleicht einem Pulverfass. Oakland ist eine „schwarze“ Stadt, das Opfer ebenfalls ein junger Afro-Amerikaner. Am Abend herrschte eine gespannte Ruhe. Oaklands Bürgermeister Ron Dellums stellte sich dem Demonstrationszug, nachdem er fast eine Woche lang zu den Vorfällen geschwiegen hatte. Doch immerhin konnte er erreichen, dass sich die Situation in Downtown etwas beruhigte.

YouTube Preview Image YouTube Preview Image YouTube Preview Image