Es grünt und regnet in Somaliland

Quer durchs Land in den Osten. Nun sitze ich in Erigavo, Sanaag, einer Region, die sehr stark von der Dürre betroffen war. Aber das ist vorbei. Heute auf unserer Fahrt regnete es, ein Straßenabschnitt war sogar überflutet. Sowieso ist die Anreise in diesen Teil von Somaliland mehr als beschwerlich. Für 320 Kilometer braucht man mehr als sieben Stunden. Die Landstraße ist nur zu einem kleinen Teil geteert, meist ist es Schotter auf dem gefahren wird. Ein paar Stellen gibt es von der wichtigen Süd-Nord-Verbindung gar nicht mehr, so dass man auf offenes Land ausweichen muss.

Ich bin erneut mit der Hilfsorganisation Care unterwegs. Zahlreiche Projekte konnte ich schon sehen, morgen geht es dann weiter. Gestern schauten wir uns ein Wasser-Solar Projekt an. Ein Techniker wurde in der Hauptstadt Hargeisa ausgebildet, um in seinem Dorf eine Wasserpumpe zu betreiben, die mit Solarstrom betrieben wird. Und der Solarstrom wird an kleine Geschäfte im Dorf verkauft, so finanziert sich das Projekt, so wird der Techniker bezahlt, so wird die Pumpe und die Solaranlage instand gehalten.

Danach ein Besuch bei den Frauenspargruppen, die kleinere Kredite an Frauen im Dorf vergeben, ohne Zinsen. Das Dorf ist durch dieses einfache Projekt enger zusammen gerückt. Startkapital gab es von Care nicht, nur die Anleitung vor zwei Jahren, wie man es macht.  Jede Frau zahlt monatlich etwas ein, einen winzigen Betrag. Gemeinsam entscheidet man dann, welche Projekte von den Frauen in der Gruppe unterstützt werden. Und es klappt. Warum habt Ihr das nicht schon früher gemacht? Alina schaut mich fragend an, lacht und meint, vorher hat jede Frau sich nur um ihre Küche gekümmert. Sie wisse es auch nicht, warum man so lange damit gewartet hat.

Heute ging es weiter in den Osten nach Ainabo, in ein IDP Camp, ein Flüchtlingslager für „internal displaced people“, Inlandsflüchtlinge, die vor allem Opfer der Dürre wurden. In diesen Camps geht es für Care um die Wasserversorgung und um die Hygiene. Scheinbar einfache Projekte, die jedoch in einer unterversorgten Region alles andere als problemlos sind. Von dort ging es weiter Richtung Norden nach Sanaag, hier ist Care eine von zwei internationalen Hilfsorganisationen. Eine teils gut ausgebaute, teils sehr löchrige, teils überhaupt nicht vorhande Landstraße zog sich durch eine wunderschöne Landschaft. Vorbei an Dörfern, Ziegen- und Kamelherden. Mehrmals musste ich daran denken, dass diese Region am Horn von Afrika ein wunderbares Urlaubsziel sein könnte. Vielleicht eines Tages, man kann es nur hoffen.