Schlechte Zeiten für Freier

Dirty HarryMinneapolis und viele andere Städte machen es schon, nun denkt man auch in San Francisco darüber nach. Prostitution ist in den USA illegal, doch nach wie vor wackeln Damen und damenhafte Männer des horizontalen Gewerbes durch die Innenstädte, denn Freier gibt es überall. Für ein paar „Bucks“ ist alles käuflich. Verhaftungen hin oder her, es scheint, die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Minneapolis hat nun eine Webseite mit dem treffenden Namen „JohnsPics“ ins Internet gestellt. Als „John“ werden Freier bezeichnet. Auf der Seite kann man jene Kunden sehen, die von der Polizei dabei erwischt wurden, wie sie Prostituierte in ihr Auto einsteigen liessen oder sogar direkt beim eigentlichen Akt verhaftet wurden. Immer mehr Gemeinden und Gerichte setzen auf die öffentliche Demütigung um abzuschrecken.

Nun also San Francisco. Im Bereich der unteren Polk Street, nur wenige Blocks vom Rathaus entfernt, ist die „Liebe“ in allen Variationen käuflich. Eine vor kurzem durchgeführte Verhaftungswelle ergab jedoch, dass von 15 Kunden, 14 von ausserhalb San Franciscos waren. Von den 36 abgeführten Prostituierten, männlichen und weiblichen Geschlechts, wohnten nur zwei in San Francisco. Der Grund dafür, San Francisco hat den Ruf weg, so gut wie gar nichts gegen Strassenprostitution zu unternehmen. Die Polizei schaut einfach weg, winkt mal nett aus dem Streifenwagen und sucht den nächsten Donut Laden für ein verdientes Päuschen. Nun aber ist ein neuer Polizeichef ins Amt gekommen und der hat die Faxen dicke. George Gascón will nun hart durchgreifen und macht sich damit alles andere als beliebt. Mal sehen, wie weit er kommt oder wann er frustriert das Handtuch schmeisst. San Francisco bräuchte zwar mal einen wirklichen „Dirty Harry“, aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser sich in der „City by the Bay“ durchsetzen könnte, sind gleich Null.

Neujahrsnacht im Sendestudio

Sitze im KUSF Sendestudio mit meinem 2009er Mix. Alles duster, nur eine kleine Lampe brennt. Silvester in San Francisco mal anders erleben. Einige Parties sind in der Umgebung zu hören, aber die Knallerei fehlt. Ist nicht erlaubt, denn hier sind die Häuser aus Holz und das könnte ins Auge gehen. Also bleibt es weitgehend ruhig auf den Strassen.

2009 war gar nicht mal so ein schlechtes Jahr für die Musikszenen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Einige richtig tolle Alben wurden veröffentlicht, wie z.B. Sophie Hungers „Monday’s Ghost“ oder Soap & Skin mit „Lovetune for vacuum“ oder Eisheilig mit „Imperium“ oder Diary of Dreams mit „(if)“. Klar, in einer solchen Sendung über 2009er Veröffentlichungen muss ich auch Rammstein spielen. Aber auch einige Nürnberger Bands sind heute Abend on-air in San Francisco. Fiddler’s Green von ihrer sehr famosen Platte „Sports Day At Killaloe“ und Black Rust mit „medicine & metaphors“.

Na, es ist eine ganz bunte Mischung geworden aus ruhigeren, nachdenklichen Songs, bodenständigen Sachen, dann auch ein bißchen Elektromucke und eben ein paar brettharte Dinger. Auf kusfarchives.com kann man später reinhören faaaaaalllllsssss es jemanden interessieren sollte. Ich wünsche auf alle Fälle ein schönes Neues Jahr aus San Francisco.

Seehunde tauchen ab

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Nach dem Loma Prieta Erdbeben von 1989 siedelten sich die Seehunde in der San Francisco Bay Area am Pier 39 an. Niemand konnte erklären, was die Tiere dazu brachte ihren Felsen vor dem Cliff House zu verlassen und sich auf den Holzstegen am Pier 39 breit zu machen. Und nichts half die lautstarken Seehunde wieder zu vertreiben, über die sich zwar die Touristen freuten aber die Fischer und Händler in der Gegend beschwerten. Über die Jahre akzeptierte man allerdings diese Touristenattraktion. Die Seehund Rettungsstation „Marin Mammal Centre“ in Sausalito eröffnete sogar einen Informations- und Geschenkestand.

Pier 39Am 23. Oktober wurden am Pier 39 sage und schreibe 1701 Seehunde gezählt, die teils in Schichten übereinander und kreuz und quer lagen. Man kam sich vor wie in der Strassenbahn nach einem mal siegreichen Clubspiel, so laut und so voll war es. Doch dann passierte etwas völlig unerwartetes. Am Montagabend schlummerten gerade mal vier Seehunde auf dem Pier. Keiner weiss, was geschehen war, niemand kann sagen, wo der Rest der Herde abgeblieben ist. Alles ist mausestill, ruhig, nix mehr los am Pier und die Touristen ziehen enttäuscht von dannen.

Eine Pyramide wird 40

Trans America PyramideVor 40 Jahren begannen die Bauarbeiten an der „Transamerica Pyramid“ in San Francisco. Das ikonische Gebäude war schon in der Planungsphase heftigst umstritten. Die Skyline von San Francisco würde verunstaltet, hiess es. Ein Architektur Magazin erdreistete sich sogar zu der Behauptung, der Bau eines solchen Turmes käme der Sprengung des Grand Canyons gleich.

Doch das 1972 fertiggestellte  und rund 260 Meter hohe Gebäude ist zu einem Blickfang und zu einer Sehenswürdigkeit der nordkalifornischen Stadt geworden. Heute gehört die „Transamerica Pyramid“ zum Stadtbild wie die Golden Gate Bridge. In unzähligen von Hollywoodfilmen war sie schon zu sehen, Touristen halten sie auf ihren Erinnerungsphotos fest. Der spitze Turm prägt die Skyline von San Francisco. Anstelle eines plumpen rechteckigen Kastens wurde ein weiterer Blickfang geschaffen, der einzigartig und eine Bereicherung für die Stadt ist.

Aber es gibt nach wie vor Kritiker, die behaupten, diese Art von Architektur habe nichts in einer alten Stadt und gerade im ältesten Teil von San Francisco zu suchen. Noch immer sehen sie die „Transamerica Pyramid“ als Schandfleck in einer der schönsten Städte der Welt.

Ocean Rising

PacificaDas Meer kommt und das Meer holt sich, was es will. Pacifica ist eine Kleinstadt südlich von San Francisco. Wunderschön und direkt am Pazifik gelegen. Schönes Klima und beliebt bei Surfern. Doch die Einwohner kämpfen seit Jahren gegen die Erosion der Sandstein Klippen. Am Donnerstag war es mal wieder so weit. Ein rund 15 Meter breiter Streifen vor einem Mehrfamilienhaus sackten ins Meer, das nun direkt am Abhang steht. Die Behörden erklärten das Haus umgehend als unbewohnbar und gaben den Mietern nur wenige Minuten, um ihre Habe aus dem Haus zu schaffen.
Noch vor wenigen Tagen informierte der Vermieter der Wohnungen die Mieter, dass er sich um öffentliche Gelder bemühe, um am Fusse des Cliff eine Barriere für die Wellen zu errichten, um so das Haus zu schützen. Doch….“you can’t beat nature“, erklärte er am Donnerstagnachmittag sichtlich geschockt.

Mordstadt Oakland

Oakland MordZuerst die gute Nachricht. Vor einem Jahr lag in Oakland die Mordrate Ende November schon bei 115 Toten. Ein Jahr später ist sie leicht gefallen, am Wochenende wurde der 100. Ermordete auf den Strassen Oaklands aufgefunden, ein 52jähriger der mit Schusswunden in seinem Blut lag. Eine Meldung, die hier keinen mehr so richtig überrascht, erzürnt, nachdenklich macht. Man lebt in Oakland mit dieser Mordrate….oder genauer gesagt in East- und West-Oakland. Zwei Stadtteile, die besonders betroffen sind. Hier sind Schiessereien, Drogen- und Bandenkriege und Morde zur Normalität geworden. Kinder wissen, dass man sich ducken muss, wenn es ballert. Das gehört hier einfach dazu.

Als ich 1999 hierher zog lag die Rate gerade mal bei 68 Toten. Und „gerade mal“ in diesem Zusammenhang zu schreiben, ist schon komisch. Denn 68 Ermordete gelten in Oakland als ein Erfolg der Polizei- und Präventionsarbeit. Nach 1999 ging es steil bergauf, jedes Jahr weit über 100 Tote. Bürgermeister kamen und gingen, darunter solche politischen Schwergewichte wie Jerry Brown und Ron Dellums. Beide führten Wahlkampf mit der hohen Mordrate und versprachen diese zu senken. Aber nischte passierte. Sie brachten neue Polizeipräsidenten mit sich, schöne Worte und viele neue Strategien, aber am Ende war die Modernisierung der Innenstadt wichtiger als der Alltag in den sowieso runtergekommenen Stadtteilen. Jerry Brown war früher Gouverneur von Kalifornien, dann demokratischer Präsidentschaftskandidat. Wurde Bürgermeister in Oakland, danach Generalstaatsanwalt in Kalifornien und ist nun erneut im Gespräch als Gouverneur des Bundesstaates. Könnte ich wählen, ich würde ihm nicht mein Kreuzchen geben, denn er hat auf ganzer Strecke in dieser Stadt versagt. Und der Amtsinhaber Ron Dellums ist nicht viel besser. Lange Zeit Kongressabgeordneter für Oakland, er gilt als einer der einflussreichsten Afro-Amerikaner in den USA, enger Busenfreund der Clintons. Doch im letztjährigen Präsidentschaftswahlkampf war er mehr für Hillary Clinton aktiv, glänzte durch Abwesenheit, als die Mordrate 2008 auf 124 Tote anstieg.

Seitdem ich vor 10 Jahren nach Oakland zog, wurden auf den Strassen der Stadt nahezu 1500 Menschen ermordet. Hier gewöhnt man sich an solche Statistiken. Als ich mit der Bundeswehr nach Afghanistan reiste, versuchte ich meine Mutter mit dem Argument zu beruhigen, dass die Wahrscheinlichkeit in Oakland umgebracht zu werden um einiges höher liegt als in Begleitung der Bundeswehr am Hindukusch. Es ist wohl überflüssig zu sagen, dass Mutter Peltner dem Argument so gar nicht folgen wollte. „Ach, hör doch auf Arndt“, waren ihre Worte.

Na ja, man kann auch die gute Seite des ganzen sehen. Oakland ist nicht die gefährlichste Stadt Kaliforniens. Man soll ja auch mal über die guten Nachrichten berichten.

Verkehrschaos

Ein „Traffic Nightmare“ war es schon heute zum abendlichen Berufsverkehr. Und morgen früh soll es noch schlimmer werden. Gegen 18 Uhr riss ein Kabel auf der Bay Bridge, die San Francisco und Oakland verbindet. Erst vor ein paar Wochen wurden genau an dieser Stelle Risse im Stahl entdeckt und ausgebessert. Heute jedoch stürzten Metallteile auf die Fahrbahn. Mehrere Autos wurden beschädigt, glücklicherweise dabei keine Personen verletzt. Nun ist die Brücke erst einmal total gesperrt, für wie lange steht noch in den Sternen.

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Amnestie für Buchwürmer

Die Stadtbücherei in San Francisco hat eine Amnestie für all jene ausgesprochen, die schon seit Ewigkeiten auf ausgeliehenen Büchern sitzen und sie einfach nicht zurück gebracht haben. Die Straffreiheit bedeutet zwar keine Gebühren, aber man muss erzählen, warum man das Buch nicht pünktlich zurück gebracht hat. Das ganze wurde zu einem kreativen Schreibwettbewerb umfunktioniert.

Und dabei sind einige ganz witzige Geschichen zusammen gekommen. Vom Hund, der das Buch angeknabbert hat, bis hin zu Schulkindern, die bei der Rettung von Meerestieren einfach das Abgabedatum vergessen haben. Auch eine Frau meldete sich, die einen Ratgeber für jüdische Partnersuche erst verspätet zurück brachte. Ihre Begründung, nach dem dritten Mann erkannte sie, dass das Buch nichts taugt. Ein Nutzer gab an, dass seine Schwester eine ausgeliehene DVD aus Wut in seine DVD Sammlung schob und er es erst kürzlich bemerkte.

Insgesamt wurden 29928 Bücher, Filme, CDs und Kassetten zurück gegeben. Ein absoluter Rekord. 2001 gab es schon mal eine ähnliche Amnestie der SF Stadtbücherei, damals wurden gerade mal 5000 Rückgaben gemacht. Die Bibliotheksleitung geht davon aus, dass die derzeitige Wirtschaftskrise für die hohe Zahl verantwortlich zu machen ist.

Vielleicht wäre dieser Amnestie-Schreibwettbewerb ja auch eine Idee für die Nürnberger Stadtbibliothek:

Musik ist Trumpf

Man kann sich ja auch mal freuen, wenn man eine positive Rückmeldung bekommt. Und das habe ich, als ich gestern den Artikel einer Kollegin zugeschickt bekam, die mich vor einiger Zeit hier im Studio in San Francisco besucht hatte und über Radio Goethe einen Artikel geschrieben hat. Hach, das tut gut 🙂

Hier geht es zum Artikel