Ein Schuß in den Ofen

Der Amoklauf von Isla Vista mit sieben Toten und 13 zum Teil Schwerverletzten ruft die Waffengegner auf den Plan. In Kalifornien wurde im Eilschritt eine Gesetzesinitiative eingebracht, die Angehörigen und der Polizei mehr Rechte einräumen sollen. Wenn jemand auffällig ist, sollen die Behörden die Möglichkeit haben Schußwaffen im Besitz der Person zu beschlagnahmen. Dieses Gesetz ist eine Antwort auf das, was am Freitagabend in der kleinen Strandgemeinde bei Santa Barbara passierte. Und es ist eine Initiative, die für die Katz‘ ist. Sie wird rein gar nichts bringen.

Elliot Rodger

Elliot Rodger

Heute lief ein Interview auf KQED mit der demokratischen Abgeordneten Nancy Skinner, die diesen Gesetzestext schrieb und einem Waffenbefürworter, Robert Farago. Und letzterer machte für mich mehr Sinn, als der Schnellschuß in den Ofen, der in Sacramento formuliert wurde. Denn Elliot Rodger hatte zuerst drei Menschen mit einem Messer erstochen, danach auf seiner Autofahrt gezielt Passanten mit seinem BMW angefahren und nebenbei auch noch geballert. Etwas zynisch fragte Farago, ob man denn per Gesetz vorschreiben möchte, einem Auffälligen auch Messer und Autoschlüssel wegzunehmen.

Elliot Rodger, wie ich bereits in einem früheren Blogeintrag vermerkte, ist kein gutes Beispiel dafür, dass strengere Gesetze in Zukunft irrsinnige Amokläufe wie seinen verhindern könnten. Der 22jährige hatte massive mentale Probleme, die erst spät erkannt und dann nicht beachtet wurden. Rodger wollte töten, auch ohne seine Schußwaffen richtete er Unschuldige hin.

Kalifornien ist der Bundesstaat mit den strengsten Waffengesetzen. Schon jetzt haben Polizei und Behörden Möglichkeiten, bei auffallendem Verhalten Waffen zu beschlagnahmen und ein Verbot des Waffenbesitzes für einen längeren Zeitraum auszusprechen. Was bei dieser Bluttat mehr heraussticht als der einfache Zugang zu Schußwaffen ist die Tatsache, dass ein sichtlich gestörter junger Mann, der damit auch nicht hinterm Berg hielt und Dutzende von Videos veröffentlichte, von einem „mental health system“ außen vor gelassen wurde. Nancy Skinner mußte in dem Interview zugeben, dass gerade in diesem Bereich in jüngster Zeit finanzielle Mittel eingespart wurden. Warum? Die Frage ist auch, warum die Eltern nicht weiter Druck ausübten, nachdem die Polizei Elliot Rodger besuchte und ihn als „höflich“ und „schüchtern“, aber nicht als Gefahr einstufte?

Die Waffengegner in den USA leisten sich gerade einen Bärendienst, wenn sie diesen Amoklauf als Anlaß nehmen, um die Waffenflut in den USA unter Kontrolle zu bringen. Die Flut ist schon lange nicht mehr einzudämmen. Die allgemeine Kriminalitätsrate in den USA ist gefallen, allerdings ist die Anzahl von Amokläufen in jüngster Zeit gestiegen. Das sollte zu denken geben. Amerika ohne Waffen ist ein schöner Traum, der nie umgesetzt werden wird und kann. Man sollte nun vielmehr daran gehen, ein System zu schaffen, dass solche Wahnsinnstaten vom Freitag verhindern kann. Darin sollte Geld und Energie investiert werden, nicht in „feel good“ Gesetzesinitiativen.