Die Welt spielt verrückt

Der Führer der Zorn-Republik. Foto: Reuters.

Schnee in Texas, ausufernde Brände in Kalifornien, Politiker links und rechts, die ihren Job wegen sexueller Belästigung verlieren, ein republikanischer Senatskandidat wird wohl trotz schlimmster Beschuldigungen und das mit präsidialer Unterstützung gewählt werden und der „greatest groper“ von allen sitzt weiterhin im Weißen Haus. Irgendwie spielt gerade alles verrückt. Am Jahresende geht es noch einmal so richtig rund.

Wer hoffte, Donald Trump würde im Laufe seiner Amtszeit etwas gemäßigter werden, den populistischen Rechtsaußenton ändern, der sieht sich immer mehr getäuscht. Eigentlich müsste man ja sagen, so ist es gut, denn Donald Trump hat sich im Wahlkampf nicht verstellt, hat seine Wahlversprechen gegeben, die er jetzt nach und nach abarbeitet. Niemand kann also behaupten, er hätte nicht geahnt, was da auf uns zukommt. Wer für Trump gestimmt hat, der ist für Trump verantwortlich. Wer nicht zur Wahl gegangen ist, der sollte lieber den Mund halten und sich nicht beschweren. Anstatt zu klagen, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu informieren, zu organisieren, die schnelle Abwahl der Trumpschen Kongresssoldaten im kommenden Jahr und ihres Führers 2020 vorzubereiten.

Vor dem selbstverliebten Donald Trump wurde jahrelang gewarnt, wer das nicht hören wollte muss nun damit leben. Trump versteckte sich nicht, sprach das aus, was er dachte, für was er stand. Rechtspopulistisches Gefasel, das die USA auf eine gefährliche Spur gebracht hat. Nun setzt Trump zu Überholmanövern an, die dieses Land, diese Gesellschaft und die internationale Gemeinschaft mehr als gefährden.

Amerika ist nicht erst seit Donald Trump tief gespalten. Spätestens seit der republikanischen Revolution unter Newt Gingrich Mitte der 90er Jahre war offensichtlich, dass es tiefe Gräben in diesem Land gibt. Man musste nur Talk Radio hören, die schreienden „Radioheads“ Rush Limbaugh, Michael Savage, Sean Hannity und andere oder den offiziellen GOP-Sender Fox News sehen, der die Kandidatur von George W. Bush aktiv unterstützte. Der Graben war schon damals tief und wurde nur noch tiefer. Mit Barack Obama im Amt und Trumps Kandidatur wurden all diese Gräben noch betoniert. Eine Einheit, ein Zusammenkommen ist gar nicht mehr vorstellbar. Die USA werden nicht aus der Mitte heraus regiert. Das politische Pendel schlägt hier immer weiter aus, unter Donald Trump wurde das Zentrum des politischen Diskurses massiv nach rechts verlagert

Der Radiokönig mag den Immobilienhai nicht

Vor etlichen Jahren, als ich noch eine Antenne am Auto hatte, war ich begeisterter Mittelwellenhörer. Talk Radio war für mich die beste Unterhaltung auf der Fahrt. Die konservativen und politisch abgedrifteten Sean Hannity und Rush Limbaugh, Michael Savage und Barbara Simpson. Und nachts „Coast to Coast AM“ mit Art Bell und George Noory, die über UFOs, Außerirdische, Spuk und Geister, Leben nach dem Tod und allerhand Übernatürlichem sprachen.

Irgendein Depp hat mir jedoch die Antenne abgebrochen, damit änderten sich auch meine Hörgewohnheiten im Auto. Wenn ich heute mal durch Zufall die konservativen Talk Show Köpfe anhöre, kann ich so gar nicht verstehen, wie ich das früher manchmal für Stunden hören konnte, nein, wie ich das ausgehalten habe. Ein Geschrei ist das, ein Geschimpfe, ein Gezeter und an allem sind Barack Obama und Hillary Clinton Schuld. Sean Hannity ist nicht nur in seiner Talksendung, sondern auch in seiner Fernsehsendung auf FOXNews zum Sprachrohr von Donald Trump geworden. Das ist eine Lobhudelei, wie man sie nur selten vernehmen kann.

Rush Limbaugh mit seiner späten Einsicht über Donald Trump. Foto: Reuters.

Rush Limbaugh mag Donald Trump nicht. Foto: Reuters.

Heute jedoch las ich in einem Artikel – und hörte es mir dann auch selbst an -, dass der König der Rechtsaußenmoderatoren, der selbsternannte Hüter der konservativen Werte, Rush Limbaugh, zugab, dass Trump eigentlich kein Konservativer sei, damit kein richtiger Kandidat für die republikanische Partei. Die Einsicht kommt reichlich spät, gerade auch, wenn man

bedenkt, dass viele in der konservativen Bewegung und auch in der Partei monatelang im Vorwahlkampf die Quasselköpfe im Talk Radio händeringend gebeten hatten, doch endlich mal Klartext über Trump zu reden. Doch nichts geschah. Einer nach dem anderen der eigentlichen konservativen Kandidaten stieg aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Am Ende blieb Donald Trump stehen, der so gar nicht in das Bild der republikanischen Partei passte und passt. Limbaugh hatte sich einfach zu lange auf Hillary Clinton eingeschossen, ohne die Konsequenzen seiner Trumpschen Sprachlosigkeit zu erkennen.

Limbaugh erklärte nun seiner Millionenhörerschaft, dass einige der von Trump vorgeschlagenen Sozialprogramme nichts, aber auch gar nichts mit einer konservativen Überzeugung zu tun hätten. Rush Limbaugh hat durchaus Einfluss, aber erreichen wird er mit seinem späten Klarblick nicht viel. Das Problem ist nämlich nun, dass viele Republikaner und Konservative im Land sich eigentlich eingestehen müssten, dass Limbaugh richtig liegt, was bedeutet, dass sie sich in den letzten Monaten vom Schmierentheater des Donald Trump einlullen ließen. Das, so denke ich mal, werden nicht viele tun. Auch ist die Alternative Hillary Clinton für sie Welten entfernt. Eher würden sie sich die Hand abhacken, als ihre Stimme der verhassten Demokratin zu geben. Das Kasperltheater, das man hier Wahl nennt, dauert weiter an.

So einfach ist das mit der Außenpolitik

Wenn einer eine Reise tut....dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Wenn einer eine Reise tut….dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Eigentlich wäre ich ja wie geschaffen für den Job als amerikanischer Präsident. Zumindest, wenn es nur um die „Außenpolitik“ ginge. Immerhin habe ich schon ein paar Länder außerhalb der USA bereist und zweitens auch schon Flüchtlingslager besucht. Eine gute Basis für „internationale Erfahrungen“. Damit liege ich im Feld der Möchtegernpräsidenten weit vorne. So zumindest muß man die jüngste Reise von Präsidentschaftskandidat Ben Carson einschätzen. Der Neurochirurg Carson, der in vielen Umfragen noch immer auf dem zweiten Platz im republikanischen Kandidatenkarussell liegt, ist nun überraschend nach Jordanien gereist, um dort zwei syrische Flüchtlingslager zu besuchen. Damit, so Vertraute Carsons, wolle sich der Kandidat außenpolitisch als interessiert und „erfahren“ darstellen. Denn immer wieder wurden die Stimmen laut, dass Ben Carson zwar ein netter Kerl, ein guter Konservativer sei, aber außenpolitisch sei er wohl in einer Zeit wie der unseren der falsche Mann. Unerfahren, ja, richtig blank auf dem internationalen Parkett. Sogar führende konservative Meinungsmacher, wie der Radio Talkshow Moderator Rush Limbaugh und der  FOXNews Kommentator Charles Krauthammer erklärten, Carson sei aus diesem Grund unwählbar. Die Anschläge in Paris hätten noch einmal gezeigt, dass man kein globales Greenhorn ins Oval Office setzen sollte.

Die Reise nach Jordanien ist nun also etwas für den Wahlkampf. Schaut her, ich kenne mich im Syrienkonflikt aus. Carson selbst meint dazu: „Ich finde, man bekommt einen stärkere Eindruck, wenn man die Dinge selbst sieht, als sie nur erzählt zu bekommen.“ Stimmt schon, lieber Ben, allerdings kann man als amerikanischer Präsident nicht überall hin reisen, um sich zu informieren. Da ist man auf die Beschreibungen und Berichte anderer angewiesen.  Aber egal, so kann man also mitreden in den USA, so kann man schließlich Präsident werden.

Daneben will Ben Carson auch noch die Evangelikalen im Land erreichen, denn sie sind in der Flüchtlingsfrage hin und her gerissen. Sie wollen helfen, doch wissen nicht genau wie. Nur den Christen aus Syrien, wie es einige fordern, oder allen, egal welcher Glaubensrichtung. Der Chor in den USA ist laut, der verlangt, man solle helfen, aber bitte keine Flüchtlinge ins Land holen. Ben Carson wird dazu sicherlich bald etwas sagen. Er ist ja dann Experte in Sachen Syrienkrise, Flüchtlinge, Vertreibung, Terrorgruppe ISIS.

Der Wahnsinn der Nullnachrichten beginnt

HIllary Clinton geizt beim dem Trinkgeld.

HIllary Clinton geizt beim Trinkgeld.

Au weia! Eineinhalb Jahre Nullnummer und Nullnachrichten liegen vor uns. Jedes Wort, jede Bewegung, jede Geste der Kandidaten wird auf die Goldwaage gelegt. Und allen voran Hillary Clinton. Die ist derzeit nach ihrer offiziellen Verkündung ihrer Kandidatur auf einer Promotour durch jene Bundesstaaten, die zuerst die Vorwahlen haben. Und da passierte es, in Iowa machte ihr Bus vor einem Chipotle Halt, das ist ein mexikanisches Fast Food Restaurant. Hillary und ihre Mitarbeiterin bestellten „chicken burrito bowl, a chicken salad, a blackberry Izzy, and a soda“, wie der Manager des Betriebs danach erklärte. Doch dann geschah es, weder Hillary Clinton noch ihre Begleiterin ließen ein Trinkgeld zurück. Sowieso zahlte die Clinton Begleiterin. „Ihre Rechnung war etwas über 20 Dollar, sie zahlten mit 21 Dollar und steckten das Wechselgeld ein“, so der Restaurantleiter gegenüber der Presse.

Unglaublich! Da ist doch Hillary Clinton auf einer Tour durch die USA, um mit den Bürgern und dem Volk zu bandeln und dann hinterlässt sie nicht einmal ein Trinkgeld bei denen, die es nötig haben. Die Konservativen stürzten sich darauf. Talk Show Moderator Rush Limbaugh machte damit in seiner Sendung auf. Vor wenigen Monaten habe Clinton noch 300.000 Dollar pro Auftritt erhalten und nun könne sie nicht einmal einen Dollar Trinkgeld hinterlassen, so der wortgewaltige Obama und Clinton Hasser. Falsch sei sie, eine Heuchlerin, „out of touch with the American people“, so auch die einhellige Meinung auf FOXNews.

Leider wird dabei übersehen, dass man eigentlich kein Trinkgeld in einem Fast Food Restaurant hinterlässt. Doch auch wenn man das tut, oder eben auch nicht tut, warum ist das nun eine nationale Schlagzeile? Hillary Clinton ist weder Mutter Theresa noch ein heilsbringender Engel. Sie ist Politikerin und kandidiert fürs Weiße Haus. Sie sollte, wie jeder andere Kandidat und Politiker auch, an ihrer und seiner Arbeit gemessen werden. An den Ideen, Inhalten und Konzepten des Wahlkampfs. Doch darauf kommt es wohl wieder einmal nicht an. Es wird ein drei Milliarden Dollar Wahlkampf werden, in dem es mehr um Trinkgeld, Kleidung, Essen und Gesten gehen wird, als um eine sinnvolle und inhaltliche Debatte über den Ist-Zustand und die Zukunft Amerikas. Das für sich sagt sehr viel aus über die eigentliche Lage der Nation.

 

Amerika steht vor einem Erdrutsch

Am Dienstag wird in den USA gewählt. Eigentlich für alles, was es da so gibt. Kongressabgeordnete, Senatoren, Gouverneure, Bürgermeister, Richter, Sheriffs, irgendwelche Board Members, dann Volksentscheide, ich kriege jetzt schon Krämpfe in der Hand, wenn ich an all die Kreuze denke, die ich da am Dienstag machen muß. Es ist wahrlich ein Kreuz mit der Wahl.

Wollen wir mal wählen gehen.

Wollen wir mal wählen gehen.

Und doch, die Republikaner feiern schon jetzt. Sie sind siegessicher, nichts kann schiefgehen, Präsident Obama kriege einen auf die Mütze. Ja, Obama werde für einfach alles abgestraft. Für den neuerlichen Krieg im Irak, für Ebola, für die lausige Wirtschaft, für seine Weicheihaltung gegenüber Putin und natürlich auch für Obamacare, was eh keiner will. Der Triumph ist uns sicher, so die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, Washington Times, Rush Limbaugh und seine Gilde der Talk Show Quassler. Eigentlich bräuchte es keine Wahl, eigentlich könnten die Demokraten nur die Schlüssel übergeben, man hätte sich viel Zeit, Energie und vor allem Geld sparen können. So teuer wie diese „Midterm Election“ war bislang noch keine. Wir reden hier von Milliarden Dollar.

Noch ein paar Tage, dann ist diese Wahl vorbei, dann beginnt die heiße Phase des Präsidentenwahlkampfes. Einige stehen schon in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Beide Parteien müssen einen Kandidaten ausloten. Es wird hart, es wird brutal, es wird teuer. Aber warten wir erstmal den Dienstag ab, dann entscheidet sich, ob Obama überhaupt noch mitregieren darf, oder ob er einfach legale Schachzüge anwendet, um ein paar politische Punkte in seinem Programm noch umzusetzen. Bis Januar 2017 hat er Zeit. Und ich kriege am Dienstag einen schönen Aufkleber „I voted“. Na, wenn das keine Belohnung ist.

Rush Limbaugh ist Gott

Der selbsternannte Alleswisser, Alleskönner und Gutmensch Rush Limbaugh hat mal wieder seinen Senf dazu gegeben. Rush Limbaugh ist eigentlich ein Radiomoderator, ja, man muß im zugestehen, er ist ein Talk Radio Pionier. Limbaugh hat die amerikanische Radiolandschaft revolutioniert. Seine täglichen Sendungen werden auf rund 500 Stationen im ganzen Land ausgestrahlt. Rush Limbaughs Verbalergüsse sind für viele Amerikaner der Ersatz für seriöse Nachrichtensendungen. In einer Umfrage wurde er sogar als die „vertrauensvollste Person im Nachrichtengeschäft“ bewertet.

Das Talk Radio Format gibt vor, dass es provokant und „edgy“ sein kann und nicht so ganz nah dran an den Tatsachen sein muß. Daran hält sich Rush Limbaugh Tag für Tag. Vor einigen Jahren wetterte der erklärte American Football Spezialist gegen Fußball. Limbaugh erklärte, Fußball führe zu erheblichen Kopfverletzungen bei Kindern, die anschließend „dumm wie Stroh“ seien. Frauenfußball ist für ihn eine Ausgeburt des liberal-feministischen Amerikas. Feministinnen bezeichnet er gerne als „Feminazis“. Sowieso hält er nicht viel von staatlich geförderter Gleichberechtigung, von Umweltschutz, von Sozialprogrammen. Die Todesstrafe sei nur dann „brutal, wenn sie in der letzten Minute verhindert wird“. Rush Limbaugh kann zu allem was sagen, zu allem seinen Kommentar dazugeben. Bei Millionen von täglichen Zuhörern, bewerten einige ihn sogar als den wahren Vorsitzenden der republikanischen Partei.

Kein Wunder, dass er Barack Obama von Anfang an bekämpfte, nein, er verhehlte seinen Hass gegen den Jungsenator aus Illinois zu keiner Zeit. Obama ist in Limbaughs Tiraden mal Sozialist, mal Nationalsozialist, dann wieder Marxist oder Islamist…man denke an Obamas Zweitnamen Hussein. Die Gesundheitsreform des Präsidenten ist laut Limbaugh direkt in Moskau geschrieben worden.

Und nun schießt sich der in vierter Ehe verheiratete Radiomann auf Papst Franziskus ein. Dessen jüngste Erklärungen seien „purer Marxismus“. Der Argentinier habe keine Ahnung von dem, was er da von sich gebe. Einer müsse es dem Oberkirchenmann ja sagen. Limbaugh vermutet, dass dem Papst dieses Sendschreiben von einflußreichen Kräften zugespielt wurde. Denn wie sonst könnte man sich ernsthaft gegen die Wohltaten des Kapitalismus wenden. Rush Limbaugh muß ja wissen, wovon er redet. 2008 unterschrieb er einen neuen, acht Jahre laufenden Vertrag für seine „syndicated“ Talkshow, der ihm 400 Millionen Dollar garantierte. Darauf kann man sich schon mal eine gute Zigarre anstecken.

Amerika im Abhörwahn

Hier drehen sie nun total am Rad. Radio Talk Show König Rush Limbaugh redet von einem „Coup“, zitiert „Experten“ die behaupten, Obama sei ein gefährlicher Mann, den man nie direkt mit der Krise in Amerika in Verbindung bringen könne. Es gebe, so der „Experte“ weiter, auch keine direkte Verbindung zwischen Hitler und dem Holocaust (!). Der „Sozialist“ Obama ist also quasi politischer Nachfolger des Nationalsozialisten Hitlers. Limbaughs verhasster Kollege Michael Savage spricht gar vom größten Skandal in der amerikanischen Geschichte. Nun wird an allen Enden und Ecken, in jeder noch so verlassenen Gesellschaftsgasse nachgeforscht, was der Staat mithört, mitliest, weiss und an Daten sammelt. Ja, auch die US Post fotografiert jeden Brief von vorne und von hinten. Und was ist daran nun neu?

Doch nicht nur die Republikaner und Konservativen schießen sich auf Präsident Barack Obama ein, auch viele seiner Unterstützer fragen sich, haben wir wirklich diesen Präsidenten wiedergewählt? Obama hat ein Problem, nichts ist mehr geblieben vom smarten, kritischen, zukunftsorientierten, weltoffenen Präsidenten. Vielmehr sitzt da im Weißen Haus ein Politiker, der bei bestimmten Fragen nicht viel anders regiert als sein verhasster Vorgänger George W. Bush. Nur Obama wußte es bislang besser zu verpacken. Fakt ist, das Gefangenenlager Guantanamo ist noch immer offen, politische Gegner werden von der Steuerbehörde verschärft überprüft, Reporter abgehört. Dann sind da noch die offenen Fragen zum Anschlag auf das US Konsulat in Benghazi. Und nun eben das Eingeständnis der Totalüberwachung  der Amerikaner, im Zuge der „Terrorbekämpfung“. Was kommt als nächstes?

Doch eigentlich ist das alles doch nichts neues. George W. Bush hat es gemacht, dessen Vorgänger Bill Clinton auch, und auch die davorigen Präsidenten haben alle genau hingehört, was sich so im Volk tut. Egal ob Republikaner oder Demokraten. Nur wird jetzt eben allzu deutlich, dass Barack Obama eben nicht der Wunderheiler Amerikas ist, zu dem er noch vor seiner Wahl 2008  gemacht wurde. Obama hat Charisma, ohne Zweifel, doch das kann nun auch nicht mehr über die realen politischen Entscheidungen des 44. US Präsidenten hinwegtäuschen. Es ist an der Zeit, die Regierung Obama ganz neu zu bewerten.

 

Amerika steht Kopf

„Wir sind erst einmal Amerikaner, bevor wir Republikaner oder Demokraten sind“, das sagte Präsident Barack Obama unmittelbar nach dem gestrigen Anschlag in Boston. Damit wollte er deutlich machen, dass Amerika geeint ist, dass man an die Opfer und deren Familien denkt, dass nun gemeinsam alles getan werden wird, um die Täter zu fassen. Tja, die Einheitsfront „Made in USA“ dauerte noch nicht mal einen Tag. Schon ging es los mit den Anfeindungen.

Demokraten beschuldigten Republikaner, aufgrund deren Blockadehaltung im Haushaltsstreit, seien wichtige Gelder für die Polizei und Ermittlungsbehörden gekappt worden. Natürlich habe das nicht direkt zum Terrorakt geführt, aber es hätte im Vorfeld des Marathons durchaus Einsparmaßnahmen gegegeben. Die Republikaner hingegegen sehen den schwarzen Peter eher in der Hand von Obama, der mit seinem Starrsinn die nationale Sicherheit Amerikas gefährde.

Und die konservativen Talk-Sendungen hatten ein volles Programm am heutigen Tag danach. Talk Show König Rush Limbaugh zeigte sogar Verständnis für den Fall, wenn der Täter wirklich Amerikaner gewesen sei. Wörtlich sagte er: „Ich glaube man sollte nicht verwerfen, dass wir in diesem Land in einem wirtschaftlichen Desaster sind. Es gibt Leute, die einfach nicht mehr weiter wissen. Sie finden keine Arbeit, keinen Job, keinerlei Hoffnung. Das führt zu allerlei Ärger und Chaos.“ Also, nach der Logik von Rush Limbaugh ist es also nur eine Frage der Zeit, bis ein Teil der Amerikaner los schlägt. Bewaffnet sind sie ja, dafür palavert Limbaugh ja schon lange genug.

Andere konservative Moderatoren, wie Bill O’Reilly oder Sean Hannity, machten „nur“ die „liberalen“ Medien dafür verantwortlich, dass nun eine politische Diskussion losgetreten wurde. Die „Libs“ wollten einfach einen Nutzen aus dem Attentat ziehen.

Der Anschlag in Boston hätte für Barack Obama zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können. Das fünfte Jahr der Präsidentschaft, das erste Jahr nach der Wiederwahl, sind die 12 Monate, in denen der Präsident wirklich was entscheiden kann. Quasi sich in die Annalen der Geschichte einschreiben. Obama hatte viel vor. Die Waffengesetze verschärfen, eine Reform des Einwanderungsgesetzes durchpauken, die gleichgeschlechtlichen Ehen im Bundesgesetz zu verankern. Daneben noch den Haushalt in ein günstiges Fahrwasser bringen und den Krieg in Afghanistan auslaufen lassen. Damit hätte Obama viel erreicht. Doch nur einen Tag nach dem Attentat ist klar, es wird schwer, verdammt schwer für all diese Ziele. Nun konzentriert sich alles wieder auf die nationale Sicherheit, auf den Terrorismus, auf die Frage, wer patriotischer als sein Nachbar ist.

Teile der GOP haben bereits erklärt, erst einmal die „Immigration Reform“ neu überdenken zu müssen. Denn falls es zutreffe, dass ein ausländischer, sprich saudiarabischer Student für den Anschlag verantwortlich zu machen sei, müßte alles neu formuliert werden. An Waffengesetze und an Schwulenehe ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken. Obama läuft die Zeit davon, denn 2014 wird er nur noch ein Präsident auf Abruf sein. Die Kongresswahlen stehen dann im November an und die ersten Kandidaten auf beiden Seiten werden sich ins Rampenlicht rücken. Da ist kein Platz mehr für die politischen Ideen eines Barack Obama.

Ich glaub‘ es hackt

In Newtown, Connecticut werden die Opfer des Amoklaufes beerdigt und in weiten Teilen der USA überlegt die Waffenlobby, wie sie mit diesem neuen Massaker umgehen soll. 20 ermordete Kleinkinder sind dann wohl doch etwas viel, um die Debatte über verschärfte Waffengesetze in den USA einfach mal schnell abzuwürgen. Doch auch dieser Amoklauf verlangsamt nicht das Interesse an den Schießeisen in den USA. Die Gun Stores sind überfüllt, die Gun Shows mehr als gut besucht. Noch schnell ein Sturmgewehr einkaufen, ein paar weitere Glocks besorgen und vor allem Munition bunkern, bevor der Sozialist im Weißen Haus mit seinem Waffenverbot durchkommt. Das ist dann wohl der Ruf nach den Milizen, von denen die Gründerväter der Vereinigten Staaten gesprochen haben. Wegen Obama und seiner Politik gebe es das Grundrecht auf Waffenbesitz, so die schießwütigen Amerikaner in einschlägigen Online Foren.

Aber auch dieses jüngste Massaker stört  einige nicht, mit krassen Argumenten die Diskussion anzuheizen. Einige Politiker, vor allem aus den Südstaaten, fordern, dass Lehrer von nun an bewaffnet zur Schule gehen sollten. Eine Tat, wie die von Newtown, wäre nicht geschehen, wenn die Direktorin der Schule eine Knarre im Büro gehabt und sofort reagiert hätte. Bumm, Bumm….Amokläufer durchlöchert. Klar, die Logik ist ganz in Wild West Manier.

Auch der Polizeichef von St. Louis fordert die Bewaffnung der Lehrer. Ein deutliches Zeichen an Schwachmaten, die ein Massaker verüben wollen. Am besten noch ein leuchtendrotes Schild am Schulhauseingang: Achtung hier wird zurück geballert. Die konservative Rechte in den USA sieht sich zur Zeit in die Ecke gedrängt. Ein Teil fordert die freie Vergabe von Schußwaffen, nur so könnten Gemetzel verhindert werden, andere, wie der Talk-Show-König Rush Limbaugh sieht die Debatte um strengere Waffenkontrollen als einen klaren Angriff auf die amerikanische Verfassung. Er sprach in seiner Radiosendung von einem vorgeschobenen Grund, um die politische Bibel der Rechten auszuhöhlen. Erst falle das zweite Grundrecht, dann kämen andere dran, auf dem Weg eine sozialistische Agenda in den USA zu verwirklichen…..da kann man nur zu sagen, Rush Limbaugh spinnt, auch wenn ihm pro Woche rund 20 Millionen Amerikaner zuhören.

Interessanterweise hat sich der Medienmogul und FOXNews Besitzer Rupert Murdoch, der mittlerweile Amerikaner geworden ist, für strengere Waffengesetze in den USA ausgesprochen. Aber damit kann es nicht weit her sein, auf seinem Kabelkanal FOXNews wird auch weiterhin das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz und die Angst vor einer Weltregierung geschürt.

 

Obama, der unfähige Marxist

Manchmal kann er einem schon leidtun. Barack Obama wurde von seinen Kritikern und politischen Gegnern schon alles an den Kopf geworfen, was es so an Bezeichnungen gibt. Mal ist er Marxist, mal Sozialist, mal Kommunist. Dann Nazi und Faschist, dann Islamist und von China bezahlt. Ach ja, verlogen, unfähig, naiv, einfach ein bisserl deppert ist er auch noch. Wenn man so liest und hört und schaut, was die Talkradio Quasselköpfe und die FOXNews Komödianten so alles vom Obamastapel lassen, dann ist klar, Obama ist die volle Nullnummer.

Aber ist er wirklich so schlecht? War seine Amtszeit wirklich so dermaßen katastrophal? Hat er wirklich gar nichts erreicht?

Dazu ein aktueller Audiobeitrag:

      Obama und die Wiederwahl