Lieder erkennen

Vor kurzem durfte ich mal wieder bei KKUP on-air gehen, um an einem Sonntagnachmittag für offene und interessierte Hörerinnen und Hörer im Großraum San Jose meine Musikmischung zu spielen. Das reichte von Sirom und Dirtmusic, über Studio Shap Shap und Senyawa und den Shiny Gnomes, bis hin zu Dolphin Midwives, Einstürzende Neubauten und Mika Vainio.

Einige dieser Platten und CDs sind nicht gerade bekannt, schon gar nicht in den USA. Und dennoch hat das neue Playlisten-System „Spinitron“ alle meiner Songs erkannt. Früher musste man Titel, Band und Länge selbst eingeben, nun wird der Song schon kurz nach den ersten Tönen automatisch registriert und in die Playlisten des Senders eingefügt. Ich war begeistert. Zuvor noch dachte ich, bei meiner eher internationalen und teils ausgefallenen Musikauswahl müsste ich viel selbst eingeben, aber es kam ganz anders. Spinitron erkannte sowohl die Musik aus dem Niger, wie auch einen Song auf einer limitierten Auflage eines finnischen Soundtüftlers.

Ich bin ja nicht gerade der große Kenner solcher technischer Entwicklungen, aber dennoch frage ich mich, wie das möglich sein kann, dass ein Musikerkennungssystem für College-, Community- und Bildungssender all die Aufnahmen richtig erkennt und registriert, die noch nicht einmal in den USA erhältlich sind und zum Teil gar nicht richtig erschienen sind? Für mich war es faszinierend mit jedem Song zu beobachten, wie lange das System braucht, um die Lieder zu erfassen. Grandios!

„In god we trust“ – ein Audiobericht zum Kirchenasyl

Die Montclair Presbytarian Church.

Gotteshäuser waren schon immer Anlaufpunkt für Menschen in Not. In Krisenzeiten mehr denn je. Und in solch einer Krisenzeit sehen viele in den USA das eigene Land. Die politische Hetze des Wahlkampfes gegen Immigranten und Andersdenkende hat auch viele Glaubensgemeinschaften aktiv werden lassen. Für sie ist das, was auf dem Sockel der Freiheitsstatue steht, ein wichtiger Grundsatz dieses Landes:

„Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.“

Vor dem Hintergrund von drohenden Massenabschiebungen und einem Mauerbau wird in den Vereinigten Staaten von Amerika nun wieder offen und breit über Kirchenasyl für Flüchtlinge gesprochen, die Zahlen haben sich allein in der San Francisco Bay Area verdoppelt. Ein Besuch in der „Presbytarian Church of Montclair“, meiner Nachbarschaft:

 

      Kirchenasyl in den USA

 

Amerika hat ein Sicherheitsproblem

Nach dem 11. September 2001 änderte sich alles an den amerikanischen Flughäfen. Zuersteinmal ist jeder verdächtig. Die Zahnpasta, das Duschgel, das Deo, der eingekaufte Wein, alles könnte ja was anderes sein, als auf dem Label steht und zum Sprengen des Fliegers genutzt werden. Im Schuh trägt man so lange eine Bombe, bis alles durchleuchtet und chemisch abgeklärt ist. Man wird durchleuchtet, Gepäck wird geöffnet, Daten für USA Reisende werden schon vor dem Abflug an eine riesige Datenbank gesendet. Und Zehntausende von Menschen können überhaupt nicht mehr in die USA fliegen oder per Flugzeug die USA verlassen. Die „No Fly List“ ist streng geheim, kein Sterblicher weiß, wie man darauf kommt und vor allem, wie man wieder runter kommt von dieser ominösen Liste.

Und nun ist ein 16jähriger am Sonntag einfach so und ohne Ticket vom kalifornischen San Jose nach Hawaii geflogen. Er hatte Streit mit seinen Eltern, rannte weg. Am Flughafen kletterte er über einen Zaun, ging auf eine Maschine der Hawaiian Airlines zu und krabbelte dort in den Fahrwerksschacht. Der Flieger hob ab und landete nach fünfeinhalb Stunden auf dem Flughafen Maui. Der Junge kletterte aus seinem Versteck und wurde von Airline Mitarbeitern entdeckt, die Polizei wurde gerufen und nun rätselt man, wie der 16jährige den Flug in rund 10 Kilometern Höhe bei mangelnder Sauerstoffzufuhr und bei Minustemperaturen von 40 – 50 Grad überleben konnte. Scheinbar lag der Junge den Großteil des Fluges ohnmächtig im Radschacht. Und nicht nur das, die Sicherheitslücke im scheinbar soliden Sicherheitsnetz ist riesig. Homeland Security ist eingeschaltet worden und versucht nun zu klären, wie es zu dieser ungewollten Mitreise kommen konnte. Der Ausreißer hat nun einige mit seiner unbedachten Flucht vor riesige Probleme gestellt. Die vielgelobte Sicherheit auf Flügen seit „9/11“, das Schulterklopfen der Politiker und Sicherheitsfanatiker in den USA muß nun ganz neu beleuchtet werden.

Der Junge wird derzeit genauestens untersucht, ob er einen Schaden von seinem Mitflug davon getragen hat. Experten meinen, dass solche blinden Passagiere wohl gar nicht so selten sind, sie einfach beim Ausfahren des Radwerks tot ins Meer fallen würden. Einige glauben noch immer an einen schlechten Scherz und sind davon überzeugt, dass der Junge nicht die Wahrheit erzählt. Doch klar ist, das belegen Kameraaufzeichnungen am Flughafen San Jose, dass er einen Zaun am Airport überwunden hat, ohne das Alarmglocken losschrillten.