Kondomloser Umzug mit Sack und Pack

Los Angeles ist nicht mehr das Mekka der Filmindustrie. Der Porno-Filmindustrie, um es genau zu nehmen. Seitdem die Wähler im Bezirk Los Angeles in einer Abstimmung beschlossen haben, dass Porno Darsteller nur noch mit Kondom ihrem Geschäft nachgehen dürfen, zieht ein Studio nach dem anderen aus dem Valley ab. Gab es 2012 noch 480 Anmeldungen für Pornoproduktionen in Los Angeles, waren es 2013 gerade mal noch 31.Die Kondomverpflichtung ließ für die nackte Industrie das Fass zum Überlaufen bringen. Safe Sex ist ja gut und schön, aber irgendwann ist Schluß mit lustig.

Die Gewinne aus den DVD Verkäufe der Porno-Industrie fallen seit Jahren, der kurzzeitige Boom nach dem Hausfrauenhit „Shades of Grey“ ist auch verpufft. Nun versucht man wieder zu sparen, wo es eben geht. Die Behörden in LA verlangen gleich mehrere Hundert Dollar für eine Filmlizenz und darüberhinaus Gesundheitschecks für alle Darsteller. Hinzu kommen erhöhte Mieten für Büroräume, Lagerhäuser und diverse Örtlichkeiten. Ganz zu Schweigen von diesen neuen Kondomauflagen mit heftigen Strafen, bei Zuwiderhandlung. Deshalb schaute man sich im San Fernando Valley nach neuen Möglichkeiten um, und wo hätte man die besser finden können als in „Sin City“, der Sündenmetropole schlechthin. „What happens in Vegas, stays in Vegas“ ist nur eine der vielen Umschreibungen für Las Vegas.

Clark County, der Bezirk, in dem Las Vegas liegt, verlangt nur eine geringfügige Gebühr für Filmproduktionen. Gesundheitstests fallen ganz weg, die Mieten sind sowieso günstiger als woanders und auch das Wetter ist meistens sonnig und schön. Ideale Bedingungen für Filme, die sowieso nicht durch ihre Handlung oder ihre beeindruckenden Landschaftsaufnahmen bestechen. Fast 20 Prozent der LA Porno-Studios und Produktionsstätten hätten bereits den Umzug nach Las Vegas hinter sich gebracht, sagt ein Insider. Weitere werden mit Sicherheit folgen. Die besseren Bedingungen in Las Vegas waren auch Thema auf der diesjährigen Porno Messe, der „Adult Entertainment Expo“, der größten ihrer Art weltweit.

In Las Vegas freut man sich über diesen Trend, denn die Glitzermetropole im Wüstensand leidet unter massiven Finanzproblemen und kann jeden zusätzlichen Dollar gebrauchen. Ans Sexgeschäft ist man hier auch gewöhnt. Also, da scheinen sich zwei gefunden zu haben, die einfach zusammen gehören.

Safer Sex in California

Los Angeles ist die Traumfabrik. Glanz und Glimmer, Stars und Sternchen. Hier werden die Geschichten erzählt, die die Welt hören und sehen will. Seit den 1930er Jahren ist Hollywood das Zentrum der Filmindustrie. Doch hier wurden und werden nicht nur die Oscar prämierten Erfolgsstreifen gedreht, hier hat sich seit den 70er Jahren am Rande von Hollywood auch eine andere, sehr lukrative Filmindustrie breit gemacht. Das San Fernando Valley wird mittlerweile auch schon das San Pornando Valley genannt.

Die Pornofilmszene setzt in jedem Jahr mehrere Milliarden Dollar um. Wer in Los Angeles vom „Valley“ spricht, weiss, dass dort das Herzstück der Industrie. Rund 90 Prozent der amerikanischen Pornostreifen wird hier gedreht. Eine Couch, ein Klappbett kann man überall aufstellen. In Porn Valley werden die anderen Träume befriedigt.

Doch damit scheint bald Schluß zu sein. Erst stimmten im November die Wähler in Los Angeles County für eine Kondompflicht bei Sexfilmproduktionen, um so, wie es heißt, die Schauspieler zu schützen. Großer Aufruhr bei den Produktionsfirmen, die immer wieder betonten, dass sie schon seit Jahren ihre Schauspielerinnen und Schauspieler mehrfach testen lassen, bevor auch nur eine Hose oder ein Minirock zu Fall kommt. All das Protestieren half nichts, LA stimmte für „Safer Sex“.

Und nun geht der Kampf für sauberen Sex in die zweite Runde. Nach der Niederlage an der Wahlurne drohte die Sex-Industrie mit einem Abzug aus LA, um sich andernorts, sprich hinter den Stadtgrenzen niederzulassen. Aber ein kalifornischer Abgeordneter will genau das verhindern. Zumindest in seinem Bundesstaat. Isadore Hall aus Compton, in LA County, brachte nun eine Gesetzesnovelle in Sacramento ein, die für alle Pornoproduktionen in Kalifornien den Gummischutz vorschreiben soll. Noch ist das nicht amtlich, die Diskussion darum hat allerdings schon begonnen. Interessanterweise wird das Gesetz zur Kondompflicht von der Porno Industrie als Angriff auf die Meinungsfreiheit gewertet. Zumindest von einigen, die erklären, Film sei Kunst, sei eine freie Meinungsäußerung, und wer das reglementieren will greife damit das verbuchte Grundrecht an. Die Pornodarsteller sind also die wahren Hüter der amerikanischen Verfassung.