ISIS Dröhnung nach der Debatte

Die fünfte Debatte der Republikaner fand in Las Vegas statt.

Die fünfte Debatte der Republikaner fand in Las Vegas statt.

Heute lag eine weitere ISIS Platte im Briefkasten. „Wavering Radiant“ heißt sie, geniales, brachiales Teil. Genau das richtige, um über die republikanische Fernsehdebatte zu schreiben. Den Terroristen von „ISIL“ müssen heute Abend die Ohren geklingelt haben, denn „and the winner is: ISIL“….oder Islamischer Staat oder ISIS. So oft wurde die Terrorgruppe wohl noch nie in der Prime Time im US Fernsehen genannt. Es ging bei dieser Debatte der republikanischen Kandidaten um die nationale Sicherheit. Und das nach den Anschlägen in Paris und San Bernardino. Alles was Präsident Obama macht, ist falsch, jeder der neun Kandidaten auf der Bühne in Las Vegas weiß es besser. Ist klar, es ist Wahlkampf. Punkten konnten an diesem Abend Rand Paul, Jeb Bush und auch John Kasich, die nicht emotional reagierten, konkrete und durchdachte Vorschläge machten. Ob das allerdings in den Umfragen zählen wird, sei dahin gestellt.

Die Moderatoren von CNN und Salem Radio versuchten mit Fragen zu provozieren, Zweikämpfe zu schüren. Vor allem zwischen Jeb Bush und Donald Trump, zwischen Marco Rubio und Ted Cruz. Das gelang ihnen auch ganz gut, zur Erheiterung der Fernsehnation. Politik ist in den USA zur Abendunterhaltung verkommen. Dank auch Donald Trump, der in dieser Debatte der republikanischen Kandidaten wieder mit Grimassen und Zwischenrufen lieferte. Allerdings hielt er sich deutlich im Vergleich zu früheren Auftritten zurück. Seine umstrittene Aussage, Moslems die Einreise in die USA zu verbieten, wurde zwar angerissen, doch kaum diskutiert.

Einen klaren Sieger gab es am Ende nicht, in den Umfragen wird sich wohl nicht viel verändern. Trump weit vorne vor dem Rest des Feldes. Einige Kandidaten auf der Bühne sollten jedoch langsam ans Aufhören denken, denn so wird das nie was mit einer ordentlichen Debatte der Präsidentschaftsanwärter…und so wird das auch nie was mit einem Ende von Trumps Traum vom Weißen Haus.

Ein guter patriotischer Christ ist bewaffnet!

Liberty University ist eine christliche Universität in Lynchburg, Virgina. Sie gilt als eine Eliteschmiede der christlich-konservativen Bewegung in den USA. Deren Präsident Jerry Falwell Jr. will nun anscheinend die Bildungseinrichtung zu einer wahren Lynch-Burg ausbauen. In einer Rede vor über 10.000 Studierenden erklärte er am Samstag, „Laßt uns Ihnen eine Lehrstunde geben, falls sie jemals hier auftauchen sollten. Ich habe schon immer gedacht, wenn mehr gute Leute einen Waffenschein hätten, dann könnten wir diese Muslime stoppen, bevor sie hierher kommen“.

Republikaner, wie hier Jeb Bush (links), suchen gerne den Schulterschluss mit Jerry Falwell Jr. Foto: Reuters.

Republikaner, wie hier Jeb Bush (links), suchen gerne den Schulterschluss mit Jerry Falwell Jr. Foto: Reuters.

Nach eigenen Angaben haben bereits Hunderte von Studierenden bei der Campus Polizei nach Trainingsstunden im Umgang mit Waffen nachgefragt. Falwell selbst erklärte in seiner Rede, dass er seit gut einem Jahr immer eine .25 Kaliber Pistole bei sich trage. Man müsse ja vorbereitet sein.

Der Gouverneur von Virginia,  Terry McAuliffe, reagierte schnell auf die Worte des Universitätsleiters und nannte sie „unverantwortlich“. „Meine Admistration hat sich verpflichtet Virginia zu einem offenen und einladenden Teil des Commonwealth zu machen und dabei auch die Sicherheit aller Bürger zu garantieren. Mr. Falwells unüberlegte und widerliche Worte beschädigen diese beiden Grundziele“.

Liberty University wurde 1971 von Jerry Falwell Sr. gegründet. Er selbst nannte sich einen „Kulturkrieger“ und eine „Moralische Instanz“. Falwell Sr. und nun auch sein Sohn Falwell Jr. sind in der Vergangenheit immer wieder durch erzkonservative Äußerungen aufgefallen. An der Liberty University sind etwa 14.000 Studierende eingetragen.

Beim Lesen wird man ganz ruhig

Die Worte fehlen, ich ertappe mich dabei, wie ich beim Lesen den Kopf schüttele. Die Washington Post hat unter dem Titel „The Math of Mass Shooting“ eine Auflistung und eine Analyse von 50 Jahren Massenschießereien in den USA veröffentlicht. Und dabei wurden noch nicht einmal alle Blutbäder aufgelistet. „Nur“ 121 Vorfälle sind aufgeführt. Wahnsinnstaten, die nicht erklärbar sind. Noch weniger verständlich ist allerdings, dass sich in den USA nie etwas geändert hat. Das Land wird weiterhin von einer Waffenflut überschwemmt. Allein seit 1998 mit etwa 220 Millionen Schußwaffen. In diesen aufgeführten 121 Massenschießereien der Washington Post starben 794 Menschen. Man fragt sich für was.

Amerika liebt seine Waffen. Es sind nicht die Jagdgewehre aus dem Mittleren Westen und den Rocky Mountains, die für die Bluttaten eingesetzt werden. Es sind Handfeuerwaffen, militärische Gewehre, Maschinenpistolen. Beliebt ist bei den Attentätern die österreichische Glock 19, eine 9mm semiautomatische Pistole. Leicht zu handhaben, billig auf dem Markt und ohne großen Rückschlag. Für 499 Dollar ist zu haben, Porto und Verpackung ist kostenlos. Eine leicht zu bedienende Wumme. Vor ein paar Jahren war ich mit meinem Neffen auf einem Schießstand in San Rafael. Als wir reinkamen stand eine ältere Lady hinter dem Tresen von „Bullseye Shooting Range“. An ihrer Seite hatte sie im Holster eine 45er Magnum. „Hi“, meinte sie. „Wanna shoot?“. „Sure“, meinten wir. Sie gab uns eine Glock 9mm. „Have fun“. Die Glock ist zur beliebtesten Knarre in den USA geworden. Die Erfolgsgeschichte von „America’s Gun“ kann man in dem hervorragenden Buch „Glock“ von Paul M. Barrett nachlesen.

Doch zurück zum Artikel der Washington Post und zu 50 Jahren Massenschießereien. Es ist kein Grund zum Feiern, kein Anlass auf die „ruhmreiche“ Geschichte Amerikas zurückzublicken. Es ist genau das Gegenteil. Eigentlich ist es zum Weinen, denn die Geschichte wiederholt sich in den USA immer und immer wieder. Manchmal dauert es Wochen zwischen den Blutbädern, manchmal nur wenige Tage, wie zuletzt zwischen der Schießerei in Colorado Springs und dem Terroranschlag von San Bernardino. Die Frage an diesem Samstagmorgen ist eigentlich nur, wann und wo die nächste Schießerei stattfinden wird?

Was kommt als nächstes?

IS in Amerika. Der Krieg hat die USA erreicht. Waren die Anschläge vom 11. September noch gegen Prestige Objekte in New York City und Washington DC gerichtet, ist mit der Massenschießerei in San Bernardino der Terror in die amerikanischen Nachbarschaften eingezogen. Die Tat mit 14 Toten und 17 Verletzten ist nichts im Vergleich zu Selbstmordanschlägen in Bagdad und der jüngsten IS-Attacke in Paris. Und doch wird das Blutbad vom Mittwoch weitreichende Folgen haben.

Mit dem Ende der Schießerei in San Bernardino beginnt ein neues Kapitel im "Krieg gegen den Terror". Foto: Reuters.

Mit dem Ende der Schießerei in San Bernardino beginnt ein neues Kapitel im „Krieg gegen den Terror“. Foto: Reuters.

Amerika wurde da getroffen, wo man es nicht für möglich gehalten hatte. Im Heartland, im Hinterland, fernab der Washington Mall, der 5th Avenue, der Golden Gate Bridge, der Oscar Preisverleihung, des Superbowls. Eine Veranstaltung in einer Behinderteneinrichtung war das Ziel. Die Botschaft ist klar, niemand und nirgendwo kann man sich mehr sicher fühlen. Überall kann es passieren. Jetzt und gleich.

Und es war eben kein Attentäter aus Syrien, aus dem Irak oder Afghanistan. Es war ein Amerikaner, ein hier geborener US Bürger moslemischen Glaubens. All die Schutzmaßnahmen nach 9/11, die unbegrenzte Sammlung an Abhördaten aus dem internationalen Telefon- und Internetverkehr, die Beschneidung der Bürgerrechte in den USA, all das hat am Ende nichts gebracht. Jedenfalls keine absolute Sicherheit, an die viele Amerikaner glaubten. Was nun folgen wird ist klar. Jeder Moslem wird zum Verdächtigen, jede Moschee, jeder Islamcenter, jedes von Moslems geführte Geschäft wird überwacht werden. Amerika befindet sich seit dem 11. September 2001 im Krieg. Ein Krieg, der bislang in Übersee geführt wurde, weit weg vom Alltag der Amerikaner, irgendwo da drüben hinter dem großen Wasser und den Bergen. Nun ist er heimgekommen, ganz offen, blutig und brutal. Der von den USA entfesselte und planlose Irakkrieg hat am Ende eine radikal extremistische und verblendete Religionstruppe geschaffen. Die Geister, die man rief.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es auch hier passiert. San Bernardino könnte überall in den USA sein. Es war der erste Terrorangriff des IS in den USA. Es wird wohl nicht der letzte geblieben sein.

Begreifen kann man das nicht mehr!

Eigentlich müssten die USA ja das sicherste Land der Welt sein. Denn, wenn ich der Logik der Waffenlobby und all der republikanischen Präsidentschaftskandidaten folge, dann ist es doch so, dass man nur bewaffnet den bewaffneten bösen Buben begegnen kann. In einem Land mit geschätzten 400-500 Millionen Schußwaffen im Umlauf, müsste ich eigentlich sicher sein. Doch Pustekuchen, Amerika ist trotz Schwerbewaffnung eines der gefährlichsten Länder der Welt. Die Mordrate ist mit rund 16.000 „Homicides“ pro Jahr lebensgefährlich. Hinzu kommt noch einmal die gleiche Zahl an Selbstmördern, die sich mit einer Knarre den letzten Schuss setzen. Die USA sind ein blutiges Land mitten im Krieg.

Klare Ansage an Terroristen und Amokläufer. Ziehst Du Deine Wumme, ziehe ich meine. Foto: AFP.

Klare und deutliche Ansage an Terroristen und Amokläufer. Ziehst Du Deine Wumme, ziehe ich meine. Foto: AFP.

Am vergangenen Freitag ballerte ein Attentäter in einer Abtreibungsklinik von Planned Parenthood in Colorado Springs um sich. Gestern dann die Wahnsinnstat in San Bernardino, 14 Tote, 17 Verletzte und zwei „neutralisierte“ Täter, wie es die Polizei nannte. Ein Großaufgebot der Einsatzkräfte sucht noch immer nach einem Motiv.

Die Antwort auf diese Blutbäder sind klar. Hier die Stimmen, die endlich ein Umdenken fordern. Dort jene lautstarke Knarrenlobby, die noch mehr Waffen in den Händen der Amerikaner sehen wollen. Am Tag danach melden sich Politiker, Sheriffs und Kommentatoren zu Wort, die tatsächlich die Bürger auffordern, fortan bewaffnet das Haus zu verlassen, „to ensure the safety of yourself and others“, so Sheriff Paul J. Van Blarcum von Ulster County, New York.

Für Detroits Police Chief, James Craig, ist die Lage eindeutig. „If you’re a terrorist, you want unarmed citizens“. Deshalb fordert er die 30.000 Bürger mit Waffenlizenz in seiner Stadt auf, nur noch mit Knarre auf die Straße zu gehen. Denn wenn ein Terrorist deinen Weg kreuzt, versteht er nur eine Sprache…bang-bang.

Arizonas berühmt-berüchtigter Sheriff Joe Arpaio will gleich den ganzen Bundesstaat mobilisieren. Die rund 250.000 Waffenbesitzer Arizonas sollten in Zukunft an der Seite der Polizeieinheiten die Bürger vor Terror und Amokläufen schützen. Wenn da ein böser Jemand irgendwo in einer Menschenmenge eine Knarre zieht, dann sollte da auch ein guter Jemand mit einem Waffenschein sein, der den Terroristen/Amokläufer/Verrückten gezielt ausschalten, sprich umblasen kann, so Arpaio.

Am Donnerstag versuchten Demokraten im Senat einen kleinen Schritt in Richtung Waffenkontrolle. Sie forderten, dass diejenigen, die auf der sogenannten „No-Fly“ Liste geführt werden, keine Waffen kaufen dürfen. Die „No-Fly“ Liste wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von der Bush-Adminstration eingeführt. Darauf werden Personen geführt, die als „gefährlich“ eingestuft werden und deshalb nicht per Flugzeug in den USA reisen dürfen. Die republikanische Mehrheit blockierte jedoch den Versuch der Demokraten. Ihr Argument, die Liste sei fehlerhaft und deshalb dürfe sie nicht für ein Waffenkauf- und Waffenbesitzverbot herangezogen werden. Noch Fragen? Ich habe keine mehr. Schon lange nicht mehr.

 

Kaliforniens Spaltung

Wenn es nach Supervisor Jeff Stone aus Riverside County geht, dann wird es schon bald zwei Kalifornien geben. Einen Nordteil und einen Südteil. Stone meint, die Counties (Bezirke) Riverside, Imperial, San Diego, Orange, San Bernardino, Kings, Kern, Fresno, Tulare, Inyo, Madera, Mariposa und Mono sollten sich zu einem Bundesstaat zusammen schließen und sich unabhängig erklären (Siehe Karte). Nicht einbezogen wären Los Angeles County und nördlich davon Ventura und Santa Barbara.

Der Supervisor kritisiert schon seit längerem, dass gerade diese südöstlichen Bezirke im Bundesstaat nicht richtig repräsentiert werden. Sie sind eher ländlich, konservativer und würden in der liberalen Politik Kaliforniens untergehen und nur selten beachtet werden. Jeff Stone ist überzeugt davon, dass eine Spaltung politisch Sinn machen würde. Doch selbst wenn jeder Wähler in den einbezogenen Bezirken dafür stimmen würde, müßte auch noch das kalifornische Abgeordnetenhaus einwilligen, was derzeit eher unwahrscheinlich ist.

Die letzte Teilung eines amerikanischen Bundesstaates ist auch schon eine Weile her. Während des Bürgerkrieges spaltete sich 1863 West-Virginia von Virginia ab. Gefragt, was Gouverneur Jerry Brown von dieser Initiative halte, antwortete dessen Sprecher Gil Duran: „Eine Abspaltungsbewegung? Was ist das hier, 1860?“

Aussichtslos scheint der Kampf jedoch nicht zu sein. Schon seit langem wird immer wieder darüber nachgedacht, ob sich Kalifornien ganz von den USA lösen oder ob sich der Staat spalten sollte. 1941 war man sogar fast erfolgreich. Damals versuchten einige Bezirke im Norden Kaliforniens und im Süden Oregons einen neuen, den damals 49. Bundesstaat Jefferson zu gründen (Hawaii und Alaska waren noch keine Bundesstaaten). Die Bürger waren dafür, alles sah nach einem Sieg für Jefferson aus. Doch als es zur Abstimmung kommen sollte, griffen die Japaner Pearl Harbor an und alle Pläne einer Neugründung wurden auf Eis gelegt.