Was steckt hinter der Gewalt?

In Ferguson brannten erneut Autos und Geschäfte.

In Ferguson brannten erneut Autos und Geschäfte.

In Ferguson, Missouri, erklärt die „Grand Jury“, dass der weiße Polizist Darren Wilson nicht für die tödlichen Schüsse auf den unbewaffneten 18jährigen Afro-Amerikaner Michael Brown angeklagt wird. In Ferguson und auch in Oakland stehen Protestierende auf der Straße, halten Plakate hoch, hören das Urteil, alles bleibt zunächst ruhig. Dann beginnt der Demonstrationszug durch Downtown Oakland zu marschieren. Alles ist noch friedlich, doch irgendwann kippt die Stimmung.

Oakland ist die Stadt, in der Oscar Grant von einem BART Polizisten erschossen wurde. Auch er war unbewaffnet, auch er ein Afro-Amerikaner, auch in dem Fall wurde der Todesschütze nicht wegen Mordes angeklagt. Oakland ist eine „schwarze“ und hochpolitische Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich hier viele Afro-Amerikaner aus dem Süden des Landes nieder. Der Hafen und die lokale Industrie boten Jobs. In Oakland wurde die Black Panther Partei gegründet, hier begann die „Free Speech“ Bewegung, Oakland ist eines der amerikanischen Zentren des Hip Hop.

Natürlich blickt man von hier aus genau hin, was in Ferguson oder in Sanford, Florida, im Trayvon Martin Fall, passierte. Eben nichts, zumindest kam das so an. Ein weißer Polizist schießt auf einen unbewaffneten Schwarzen. Mal wieder, ein Zeichen der Ungleichheit in den USA, des Rassismus, die ganze Geschichte dieses Landes wird neu aufgerollt.

Dass Schwarze in den USA noch immer nicht gleichberechtigt sind ist weitestgehend bekannt. Da helfen auch keine Gesetze und auch kein schwarzer Präsident. Eine tiefe, umfassende und vor allem ehrliche Debatte fehlt in den USA. Da wird immer wieder Martin Luther Kings „I have a dream“ Rede vorgezogen, an die Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren erinnert, auf die Politisierung und auch Radikalisierung der Afro-Amerikaner gezeigt. Es wurden in den letzten 50 Jahren viele Gesetze verabschiedet, um die geschichtlichen Schulden des weißen Amerikas zu begleichen. Viel geholfen hat es nicht. Da muß man ehrlich sein.

Von daher ist die Wut und der Zorn, das Desinteresse und die Gleichgültigkeit in den afro-amerikanischen und mittlerweile auch in den Latino Communities zu verstehen. Es ändert sich ja doch nichts. Doch warum bei solchen Protesten immer auch Läden und Autos angezündet, „Corner Stores“, kleine Nachbarschaftsläden, geplündert werden, das ist mir unbegreiflich. Hier in Oakland brannten Geschäfte, Autos wurden demoliert, Hunderte marschierten auf die Autobahn und behinderten für Stunden den Verkehr. Bis tief in die Nacht lieferten sich einige der Protestierer Straßenschlachten mit der Polizei. Was das für eine politische Message sein soll, was das mit Michael Brown, Oscar Grant, Trayvon Martin, mit Diskriminierung, Rassismus und Ungleichheit zu tun hat, verstehe ich nicht. Das politische Establishment, das verhasste „weiße Amerika“ blieb davon in der Nacht auf Dienstag zumindest unberührt.

„I just called to say…I’m not coming anymore“

Stevie Wonder kommt nicht mehr nach Florida. Das hat der Musiker bei einem Konzert im kanadischen Quebec erklärt. Grund dafür ist das Gesetz „Stand your ground“, das besagt, wenn man angegriffen wird, darf man sich verteidigen, auch mit einer Waffe, auch mit tödlichen Schüssen. Aufgrund dieses Gesetzes wurde am Samstag George Zimmerman freigesprochen, der im vergangenen Jahr den 17jährigen Afro-Amerikaner Trayvon Martin während einer Auseinandersetzung erschoss. Die Staatsanwaltschaft konnte nicht klar belegen, wer der Aggressor war, Zweifel bestanden, die Jury wollte Zimmerman nicht verurteilen, der erklärte, er habe sich nur verteidigt.

Seitdem diskutiert Amerika über eine rassistische Justiz, über Diskriminierungen von Schwarzen, über „Racial Profiling“, die gezielte polizeiliche Kontrolle aufgrund von rassischen Gründen. In Online-Foren, in Diskussionssendungen, auf der Straße beklagen sich junge Schwarze, dass sie von vornherein von der Polizei als Kriminelle gesehen werden. Sie würden öfters und stärker kontrolliert werden. Amerikas Polizeibehörden und Justizia sei auf einem Auge blind.

Nun bekommt die Debatte durch die Ankündigung von Stevie Wonder nochmal einen neuen Dreh. Er wolle in keinem Bundesstaat mehr auftreten, in dem so eine Gesetzgebung existiere. Ein junger Afro-Amerikaner sei Opfer genau dieser „Stand your ground“ Regel geworden. Stevie Wonder wird seinen Tourplan nun deutlich einschränken müssen, denn in mehr als der Hälfte der US Bundesstaaten sind solche Gesetze verankert. Doch Wonders Entscheidung stößt auf großes Interesse, abzuwarten ist nun, ob andere Musiker und Bands seinem Beispiel folgen werden. Diese „musikalische“ Abstimmung könnte schließlich Erfolg haben, dass ein fatales Gesetz wie „Stand your ground“ überarbeitet wird.

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Nazi-Aufmarsch in Florida

Ihre Webseite heisst www.nsm88.org. Und das steht ganz einfach und unverhohlen für „National Socialist Movement Heil Hitler“. Alles klar? Alles klar. Die Gruppe um den Kommandeur Jeff Schoep sieht sich selbst als „weiße Bürgerrechtsorganisation“. Der Hauptsitz ist in Detroit, doch die Freizeitnazis machen derzeit mehr durch Patrouillen in anderen Teilen der USA auf sich aufmerksam. An der US-mexikanischen Grenze in Arizona marschiert die NSM, um den illegalen Grenzübertritt von Mexikanern zu verhindern. Natürlich ist man als braune Militia im Kampf fürs Vaterland gut gerüstet mit Pistolen, Maschingewehren und allem, was der amerikanische Arier im Dienst des österreichischen Seitenscheitelträgers so braucht.

Nun kam die Gruppe wieder in die Schlagzeilen. Die NSM patrouilliert in den Straßen von Sanford in Florida, in jener Stadt, wo Ende Februar der junge Schwarze Trayvon Martin vom Blockwart George Zimmerman erschossen wurde. Seitdem die tödlichen Schüsse fielen, ist nichts mehr, wie es war in Sanford. Die afro-amerikanischen Bürgerrechtler Jesse Jackson und Al Sharpton führen eine nach der anderen Demo an. Die New Black Panther Party hat ein Kopfgeld von 10.000 Dollar für die Ergreifung Zimmermans ausgesetzt.

Und nun marschieren auch noch die schwer bewaffneten Sturmtruppen durch Sanford. Commander Schoep erklärt, dass sei nur zum Schutz der weißen Anwohner, denn die hätten Angst davor, dass ein Rassenkrieg auf ihren Straßen ausbrechen könnte und verweist auf vergangene Konflikte in Detroit und Los Angeles. Klar, rassistische Neo-Nazi Kampfgruppen mit dem Finger am Abzug werden sicherlich die Situation und die Gegend beruhigen. Ist klar, was anderes kann man sich auch gar nicht vorstellen. Interessant ist dabei, dass so ein Aufmarsch mit Schußwaffen in Florida ganz legal ist. Man kann also fast darauf warten, dass es zu einer weiteren Auseinandersetzung, wie auf dem NSM Video kommen wird. Auch das ist Amerika, ganz legal, toleriert und fast überall anzutreffen.

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Ist Amerika rassistisch?

Seit ein paar Wochen schon ist der Name Treyvon Martin in den Schlagzeilen. Der 17jährige wurde in Sanford, Florida, von einem ehrenamtlichen Nachbarschaftssheriff erschossen. Der Tathergang ist unklar. Der Todesschütze George Zimmerman beruft sich auf Notwehr, er sei angegriffen worden. Die Familie des Jungen und auch einige Beweise besagen was anderes.

Amerika steckt im Wahljahr 2012 tief in einer Diskussion über Rassismus, Gleichberechtigung und Bürgerrechte. Dazu ein aktueller Audiobericht:

Treyvon Martin