Fischhaut für den Bären

Ein Braunbär nach seiner Behandlung. Fotos: California Department of Fish and Wildlife.

Das „Thomas Fire“ in Ventura und Santa Barbara County war das größte Feuer in der Geschichte Kaliforniens. Gleich mehrere Städte waren in Gefahr und dazu brannten riesige Waldflächen im „Los Padres National Forest“, einem Naturschutzgebiet von nahezu 8000 Quadratkilometern. Als ich vor kurzem durch das abgebrannte Land fuhr erinnerte mich das, was ich da zu sehen bekam, an eine Mondlandschaft. Kein Baum, kein Strauch, kein Grün war mehr zu sehen. Kilometerweit, links und rechts des Highway 33, nur ausgebrannte, graue Erde. Ein Bild des Horrors.

Und gerade hier in dieser wilden Region leben unzählige von Tieren. Neben Rehen und Koyoten, Berglöwen, Braunbären, Klapperschlagen, viele Vogelarten, darunter Adler, Falken, Kondore. Sie alle habe ich schon im Laufe der Jahre in dieser beeindruckenden Berglandschaft zu sehen bekommen. Die Tiere waren in den letzten Jahren stark von der Dürre betroffen. Fehlender Niederschlag, ausgetrocknete Bäche führten dazu, dass immer mehr der Vierbeiner in die bewohnten Täler kamen. Es war nicht selten, dass ausgehungerte Braunbären für ein paar Tage in den Avocadobäumen im Ojai-Valley lebten.

Dann kam das Feuer, das sich mit rasender Geschwindigkeit durch die verdorrte Landschaft frass. Innerhalb von wenigen Sekunden wurden ganze Fussballfeld große Flächen vernichtet. Die Tiere flohen panisch aus den Bergen. Anwohner stellten Wannen mit Wasser nach draussen, um den flüchtenden Vierbeinern zu helfen. Viele verbrannten, etliche wurden mit starken Brandwunden gefunden und anschließend zu Tierärzten gebracht, die halfen wo sie helfen konnten. Die schlimmsten Fälle wurden in die Veterinärklinik der Universität in Davis gebracht, zu Spezialisten der Tierheilkunde.

So auch dieser Bär, dessen Pfoten ganz verbrannt waren. In Davis versuchte man neue Behandlungsmethoden an den Tieren aus. Fischhäute wurden auf die verbrannten Tatzen genäht, das ganze mit Reispapier umwickelt. Man nannte das „Sushi Rolls“. Da die betroffenen Bären und Berglöwen für die Wundbehandlung und regelmäßige Erneuerung der Verbände betäubt werden mussten, nutzte man die Zeit auch noch für Akkupunktur, Chiropraktik und „cold-laser“ Behandlungen. Mit Erfolg, die behandelten Tiere erholten sich und konnten bereits zurück in die Freiheit des „Los Padres National Forest“ entlassen werden.

Die Knastbrigade im Einsatz

Das „Thomas Fire“ in Ventura und Santa Barbara County ist zum größten in der Geschichte Kaliforniens geworden. Mehrere Tausend Feuerwehrleute hatten wochenlang die Flammen bekämpft, oftmals waren sie auf verlorenem Posten und konnten sich nur noch selbst in Sicherheit bringen. Die starken Santa Ana Winde trieben die Brände vor sich her. Innerhalb weniger Sekunden wurde da oftmals die Länge eine Fußballfeldes überwunden.

Einsatzkräfte des „California Department of Corrections“ an vorderster Front. Foto: Reuters.

Zum Einsatz kamen auch Häftlinge, die Teil einer etwas ungewöhnlichen Brigade sind. 3800 Gefangene in Kalifornien sind in 43 sogenannten “Conservation” oder “Fire Camps” im ganzen Bundesstaat untergebracht. Es ist eine relativ preisgünstige Möglichkeit, präventive Brandschutzmaßnahmen durchzuführen und gleichzeitig im Falle eines Grossfeuers mit einer geschulten Extracrew die Flammen zu bekämpfen. Die Häftlingseinheiten sind jederzeit abrufbar und einsetzbar.

Für den Dienst melden sich die Strafgefangenen freiwillig, danach werden sie von der Feuerwehr geschult, schlafen dann in kleinen Einheiten in der Wildnis, halten Feuerwege frei, schneiden Unterholz und sind im Brandfall sofort einsatzbereit. Bei den großen Feuern in Sonoma County und dem „Thomas Fire“ waren etwa 1700 Häftlinge an der vordersten Brandlinie im Einsatz, der Rest arbeitete zu. Die Gefangenen erhalten für ihren Einsatz pro Tag einen Dollar und je Stunde Einsatz einen weiteren Dollar. Das ist deutlich mehr, als sie im Gefängnis selbst verdienen können. Darüberhinaus werden sie in Teamfähigkeit und Führungsqualitäten geschult und bekommen auch deutlich besseres Essen in den Camps als hinter Gittern.

Melden können sich nur solche Gefangene, die nicht wegen Gewalttaten verurteilt wurden und auch keine Gangmitglieder waren oder sind. Sie werden in den Camps überwacht, aber nicht streng bewacht. Nur wenige Strafvollzugsbeamte sind Teil der „Fire Camps“. Den Häftlingen wird in diesen Camps eine sinnvolle Tätigkeit geboten und gleichzeitig der Gesellschaft gezeigt, dass Gefangene durchaus hilfreiche und verantwortungsbewusste Mitglieder der Allgemeinheit sein können. Dieses “Feuerwehr-Programm” für Gefangene gibt es bereits seit 1943 und hat sich über die Jahrzehnte bewährt. Gerade bei Großbränden, wie nun dem “Thomas Fire” nördlich von Los Angeles, waren die Häftlings-Crews wichtige Helfer für die hauptamtlichen Feuerwehren.

Für die Gefangenen sind die „Fire Camps“ durchaus attraktiv. Sie bekommen mehr Geld, sie sind im Freien und nicht hinter Mauern, es sind Teams, die sich verstehen müssen, auch mit den Strafvollzugsbeamten. Dazu lernen sie Fähigkeiten, die ihnen im Gefängnis nicht beigebracht werden können. Und ganz wichtig für viele, die sich diesem Feuerschutzprogramm anschliessen ist, dass sie dem oftmals brutalen Gefängnisalltag entfliehen können, in dem Gangs die Abläufe kontrollieren und bestimmen. Das alles fällt draussen in den Camps weg. Draussen arbeiten bedeutet auch einen ersten Schritt zurück in die Freiheit und die Gesellschaft zu tun.

Dieses Resozialisierungsprogramm, das den Gefangenen sicherlich viel abverlangt, aber der Gesellschaft viel bringt und Steuergelder einspart, kommt in der Bevölkerung gut an. Seit 75 Jahren gibt es dieses Gefangenen Brigaden schon, bislang kam es zu keinen großen Problemen oder Ausbruchsversuchen. Nach dem verheerenden Brandjahr in Kalifornien, wird sogar darüber nachgedacht, die Budgets der Feuerwehren aufzustocken. Darunter würde dann auch das Feuerwehr Programm für Strafgefangene fallen.

Es brennt weiter

Weit über 100.000 Hektar Land und 1000 Gebäude sind bereits verbrannt. Die Flammen in Ventura und Santa Barbara County sind gerade mal zu 55 Prozent unter Kontrolle. Zwei Menschen starben, darunter ein Feuerwehrmann. Das „Thomas Fire“ brennt seit dem 4. Dezember. Es war in der Nähe des “Thomas Aquinas College” (Thomas Fire) bei Santa Paula im Osten ausgebrochen.

Das Feuer ist zum zweitgrößten in der Geschichte des Bundesstaates angewachsen und könnte noch zum größten werden. Nach wie vor kämpfen Tausende von Feuerwehrleuten gegen die Flammen. Am heutigen Donnerstag werden erneut starke Santa Ana Winde von bis zu 90 Stundenkilometern erwartet, die die Brände wie ein Fön anfachen, sich drehen und die Flammen damit vor sich her treiben.

Weite Teile der Region sind total abgebrannt. Im „Los Padres National Forrest“ sieht man nur noch schwarze Erde. Die Kleinstadt Ojai wurde von den Rettungseinheiten als „Doughnut“ bezeichnet, sie überlebte, aber alles drum herum brannte ab. Der Tourismus und die lokale Wirtschaft sind total eingebrochen. Gerade viele Arbeitnehmer in der Serviceindustrie und der Landwirtschaft haben ihre Jobs verloren. Wie es weitergehen soll, weiss derzeit noch niemand.

Kalifornien wurde in diesem Jahr massiv von Feuern getroffen. Erst im Oktober wütete eine Feuerwalze in Sonoma und Napa County, bewegte sich durch die Kleinstadt Santa Rosa. Das „Tubbs Fire“ traf die berühmte Weingegend des Bundesstaates mit voller Härte. Und nun seit mehr als 17 Tagen brennt Südkalifornien. Normalweise sind die Santa Ana Winde ein paar Tage lang ein Problem, doch in diesem Jahr sind sie besonders heftig und andauernd. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown erklärte, die immer größer und intensiver werdenden Brände werden zu einer Realität für Kalifornien. Sie seien ein deutliches Zeichen für den Klimawandel, wer dies, wie der Präsident der Vereinigten Staaten, nicht wahrhaben wolle, begehe einen gewaltigen Fehler und versündige sich an zukünftigen Generationen.

Kalifornisches Schmierentheater

Ein mit Öl verklebter Pelikan wird am Strand von Goleta von einem Helfer eingesammelt.

Ein ölverklebter Pelikan wird von einem Helfer eingesammelt.

Fast 400.000 Liter Öl flossen am Dienstag aus einer Pipeline in Santa Barbara County. Einer der schönsten Strände in Kalifornien ist schwarz, klebrig, stinkend. Tote Fische und Vögel werden angeschwemmt, Helfer sammeln mit Öl verklebte Seevögel ein, um sie aufwendig zu reinigen. Von den Delfinen und Walen, die hier im Meer zu finden sind, redet kaum jemand. Die Channel Islands vor der Küste sind ein einzigartiges Naturschutzgebiet, auch das ist nun gefährdet. Bis Donnerstagabend wurden gerade mal 30.000 Liter Öl gebunden. Der Gesamtschaden ist noch gar nicht abzusehen. Das texanische Pipeline Unternehmen hüllt sich derzeit in Schweigen, klar ist, es gab in den letzten Jahren mehrere Unfälle und Zwischenfälle an den Rohren und Pumpstationen der Firma. Ein Schmierentheater der besonderen Art. Gouverneur Jerry Brown hat den Notstand für den County ausgerufen, um so mehr Hilfsgelder zur Verfügung stellen zu können. Mehrere Behörden arbeiten nun rund um die Uhr, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen, wenn das überhaupt möglich ist.

Ich kenne die Gegend sehr gut, bin dort oft genug mit dem Kayak im Wasser, laufe am Strand entlang, beobachte die in Reihenformation knapp über die Wellen gleitenden Pelikane, die hin und her ziehenden Delfine. Die Bilder des Ölteppichs auf dem Wasser und am Strand vor Goleta sind erschreckend. Und alles treibt Richtung Süden auf Ventura zu und raus aufs Meer in eines der wichtigen Rückzugsgebiete für migrierende Wale. Es ist nicht oft, dass ich sprachlos bin, aber bei diesen Eindrücken fehlen mir die Worte.

Genug Wasser ist doch da

Die Filter wurden nach Saudi Arabien verkauft, die Anlage ist zum Teil verrostet. 23 Jahre lang lag die Entsalzungsanlage im kalifornischen Santa Barbara eingemottet am Strand. Ende der 80er Jahre wurde die Anlage für 34 Millionen Dollar gebaut, es herrschte eine Dürre. Doch dann kam der Regen und die Pumpen wurden abgeschaltet. Die Produktion von Trinkwasser war so einfach zu teuer.

In Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Im kalifornischen Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Nun sieht es wieder ganz anders aus. Kalifornien geht ins vierte Dürrejahr, so schlimm wie heute war es noch nie. Und der Stadtrat von Santa Barbara will die alte Anlage wieder hochfahren. 40 Millionen Dollar sollen dafür veranschlagt werden, damit will man aus der Krise kommen. Die zwei großen Reservoirs rund um Santa Barbara sind nur zu 30 Prozent gefüllt. Die Bürger der Stadt hatten zwar im letzten Jahr etwa 23 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart, doch das nutzte nicht viel. Der Wasserpegel sinkt weiter.

Umweltschützer sind entsetzt, denn durch die gewaltigen Röhren wird nicht nur das Wasser aus dem Meer abgepumpt. Fische, Kleintiere, Plankton werden ebenfalls in die Rohre gezogen. Der Schaden sei für das fragile Ökosystem nicht absehbar, beklagen sie. Santa Barbara ist nicht die einzige Stadt und Gemeinde in Kalifornien, die Entsalzungsanlagen eröffnen will. Für eine Milliarde Dollar wird in Carlsbad, nördlich von San Diego, die größte Entsalzungsanlage Nordamerikas gebaut. Dort sollen dann täglich fast 190 Millionen Liter Wasser entsalzt werden. Auch in San Luis Obispo County und in Monterey County sollen solche Anlagen entstehen.

Es ist ein teures Unterfangen, was sich am Ende nicht auszahlen wird. Denn bislang wurde nicht alles unternommen, um Wasser im Sonnenstaat einzusparen. Diese Diskussion beginnt erst jetzt und ganz langsam, gerade auch, weil Gouverneur Jerry Brown vor wenigen Tagen den Wassernotstand ausgerufen und verlangt hat, dass die Gemeinden in diesem Jahr 25 Prozent ihres Wasserhaushalts einsparen müssen. Wie, das ist nicht offen. Die Entsalzungsanlagen können nur auf lokaler Ebene etwas Abhilfe schaffen, für die Bewässerungsanlagen in den riesigen landwirtschaftlichen Betrieben im Central Valley sind sie keine Lösung. Es wäre zu teuer, das Wasser so herzustellen und dann mit gewaltigen Pumpanlagen über die Berge ins Central Valley zu schaffen.

Doch die Diskussion um die Wiederaufnahme der Entsalzung in Kalifornien zeigt, dass etwas im Umbruch ist. Der Notstand ist nun überall zu spüren, man versucht neue Wege zu gehen. Doch wie beim Fracking und bei der Ölgewinnung in Nationalparks wird der falsche Weg eingeschlagen. Es muß hier mehr Öl, dort mehr Wasser her, um den Durst der Amerikaner zu stillen. Doch Entsalzungsanlagen täuschen eigentlich nur über das eigentliche Problem hinweg: Kalifornien verbraucht zu viel Wasser.

Ein Schuß in den Ofen

Der Amoklauf von Isla Vista mit sieben Toten und 13 zum Teil Schwerverletzten ruft die Waffengegner auf den Plan. In Kalifornien wurde im Eilschritt eine Gesetzesinitiative eingebracht, die Angehörigen und der Polizei mehr Rechte einräumen sollen. Wenn jemand auffällig ist, sollen die Behörden die Möglichkeit haben Schußwaffen im Besitz der Person zu beschlagnahmen. Dieses Gesetz ist eine Antwort auf das, was am Freitagabend in der kleinen Strandgemeinde bei Santa Barbara passierte. Und es ist eine Initiative, die für die Katz‘ ist. Sie wird rein gar nichts bringen.

Elliot Rodger

Elliot Rodger

Heute lief ein Interview auf KQED mit der demokratischen Abgeordneten Nancy Skinner, die diesen Gesetzestext schrieb und einem Waffenbefürworter, Robert Farago. Und letzterer machte für mich mehr Sinn, als der Schnellschuß in den Ofen, der in Sacramento formuliert wurde. Denn Elliot Rodger hatte zuerst drei Menschen mit einem Messer erstochen, danach auf seiner Autofahrt gezielt Passanten mit seinem BMW angefahren und nebenbei auch noch geballert. Etwas zynisch fragte Farago, ob man denn per Gesetz vorschreiben möchte, einem Auffälligen auch Messer und Autoschlüssel wegzunehmen.

Elliot Rodger, wie ich bereits in einem früheren Blogeintrag vermerkte, ist kein gutes Beispiel dafür, dass strengere Gesetze in Zukunft irrsinnige Amokläufe wie seinen verhindern könnten. Der 22jährige hatte massive mentale Probleme, die erst spät erkannt und dann nicht beachtet wurden. Rodger wollte töten, auch ohne seine Schußwaffen richtete er Unschuldige hin.

Kalifornien ist der Bundesstaat mit den strengsten Waffengesetzen. Schon jetzt haben Polizei und Behörden Möglichkeiten, bei auffallendem Verhalten Waffen zu beschlagnahmen und ein Verbot des Waffenbesitzes für einen längeren Zeitraum auszusprechen. Was bei dieser Bluttat mehr heraussticht als der einfache Zugang zu Schußwaffen ist die Tatsache, dass ein sichtlich gestörter junger Mann, der damit auch nicht hinterm Berg hielt und Dutzende von Videos veröffentlichte, von einem „mental health system“ außen vor gelassen wurde. Nancy Skinner mußte in dem Interview zugeben, dass gerade in diesem Bereich in jüngster Zeit finanzielle Mittel eingespart wurden. Warum? Die Frage ist auch, warum die Eltern nicht weiter Druck ausübten, nachdem die Polizei Elliot Rodger besuchte und ihn als „höflich“ und „schüchtern“, aber nicht als Gefahr einstufte?

Die Waffengegner in den USA leisten sich gerade einen Bärendienst, wenn sie diesen Amoklauf als Anlaß nehmen, um die Waffenflut in den USA unter Kontrolle zu bringen. Die Flut ist schon lange nicht mehr einzudämmen. Die allgemeine Kriminalitätsrate in den USA ist gefallen, allerdings ist die Anzahl von Amokläufen in jüngster Zeit gestiegen. Das sollte zu denken geben. Amerika ohne Waffen ist ein schöner Traum, der nie umgesetzt werden wird und kann. Man sollte nun vielmehr daran gehen, ein System zu schaffen, dass solche Wahnsinnstaten vom Freitag verhindern kann. Darin sollte Geld und Energie investiert werden, nicht in „feel good“ Gesetzesinitiativen.

Es wird sich nichts ändern

Amoklauf Isla Vista     

Eine Schießerei folgt auf die andere. Ein Amoklauf auf den anderen. Jedes Jahr werden in den USA fast 15.000 Menschen erschossen. Jahr für Jahr. Amerika hat ein Waffenproblem. Das ist nichts neues. Daran hat auch ein Amoklauf wie im Dezember 2012 nichts geändert, als 28 Menschen, darunter 20 Kleinkinder, in der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut erschossen wurden. Seitdem, also in den letzten 17 Monaten, wurden in den USA 72 (!) Schießereien in Schulen und an Universitäten gezählt. Es war nicht immer ein Amoklauf, aber Waffen wurden gezogen, es wurde geballert, es gab Tote und Verletzte. Amerika handelte nicht nach den Morden an Kleinkindern, Amerika handelte seitdem nicht und Amerika wird auch nun nicht handeln.

Elliot Rodger nahm sein Grundrecht auf Waffenbesitz in den USA wahr. Er kaufte sich ganz legal und in einem Laden zwei Pistolen der Marke Sig Sauer, Model, p226 und eine Glock 34. Dazu Unmengen an Munition. Und das in einem Bundesstaat, der die schärfsten Waffengesetze in den USA verankert hat. Rodger war auf einen Krieg vorbereitet, einen persönlichen Rachefeldzug, wie er es sah. Denn Mädchen und Frauen hatten ihn nicht beachtet. Auf junge Männer, die Freundinnen hatten, war er neidisch. Elliot Rodger veröffentlichte Videos auf YouTube, schrieb ein längeres Manifest, in dem er „sein Leben“ beschrieb, „My Twisted World“. Ein junger Mann, der alle Möglichkeiten hatte, der jedoch voller Komplexe und Minderwertigkeitsgefühle steckte. Das Ende seines Schreibens liest sich wie der Anfang vom Ende:

„Why do things have to be this way? I’m sure that is the question everyone will be asking after the Day of Retribution is over. They will all be asking why. Indeed, why? That is the question I’ve had for everyone throughout all my years of suffering. Why was I condemned to live a life of misery and worthlessness while other men were able to experience the pleasures of sex and love with women? Why do things have to be this way? I ask all of you.

All I ever wanted was to love women, and in turn to be loved by them back. Their behavior towards me has only earned my hatred, and rightfully so! I am the true victim in all of this. I am the good guy.
Humanity struck at me first by condemning me to experience so much suffering. I didn’t ask for this. I didn’t want this. I didn’t start this war… I wasn’t the one who struck first… But I will finish it by striking back. I will punish everyone.
And it will be beautiful. Finally, at long last, I can show the world my true worth.“

“A spoiled rich white brat”

Die Kommentare unter Onlineartikeln und in verschiedenen Social Networks reichen von Trauer, Unverständnis, bis hin zu Wut und Häme. Elliot Rodger hatte alles und machte andere für seine Minderwertigkeitsgefühle und Depressionen verantwortlich. Als Sohn eines Hollywoodproduzenten und einer Schauspielerin, mit Geld und eigenem BMW, einem Studium, mit Möglichkeiten im Leben, er verbaute sich das Leben selbst. Beendete alles mit seinem Amoklauf am Freitagabend, der sieben Menschen das Leben kostete und 13 Personen verletzte. Im Rückblick deutet vieles im Leben des 22jährigen auf ein dramatisches Ende hin, doch die Zeichen wurden nicht erkannt. Warum auch immer.

Zuerst erstach er am Freitagabend drei junge Männer in seiner Wohnung, bevor er in seinem Hass auf Frauen zum Haus der Studentenverbindung Alpha Phi fuhr, dort laut an die Tür klopfte, doch niemand öffnete. Drei junge Frauen, die zufällig in der Nähe standen, wurden sein Ziel und seine Opfer. Zwei starben im Kugelhagel, die andere ließ er in ihrem Blut liegen. Elliot Rodger setzte sich in seinen BMW und fuhr los. Das Ziel, ein kleiner Eckladen. Dort stieß er auf den 20jährigen UCSB Studenten Michael Martinez. Auch er mußte sterben. Wieder setzte sich Rodger in seinen Wagen und raste durch die „Beach Community“ Isla Vista, schoß wahllos auf Passanten und versuchte andere mit seinem Auto zu überfahren. Zweimal feuerte auf Polizisten, die ihn mittlerweile verfolgten. Die ballerten zurück, verletzten den 22jährigen an der Hüfte. Schließlich und endlich rammte Elliot Rodger einen parkenden Wagen und erschoß sich selbst, so die Angaben der Polizei. In seinem Auto wurden drei semi-automatische Waffen mit mehr als 400 Schuß Munition gefunden. Rodger hatte sich auf einen Krieg vorbereitet.

7 Menschen sind tot, 13 Verletzte, eine Gemeinde im Schock. Und jeder kennt nun Elliot Rodger. Die Familie hatte Ende April die Polizei alarmiert aus Angst vor einem Selbstmord oder einer Gewalttat. Sie hatten die verstörenden Videos ihres Sohnes auf YouTube gefunden und gesehen. Beamte besuchten Elliot Rodger in seinem Apartment und redeten mit ihm. Er sei schüchtern und höflich gewesen, so der Bericht der Polizei. Er habe zwar Probleme sich ins soziale Leben der Studentengemeinde einzufügen, aber man sehe keinen Bedarf ihn unter ärztliche Überwachung zu stellen. In einem Video erklärte Elliot Rodger anschließend: „Wenn sie verlangt hätten, mein Zimmer zu durchsuchen…das hätte alles beendet. Für ein paar schreckliche Sekunden dachte ich, jetzt sei alles vorbei“. In seinem Zimmer lagen die drei Tatwaffen und die Munition, die er am Freitagabend verschoß.

Kaliforniens Spaltung

Wenn es nach Supervisor Jeff Stone aus Riverside County geht, dann wird es schon bald zwei Kalifornien geben. Einen Nordteil und einen Südteil. Stone meint, die Counties (Bezirke) Riverside, Imperial, San Diego, Orange, San Bernardino, Kings, Kern, Fresno, Tulare, Inyo, Madera, Mariposa und Mono sollten sich zu einem Bundesstaat zusammen schließen und sich unabhängig erklären (Siehe Karte). Nicht einbezogen wären Los Angeles County und nördlich davon Ventura und Santa Barbara.

Der Supervisor kritisiert schon seit längerem, dass gerade diese südöstlichen Bezirke im Bundesstaat nicht richtig repräsentiert werden. Sie sind eher ländlich, konservativer und würden in der liberalen Politik Kaliforniens untergehen und nur selten beachtet werden. Jeff Stone ist überzeugt davon, dass eine Spaltung politisch Sinn machen würde. Doch selbst wenn jeder Wähler in den einbezogenen Bezirken dafür stimmen würde, müßte auch noch das kalifornische Abgeordnetenhaus einwilligen, was derzeit eher unwahrscheinlich ist.

Die letzte Teilung eines amerikanischen Bundesstaates ist auch schon eine Weile her. Während des Bürgerkrieges spaltete sich 1863 West-Virginia von Virginia ab. Gefragt, was Gouverneur Jerry Brown von dieser Initiative halte, antwortete dessen Sprecher Gil Duran: „Eine Abspaltungsbewegung? Was ist das hier, 1860?“

Aussichtslos scheint der Kampf jedoch nicht zu sein. Schon seit langem wird immer wieder darüber nachgedacht, ob sich Kalifornien ganz von den USA lösen oder ob sich der Staat spalten sollte. 1941 war man sogar fast erfolgreich. Damals versuchten einige Bezirke im Norden Kaliforniens und im Süden Oregons einen neuen, den damals 49. Bundesstaat Jefferson zu gründen (Hawaii und Alaska waren noch keine Bundesstaaten). Die Bürger waren dafür, alles sah nach einem Sieg für Jefferson aus. Doch als es zur Abstimmung kommen sollte, griffen die Japaner Pearl Harbor an und alle Pläne einer Neugründung wurden auf Eis gelegt.

du-du, du-Du, Du-Du…

Great White beim Wellenreiten…so ging doch in etwa die bekannte Melodie aus dem „Weissen Hai“. Es ist mal wieder so weit, die weissen Haie sind auf Partnersuche und treiben sich vor der Küste Kaliforniens rum. Der „National Park Service“ hat erneut die jährliche Warnung rausgegeben.  Das Rumgebalze im Salzwasser macht hungrig und die Jagd auf Seelöwen hat damit auch begonnen. Nur zu dumm, dass Haie immer mal wieder Surfbretter für leckerschmecker Seehunde halten.

Jedes Jahr werden Surfer und auch Schwimmer an bestimmten Stränden angegriffen. Gerade die Santa Barbara/Ventura  und die Point Reyes/Stinson Beach Gegenden sind beliebte Jagdreviere für die weissen Haie. Jeden Sommer kommt es in den Gegenden zur Schliessung ganzer Strände, wenn mal wieder ein Hai jemanden angegriffen oder angeknabbert hat. Das liegt an den vorliegenden Inselgruppen. Im Süden die Channel Islands, im Norden die Farallon Islands. Dort tummeln sich die „Great Whites“ vor allem rum. Und manchmal zieht es sie eben auch für einen Imbiss in die seichteren Gewässer Richtung Strand.