San Francisco macht dicht

Golden Gate Bridge, Alcatraz, Fisherman’s Wharf, Alamo Square, Chinatown und Lombard Street. So sieht in der Regel die Mindesttour eines San Francisco Touristen aus. Doch das kann sich schon bald ändern, denn die Stadt San Francisco schiebt einen Riegel vor die Lombard Street. Anwohner beklagen sich schon seit Jahren, dass sie in ihren sündhaft teuren Häusern am Russian Hill nicht mehr ruhig leben können. Gerade in den Sommermonaten strömen tagtäglich Tausende Touristen zur weltbekannten Kurvenstraße zwischen Hyde und Leavenworth Street. Menschen aus aller Welt stehen da und knipsen sich die Finger wund. Autoschlangen, die darauf warten, endlich die paar Meter Kurvenfahrt hinab zu rollen, stauen sich blockweit. Verkehrsrowdys, Hupen, Abgase, Partystimmung, Abfall.

Genug ist genug. Anwohner der gesamten Gegend rund um den berühmten Lombard Street Block rennen im Rathaus und bei ihren Stadtteilverantwortlichen schon lange die Türen ein. Nun hat man im Verkehrsausschuss beschlossen zumindest an vier Wochenenden den Autoverkehr durch die Lombard Street zu blockieren. Damit wolle man testen, ob so eine Lösung gefunden werden kann. Touristen können auch weiterhin zu Fuß kommen und Bilder von der Kurvenfahrbahn und den bunten Gärten machen, allerdings bleiben Autos draußen. In ersten Reaktionen beschwerten sich Besucher aus aller Welt über diesen Entscheid. Die Lombard Street sei eine Touristenattraktion, die man nicht einfach für den Verkehr schließen darf, ist der allgemeine Tenor.

Wer allerdings 3,5 bis 5 Millionen Dollar für ein Haus in der Gegend ausgibt, denkt sicherlich anders. Etwas Ruhe am Wochenende, etwas weniger Verkehrschaos und mehr bergauf spazierende Touristen ist doch eine durchaus akzeptable Lösung für alle.

 

Der Limokrieg am Golden Gate

Es geht nur um 2 Cent. Nicht einen und nicht drei Cent. 2 Cent, was ist das schon, die liegen doch eigentlich auf der Straße und bedeuten so gar nichts beim Einkauf. Doch diese 2 Cent stehen für viel mehr. Diese 2 Cent öffnen Tür und Tor für eine größeren Kampf, der schon jetzt mit dem der Tabakindustrie verglichen wird. Auf Antrag von zwei Stadträten in San Francisco werden die Bürger der nordkalifornischen Metropole im November über eine lokale Sodasteuer abstimmen. Also 2 Cent auf jede Cola, Pepsi, Sprite, Mountain Dew, 7up, Dr. Pepper, Root Beer… Damit solle ein Zeichen gegen die Fettleibigkeit gesetzt werden, so die Initiatoren, stark gesüßte Getränke seien mitverantworlich am Dickwerden in den USA. Die erzielten Erlöse aus der 2 Cent Steuer sollten dann in Gesundheitsprogramme und Aufklärungskampagnen investiert werden.

Doch die Soda Industrie will sich das nicht bieten lassen. San Francisco wird zum Schauplatz einer Schlacht gemacht, die gewonnen werden muß. Massiv gehen die Limonadenabfüller gegen die Pläne aus dem Rathaus vor und machen Millionen Dollar locker für einen Wahlkampf am Golden Gate. Schon acht Monate vor dem Abstimmungstermin überschwemmen sie die Bürger von San Francisco mit Flugblättern und TV-Spots. Von einem “Nanny State” ist die Rede, einer Regierung, die immer mehr die Bürger bevormunden will. Von hohen Mieten und hohen Preisen in der “City by the Bay” wird gesprochen, um die sich die Damen und Herren in der “City Hall” kümmern sollten. Stattdessen disktutierten sie um das leibliche Wohl der Menschen in San Francisco und wollten die Dinge mit zusätzlichen Steuern noch weiter verteuern.

Der Kampf der Cokes und Pepsis erinnert an den von Joe Camel und Marlboro Man vor etlichen Jahren. Damals erkannten sie, dass Versuche auf der lokalen Ebene Antiraucher Gesetze umzusetzen fatale Folgen haben könnte. Und genauso geschah es. In Contra Costa County, einem Bezirk östlich von San Francisco wurden anfangs Rauchverbote in Restaurants eingeführt, zum Schutz der Mitarbeiter. Die Tabakindustrie lief Amok, schmierte Politiker und Beamte, versprach Gelder für lokale Projekte und Initiativen, bot im Hintergrund Verantwortlichen lukrative Jobs und Gehälter. Doch alles half nichts, die Bürger stimmten für ein Rauchverbot in Restaurants. Alles andere ist Geschichte. Die Arbeitsschutz- und Nichtrauchergesetze breiteten sich im ganzen Land und auf allen Ebenen aus. Heute sind Raucher fast Aussätzige, die im Regen, Wind und Schnee schnell mal in einer Garageneinfahrt einen Glimmstengel durchziehen. Bemitleidenswert. In vielen amerikanischen Parks, vor Eingängen, sogar an manchen Stränden darf nicht mehr geraucht werden. Wer weiß, vielleicht sieht man schon bald ein paar Coca Cola Süchtige im Schutz der Dunkelheit einen Sixpack aus dem Corner Store tragen….the good old times, als Amerika noch von einem rauchenden Cowboy regiert wurde, der zur Erfrischung eine eisgekühlte Coke trank. Lang, lang ist es her.

Die Kunst als Opfer

Es ist mal wieder soweit. San Francisco, die Stadt am Golden Gate wird vergoldet. Ende der 90er Jahre erlebten wir hier schon einmal das Ausbluten der Kunst- und Kulturszene. Der High Tech Boom brachte viel Geld, neue Jobs und vor allem astronomische Mieten mit sich. Künstler, Musiker und Kulturschaffende aller Art wurden immer mehr verdrängt. Erst in die Stadtteile am Rande der Metropole, dann über die Bay nach Oakland. Etliche von ihnen zogen sogar ganz weg aus der Region. Viele tauchten wieder in Berlin auf.

Und nun wiederholt sich das ganze. In Downtown San Francisco erlebt man derzeit ein Galeriesterben. Eine nach der anderen Galerie macht dicht. Das liegt nicht am mangelnden Interesse an Kunst. Ganz im Gegenteil, San Francisco ist eine Kunstmetropole. Vielmehr breiten sich die Dot.com Firmen erneut aus, es ist wieder viel Geld im Umlauf, eine neue Blase wird heran gezüchtet. Die Vermieter merken das, denn Büroflächen werden rar in der Stadt. Es ist mittlerweile normal geworden, dass Mieten Jahr für Jahr um bis zu 180 Prozent steigen. Neue Goldgräberzeiten sind angebrochen, da verdienen so einige Hauseigentümer einen erheblichen Rentenzuschlag fürs Nichtstun. Die Internetfirmen können sich die steigenden Mieten leisten, sie vergrößern sich derzeit sogar noch. Für Galerien und Kultureinrichtungen in Downtown ist damit jedoch das Ende angebrochen. Sie können sich solch einen Mietwucher nicht länger leisten und ziehen sich zurück, suchen neue Möglichkeiten, Flächen, Ladenräume.

Doch auch in Stadtteilen, wie dem Mission Distrikt oder Portreo Hill sind die Mieten in der jüngsten Zeit in astronomische Höhen gestiegen. San Francisco verliert erneut im aktuellen Boom ein Stück von dem, was das Leben in dieser beeindruckenden Metropole ausmacht – die kulturelle Vielfalt, ein lebendiges Gemisch aus Hoch- und Subkultur.

I left my heart in San Francisco

Vor 50 Jahren, im Februar 1962, veröffentlichte Tony Bennett den Song “I left my heart in San Francisco”. Das Lied wurde jedoch schon 1954 von George Cory und Douglass Cross geschrieben. Beide hatten im fernen New York Sehnsucht nach ihrem San Francisco und schrieben eine bewegende Hymne auf diese Stadt. Eigentlich war das Lied für Claramae Turner gedacht, die es jedoch nur live als Zugabe sang und nie auf Band einspielte. Über Umwege kam es zu Bennett, der es zum ersten mal im Dezember 1961 im Fairmont Hotel von San Francisco live präsentierte. Die Reaktionen darauf waren umwerfend.

Tony Bennett wurde mit “I left my heart in San Francisco” weltbekannt. Und es ist ein Welthit geworden, der diesen Titel auch verdient, der jedem und jeder, der schon mal in der “City by the Bay” war, Tränen in die Augen treibt. Ein Song, der wie ein Soundtrack für die Stadt am Golden Gate steht.

Zum gestrigen 50. Geburtstag des Liedes wurde Tony Bennett im Rathaus geehrt. Um Punkt 12 Uhr mittags spielten Dutzende von Radiostationen in der Stadt das Lied und über öffentliche Lautsprecher wurde es genauso verbreitet. Die Leute verharrten, lächelten, sangen und summten mit… “I left my heart in San Francisco”…

The loveliness of Paris seems somehow sadly gay
The glory that was Rome is of another day
I’ve been terribly alone and forgotten in Manhattan
I’m going home to my city by the Bay

I left my heart in San Francisco
High on a hill, it calls to me
To be where little cable cars climb halfway to the stars
The morning fog may chill the air, I don’t care

My love waits there in San Francisco
Above the blue and windy sea
When I come home to you, San Francisco
Your golden sun will shine for me

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Tretmine für Obama

Der Vorwahlkampf der Demokraten war noch nicht entschieden, doch im Februar des Jahres 2004 war alles schon gelaufen, zehn Monate vor dem eigentlichen Wahlgang. George W. Bush konnte sich auf seinen Chefstrategen Karl Rove verlassen. Der bekam eine Steilvorlage aus San Francisco und heizte die Stimmung im Land an. Die Wahl ums Weiße Haus sei eine Wahl um Moral, christliche Werte und ein deutliches Nein zu den “San Francisco Values”.

Was war geschehen? Quasi im Alleingang entschied der damalige Bürgermeister Gavin Newsom, dass Schwule und Lesben das gleiche Recht auf Ehe haben, wie heterosexuelle Paare. In einem Interview mit der Nürnberger Zeitung erklärte Newsom damals, dass dieser Kampf der letzte große “Fight” der Bürgerrechtsbewegung sei. Newsom wies seine kommunale Vewaltung an, gleichgeschlechtliche Partner zu trauen. Ein Aufschrei ging durchs Land, Newsom stand auf einmal im Rampenlicht, verhasst und wie ein Aussätziger behandelt. Sogar viele in seiner eigenen Partei warfen ihm vor, nur aus Machtkalkül gehandelt zu haben. Doch Newsom meinte im NZ Interview, die Reaktionen auf seine Entscheidung zeigten deutlich, dass er sich eher ins politische Aus manövriere als daraus politisches Kapital zu schlagen.

Die Gerichte stoppten nach ein paar Wochen die Trauungen, die Schwule und Lesben aus allen Teilen der USA und auch aus Übersee nach San Francisco brachten. Damit begann ein juristischer Kleinkrieg, ein Hick-Hack, ein hin und ein her. Im November 2008 stimmte eine Mehrheit der kalifornischen Wähler schließlich für Proposition 8, mit dem das Recht auf Ehe nur für heterosexuelle Paare festgelegt wurde. Und wieder gab es eine Klagewelle.

Am Dienstag nun entschied das Bundesgericht mit Sitz in San Francisco, der 9th Circuit Court, verantwortlich für den Westen der USA, dass Proposition 8 nicht rechtens sei. In der Begründung der Richter hieß es: “Proposition 8 ist zu nichts gut und hat keine anderen Auswirkungen als den Stand und die menschliche Würde von Schwulen und Lesben in Kalifornien zu mindern, und ganz offiziell ihre Beziehungen und ihre Familie als minderwertig im Vergleich zu heterosexuellen Paaren einzustufen”. Mit einer sorgsam formulierten Urteilsentscheidung ist der Weg zum Obersten Verfassungsgericht freigemacht worden. Die Richter des 9th Circuit Court haben genauestens über ihren Richterspruch nachgedacht und nicht die Verfassungsmäßigkeit von Proposition 8 kritisiert, sondern eher das, was Befürworter eines Verbots für Homo-Ehen erklärten, das dies eine Gefahr für Kinder abwende und eine verantwortliche Fortpflanzung garantiere. Mit dieser Wortwahl könnte es durchaus sein, dass der Oberste Verfassungsgerichtshof in Washington den Einspruch überhaupt nicht annimmt. Ein Sieg für die Gay-Community.

Doch nun zum Präsidentenwahlkampf. Denn das Thema wird zum Präsidententhema. Alle republikanischen Kandidaten reagierten umgehend und erklärten, sie würden als Präsident nur Richter ins Amt heben, die strikt die Verfassung auslegten und nicht von der Richterbank Politik betrieben. Und gerade das werfen sie den Juristen des 9th Circuit Court vor. Der Wahlkampf 2012 wird sich also wieder um die “San Francisco Values” drehen. Obama soll in eine Ecke gedrängt werden, um öffentlich zu erklären, dass er für die Homo-Ehe ist. Und damit würde – egal für welchen Kandidaten im republikanischen Lager – die christlich-konservative Basis mobilisiert werden, die sich bislang noch auffällig zurück gehalten hat. Es gibt ja auch sonst keine Probleme!

 

 

 

 

“Merry Christmas” aus Nordkalifornien

Weihnachten am Golden Gate:

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Union Square in der Adventszeit

Gay Pride in San Francisco

rainbowflagSan Francisco gilt als die Hauptstadt der Schwulen- und Lesbenbewegung. Doch die Stadt am Golden Gate ist schon seit Goldgräberzeiten für ihre Liberalität bekannt, wenn es um Sexualität und Lebenseinstellungen geht.

Der Juni ist der “Gay Pride” Monat. Überall in der Stadt hängen die Regenbogenfahnen, viele Veranstaltungen, allen voran das größte Gay Filmfestival der Welt, Frameline, zeugen von einer selbstbewußten Haltung. Am morgigen Sonntag findet in San Francisco auf der Market Street die riesige Parade statt.

Hier ein Audiobeitrag über “Gay San Francisco”:

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Von der Sprachlosigkeit

Als Journalist erlebt man vieles, was man lange, sehr lange mit sich rumschleppt. Man sieht Dinge, die einen nicht mehr verlassen. Man spricht mit Menschen, hört ihre Geschichten, ihre Erlebnisse, versucht zu verstehen. Manchmal geht das, manchmal geht es nur zum Teil, manchmal geht es gar nicht. Man schreibt, berichtet, versucht das in Worte zu fassen, mitzuteilen, irgendwie verständlich zu machen, was Erich Kästner mal sehr treffend als so fürchterlich beschrieben hat, “daß man darüber nicht schweigen darf und nicht sprechen kann”. Man kommt in solche Situationen und weiss nicht, wie man da wieder heil raus kommt.

Als Journalist habe ich schon über viele “Stories” berichtet. Ich habe über den “Job” viele Menschen kennen gelernt, die zu Freunden wurden. Ich habe bei Interviews gelacht, bis ich nicht mehr konnte. Journalist sein ist ein wunderschöner Beruf. Doch es sind eben gerade diese intensiven Geschichten, die man mit sich rumträgt, die einen nicht mehr verlassen. Bernard Offen, Überlebender des Holocaust, den ich nach einem Interview in San Francisco wieder bei den Feierlichkeiten zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau traf. Er lud mich ein, mit ihm und der amerikanischen Reisegruppe zu Abend zu essen. Am Tisch unterhielten wir uns, sie berichteten und ich hörte einfach nur zu. Und dann rollte einer nach dem anderen den Ärmel nach oben und zeigte mir seine Tätowierung auf dem Unterarm. Ich habe mich noch nie so geschämt Deutscher zu sein.

Manche Besuche im Todestrakt von San Quentin gehören auch auf diese Liste des Unbeschreiblichen. Dort habe ich mehrmals mit Häftlingen gesprochen, deren Hinrichtung angesetzt war. Man ist um Worte verlegen, gerade am Ende eines solchen Gesprächs. Es gibt immer wieder Interviews und Gespräche mit Menschen, die einen nicht mehr loslassen. Ehemalige deutsche Internierte im Zweiten Weltkrieg in den USA, die noch immer auf ein Schuldeingeständnis jenes Landes warten, in das sie flüchteten. Alte Männer, die wissen, sie haben nicht mehr viel Zeit.

Da sind Dinge, die man sieht, die man versucht in Worte zu fassen. Die Bilder von den Terrorangriffen des 11. Septembers, als Menschen aus den brennenden World Trade Center Türmen in den sicheren Tod sprangen. Man sah sie, aber man berichtete nicht darüber. Die Toten in Juarez, Mexiko, mit Kugeln durchsiebt, geschändet und niedergemetzelt, die dort zum abendlichen Stadtbild gehören. Die Berichte und die Bilder des Genozids in Ruanda, ein “Thema” in das ich irgendwie hinein stolperte. Ich saß Schwester Milgitha in Kaduha gegenüber und hörte ihr nur zu. Danach trat ich nach draussen, atmete ganz tief durch und merkte, was für eine Last Worte sein können.

Und Sie fragen sich nun, was das alles mit diesem Blogeintrag zu tun hat? Ja, eigentlich wollte ich hier “nur” über den Film “Dark Water Rising” berichten, den ich gerade auf DVD gesehen habe. Ein Film über die Rettungsversuche nach den Hurricanes Katrina und Rita, die New Orleans verwüsteten. Die Regierung rettete die Menschen, die Haustiere wurden zurück gelassen. Nur wenige tausend überlebten. Dieser Film zeigt die Organisationen und Freiwilligen, die nach New Orleans kamen, von Haus zu Haus gingen und die Tiere retteten, die man finden konnte und die noch am Leben waren. Diese Bilder brachten für mich die anderen Bilder hoch und ich war froh, dass ich 2005 nicht nach New Orleans ging, um über das Ausmass der Katastrophe, das Unvermögen der amerikanischen Regierung und der offiziellen Stellen zu berichten. Und vor allem nicht über das, was man hier sehen kann. Doch schauen Sie selbst, der gesamte Film liegt auch als youtube Video vor:

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“Ich schmeiss alle raus”

San FranciscoDie “City by the Bay” hat Riesenprobleme. Schlappe 522 Millionen Dollar ist das Haushaltsloch gross. Da hilft eigentlich so gut wie gar nichts. Man kann zwar Gebühren für allerlei Bürgerserviceleistungen und Preise für Fahrscheine des öffentlichen Nahverkehrs anheben, man kann auch mal Angebote reduzieren oder Öffnungszeiten für Museen verkürzen, aber irgendwie kommt man da am Ende auch nicht auf diese magische Zahl 522 Millionen Dollar. Das ist doch alles nur ein Geschiebe von Pennies.

Nun greift Bürgermeister Gavin Newsom zu radikalen Hilfsmassnahmen. Er hat 15.000 seiner 26.000 städtischen Angestellten gekündigt. Ratzfatz haben diese 15.000 am Freitag ein Entlassungsschreiben bekommen.  Und das ging quer durch die Bank. Vom Müllmann bis zum Lehrer, vom Sachbearbeiter bis zum Ingenieur. Das Geheule war gross, auch wenn Newsom erklärte, er werde die meisten wieder einstellen, denn die Idee hinter dieser Kündigungswelle ist, dass er die städtisch Bediensteten zu anderen Konditionen wieder an ihren Job holt. Newsom hatte im Vorfeld versucht einen breiten Einschnitt bei den Gehältern durchzusetzen. Doch das ist ihm nicht gelungen. Die Gewerkschaften zogen nicht mit. Also schmeisst er nun fast alle raus, die 40 Stunden in ihrem Vertrag haben, stellt sie dann wieder mit Verträgen für 37,5 Stundenwochen ein, zahlt ihnen 6,25 Prozent weniger Gehalt und spart damit einen riesigen Batzen Geld.

Das ist doch auch mal ein Weg, um das Haushaltsloch zu flicken. Allerdings wäre es ja zu leicht, wenn das alles ohne Probleme über die Bühne gehen würde. Schon jetzt haben etliche Arbeitnehmerorganisationen heftigen Widerstand gegen diese Vorgehensweise angekündigt. Gavin Newsom kann sich also auf was gefasst machen. Doch ihm kann es egal sein, denn er steht nicht mehr zur Wiederwahl an. Als er vor drei Jahren noch im Wahlkampf war, “erkaufte” er sich die Stimmen der mächtigen Polizei- und Feuerwehrgewerkschaften mit einem Gehaltszuschlag von 23 Prozent über vier Jahre. Politik ist schon ein seltsames Geschäft.

Ende am Golden Gate

Golden Gate BridgeZahlen werden selten veröffentlicht. Das hat einen einfachen Grund, niemand soll einen bestimmten Platz in der Statistik einnehmen können. Lange bevor der 1000te Selbstmörder von der Golden Gate Bridge in den fast sicheren Tod sprang wurden keine Zahlen mehr publik gemacht. Nun hat der Gerichtsmediziner von Marin County jedoch erklärt, im vergangenen Jahr sind 31 Menschen von der Brücke gesprungen, drei weniger als im Jahr zuvor. Das sind die offiziellen Zahlen. Fälle von denen man weiss. 20 Leichen tauchten auf, wurden von der Coast Guard gefunden. Von den anderen fehlt jede Spur. Man weiss nur, dass 31 Menschen den Freitod wählten, denn Passanten wurden Zeuge.

Seit der Eröffnung der Golden Gate Bridge 1937 beendeten damit mehr als 1300 Menschen ihr Leben an diesem monumentalen Bauwerk. Nur ganz, ganz wenige überlebten den Sprung aus schwindelnder Höhe in das kalte Wasser der San Francisco Bay. Fast alle sprangen von der Ostseite mit Blick auf San Francisco in die Tiefe.