Der Tod in Juarez

Dieser Monat ist der bislang tödlichste in Ciudad Juarez, seitdem der offene Straßenkrieg zweier Drogenkartelle im Januar 2008 begann. Rund 200 Menschen starben bereits im Juni, 60 alleine in der letzten Woche. Die Gewaltspirale dreht sich immer schneller.

juarezIm Januar war ich in Juarez, konnte mich einigermassen frei und alleine in der Stadt bewegen. Doch nun soll auch das nicht mehr möglich sein. Immer öfters und immer brutaler finden die Schiessereien zwischen den Drogengangs nun auch auf offener Strasse im Downtown Bereich von Juarez  statt. Und der liegt gleich hinter der Santa Fe Bridge, die El Paso mit Juarez verbindet.

Juarez ist wie Tijuana ein Knotenpunkt für den Drogenhandel in die USA. Die Nachbarstadt von El Paso gilt als das „Goldene Dreieck“. Wer es kontrolliert, kontrolliert den Fluss der Drogen in die Vereinigten Staaten von Amerika, ein Hunderte von Millionen Dollar lukratives Geschäft. Im NZ Interview meinte der Bürgermeister von Juarez, José Reyes Ferriz, dass die Situation noch eskalieren wird, bevor sie sich bessert. Man sei jedoch auf dem richtigen Weg. Doch bislang ist auch nur der Ansatz einer Besserung in Juarez nicht erkennbar. Polizei und Militär sind präsent auf den Straßen der Stadt, doch das hat bislang wenig zur Befriedung beigetragen. Ganz im Gegenteil. Wurden im Januar noch zehn Morde pro Tag notiert, sind es jetzt schon nahezu doppelt so viele. Juarez versinkt in einem Blutbad

Juarez versinkt im Blutbad

JuarezDie Spirale dreht sich weiter. In Juarez, Mexiko, wurden am Samstag eine Amerikanerin, die dort für das US Konsulat arbeitet, ihr Mann und ein mexikanischer Angestellter des Konsulats ermordet. Die 35jährige Lesley Enriquez und ihr 34jähriger Mann Arthur Redelfs waren mit ihrem Baby im Auto kurz vor der Santa Fe Brücke, als die tödlichen Schüsse fielen. Enriquez wurde im Kopf getroffen, ihr Mann im Nacken. Beide verstarben noch am Tatort. Das Baby auf dem Rücksitz blieb unverletzt.

Das Bild zeigt den Tatort, unmittelbar an der Santa Fe Bridge. Links davon ist bereits das ausgetrocknete Flussbett des Rio Grande, auf der anderen Seite, also keine 50 Meter entfernt steht immer ein amerikanischer Border Patrol Agent. Dieser muss am Samstagnachmittag wohl hilflos mitangesehen haben, wie die beiden Amerikaner erschossen wurden

Zehn Minuten zuvor wurde Jorge Alberto Salcido Ceniceros erschossen, der im US Konsulat als Lokalkraft angestellt war. Seine beiden Kinder im Wagen wurden schwer verwundet. Enriquez, Redelfs und Ceniceros waren zuvor auf derselben Veranstaltung.

Präsident Obama, Präsident Calderon und Aussenministerin Clinton zeigten sich geschockt von dem Zwischenfall und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Über den Mord an den Amerikanern wurde in den US Medien gross berichtet. Damit ist die Situation in Juarez seit langem mal wieder in den amerikanischen Schlagzeilen. Seit Januar 2008 wurden nahezu 5000 Menschen in der Grenzstadt gegenüber El Paso ermordet.