Die Qual mit der Wahl

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Drittparteien bei der US Wahl     

Amerika ist ein Zweiparteiensystem. Zumindest sieht es danach aus, zumindest berichten wir Korrespondenten fast ausschließlich über die Demokraten und die Republikaner. Doch so ganz stimmt das ja nicht. Es gibt auch andere Parteien und Kandidaten als Dems und Reps und Barack Obama und Mitt Romney. Klar, sie haben keine ernsthaften Chancen ins Weiße Haus einzuziehen, doch auch bei Bundestagswahlen wird das Kanzleramt zwischen zwei Parteien ausgemacht und man schaut auch nicht nur auf CDU/CSU und SPD. Das Schlimme im amerikanischen System ist, dass Drittparteien und -kandidaten einfach kommentarlos übergangen werden. Die Kontrolle der Demokraten und der Republikaner auf den Wahlgang und die Wahlberichterstattung ist erdrückend. Nur im Falle eines Milliardärs wie Ross Perot, der sich 1992 den Weg in die Medien erkaufte oder einer breiten Graswurzelbewegung im Jahr 2000, die Ralph Nader für die Grünen ins Rampenlicht katapultierte, erfahren die amerikanischen Wähler mehr über das erweiterte Feld der Kandidaten.

An diesem Wochenende fand zum Beispiel fast unbeachtet der Wahlparteitag der amerikanischen Grünen in Baltimore statt. Zur Kandidatin wurde die 62jährige Jill Stein aus Massachusetts gewählt, die schon in ihrem Bundesstaat 2002 gegen Mitt Romney in der Gouverneurswahl kandidierte. Stein setzt auf einen „Green New Deal“, in Anlehnung an den wirtschaftsfördernden New Deal in den 30er Jahren unter Präsident Roosevelt, nur eben unter grünen Vorzeichen. Ihre Themen im Wahlkampf sind eine grüne und soziale Umgestaltung der amerikanischen Gesellschaft. Als Vizekandidat hat sie Cheri Honkala gewählt, eine 49jährige Aktivistin und Anti-Armuts Expertin.

Doch neben den Grünen kandidieren auch noch folgende Parteien mit eigenen Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten. Und überraschenderweise gibt es im kapitalistischen Amerika auch einige sozialistische Parteien, die sich, wie ist es auch anders zu erwarten, untereinander Spinnefeind sind: America’s Party, Constitution Party, Grassroots Party, Justice Party, Libertarian Party, Party of Socialism and Liberation, Prohibition Party, Reform Party, Socialist Party USA, Socialist Equality Party, Socialist Workers Party. Hinzu kommen über 100 unabhängige Kandidaten, die zum großen Teil nur in jeweils einem Bundesstaat und als Einschreibungskandidat auf dem Wahlzettel antreten. Aber die Wahl ist da und vielfältiger als Obama gegen Romney.

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Drittparteien bei der US Wahl     

Der Portokassenpräsident

Donald Trump hat Geld, viel Geld, sehr viel Geld. Sein Immobilienimperium hat ihn reich gemacht. Und er hat das Geld auch noch anderweitig gewinnträchtig eingesetzt. Unter dem Namen Trump wird mittlerweile alles verkauft, von Wasser bis Wein, von Schokolade bis – wahrscheinlich – Haargel. Und Donald Trump hat obendrein seine eigene erfolgreiche Fernsehsendung auf NBC „The Apprentice“, in der er unter etlichen Kandidaten nach unzähligen und unsäglichen Tests einen für die Business Welt auswählt.

Der Mann ist g-g-gierig nach Publicity. Überall ist er zu sehen und jüngst auch auf den 24 Stunden Nachrichtenkanälen, denn Trump will nun ganz hoch hinaus. Schon seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, der 64jährige will nun auch politisch aktiv werden. Und nicht nur das, Trump greift gleich nach der Krone in den USA und will ins Weiße Haus. Die Republikaner seien eigentlich seine ihm nahestehende Partei. Doch falls die ihn nicht wollen, so Trump, sei er auch bereit als „Independent“ zu kandidieren.

Das wäre dann wieder eine gute Chance für Barack Obama noch weitere vier Jahre im Amt zu bleiben, denn schon zweimal in jüngster Zeit hat ein Drittkandidat die Wahl entschieden. Ross Perot 1992 und Ralph Nader 2000. Nun könnte Donald Trump den Republikanern gehörig die Suppe versalzen. Er ist aufgrund seines Lebenswandels und seiner Einstellungen in Fragen der Sozialpolitik kein Kandidat für die christlich-konservative Basis der Partei. Damit fehlt ihm die Mehrheit. Trump könnte also seine Drohung wahrmachen und als unabhängiger Anwärter in den Ring springen. Geld genug dafür hat der Milliardär.

Nun warten alle gespannt auf den 15. Mai, denn dann ist das Saisonfinale von „The Apprentice“. Aus dem Umfeld von Donald Trump wurde schon „ganz vertraulich“ gemeldet, dass er in der Sendung auch seine Kandidatur bekannt geben werde. Auf Amerika wartet ein neuer und ein sündhaft teurer Wahlzirkus 2012.