Genug Wasser ist doch da

Die Filter wurden nach Saudi Arabien verkauft, die Anlage ist zum Teil verrostet. 23 Jahre lang lag die Entsalzungsanlage im kalifornischen Santa Barbara eingemottet am Strand. Ende der 80er Jahre wurde die Anlage für 34 Millionen Dollar gebaut, es herrschte eine Dürre. Doch dann kam der Regen und die Pumpen wurden abgeschaltet. Die Produktion von Trinkwasser war so einfach zu teuer.

In Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Im kalifornischen Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Nun sieht es wieder ganz anders aus. Kalifornien geht ins vierte Dürrejahr, so schlimm wie heute war es noch nie. Und der Stadtrat von Santa Barbara will die alte Anlage wieder hochfahren. 40 Millionen Dollar sollen dafür veranschlagt werden, damit will man aus der Krise kommen. Die zwei großen Reservoirs rund um Santa Barbara sind nur zu 30 Prozent gefüllt. Die Bürger der Stadt hatten zwar im letzten Jahr etwa 23 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart, doch das nutzte nicht viel. Der Wasserpegel sinkt weiter.

Umweltschützer sind entsetzt, denn durch die gewaltigen Röhren wird nicht nur das Wasser aus dem Meer abgepumpt. Fische, Kleintiere, Plankton werden ebenfalls in die Rohre gezogen. Der Schaden sei für das fragile Ökosystem nicht absehbar, beklagen sie. Santa Barbara ist nicht die einzige Stadt und Gemeinde in Kalifornien, die Entsalzungsanlagen eröffnen will. Für eine Milliarde Dollar wird in Carlsbad, nördlich von San Diego, die größte Entsalzungsanlage Nordamerikas gebaut. Dort sollen dann täglich fast 190 Millionen Liter Wasser entsalzt werden. Auch in San Luis Obispo County und in Monterey County sollen solche Anlagen entstehen.

Es ist ein teures Unterfangen, was sich am Ende nicht auszahlen wird. Denn bislang wurde nicht alles unternommen, um Wasser im Sonnenstaat einzusparen. Diese Diskussion beginnt erst jetzt und ganz langsam, gerade auch, weil Gouverneur Jerry Brown vor wenigen Tagen den Wassernotstand ausgerufen und verlangt hat, dass die Gemeinden in diesem Jahr 25 Prozent ihres Wasserhaushalts einsparen müssen. Wie, das ist nicht offen. Die Entsalzungsanlagen können nur auf lokaler Ebene etwas Abhilfe schaffen, für die Bewässerungsanlagen in den riesigen landwirtschaftlichen Betrieben im Central Valley sind sie keine Lösung. Es wäre zu teuer, das Wasser so herzustellen und dann mit gewaltigen Pumpanlagen über die Berge ins Central Valley zu schaffen.

Doch die Diskussion um die Wiederaufnahme der Entsalzung in Kalifornien zeigt, dass etwas im Umbruch ist. Der Notstand ist nun überall zu spüren, man versucht neue Wege zu gehen. Doch wie beim Fracking und bei der Ölgewinnung in Nationalparks wird der falsche Weg eingeschlagen. Es muß hier mehr Öl, dort mehr Wasser her, um den Durst der Amerikaner zu stillen. Doch Entsalzungsanlagen täuschen eigentlich nur über das eigentliche Problem hinweg: Kalifornien verbraucht zu viel Wasser.

Kein Walfisch schwimmt im Becken mehr

„Ein Walfisch schwimmt im großen Meer, er ist wohl hundert Tonnen schwer…“. Dieses Liedchen geht mir immer mal wieder durch den Kopf. Das Lied von Jonathan dem Wal der durch die Weltmeere schwimmt haben oft die Kinder im Nürnberger Kinderladen Rieppelstrasse gesungen, als ich dort vor zig Jahren Praktikum machte. Und genau das fiel mir wieder ein, als ich diese Meldung hier erhielt.

„Sea World“ ist eine Touristenattraktion in San Diego. Doch damit könnte schon bald Schluß sein. Denn eine Gesetzesinitiative in Kalifornien sieht vor, die Orcas, Schwertwale, oder mehr bekannt unter dem Namen Killer-Wale, nicht mehr in Einrichtungen wie „Sea World“ zu erlauben. Daneben soll das Zuchtprogramm des Zoos aufgelöst und der Import und Export dieser gewaltigen Säuger verboten werden. Das Gesetz wird derzeit im kalifornischen Parlament in Sacramento behandelt. Eingebracht wurde es vom demokratischen Abgeordneten Richard Bloom aus Santa Monica. Er wurde im vergangenen Jahr nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Blackfish“ von Bürgern gefragt und gebeten, etwas gegen die untragbaren Lebensbedingungen der Orcas in San Diego zu tun. Bloom informierte sich, sah die Situation genauso und willigte ein. Das Ergebnis AB2140, eine Gesetzesinitiative, die das Ende der Walschau bei „Sea World“ bedeuten würde.

Meeresbiologen und Walforscher erklären schon seit langem, dass die Orcas nicht in Zoos oder solche Unterhaltungsprogramme, wie in „Sea World“, gehörten. Sie müssten mehr Freiraum haben, als eine Einrichtung wie „Sea World“ bieten kann. Die Betreiber des Wassertheaters sind da natürlich ganz anderer Meinung. Sie behaupten, den Schwertwalen gehe es gut und durch Shows wie ihre würde die Bevölkerung mehr über die Wale erfahren. Außerdem, nun das allgemeingültige Totschlagargument, schaffe „Sea World“ Arbeitsplätze. In der Hauptsaison würden bis zu 4500 Menschen durch „Sea World“ Arbeit finden. Nach dem Motto, für einen Mindestlohn könnten ein paar Orcas schon mal jahrelang leiden.

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California – the Wild, Wild West

Was Amerika sicherlich nicht braucht sind mehr Waffen auf der Straße. Weit über 300 Millionen Schußwaffen sind im Umlauf. Jahr für Jahr sterben über 30.000 Menschen in den USA durch Schußverletzungen. Doch all das macht nichts aus, Amerikaner haben ein Grundrecht auf die Wumme. Ein Bundesgericht in Kalifornien hat nun erklärt, dass ein Verbot des Tragens und Mitführens von Waffen verfassungswidrig sei. Die Stadt San Diego hatte bislang vorgeschrieben, dass man nicht einfach nur sagen kann, man brauche eine Knarre für den persönlichen Schutz, man müsse das gefälligst auch nachweisen. Und das eben widerspreche dem zweiten Artikel in der Verfassung, so die Richter am 9. Bundesgerichtshof in San Francisco.

Was das bedeutet ist klar. Überall in Kalifornien darf man ab jetzt mit einer Schußwaffe herumlaufen, so lang diese nicht offen getragen wird. Unter der Jacke, klar. Im Handschuhfach, auch da. Im Knöchelhalfter, na, aber sicher. Nur wie John Wayne, lässig im Schritt und mit dem Revolver an der Hüfte wiegend durch die Gegend spazieren, ist weiterhin nicht erlaubt. Gesetz ist eben Gesetz.

Kaboom und Schluß

Traditionell werden am Abend des amerikanischen Nationalfeiertags, dem 4. Juli, die Feuerwerke gezündet. Großes Ding, darauf freuen sich kleine und große Pyrofans am Geburtstag der Union. Und trotz leerer Kassen, beim jährlichen Feuerwerk lassen sich die Kommunen nicht lumpen.

In San Diego lief es am Mittwoch jedoch nicht so wie geplant. 18 Minuten sollte „Big Bay Boom“ mit Musik untermalt dauern, doch schon nach 15 Sekunden war zur Überraschung des Publikums Schluß. Ein technischer Defekt führte dazu, dass die gesamte Ladung auf einmal abgefeuert wurde. Kaboom und Aus war es. Ein gigantisches Feuerwerk im Schnelldurchlauf. Zumindest gibt es beeindruckende Bilder dieses Spektakels

Marschieren unterm Regenbogen

San Diego ist die zweitgrößte kalifornische Stadt. Strand, Badewetter, Surfer und der größte Militärstützpunkt der US Marines westlich des Mississippi. Das Militär prägt das Bild der Stadt und der Region. Kriegsschiffe liegen im Hafen. Helikopter und Militärflugzeuge heben ab und landen. Am Flughafen ist es ganz normal auf Soldaten in Kampfanzügen und in Ausgehuniform zu treffen.

Am Samstag nun fand die jährliche „Gay Pride Parade“ in San Diego statt, die Parade der Homosexuellen, mit der für Gleichberechtigung und Offenheit eingetreten wird. Und dieses mal, zum ersten mal, nahmen auch rund 250 Angehörige der Streitkräfte teil. Mitglieder der Navy, der Marines, der Army, der Air Force, sie alle kamen zusammen, um für die Aufhebung von „Don’t ask, don’t tell“ einzutreten. „Don’t ask, don’t tell“ ist die Leitlinie des Pentagon mit homosexuellen Soldaten umzugehen. Also, man fragt von offizieller Seite nicht, welche sexuelle Orientierung ein Soldat hat, und als Soldat zeigt man nicht, ob man schwul oder lesbisch ist. Homosexualität wird einfach in den militärischen Rängen unter den Teppich gekehrt. Es geht bei diesem Kampf der „Gay-Bewegung“ nicht nur darum, ob ein Schwuler auch öffentlich sagen kann, er liebe einen Mann. Es geht vor allem um gleiche Rechte, so z.B. wenn ein verwundeter Soldat im Krankenhaus liegt und sein vom Militär nicht akzeptierter Partner ihn aufgrund von bestehenden Beschränkungen nicht besuchen darf und kein medizinisches Mitspracherecht hat. Oder wenn ein Soldat im Einsatz stirbt, der Partner jedoch keine finanzielle Abfindung oder Rente erhält.

Die Soldaten am Samstag wollten in die Öffentlichkeit gehen. Uniformen waren ihnen nicht erlaubt, deshalb kamen sie in ziviler Kleidung, doch durch ihre braunen und grauen T-Shirts waren sie gut als Militärangehörige erkennbar. Sie marschierten in einem für sie ungewissen Marsch. Jeder von ihnen hielt eine kleine amerikanische Fahne in der Hand, um zu zeigen, dass sie stolz ihren Dienst ableisteten. Einige von ihnen kamen gerade vom Einsatz in Afghanistan zurück. Im Krieg ist die sexuelle Orientierung egal, doch das ist noch nicht so ganz bis Washington durchgedrungen. Zwar hat Präsident Barack Obama „Don’t ask, don’t tell“ schon im Dezember für nichtig erklärt, doch gab er dem Pentagon einen unbefristeten Zeitraum, diese neue „Policy“ auch umzusetzen. Das Pentagon läßt sich also Zeit. In einer Stellungnahme am Samstag hieß es, die teilnehmenden Zivilpersonen düften durchaus in der Parade mitmarschieren, das sei jedem frei gestellt. Die Passanten zumindest entlang der Paradestrecke bejubelten die mutigen Soldaten, die auch daheim ihren Kampf für gleiche Rechte weiter austragen.

Kaliforniens Spaltung

Wenn es nach Supervisor Jeff Stone aus Riverside County geht, dann wird es schon bald zwei Kalifornien geben. Einen Nordteil und einen Südteil. Stone meint, die Counties (Bezirke) Riverside, Imperial, San Diego, Orange, San Bernardino, Kings, Kern, Fresno, Tulare, Inyo, Madera, Mariposa und Mono sollten sich zu einem Bundesstaat zusammen schließen und sich unabhängig erklären (Siehe Karte). Nicht einbezogen wären Los Angeles County und nördlich davon Ventura und Santa Barbara.

Der Supervisor kritisiert schon seit längerem, dass gerade diese südöstlichen Bezirke im Bundesstaat nicht richtig repräsentiert werden. Sie sind eher ländlich, konservativer und würden in der liberalen Politik Kaliforniens untergehen und nur selten beachtet werden. Jeff Stone ist überzeugt davon, dass eine Spaltung politisch Sinn machen würde. Doch selbst wenn jeder Wähler in den einbezogenen Bezirken dafür stimmen würde, müßte auch noch das kalifornische Abgeordnetenhaus einwilligen, was derzeit eher unwahrscheinlich ist.

Die letzte Teilung eines amerikanischen Bundesstaates ist auch schon eine Weile her. Während des Bürgerkrieges spaltete sich 1863 West-Virginia von Virginia ab. Gefragt, was Gouverneur Jerry Brown von dieser Initiative halte, antwortete dessen Sprecher Gil Duran: „Eine Abspaltungsbewegung? Was ist das hier, 1860?“

Aussichtslos scheint der Kampf jedoch nicht zu sein. Schon seit langem wird immer wieder darüber nachgedacht, ob sich Kalifornien ganz von den USA lösen oder ob sich der Staat spalten sollte. 1941 war man sogar fast erfolgreich. Damals versuchten einige Bezirke im Norden Kaliforniens und im Süden Oregons einen neuen, den damals 49. Bundesstaat Jefferson zu gründen (Hawaii und Alaska waren noch keine Bundesstaaten). Die Bürger waren dafür, alles sah nach einem Sieg für Jefferson aus. Doch als es zur Abstimmung kommen sollte, griffen die Japaner Pearl Harbor an und alle Pläne einer Neugründung wurden auf Eis gelegt.

Könnte es hier passieren?

In den USA stehen 104 Atomkraftwerke. Alle wurden 1974 oder davor gebaut. Ein paar neue sollen dazu kommen, doch fraglich ist, ob das nun durchgesetzt werden kann. Republikaner und Demokraten sind sich eigentlich einig darüber, dass die Atomkraft ein Teil der alternativen Energiegewinnung ist und auf die langfristig gebaut werden sollte. Die GOP fordert schon lange, den Weg für neue Bauprojekte freizumachen, und auch Präsident Obama sieht die Nukleartechnik als zukunftsweisend.

Der deutsche Botschafter in Washington, Klaus Scharioth, widersprach dem letzte Woche bei einem Vortrag in San Francisco. Scharioth meinte, in Deutschland setze man auf regenerierbare Quellen, Solar, Wind und Biomasse. Die Energiegewinnung aus der Atomkraft sei in Deutschland langfristig nicht zu halten. Ein paar Tage später, werden die Gäste des Vortrags an die Worte des deutschen Diplomaten gedacht haben. Die Katastrophe in Japan hat die ganze Diskussion über das für und wider der Atomkraft neu angeheizt. Ist die Technik beherrschbar, können Kraftwerke sicher sein?

Amerikanische Patrioten erklären, die US Technik sei die beste der Welt. Und es gäbe keine absolute Sicherheit. Das ist nicht gerade beruhigend, Japan ist auch kein Entwicklungsland in Sachen Technik. Hinzu kommen die Standorte der Atomkraftwerke in den USA. Auf dem Photo sieht man das Kraftwerk in San Onofre, südlich von Los Angeles, direkt am Pazifikstrand gelegen. Erdbeben und auch Tsunami Wellen sind hier mehr als denkbar. Bei einem Unfall wären Millionen von Menschen von Los Angeles bis San Diego betroffen.

Die Atom-Lobby in den USA hat nach dem Wochenende einen sehr schwierigen Stand, die Öffentlichkeit für neue Kraftwerke zu begeistern, ja, die bestehenden AKWs am Netz zu halten. Doch was in den USA leider fehlt, ist eine breite Diskussion über Energiesparmaßnahmen. Man kann nur hoffen, dass nun ein längst fälliges Umdenken auch hier stattfindet und man nicht länger auf Sprechblasentrommler wie Sarah Palin hört, die nach „Drill, Baby, Drill“ und Atomkraft schreien.

Gouvernator goes China

Schwarzenegger in ChinaArnold Schwarzenegger ist in China. Dort macht er Werbung für den Standort Kalifornien. Die Volksrepublik und der bevölkerungsreichste amerikanische Bundesstaat sind schon lange eng verbandelt, nun soll das noch intensiviert werden. Schwarzenegger schaute sich unter anderem die chinesische Variante des Hochgeschwindigkeitszuges an. Aus gutem Grund, denn schon bald soll von San Diego im Süden bis nach Sacramento im Norden ein „High Speed Train“ durchs Central Valley rasen. (Ähm, wie aktiv sind eigentlich die deutschen Zugbauer bei diesen Plänen?)

Arnold war auch auf dem Expo Gelände in Shanghai, um dort die Bewerbung der San Francisco Bay Area zu unterstützen, die 2020 die Expo nach Kalifornien holen will.

Zelt im (Hotel)Zimmer

Das Rancho Bernardo Inn in San Diego ist eines der luxuriösen Golf und Spa Resorts im Süden Kaliforniens. Sieht nett aus, man wird bedient und betüdelt, wo es nur geht. Und das kostet eben seinen Preis.

Doch in Zeiten der Wirtschaftskrise sitzen den Amerikanern die Dollar dann doch nicht mehr so locker in der Tasche. Von daher hat sich das Management des Inns etwas einfallen lassen, das sogenannte „Survivor Package“. Normalerweise kostet ein normale Zimmer pro Nacht 219 Dollar. Doch man kann Abstriche machen:

• $199 without breakfast (ohne Frühstück)
• $179 without honor bar (Bar im Kühlschrank)
• $159 without A/C or heat (keine Klimaanlage oder Heizung)
• $139 without pillows (keine Kissen)
• $109 without sheets (keine Betttücher)
• $89 without lights (kein Licht)
• $59 without linens (keine Laken)
• $39 without toiletries (keine Seifen, Shampoo etc.)
• $19 without bed (kein Bett)

Und wenn man sich für den Preis von 19 Dollar entscheidet, wird ein Zelt als Schlafplatz im Zimmer aufgestellt. Das Management erhofft sich durch diese „Bestimm den eigenen Preis“ Kampagne, neue Kunden zu erreichen, die sich das Inn zuerst einmal auf billige Weise ansehen, um dann beim nächsten Aufenthalt den vollen Preis hinzublättern.