Alles glaubt er dann doch nicht

Der Vater von Senator Ted Cruz war an dem Attentat von John F. Kennedy beteiligt. Präsident Barack Obama wurde nicht in den USA geboren und hat seine Geburtsurkunde gefälscht. Der Verfassungsrichter Antonin Scalia wurde ermordet. Impfungen führen zu Autismus. Der Klimawandel ist ein Schwindel. Die „Access Hollywood“ Aufnahmen, auf denen zu hören ist „grab ‚em by the pussy“ sind manipuliert. Obama hat Trump im Trump Tower abgehört. Millionen illegale Wähler stimmten für Hillary Clinton. Demokraten haben die Todeszahlen nach dem Hurricane auf Puerto Rico gefälscht. Moslems in New Jersey haben nach den Terroranschlägen des 11. Septembers freudig auf den Dächern gefeiert.

Das sind nur einige der vielen Verschwörungstheorien, an die Donald Trump glaubt und die er bereitwillig mit seinen Anhängern und vor laufenden Fernsehkameras teilt. Aber Trump glaubt nicht daran, dass am Nordpol, umgeben von Elfen, ein alter Mann mit weißem Rauschebart lebt, der mit fliegenden Rentieren an Weihnachten die Kinder dieser Welt beschenkt, dabei durch die Schornsteine klettert und bereitgestellte Plätzchen isst und ein Glas Milch trinkt.

Mit sieben Jahren sollte man nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben. Foto: Reuters.

Das zumindest machte der Präsident deutlich, als er am Heiligabend mit der siebenjährigen Collman Lloyd telefonierte, die die Telefonnummer des amerikanischen Militärs gewählt hatte, über die Jahr für Jahr der Flug von „Santa Claus“ verfolgt wird. Trump fragte: „Glaubst Du denn noch an den Weihnachtsmann?“ „Yes, Sir“, antwortete das Mädchen. „Das ist aber mit sieben Jahren schon grenzwertig“, meinte daraufhin Trump.

Stimmt, an einen Fremden mit Rauschebart, der ohne Grenzkontrolle in der Nacht einfach so in die USA kommt, um dann auch noch Geschenke an Kinder zu verteilen, daran sollte man wahrlich nicht glauben. Das geht ja gar nicht, da könnte ja jeder hergelaufene Migrant behaupten, er oder sie sei „Santa Claus“ und somit einen Passierschein bekommen. Wer, wie Trump, für Mauern und strengere Grenzkontrollen plädiert, der darf sicherlich nicht auch daran glauben, dass da einer ohne Ausweispapiere, ohne Visa, ohne Kontrolle und dazu noch mit langem Bart, einem vollen Sack (Was ist da drin? Bestimmt Drogen, Krankheiten, Schmuggelware) und mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Luft saust. Zumindest hat die siebenjährige Collman Lloyd eine wichtige Lektion an diesem Heiligabend gelernt, Verschwörungstheoretiker glauben auch nicht (mehr) alles, was ihnen da so erzählt wird.

 

 

Der Weihnachtsmann ist (nicht) schwarz

Alle Jahre wieder erlebt Amerika seinen Kulturk(r)ampf. Fundamentale Christen wehren sich gegen die Tendenz nur noch „Happy Holidays“, also „Frohe Feiertage“ zu wünschen. Dezemberzeit ist Weihnachtszeit. Punkt. Also sollte man auch „Merry Christmas“, „Frohe Weihnachten“ sagen. Kann man doch machen wie man will, denkt man sich, warum sollte man auch als Jude, Moslem, Hindu, Buddhist oder Nicht-Gläubiger „Frohe Weihnachten“ wünschen. Egal, sagen die christlichen Fundamentalisten im Land, Amerika wurde von Christen gegründet (!)…also, Frohe Weihnachten! Wer da nicht mitmacht, welche Geschäfte und Unternehmen ihren Kunden nur noch „Happy Holidays“ wünschen, die soll man doch bitteschön boykottieren.

Und alle Jahre wieder gibt es auch die Debatte, warum das Jesuskind und der Weihnachtsmann eigentlich weiß sind. Zumindest in den Darstellungen, die wir alle kennen. Das kleine Jesuskind in der Krippe, der rauschebärtige Weihnachsmann mit breitem Lächlen. Ho Ho Ho. Eigentlich müssten beide ja eher dunkelhäutig sein, wenn man bedenkt, woher sie eigentlich stammen. Doch das hielt einige FOXNews Moderatoren kürzlich nicht davon ab, die „geschichtsfälschenden Behauptungen“, Jesus und Santa seien nicht weiß, in ihren Sendungen zu kritisieren. Klar, es ist ja auch bewiesen, dass der Weihnachtsmann am Nordpol wohnt und mit seinen Rentieren die lange Reise an Heiligabend um die Welt antritt.

Jon Stewart griff nun diese Steilvorlage in seiner vielgesehenen und vielbeachteten Comedy Central Sendung „The Daily Show“ auf. Er hatte seinen Spaß mit diesem alljährlichen Klamauk. Ob „Merry Christmas“ oder „Happy Holidays“, ob Jesus und Santas Claus weiß oder dunkelhäutig waren, ist doch eigentlich nebensächlich. Wichtig ist doch die eigentliche Weihnachtsbotschaft, doch die scheint beim Hetzsender FOX irgendwie verloren gegangen zu sein. Fehlt nur noch, dass irgendwie in diese Debatte auch noch Obamacare mit hinein geredet wird. Aber alles ist möglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

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„Merry Christmas“ aus Nordkalifornien

Weihnachten am Golden Gate:

Christmas in San Francisco     

Union Square in der Adventszeit

Weihnachtsmann ist arbeitslos

John Toomey war 20 Jahre lang der Weihnachtsmann im Macy’s Kaufhaus in San Francisco. Mit seinem runden Bauch, seinem langen weißen Bart und seinem tiefen „Ho Ho Ho“ war er wie geschaffen für diesen Job. Toomey war bekannt, von nah und fern kamen die kleinen und großen Weihnachtsmannfreunde, um sich mit ihm ablichten zu lassen.

Doch nun ist Schluß. Macy’s hat dem Santa John fristlos gekündigt, nachdem sich ein Ehepaar über einen leicht anzüglichen Kommentar von Toomey beschwerte. Eigentlich war es nichts schlimmes, und John Toomey hat das gleiche schon seit Jahren zu Hunderten von Erwachsenen gesagt, doch dieses Ehepaar verstand wohl gar keinen Spaß, wenn es um Weihnachten geht. John Toomey

„Ich frage die Erwachsenen immer, die sich auf meinen Schoß setzen, ob sie denn auch brav waren. Und wenn sie dann „Ja“ sagen, antworte ich „das ist aber schade“. Dann frage ich sie, ob sie wissen, warum ich immer so fröhlich bin. Nein? Weil ich eben weiss, wo die schlimmen Jungen  und Mädchen leben…Ho Ho Ho“.

Das war alles, nun ist der 67jährige seinen Job los. Und Macy’s steht ohne einen beliebten Weihnachtsmann da, der Jahr für Jahr seine festen Besucher hatte. Viele Kunden waren schlichtweg sauer über die Kündigung, wer keinen Spaß verstehe, solle sich nicht auf Santas Schoß setzen, meinten viele. Und John Toomey, der versteht die Welt nicht mehr aber seine Geschichte hat schon die Runde in San Francisco gemacht. Ein Restaurant am Union Square hat ihm bereits einen neuen Job angeboten, bei doppeltem Gehalt.

Weihnachtsmänner sind verschnupft

Santa ClausNun beginnt die heisse Phase des Weihnachtsmannberufs. Dutzende und Hunderte von Kinder werden jeden Tag in die amerikanischen Einkaufszentren pilgern, um dem langbärtigen Santa ihre Weihnachtswünsche mitzuteilen. Viele davon werden auf dem Schoss des rot Gekleideten sitzen. Doch nun im Zeitalter der Schweinegrippe haben die Weihnachtsmänner richtig Muffensauen. Nix mit Friede, Freude, Eierkuchen. Die Organisation der amerikanischen Santa Claus‘ verlangen jetzt, dass sie ganz nach vorne auf die Liste der zu Impfenden kommen. Und die Forderung scheint Gehör in Washington zu finden. Gleich mehrere Abgeordnete haben versprochen, sich dem Anliegen anzunehmen und es prüfen zu lassen.

Auch fordern sie ihre Mitglieder auf, keine Handschuhe zu tragen, vor und mit den Kindern die Hände zu desinfizieren und auch den roten Anzug mehrmals in den kommenden Wochen zu waschen. Was sicherlich für Tränen sorgen wird ist, dass den Weihnachtsmännern auch empfohlen wird, offensichtlich kranke Kinder abzuweisen und den Eltern klar zu machen, dass mit einer Rotznase der Spass aufhört.