„It Don’t Matter If You’re Black Or White“?

Amerika erlebt derzeit ein Erdbeben. Eigentlich grollt es schon lange im Untergrund, aber wenn man nicht so genau hinsieht, dann fällt es auch nicht auf. Irgendwie geht es schon immer weiter. Die Berichte aus Ferguson zum gezielten Vorgehen der dortigen Polizei gegen Schwarze. Die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf einen schwarzen 18jährigen in Madison, Wisconsin. Die Gesänge der Studentenverbindung „Sigma Alpha Epsilon“ an der Universität Oklahoma. Nur drei Nachrichten in der vergangenen Woche, die nationale Schlagzeilen wurden.

Studierende von "Sigma Alpha Epsilon" der University of Oklahoma singen von aufgeknöpften "Niggern" während einer Busfahrt.

Studierende von „Sigma Alpha Epsilon“ der University of Oklahoma singen von aufgeknöpften „Niggern“ während einer Busfahrt.

„Es wird nie einen Nigger bei SAE geben/Man kann ihn an einem Baum aufhängen, aber er wird nicht zu mir kommen/Es wird nie einen Nigger bei SAE geben.“ Das wurde im Bus von den Studierenden gesungen, einer im Bus filmte das ganze mit seinem Handy und stellte es online. Riesenaufschrei im ganzen Land, der Präsident der Uni hat nun die Verbindung geschlossen, einige Teilnehmer wurden von der Universität geschmissen. Zu Recht, doch ist das eine Lösung?

Amerika stellt sich gerne in Krisenzeiten als ein geeintes Land dar. Als „Melting Pot“ der Kulturen, der Sprachen, der Hautfarben. Doch immer deutlicher wird, dass hier einiges schief läuft. Was die Polizei lange Zeit in Ferguson getan hat, gezielt Afro-Amerikaner zu kontrollieren und härter zu bestrafen, ist sicherlich keine Ausnahme im Land. Man kann nur hoffen, dass diese Form des strukturellen und behördlichen Rassismusses ein Einzelfall ist. Doch wahrscheinlich ist das nicht.

Den Republikanern in Washington stößt auf, dass Barack Obama die USA oft „schlecht redet“, wie sie sagen, auf Probleme hinweist, nicht 100prozentig zum eigenen Land steht. Wie kann er auch, wenn man genauer hinsieht? Die USA sind nicht einfach „God’s Country“, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann. Das ist eine Mär, die abgehakt werden sollte. Ein Blick auf die Statistiken genügt, um zu sehen, dass es dieses eine Land nicht gibt. Ganz im Gegenteil, die USA sind gespaltener denn je. Man muß nur einen Blick auf die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluß, auf alleinerziehende Mütter, jugendliche Straftäter, die Gefängnispopulation, Minderheiten in Führungsetagen und…und…und…werfen, dann wird man schnell erkennen, dass es in den USA massive gesellschaftliche und strukturelle Probleme gibt. Die erschütternde Tatsache dabei ist, dass sich daran auch weiterhin nichts ändern wird. 50 Jahre nach den Protesten von Selma, muß man sich in Washington eingestehen, dass nicht ganz so viel aus der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre geworden ist.