Mandela am Golden Gate

Nelson Mandela hatte eine enge Verbindung zur San Francisco Bay Area. Hier begann die Protestwelle gegen das Apartheid Regime in Südafrika, hier wurde lautstark die Freilassung des politisch Gefangenen ANC-Führers verlangt. Und diese Rufe waren im ganzen Land und darüberhinaus zu hören.

Als das Weiße Haus und der US Kongress in Washington sich nicht klar für Frieden und Freiheit am Kap der guten Hoffnung aussprachen, war der damalige Abgeordnete Ron Dellums eine einsame Stimme im Parlament, die allerdings nicht verstummen wollte. Er forderte schon in den Spätsiebzigern drastische Sanktionen gegen Südafrika. Die Menschen in der Bay Area organisierten sich, unterstützt von zahlreichen Prominenten. Sogar die Longshoremen, die Hafenarbeiter von Oakand, weigerten sich Schiffe aus Südafrika zu entladen. Ein Affront ohnegleichen. Die Protestfront war breit und hörbar. Sogar der damalige republikanische Gouverneur George Deukmejian forderte das Einfrieren der südafrikanischen Gelder im Land.

Die Rufe aus Kalifornien wurden im ganzen Land gehört, der Protest wuchs. Kurz nach seiner Entlassung aus der Haft besuchte Nelson Mandela die Bay Area. Am 30. Juni 1990 wurde Mandela im Football Stadium, dem Oakland Coliseum, triumphal von Zehntausenden empfangen.

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Mordstadt Oakland

Oakland MordZuerst die gute Nachricht. Vor einem Jahr lag in Oakland die Mordrate Ende November schon bei 115 Toten. Ein Jahr später ist sie leicht gefallen, am Wochenende wurde der 100. Ermordete auf den Strassen Oaklands aufgefunden, ein 52jähriger der mit Schusswunden in seinem Blut lag. Eine Meldung, die hier keinen mehr so richtig überrascht, erzürnt, nachdenklich macht. Man lebt in Oakland mit dieser Mordrate….oder genauer gesagt in East- und West-Oakland. Zwei Stadtteile, die besonders betroffen sind. Hier sind Schiessereien, Drogen- und Bandenkriege und Morde zur Normalität geworden. Kinder wissen, dass man sich ducken muss, wenn es ballert. Das gehört hier einfach dazu.

Als ich 1999 hierher zog lag die Rate gerade mal bei 68 Toten. Und „gerade mal“ in diesem Zusammenhang zu schreiben, ist schon komisch. Denn 68 Ermordete gelten in Oakland als ein Erfolg der Polizei- und Präventionsarbeit. Nach 1999 ging es steil bergauf, jedes Jahr weit über 100 Tote. Bürgermeister kamen und gingen, darunter solche politischen Schwergewichte wie Jerry Brown und Ron Dellums. Beide führten Wahlkampf mit der hohen Mordrate und versprachen diese zu senken. Aber nischte passierte. Sie brachten neue Polizeipräsidenten mit sich, schöne Worte und viele neue Strategien, aber am Ende war die Modernisierung der Innenstadt wichtiger als der Alltag in den sowieso runtergekommenen Stadtteilen. Jerry Brown war früher Gouverneur von Kalifornien, dann demokratischer Präsidentschaftskandidat. Wurde Bürgermeister in Oakland, danach Generalstaatsanwalt in Kalifornien und ist nun erneut im Gespräch als Gouverneur des Bundesstaates. Könnte ich wählen, ich würde ihm nicht mein Kreuzchen geben, denn er hat auf ganzer Strecke in dieser Stadt versagt. Und der Amtsinhaber Ron Dellums ist nicht viel besser. Lange Zeit Kongressabgeordneter für Oakland, er gilt als einer der einflussreichsten Afro-Amerikaner in den USA, enger Busenfreund der Clintons. Doch im letztjährigen Präsidentschaftswahlkampf war er mehr für Hillary Clinton aktiv, glänzte durch Abwesenheit, als die Mordrate 2008 auf 124 Tote anstieg.

Seitdem ich vor 10 Jahren nach Oakland zog, wurden auf den Strassen der Stadt nahezu 1500 Menschen ermordet. Hier gewöhnt man sich an solche Statistiken. Als ich mit der Bundeswehr nach Afghanistan reiste, versuchte ich meine Mutter mit dem Argument zu beruhigen, dass die Wahrscheinlichkeit in Oakland umgebracht zu werden um einiges höher liegt als in Begleitung der Bundeswehr am Hindukusch. Es ist wohl überflüssig zu sagen, dass Mutter Peltner dem Argument so gar nicht folgen wollte. „Ach, hör doch auf Arndt“, waren ihre Worte.

Na ja, man kann auch die gute Seite des ganzen sehen. Oakland ist nicht die gefährlichste Stadt Kaliforniens. Man soll ja auch mal über die guten Nachrichten berichten.

Drei tote Polizisten in Oakland

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Es war der tödlichste Zwischenfall für die Oakland Polizei und einer der schwerwiegendsten Polizistenmorde in Kalifornien. Am Samstagnachmittag stoppten Beamte ganz routinemässig ein Fahrzeug in East-Oakland, einer Gegend der Stadt, die seit Jahren unter Gewaltexzessen leidet. Der Fahrer des Wagens eröffnete gleich das Feuer auf die beiden Motorradpolizisten, tötete einen sofort, verletzte den anderen schwer und floh.

Danach suchten 200 Beamte der Polizei, der Highway Patrol, des Sheriff Departments und der BART Polizei nach dem Täter. Nach einem anonymen Anruf stellten Sondereinsatzbeamte schliesslich den 26jährigen, der wieder sofort zur Waffe griff und auf zwei Polizisten des SWAT Teams tödliche Schüsse abfeuerte, bevor er selbst getroffen wurde und noch am Tatort verstarb.

Das Motiv des Täters ist noch unklar. Bekannt ist nur, dass er auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden war, jedoch von der Polizei steckbrieflich gesucht wurde.

Oakland ist geschockt. Bürgermeister Ron Dellums rang am Samstag in einer ersten Pressekonferenz nach Worten. Gouverneur Arnold Schwarzenegger liess alle Fahnen im Bundesstaat auf Halbmast setzen.

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Mörderischer Wahnsinn ohne Ende

Deutschland ist geschockt. Der Amoklauf des 17jährigen Tim K. wirft immer wieder die Frage auf, wie kann so etwas passieren. Eine Antwort darauf wird es wohl nie geben. Doch die Debatten über Gründe der Gewalttat sind wichtig, denn sie zeigen, dass Gewalt nicht akzeptiert wird. Was kann getan werden, um so etwas in Zukunft zu verhindern? Helfen strengere Waffengesetze? Kann man betroffene Schüler schon vorher erreichen, bevor sie Unvorstellbares in die Tat umsetzen?

In Oakland starb in der letzten Nacht ein Mädchen. Niedergeschossen an der Ecke 64. Strasse/MacArthur Boulevard. Im Highland Hospital konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. Die Teenagerin ist bereits das elfte Mordopfer in diesem Jahr. 2008 wurden 124 Menschen im Stadtbereich von Oakland ermordet. Auf dem Online Portal von SF Gate kommentierte ein Leser die kurze Nachricht mit den Worten: „Wo ist der Aufschrei? Regen sich die Menschen in Oakland nur auf, wenn die Polizei jemanden erschiesst?“

Seitdem ich 1999 nach Oakland zog, ist die Mordrate pro Jahr fast gleich geblieben. Das heisst, in den zehn Jahren, seitdem ich hier in dieser Stadt wohne, wurden rund 1200 Menschen ermordet. Bürgermeister kamen und gingen, darunter so bekannte Namen wie der frühere kalifornische Gouverneur und jetzige kalifornische Staatsanwalt Jerry Brown und der einflussreiche ehemalige Kongressabgeordnete Ron Dellums, der auf Du und Du mit den Clintons und Obamas ist. Sie alle machten die hohe Mordrate zum Wahlkampfthema, versprachen ein Ende der Gewalt auf den Strassen. Nichts hat sich allerdings geändert…das Töten geht weiter.

Eine breite Diskussion, wie sie derzeit in Deutschland geführt wird, gibt es in den USA nicht. Denn sie würde an einem vermeintlichen Grundrecht wackeln, auf das sich viele Amerikaner stützen. Das Recht eine Waffe zu tragen, und das, obwohl es solch ein universales Recht in der amerikanischen Verfassung gar nicht gibt.