Und dann lief ein weißes Kamel vorbei

Auf der Suche nach der Sandmalve.

Auf der Suche nach der Sandmalve.

So etwas ist mir auch noch nicht passiert. Da stehe ich im Schatten eines Baumes, führe ein Interview mit einer älteren Frau, irgendwo da draußen auf einem Feld außerhalb eines Dorfes und da läuft ganz gemächlich ein weißes Kamel vorbei. Das erlebt man wahrlich nicht alle Tage.

Das Interview war mit der Präsidentin einer Kleinspargruppe. Ja, auch so etwas gibt es im Niger und es hat sich bewährt. Anfang der 90er Jahre wurden diese „Sparvereine“ von CARE mit initiiert und unterstützen heute ganze Dörfer. Und unter dieser Bezeichnung sollte man sich nicht das deutsche Vereinswesen vorstellen, vielmehr einen Zusammenschluss von Frauen in so einer überschaubaren Ansiedlung irgendwo im Niger. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig, gerade in Krisenzeiten, wie es sie hier immer wieder und immer öfter gibt. Der Klimawandel macht sich hier deutlich bemerkbar, der Regen bleibt aus oder es regnet zu wenig. Früher war die Regenzeit drei Monate lang, heute regnet es vielleicht eine Woche, dann eine zweiwöchige Pause, der Boden trocknet aus, bevor es wieder schüttet. Das Ergebnis ist eine Ernte, die hinten und vorne nicht reicht. Die gemeinsamen Ertragsspeicher sind leer. Hier redet man ganz ungeschminkt von einer drohenden Hungerskatastrophe.

Eine Hütte unter der nigrischen Sonne.

Eine (meine?) Hütte unter der nigrischen Sonne.

CARE ist in dieser Gegend außerhalb von Maradi aktiv. Schon seit Jahrzehnten unterstützt man verschiedenste Projekte, meist mit dem Fokus auf Frauen und Mädchen. Auf einem Feld werden mir die Schwierigkeiten der Landwirtschaft gezeigt. Eine Pflanze, die von weidenden Tieren hierher in die Region eingeführt wurde, ist zum Problem für die Landwirtschaft und die Viehhaltung geworden. Ein paar Männer des Dorfes wollen mir die Sandmalve oder „Sida Cordifolia“ genauer zeigen. Durch prickeliges Gras, vorbei an Dornenbüschen marschieren wir los. Schließlich zeigen sie auf die „Problempflanze“, die hier nicht hingehört und wild wächst.

Zurück im Dorf sitzen wir mit den Frauen und den Männern unter einem Baum zusammen, der bei der drückenden Hitze etwas Schatten spendet. Sie berichten von ihren Erfahrungen mit der Spargruppe und von den Problemen durch den Klimawandel. Es wird in vier Sprachen gesprochen und gelacht: Hausa, Französisch, Englisch und Deutsch. Am Ende wird mir noch scherzhaft ein Zimmer aus Lehm und Hirseresten gemauert im Dorf angeboten, allerdings ohne Dach. Auch so ein Angebot bekommt man dann wohl nicht alle Tage.