Der Absturz vor dem Genozid

Als am Abend des 6. April 1994 die Präsidentenmaschine im Landeanflug auf den Flughafen Kigali abgeschossen wurde, nahmen radikale Hutu in Ruanda das zum Anlaß mit dem Morden zu beginnen. Schon kurz nach dem Attentat auf den ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana wurden Straßensperren in Kigali errichtet, die ersten Mordkommandos zogen zu den Häusern gemäßigter Hutu und Tutsi und begannen mit ihrem blutigen Handwerk. Von dort weitete sich die Todeswelle im ganzen Land aus.

Soldat an der abgestürzten Präsidentenmaschine.

Soldat an der abgestürzten Präsidentenmaschine.

Wer hinter diesem Auslöser zu einem der größten und brutalsten Völkermorde im 20. Jahrhundert stand, war lange Zeit unklar. Die Franzosen, die eng mit der Hutu Regierung verwoben waren, schoben das Attentat auf die „Rwanda Patriotic Front“ (RPF), der Tutsi Exil-Armee. Die jedoch wies jegliche Verantwortung immer wieder weit von sich und beschuldige Hutu Extremisten im Land, einen Auslöser für das gezielte und geplante Morden gesucht zu haben. Was dafür spricht ist die Tatsache, dass radikale Kräfte der Hutu schon frühzeitig von einem Attentat auf Präsident Habyarimana sprachen und die Auslöschung der Tutsi dann unumgänglich sei. Der deutsche Pfarrer Jörg Zimmermann, der in Ruanda lebte, bestätigte diese Nachricht im NZ-Interview. Er erklärte, bereits Monate vor dem 6. April in der ruandischen Extremistenzeitung „Kangura“ von solchen Plänen gelesen zu haben.

Auch war lange Zeit klar, dass die Rakete, die die Präsidentenmaschine traf, von einer Armeebasis der ruandischen Armee im Stadtteil Kanombe abgefeuert wurde. Die RPF hatte zu dem Zeitpunkt keinen Zugang zu dem Gebiet. Interessanterweise waren in der Kaserne auch deutsche Militärberater der Bundeswehr untergebracht. Seit den 70er Jahren unterhielt die Bundesrepublik enge militärische Kontakte zu Ruanda. Eine Beratergruppe der Bundeswehr war vor Ort. Von Seiten Deutschlands wurde offiziell nie gefragt, was die Bundeswehrangehörigen gesehen, gehört oder mitbekommen haben. Falls es eine Untersuchung gegeben haben sollte, wurde diese nicht bekannt gemacht. Das politische Archiv des Auswärtigen Amtes unterliegt der Sperrfrist von 30 Jahren. Im Bundesverteidigungsministerium erklärt man lapidar, zu den Vorgängen in Ruanda seien keine Unterlagen mehr auffindbar. Auch auf die Frage, was vier Offiziere der deutschen Luftwaffe in Ruanda zu tun hatten, die am 5. April im berühmt-berüchtigten „Hotel Ruanda“, dem Hotel des Mille Collines, eincheckten und bereits am 6. April wieder auscheckten, konnte und wurde von Seiten des Verteidigungsministeriums nicht beantwortet.

Rund eine Million Menschen wurden in 100 Tagen in Ruanda abgeschlachtet.

Eine Million Menschen wurden in 100 Tagen in Ruanda ermordet.

Eine französische Untersuchungskommission, bestehend aus mehreren Richtern, kam nun zu dem Schluß, dass der Abschuß der Präsidentenmaschine von Hutu Extremisten durchgeführt wurde. Das vorhergehende Ergebnis des französischen Richters, Jean-Louis Bruguière, der die RPF verantwortlich machte, sei falsch. Dieser habe seine „Ergebnisse“ auf Falschaussagen und Verschwörungstheorien aufgebaut, so die Richter Marc Travidic und Nathalie Poux, die die jüngste Untersuchung leiteten. Bruguières Anschuldigung führten 2009 zu diplomatischen Spannungen zwischen Ruanda und Deutschland, als die ruandische Protokollchefin Rose Kabuye bei ihrer Einreise nach Deutschland verhaftet wurde. Richter Jean-Louis Bruguière hatte einen internationalen Haftbefehl gegen Kabuye ausstellen lassen, den deutsche Behörden pflichtbewußt ausführten.

In Ruanda wurde dieses neue Untersuchungsergebnis wohlwollend aufgenommen. Denn lange Zeit warfen Verschwörungstheoretiker der RPF und dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame vor, den Abschuß der Präsidentenmaschine selbst durchgeführt zu haben, um so den Krieg in Ruanda zu eskalieren. Damit hätten Kagame und seine RPF eine Mitschuld am Genozid, der am Ende rund einer Million Menschen das Leben kostete. Diese unsägliche Behauptung ist nun endlich vom Tisch.

Der Abschluß der französischen Untersuchung bedeutet jedoch nicht eine Antwort auf alle noch offenen Fragen. Die Hintergründe und auch Hintermänner der Ereignisse vor und während des Abschlachtens in Ruanda 1994 sind noch lange nicht geklärt. Es fehlt der internationale Wille, wie man am zögerlichen Verhalten Deutschlands nur zu gut erkennen kann, eine grundlegende Aufarbeitung überhaupt anzugehen.

Manager von Hotel Ruanda ausgezeichnet

Das Hotel Des Mille Collines in Kigali ist weltberühmt durch den Film „Hotel Ruanda“ geworden. Darin wird die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina beschrieben, der während des ruandischen Genozids verfolgten Tutsis und Hutus in seiner Herberge Unterschlupf und Schutz bot. Der Hollywoodfilm portraitiert Rusesabagina als einen Mann, der sich bewußt, entschlossen und energisch gegen die mordenden Banden vor seinem Tor stellte und somit vielen Menschen das Leben retten konnte.

Nach dem Genozid zog Paul Rusesabagina nach Belgien, wo er heute noch lebt und zu einem deutlichen Kritiker von Ruandas Präsident Paul Kagame wurde. Was der einstige Manager vor allem immer wieder anspricht ist die Tatsache, dass in jenen 100 Tagen 1994 nicht nur Tutsis umgebracht wurden, es also nicht ein reiner Genozid an dieser Bevölkerungsgruppe war. Rusesabagina weist immer wieder darauf hin, dass auch Tausende von Hutus umgebracht und abgeschlachtet wurden, die sich gegen diesen geplanten und gezielten Massenmord richteten.

Doch dieses Bild stößt der Regierung in Kigali auf. Schon länger setzen patriotische Gruppen Ruandas im Ausland jene unter Druck, die die offizielle Sichtweise Kigalis anzweifeln und auch die Kriegsverbrechen der RPF Armee unter General Kagame untersucht haben wollen. Auch Paul Rusesabagina ist ins Fadenkreuz der Ruander geraten, schon seit Jahren traut er sich nicht mehr in sein Heimatland zu reisen.

Als nun Paul Rusesabagina für den Menschenrechtspreis der Lantos Stiftung in den USA vorgeschlagen wurde, gab es heftige Proteste in Ruanda, Belgien, USA und Kanada. Der Organisation wurde vorgeworfen, einen Verfechter des  historischen Revanchismus auszuzeichnen, der mit seinen Äußerungen nur die Spaltung des ruandischen Volkes verfolge. Auch wird Rusesabagina von Seiten ruandischer Gruppen beschuldigt, 1994 nur dann Tutsis in sein Hotel gelassen zu haben, wenn sie dafür Tausende von Dollar zahlten. Er, Rusesabagina, habe sich also am Leid und der Not anderer bereichert und sei wahrlich kein Anwärter auf einen Menschenrechtspreis. Die Lantos Stiftung weißt diese Beschuldigungen zurück und erklärte, man habe genauestens recherchiert.

Paul Rusesabagina wurde nun in Washington trotz Proteste ausgezeichnet. Dafür, dass er als Manager des Hotels Des Mille Collines rund 1200 Tutsis und Hutus im Schlachthaus Ruanda das Leben rettete, als die Weltöffentlichkeit lieber wegschaute.

 

Immun, wenn genehm

Am 6. April 1994 wurde im Landeanflug auf den Flughafen der ruandischen Hauptstadt Kigali eine Maschine abgeschossen. An Bord waren der ruandische Präsident Juvenal Habyarimana und der burundische Präsident Cyprien Ntaryamira. Beide Hutus. Dieses Attentat eskalierte die Situation in Ruanda, die radikalen Hutu Kräfte im Land nahmen den Abschuss zum Anlass, mit Macheten, Speeren und Knüppeln gegen die Tutsi Minderheit vorzugehen. Ruanda glich in den folgenden 100 Tagen einem Schlachthaus, in dem am Ende rund eine Million Menschen ermordet wurden. Die Weltgemeinschaft schaute weg, allen voran der amerikanische Präsident Bill Clinton.

Die Eskalation in Ruanda führte auch dazu, dass der Führer der RPF Armee, Paul Kagame, massiv vom Norden her kommend auf Kigali marschierte. Die Hutus schlachteten sich durchs Land, gefolgt von der „Befreiungsarmee“ der RPF, die auch nicht gerade zimperlich vorging.

Der Abschuss der Präsidentenmaschine wurde nie aufgeklärt. Die radikalen Hutus im Land sahen eine Verschwörung der belgischen Armee mit der RPF. Als Antwort ermordeten sie zehn belgische UN Soldaten, was zum Abzug der Belgier und zu einer weiteren Eskalation führte. Von Seiten Kagames wurden die Hutus in der Regierung beschuldigt, die mit ihrem Schlachtruf „Hutu Power“ das Attentat als Auslöser für ihr Bluthandwerk nutzten. Doch die genauen Hintergründe wurden nie geklärt.

Die Witwen der beiden Präsidenten hatten im April 2010 eine Klage gegen Paul Kagame an einem Gericht im US Bundesstaat Oklahoma eingereicht, als dieser für eine Veranstaltung dort war. Sie beschuldigten den heutigen ruandischen Präsidenten, das dieser den Abschuss des Flugzeugs angeordnet hätte. Sie beriefen sich dabei auch auf einen Beschluß des Verfassungsgerichts von 1997, in dem damals der Prozess Clinton gegen Jones weitergeführt werden konnte, obwohl Bill Clinton als Präsident noch im Amt war und Immunität genoß. Doch Richter Lee West hat nun die Argumentation des Weißen Hauses und des State Departments gelten lassen, die massiv auf die Immunität Paul Kagames als ruandischer Präsident verwiesen. Das Gericht habe keine Zuständigkeit, so Washington. Mit der Klage wurden auch die Hoffnungen vom Tisch gewischt, endlich heraus zu finden, wer hinter dem Attentat vom 6. April 1994 steckte….und vielleicht auch, wer schon lange mehr wußte, als er zu gibt.

Ruanda zwischen Himmel und Hölle

Ruanda das Land der tausend Hügel. Powerhouse in der Gegend der Großen Seen. Afrikanischer Hoffnungsträger. Die Wirtschaft boomt, das Land ist auf Kurs mit einem visionären Präsidenten Paul Kagame. Alles scheint nach Plan zu laufen, sogar die Wahlergebnisse von 93 Prozent für den Amtsinhaber deuten scheinbar darauf hin, dass die Ruander diesen eingeschlagenen Weg gehen wollen. Ob sie möchten oder nicht.

Die Kritik an Kagame und seinem Kurs kommt nur verhalten, und dann auch nur von außen. Die ausländischen Medien reden von unterdrückter Meinungs- und Pressefreiheit, sprechen von Unterdrückung der Opposition und politisch Andersdenkender. Doch die kritischen Worte werden noch nicht mal in den Hauptstädten von Berlin bis Washington wahrgenommen. Man schaut weg, übersieht, wie man das schon immer mit Ruanda getan hat.

Genozid Memorial an einer Kirche in KibuyeDoch in diesem Land und dieser Region kann man nicht einfach wegschauen. Zu gegenwärtig ist das, was vor 16 Jahren passierte. Der Massenmord an den Tutsis, die systematische Auslöschung einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Egal wohin man in Ruanda auch fährt, man stößt überall auf die Orte des Schreckens. Kirchen, Plätze, Schulhäuser, Krankenhäuser. An den wunderschönsten Orten wurden Menschen zu tausenden brutalst abgeschlachtet. In Ruanda entkommt man dem Grauen nicht, es sei denn man will ganz bewußt nicht das wahrhaben, was hier geschehen ist. Doch dann ist man in Ruanda fehl am Platz.

Das seltsame im Ruanda des Paul Kagame ist, dass seit gut eineinhalb Jahren nur noch vom Morden an den Tutsis gesprochen werden darf. Doch damals zwischen April und Juli 1994 wurden auch moderate Hutus von den Radikalen Hutu Milizen umgebracht, vernichtet, abgeschlachtet. Es gab viele, die den Wahnsinn verhindern, die einschreiten, die schützen wollten. Doch auch sie wurden Opfer der Macheten, Speere und Knüppel. Aber darüber darf im heutigen Ruanda nicht berichtet werden.

Auch nicht darüber, dass Paul Kagames Rebellenarmee RPF beim Vorrücken auf Kigali und der Vertreibung der Hutu Milizen aus Ruanda ebenfalls Massaker an Zivilisten begangen haben soll. Kaum wird hier über das Vorgehen der ruandischen Armee unter ihrem Präsidenten Kagame im Kongo gesprochen. Auch dort fielen viele Zivilisten den in den USA ausgebildeten und geschulten RPF Kämpfern zum Opfer.

In den westlichen Hauptstädten der EU, der USA und Kanadas geht man mit der (Erfolgs)geschichte Ruandas etwas einseitig um. Der Besuch des Genozid Memorials in Kigali gehört für westliche Politbesucher zum Pflichtprogramm. Durchaus drängende und offene Fragen werden danach leider nicht gestellt.

Granatenangriff im Freudentaumel

Nur Stunden nach der offiziellen Bekanntmachung der Wahlergebnisse explodierte in Kigali eine Granate. Um kurz nach 19 Uhr im Berufsverkehr wurde der Sprengsatz gezündet. Eine Granate wurde mitten in wartende Berufspendler an der Hauptbushaltestelle in Downtown Kigali gerollt. Sieben Menschen, darunter zwei Kinder, wurden zum Teil schwer verletzt.

Wer hinter dem Anschlag steht ist unklar und auch das Motiv selbst ist fraglich. Bereits im März und Mai gab es ähnliche Granatenanschläge in Kigali. Die Attentate sind keine gezielten Angriffe gegen die Regierung oder Regierungseinrichtungen, vielmehr richten sie sich wahllos gegen die Bevölkerung. Das einzige Ziel, was man vermuten kann ist, dass Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung geschürt werden soll. Allerdings führen solche Explosionen nur dazu, dass die Menschen in Ruanda ein härteres Durchgreifen von Präsident Paul Kagame fordern und unterstützen.

Am Morgen nach dem Anschlag ist alles wieder ruhig in Downtown Kigali. Der Verkehr fließt, die Menschen hasten zur Arbeit. Nur ein paar mit Soldaten beladene Militärlaster deuten auf die erhöhte Sicherheitsstufe in der ruandischen Hauptstadt hin.

Nun ist es amtlich

Paul Kagame Wahl 2010Was für eine Zitterpartie für Amtsinhaber Paul Kagame. Der ruandische Präsident wird wohl bei der Stimmabgabe Wasser und Blut geschwitzt haben, doch nun kann er sich für sieben weitere Jahre gelassen in seinem Chefsessel zurück lehnen. Das amtliche Endergebnis ist da. 93 Prozent der Wähler votierten am Montag für ihn. 87,75 Prozent hinter ihm liegt der Zweitplatzierte, der Sozialdemokrat Jean Damascene Ntawukuriryayo mit 5,15 Prozent der Wählerstimmen. Das kann man getrost einen Kantersieg nennen.

Interessanterweise waren Kagames drei Mitbewerber um das Präsidentenamt alle mit der Regierungspartei FPR verbandelt. So eine richtige Opposition oder Alternative gab es bei dieser Wahl nicht. Auch die Wahlbeteiligung von 97,5 Prozent deutet darauf hin, dass die Ruander den Wahltag zum Kagametag erhoben.

In Ruanda selbst wurde die Wahl bereits abgehakt, zwar hört man noch immer den „catchy“ Wahlsong „Tora Tora Kagame“ im Hitradio, aber ansonsten blickt man voraus. Und auch die internationalen Kritikerstimmen werden schon bald verstummen. Zu wichtig ist Ruanda in Ost- und Zentralafrika, um sich mit so läppischem Wahlgedöns rumzuschlagen. Der Kagamekurs wird also weiter der ruandische Weg bleiben.

Ruanda nach der Wahl

Alles ist wieder ruhig in Ruanda. Die Siegesparty der FPR und Präsident Paul Kagames dauerte bis in die frühen Morgenstunden des Dienstag. Viele der rund 60.000 Jubelnden gingen direkt vom Amahoro National Stadium in Kigali zur Arbeit. Die staatlich Bediensteten bekamen einfach frei, Paul Kagame verkündete das in der Wahlnacht. Dass das ein deutliches Indiz für die Verstrickung von Staat und Regierungspartei sein könnte, interessierte niemanden. Ruanda war im ausgerufenen Freudentaumel.

Paul KagameAm Dienstag berichteten die nationalen und internationalen Medien von einem „Erdrutschsieg“ Kagames. Was daran ein Erdrutschsieg sein soll verstehe ich allerdings nicht. Vor sieben Jahren bekam Paul Kagame 95,5 Prozent der Wählerstimmen. Diesmal sieht es nach offiziell rund 93 Prozent aus. Die anderen drei Kandidaten endeten unter ferner liefen. Wer behauptet, dieses Ergebnis sei überraschend, der verkennt die Situation in Ruanda. Zwar wird hier überall und jederzeit davon gesprochen, dass die Wahlen im Land fair, offen und demokratisch gewesen seien. Doch viele Zu- und Mißstände deuten darauf hin, dass diese Wahl eben mehr ein Schaulaufen war, um die internationalen Unterstützer des Kagame-Weges zu beruhigen: Schaut her, Ruanda hat sich vom Massenmordstaat zur afrikanischen Vorzeigedemokratie gemausert.

Egal, was die zahlreichen internationalen Korrespondenten auch berichten werden, die sich in den letzten Wochen und Monaten intensiv mit Ruanda und der bevorstehenden Wahl beschäftigten. Gleich, was die internationalen Wahlbeobachter bemängeln, kritisieren oder auch nur dokumentieren werden, ändern wird das nichts. Die Europäer und die Amerikaner brauchen ein stabiles und florierendes Ruanda. Und das verspricht Präsident Paul Kagame. Er hat das Land auf einen sicheren Kurs gebracht. Die Wirtschaft boomt, der Aufschwung ist überall sichtbar. Ruanda heute ist zu einem Powerhouse in der Region der Großen Seen, Präsident Paul Kagame zu einem einflußreichen Politiker in Afrika geworden. Da kann man, da wird man schon mal über so mache Ungereimtheiten im Wahlkampf und bei der Wahl selbst hinwegblicken.

kagame94Paul Kagame war noch nie ein buckelnder Bittsteller. Er ist ein souveräner, überzeugter und auch stolzer Ruander. Schon 1994 als Führer der RPF Armee war er auf sich gestellt, um Ruanda zu befreien und dem blutigen Gemetzel der Hutu-Milizen ein Ende zu setzen. Und genauso regiert er. Kagame macht der internationalen Gemeinde deutlich, dass man Ruanda nicht mehr als Dritte Welt Land sehen soll, vielmehr als ein Land, in dem Visionen umgesetzt werden, ein Land, dass wirtschaftlich und politisch nach vorne sprintet. Mit dieser Wahl hat Kagame erneut unterstrichen, dass Ruanda einem eigenen, seinen Weg folgt. Wem das nicht passt, der kann sich zum Teufel scheren.

„Tora, Tora Kagame“

Das Stadion war hell erleuchtet. Weit über 50.000 Menschen drängten sich zuerst auf die Ränge und dann auch in das Innere des Stadionrunds. Mehr als 90 Prozent davon männlich und der Großteil unter 25 Jahren alt. Kigali feierte am Montagabend den Wahlsieg der Regierungspartei FPR mit ihrem Kandidaten Präsident Paul Kagame. Erste Hochrechnungen lagen bei 92,9 Prozent der Stimmen für den Amtsinhaber. Ein sattes, aber mehr als zu erwartendes Ergebnis für Kagame.Wahlparty im Stadion von Kigali

Im Stadion herrschte Partystimmung. Auf einer aufgebauten Bühne scratchte ein Rapper vor sich hin, Sänger und Sängerinnen wechselten sich mit hippigen Parteiliedern ab, um die Menschenmenge in Stimmung zu bringen und zu halten. Die tanzten ausgelassen und sangen mit. Auf den ersten Blick hätte es sich auch um ein Hip Hop Konzert handeln können. Nur die vielen T-Shirts mit dem Bild von Präsident Paul Kagame und immer wieder der lauthals herausgebrüllte Refrain „Tora, Tora Kagame“, „Wählt, wählt Kagame“, machte deutlich, dass es sich hier um eine Veranstaltung der siegreichen Regierungspartei handelte.

Der Sieger kam denn auch endlich um halb eins in der Nacht in gelber Hose, blauem Blouson und Baseballmütze. Doch wer nun erwartete, dass Kagame eine Siegesrede halten würde, weit gefehlt. Er tänzelte strahlend auf einer extra Bühne vor der Ehrentribüne herum, lüpfte hin und wieder sein Cappy und winkte der Menge zu, die jubelnd antwortete. Die Musik lief weiter, zum zigten Male wurden die Kampflieder der FPR gesungen: „Tora, Tora Kagame“. Erst um drei Uhr morgens dankte Paul Kagame seinen Unterstützern und erklärte den Sieg, als einen Sieg für die Entwicklung Ruandas. Um halb fünf am Morgen dann ein Feuerwerk auf den Gewinner. Man weiß, wie man feiert in Kigali.

Die Tanz- und Gesangveranstaltung im Stadion zeigte die Stärke der FPR und des Präsidenten Paul Kagame. Die Jugend steht hinter ihm. Doch gleichzeitig ist dies auch eine große Gefahr, denn diese jungen Menschen wollen Teil haben an den Versprechungen Kagames und der Zukunft des überbevölkerten Landes. Der Präsident redet vom Wirtschaftsboom, vom Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur, von der Einheit des Landes. Und tatsächlich ist Ruanda ein sicheres Land, überall wird gebuddelt und gebaut. Entlang der Strasse nach Kibuye im Westen des Landes graben Hunderte von jungen Arbeitern einen Graben, in dem neue Kabel verlegt werden. Die Hauptstraßen in der Hauptstadt Kigali bekommen gerade eine neue Asphaltdecke und gleich zwei fünf Sterne Hotels werden hochgezogen. Ein neuer Flughafen ist in Planung, Ruanda ist auf der Überholspur in die Zukunft.

Paul Kagame hat den Weg vorgegeben. Die internationale Unterstützung aus den USA, China und Europa ist ihm sicher. Die Wahlen haben gezeigt, dass der Präsident Ruanda fest im Griff hat. Die nächsten sieben Jahre werden nun entscheiden, welchen Weg Kagame gehen wird. Schafft er es, Ruanda als leuchtendes Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent voran zu bringen, das Land zu demokratisieren und die Region zu befrieden? Oder entwickelt sich Paul Kagame auch zu einem „big African man“, wie es sie so viele in Afrika gab und gibt?

Die Kritik an Kagame kommt vor allem von außen. Von der New York Times bis zur taz wird der Präsident kritisiert. Vom Polizeistaat, von der eingeschränkten Pressefreiheit und der Unterdrückung der Opposition ist die Rede. Das alles hat die Zehntausende von jungen Menschen im Stadion von Kigali in der Wahlnacht nicht interessiert. Für sie ist Paul Kagame der Mann, der ihnen Wohlstand und eine sichere Zukunft bringen wird…“Tora, Tora Kagame“.

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Der Gottgesandte

80.000, 95.000, 100.000 Menschen…in solchen Dimensionen finden die Wahlveranstaltungen der Regierungspartei FPR mit ihrem Kandidaten Paul Kagame statt. Die Tageszeitungen sind voll mit Huldigungsbeiträgen über den Präsidenten. Die größte englischsprachige Zeitung Ruandas „New Times“ liest sich dieser Tage wie das Parteiorgan der FPR.

Wahlkampf in RuandaKagame pendelt durchs Land und wird überall von jubelnden Menschenmassen empfangen. Er beschreibt sich selbst als „Stütze für Einheit, Demokratie und Entwicklung“. Nur er stünde für den eingeschlagenen Weg der Ruander. Was Ausländer über ihn sagen sollte niemanden in Ruanda stören. Was zähle sei die Entwicklung der letzten sieben Jahre, seitdem er Präsident ist.

Und die Jubelgesänge sind überall zu hören. Organisierte Parteiveranstaltungen in den Stadtteilen und Dörfern belegen schon jetzt den sicheren Ausgang der Wahl für Paul Kagame. Unterstützer preisen ihn als „Helden“, als „grossen afrikanischen Führer“, als „von Gott gesandt“. Und sie sehen ihn auf einer Stufe mit Martin Luther King und Barack Obama.

Hier noch ein aktuelles Interview der BBC mit Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo über die Situation vor den Wahlen und die Kritik aus dem Ausland:

BBC Interview     

Im Herzen Afrikas

Da bin ich nun wieder in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Es ist heiss, es ist staubig, seit drei Monaten hat es nicht geregnet. An allen Ecken wird gebaut, die Straßen neu geteert, Kigali, so scheint es, ist eine boomende Stadt.

Und überall sieht man das Konterfei von Präsident Paul Kagame. Auf riesigen Billboards, auf Postern an Tankstellen angebracht, auf den Titelseiten der Zeitungen. Autos fahren mit den FPR Fahnen seiner Partei durch die Gegend. Am kommenden Montag sind Wahlen. Kagames Wiederwahl ist ungefährdet. Vor sieben Jahren wurde er mit 95,5 % der Stimmen gewählt.

Über die Situation und die Atmosphäre hier und über das bevorstehende Votum werde ich in den kommenden Tagen an dieser Stelle mehr berichten.